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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-02 · Heft 18 (2.5.1919) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 18 (2.5.1919)
Date
1919-05-02
Page
Seite 186 (sequence 6)
Language
German
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des Menschen kündete. Hier galt nicht die gefällige Produktion klingender Töne, sondern das Erleben des geistigen Gehaltes und dadurch eine prachtvolle Verbindung von Wort und dazu passendem Ton. Lb die Gemeinde groß war oder sich nur eine kleine Anzahl versammelt hatte, jeder Gottesdienst, dem er ^Vorstand, atmete eine unnachahmliche Würde. war z. Bseine Thoravorlesung eine mustergültige Leistung, und wenn er in der Alten Synagoge den Jom- K'ipPur-koton-Gottesdienst verrichtete, war Herz und Seele erschüttert von dem Vortrag des „Ribaun schel aulom". 28 Jahre hat er in Treue seines heiligen Amtes gewaltet, geschätzt und hochgeachtet von seiner großen Gemeinde und deren Verwaltung. Er war ein treuer und lieber Amtsgenosse, der sich große Verdienste um das soziale Hilfswerk der Kantoren erwarb. Noch in hohem Greisenalter bekundete er lebhafte Teilnahme an diesem Werk- Er liebte keine tönenden Lobeshymnen und war doch der Verdienstvollen einer. Mit ihm ist einer der letzten großen Kantoren aus vergangener Zeit entschwunden, die einen wesentlichen Anteil an der kulturellen Neugestaltung des jüdischen Gottesdienstes hatten. Sein Andenken wird seiner bedeutenden Wirksamkeit entsprechen. Magnus D a v i d s o h n , Berlin. Mitglikdrrmrssmmlung des tzliksverkins drr DrutfchknIuden inLerlin. nt Sonnt aß, 27. April, fand im Logenhans der Berliner Logen U. O. B. B. unter Borsitz des Herrn Dr. James S i m o n die ordentliche Mitgliederversammlung des Hilf s v e rein s der Deutschen Juden statt. Ter Vorsitzende bemerkte einleitend, daß sich seit der letzten Generalversammlung das millionenfache Leid der Welt noch gesteigert habe, daß Deutschland schwer davon getroffen sei und die Zukunsts- Rantor Abraham Rosenthal gest 7. April 1919. politischer Schwierigkeiten ins Stocken geraten war, mußte er seine Tätigkeit besonders diesen Gebieten zuwenden: in erster Linie Zur Linderung unmittelbarer Notstände, zur Milderung der Not der Flüchtlinge, die aus den: Sowjetrußland zurückströmten, und Zur menschenwürdigen Unterbringung der zahlreichen hilflosen Waisenkinder, sodann zur Unterstützung von allgemeinen Wohlf-ahrts-, kulturellen und religiösen Institutionen. Es wurden u. a. verwandt für Riga 20 000 Mark, für Dünaburg, wo die Flüchtlingsscharen und Rückwanderer sich massierten, 20 000 Mark, für Wilna 102 450 Mark und für Waisenkinder daselbst 15 000 Mark, zusammen also, 117 450 Mark, für das übrige Litauen noch 70 000 Mark. Auch im Berichtsjahr hat der Hilfsverein, soweit es bei den gesperrten Verbindungen noch angängig war, die Vermittlung von Briefen und Geldmitteln zwischeu den besetzten Gebieten und dem neutralen befreundeten oder feindlichen Ausland übernommen. Im Jahre 1918 sind noch rund 625 000 Mark überwiesen worden. Im Laufe des Krieges wurden auf diese Weise annähernd 10 Millionen Mark in vielen Tausenden von kleinen Beträgen übermittelt. Es sind — vom Redner im Vorjahre — auch Unterhandlungen geführt worden, um den Juden im früheren Königreich Polen und in Rumänien ihre staatsbürgerlichen Rechte zu sichern. Die nach dent Zusammenbruch der Mittelmächte