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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-02 · Heft 18 (2.5.1919) · p. Seite 183

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 18 (2.5.1919)
Date
1919-05-02
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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— 183 richtigen Gedanken aus, daß eine Kundgebung, welche „Sittenlehre".predigt, nichtvonden» „Irrtum", von der „Gehässigkeit", von dem „Undank" anderer, sprechen dürfe. Sie darf nicht anderen Vorwürfe machen, -muß vielmehr ruhig und milden Tones ihre Lehren vortragen. Man kann nicht Frieden lehren und zugleich kämpfen wollen. Sodann ist es die unbedingte Einigkeit aller Parteirichtungen innerhalb des Judentums, die diesem Manifeste seinen besonderen Wert verleiht. Männer von so verschiedenartiger Anschauung, wie der Leiter des orthodoxen Rabbinerseminars zu Berlin und die Prediger der Berliner Reformgcmeinde, erklärten, in bezug auf die jüdischen Sittenlehren völlig einig zu sein, was sie durch ihre Unterschriften bekräftigten. Und die Erfolge selbst? Sie haben sich bald in erfreulicher Weise gezeigt. Im eigenen Lager wurde das Selbstbewußtsein gekräftigt. Den Angegriffenen waren wirksame Waffen in die Hände gegeben nwrden, und die Zaghaften und Zweifelnden konnten genmppnet ihren Gegnern gegenübertreten. Im Herxheim e r schen und L e w i n scheu sowie in anderen Lehrbüchern der jüdischen Religion finden wir sie vor. Aber auch in nichtjüdischen Kreisen erlangten die „Grundsätze" nach kurzer Frist eine gewisse Autorität, auf die man sich stützte. Christliche Moralphilosophen, wie Gizycki, nähmen sie als „jüdische Ethik" in ihre Lehrbücher auf. In Prozessen, wo c* sich um Beleidigungen von Juden und Judentum handelte, nahmen die Gerichtsbehörden in ihren Urteilsbegründungen auf die „15 Grundsätze" Bezug. Ties war jedoch nur möglich, weil so viele Autoritäten einhellig ihr Votum für die Sätze abgegeben hatten. Die „15 Grundsätze" sind, ob mit Recht bleibe hier unerörtert, auch hier und dort innerhalb unserer eigenen Gemeinschaft Gegenstand des Angriffs gewesen. Man mäkelte sowohl an ihrer Form als auch an ihrem a» halte. Wer wollte es als unmöglich hinstellen, daß diese Anssprüche, wie überhaupt alle menschlichen Satzungen, nicht in irgendeiner besseren Form ärifgestellt werden könnten; aber da hier nun einmal etwas vorliegt, das die Zustimmung w vieler Berufener erhalten und somit deren innerster Hebet»;eugung Ausdruck leiht, wäre es unverantwortlich, ja, geradezu iinidhaft gewesen, daran mäkeln zu »vollen, da auch eine nachträgliche Umänderung der Form wie des Inhalts dem Manifeste ui den Augen der Nichtjuden gewiß nicht zum Vorteil gereichen konnte. Auch würden zu jeder Aenderung andere wieder ( neue Aenderungen hinzuzufügen gehabt haben. Hinsichtlich des Inhalts betonte man unter anderem, die Sitze seien unvollständig und böten teils manch Nebensächliches, teils vermisse man bei ihnen gewisse Hauptmomente der jüdischen Ethik. Endlich warf man ein, die Sätze trügen mehr den Stempel eines Dogmas, und das Judentum sei doch jeglicher Dogmatisternng. seines Lehrinhalts abhold. Es kann nicht meine Aufgabe sein, diesen Einwürfen in ausführlicher Weife entgegenzutreten, es würde dies zu weit führen. Jedoch will ich nicht Unterlasten, daraus hinzuweisen, daß diese „Grundsätze" ursprünglich weniger für die Bekenner des Judentums als vielmehr für die Nichtjuden zu deren Belehrung geschaffen wurden, wie aus der oben dargelegten Eiitwickelungsgeschichte zu ersehen ist. Es »Mißten daher alle die Beziehungen, in die wir zu unseren nichtjüdischcn Mitbürgern im einzelnen oder in der Gesamtheit treten, Berücksichtigung