eingetretene neue Konstellation hat die Ergebnisse, zu denen die versuchte Einwirkung geführt hatte, hinfällig gemacht und über die Juden dieser Länder ist inzwischen schweres Unheil gekommen. In Polen und Galizien haben zum Schluß des Jahres 1918 Pogrome gegen die Juden stattgefunden, die die ganze Kulturwelt mit Entsetzen erfüllt haben. Die verbrecherische Hetze besonders in West- und Ostgalizien und in den übrigen Gebieten, die deni neuen Staate Polen einverleibt werden sollen, hat dazu geführt, daß nach russischem Muster, nur mit vermehrter Grausamkeit. Pogrome gegen die Juden ausgebrochen sind. .— Am 22. und 23. November 1918 und gewisser - nochmals am 29. Dezember fanden anssichten düster seien, daß aber die Lage der Inden des Ostens und Orients noch weit schlimmer sei als die der deutschen Juden — ihnen vorwiegend habe daher auch im Jahre 1918 die Arbeit 'des Hilfsvereins wieder gegolten. Herr Dr. Paul Nathan, Geschäftsführer des Hilsvereins der Deutschen Inden im Ehrenamt, erstattet alsdann in großen Zügen einen Bericht über die Wirksamkeit des Hilfsvereins im äbgelaufenen Jahr und seine weiteren Aufgaben. Im Jahre 1918 ist die Tätigkeit, die der Hilfsverein während des Krieges ausgeübt hat, int wesentlichen sortgeführt worden. Der Hilssverein hat seit August 1914 für die weiten Gebiete des Ostens, die Schauplatz des Krieges waren, ein großes Hilfswerk organisiert und später als Mandatar des „Jüdischen Hilfskomitees für Polen und Litauen zur Verwaltung amerikanischer Unterstützungsgelder" dieses gesamte Hilfswerk nach allen Richtungen systematisch cmfgebaut, die Wciterleitnng der Hilfsgelder übernommen, ihre zweckmäßige Verteilung und Verwendung dauernd überwacht und daneben auch aus eigenen Mitteln ergänzend und ausgleichend eine weitverzweigte Hilfstätigkeit ausgeübt. Seit dem Jahre 1918 hat der Hilfsverein für diese Zwecke rund % Million Mark ausgegeben. Im Jahre 1918, als die Überweisung ausländisel)er Gelder nach dent früheren deutschen Okkupationsgobiet von Ober-Ost wegen maßen in 7-> als ein Nachspiel Lemberg grausige Ausschreitungen gegen die Juden statt. Bälden wurden getötet, 443 verwundet; 28 Häuser wurden dein Erdboden gleich gemacht, weitere 10 zum Teil vernichtet, 9 andere durch Brand beschädigt, und zwischen 4000 und 5000 Familien wurden ausgeraubt. Der materielle Schaden, der durch diese Schandtaten verursacht wurde, beträgt über 100 Millionen Kronen. Aehnliche Schreckenstaten., wenn auch nicht in gleicher Schwere, ereigneten sich in beinahe hundert Städten und Städtchen in gain Galizien, besonders in Ostgalizien, und auch in der Ukraine, und ereignen sich leider noch täglich weiter. Der Hilssverein konnte bisher aus den eingeleiteten Sammlungen eine halbe Million Kronen zur Verfügung stellen, und es ist zu hoffen, daß diese Summe noch verdoppelt werden kann. Ueber die Gelder, die in Deutschland gesammelt worden sind, sott in der Weise verfügt werden, daß für das gesamte Hilfswerk eine einheitliche Leitung vorhanden ist, die nach einem einheitlichen Plaue arbeitet. Diese einheitliche Leitung wurde in Wien geschaffen; ecbesteht ein gemeinsames Komitee, zusammengesetzt aus Vertreter» aller jüdischen Richtungen (Wiener Allianz, Logen, Jüdischer Nationalrat), das alle Gelder, die einkommen, auch die amerikanischen, verwaltet, und das durch provinzielle Zentralkomitees in der gleichen

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