fiirden, und es »rußten für diese Beziehungen die Normen klargelegt und fixiert werden. Was hier noch immer nebensächlich erscheint, charakterisiert sich wohl nach außen h>» als etwas Bedeutsames. So kann sich etwa ein Laster eingenistet haben Und vornehmlich Gegenstand der Änklage sein, das an sich im Verhältnis zu anderen Lastern gar nicht so verdanrinenswert erscheint, dennoch vor den bedeutenderen Erwähnung finden muß, »veil es öfter in die Erscheinung tritt und aus diesem Grunde besonders und mit Nachdruck hervorgehoben werden muß, daß die Sittenlehre des Judentums es scharf verurteilt. Was nun endlich den Vorwurf der Dogmatisierung betrifft, so kann wohl behauptet werden, daß eine solche keineswegs beabsichtigt war, da es ihrer gar nicht bedurfte, indem die „Grundsätze" das in kurzen, prägnanten Worten »viedergeben, was unser religiöses Schrifttum an gar vielen Stellen in größeren Zügen längst darbietet oder was in naturgemäß fortschreitender Entwickelung raus dem Geiste dieses Dargebotenen geflossen ist- Dir Woche. Berlin, 28. April 1019. ie die Telegraphen-Kompagnie von gut unterrichteter Seite erfährt, ist damit zu rechnen, daß die deutsche Friedens'delegation bis spätestens Mittwoch vollzählig tu Versailles versammelt sein wird. Man rechnet -daher, damit, daß die Ueberreichung der F r i e d e n s b e d i n g u n g e n von seiten der Alliierten am Donnerstagabend erfolgen wird- Die Fahrt der deutschen Frie'densdelegation nach Versailles erfolgt in drei Zügen, von denen der erste am 27. d. M. abgefahren ist. Er nahm einen Stab von Beamten mit, der die ersten Vorbereitungen an Ort und Stelle zu treffen hat- Die beiden anderen Züge, die die eigentliche Delegation sowie die Pressevertretung mitnehmen, gehen heute nachmittag von Berlin ab und treffen am Abend des 29. in Versailles ein. Als Sonderberichterstatter des „Berliner Tageblatts" ist Paul Block nach Versailles abgereist. — Den: „Nieuw-e Rotterdanpsche Courant" wird aus Paris gemeldet, daß den Deutschen eine Frist von zchn Tagen zur Prüfung der Präliminarfriedensbedingungen zu gestanden werden wird. - Die von Wilson abgegebene Erklärung zur Adriasrage, die die Abreise der italienischen Friedensdelegation aus Paris zur Folge hatte, hat in Italien eine-unglaubliche Bestürzung und Erbitterung gegen die Alliierten 'hervorgerufen. Die italienische Presse greift Wilson und die englischen und französischen Verbündeten in unerhört heftiger Weise an- „Popolo d'Jtatia" droht England, daß Italien die revolutionäre Bewegung in den englischen Kolonien unterstützen werde. „Perseveranza" kündigt den Handelsboykott der Alliierten und die sofortige Aufnahme der Handelsbeziehungen mit Deutschland und Oesterreich an. Das Blatt rechnet mit einem Bruch zwischen Italien und den Verbündeten und schreibt in diesem Zusammenhänge: „Kommt es zu einem Bruch, so müssen wir, unt der Gefahr der Aushungerung zu entgehen, den Handel mit Deutschland, Rußland und den Ländern der ehemaligen habsburgischen Monarchie wieder aufnehmen, während wir uns vorläufig im eigenen Lande Kredit zu verschaffen suchen. Wenn uns unser Recht nicht wird, so gehen wir dazu über, unsere Handelskräfte Englands Frankreich und Amerika zu verschließen." — Nach dem „Popolo d'Jtalia" werden Japan und Belgien ebenfalls vom Kongreß zurücktreten. - Wie der „Daily Herald" aus Paris berichtet, hat der Sultan von Hodschas die unter der Führung des Emirs F a i s lt l stehende arabische Friedensdelegation äbberufen. Wie der Vertreter des Blattes erfährt, ist dieser Schritt darauf zurückzuführen, daß Frankreich Syrien und England Mesopotamien 31t annektieren gedenken. —

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