Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1919)
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Inzwischen aber gelang es Josephus, Briefe an die außerhalb der Festung wohnenden Juden zu senden wie auch solche zu erhalten. Auch konnte er ausgegangene Lebensmittel dadurch hineinbekommen, daß er die Boten in Felle steckte und diese sich in der Nacht, aus allen Vieren kriechend, an den Posten vorbeischlichen. Man hielt sie für Hunde und ließ sie laufen, bis man hinter diese Schliche kam. Trotz alledem war es dem Feldherrn Josephus klar, daß die Stadt auf die Dauer nicht zu halten sei, und im Verein mit dem Kriegsrat beschloß er die Flucht. Als das Volk jedoch hiervon Kenntnis erhielt, beschwor es Josephus, es. nicht zu verlassen. Seine Anwesenheit allein halte sie noch aufrecht. Obgleich ihnen der Feldherr sowohl als der Kriegsrat klarzumachen suchten, daß ihre Flucht aus der Festung ihnen mehr Nutzen bringen würde als ihr Bleiben, weil sie die Absicht hätten, Vespasian auf ein anderes Schlachtgebiet zu locken, blieben alle Vorstellungen nutzlos. Greise, Frauen und Kinder warfen sich Josephus zu Füßen und flehten.ihn an zu bleiben. So war denn seine Antwort: „Jetzt, wo keine Hoffnung aut Rettung mehr winkt, ist es an der Zeit, einen Endkampf Ul beginnen, in welchem man das Leben mit einem herrlichen Ruhmeskranz vertauschen und durch eine glorreiche Tat sich das Andenken der späteren Geschlechter sichern kann!" Er nahm auch sogleich den Kampf wieder aus, indem er mit seinen besten Kriegern aus. den Toren herausbrach. Sie warfen die römische Wache über den Haufen und stürmten bis zum Lager hinab, indem sie Feuerbrände unter die geschützten Wallarbeiter schleuderten. Bei den Römern, die gelähmt vor Neberraslbuna über diese Kühnheit waren, versagte die Gegenwehr. Sie blickten voll Staunen auf einzelne Helden, von welchen sich besonders ein Mann, Eleazar mit Namen, auswichnete. Er stammte aus Saab in Galiläa und besaß eine schier unmenschliche Kraft. So hob einen gewaltigen Felsblock aus und warf ibn mit solcher Wucht von der Mauer auf den Sturmbock der Feinde, daß er den Widderkops der Maschine sprengte. Dann schwang er sich ganz über die Mauer, nahm das abaesprengte Stück als Trophäe dem Feinde ab lind schickte sich an., in sein Lager zurückzütausen. Trotz mehrerer Pfeile, die ihn verwundeten, erklomm er wieder die Mauer und brachte seine ruhmvolle Beute in Sicherheit. Dann aber stürzte er. von Schmerzen gekrümmt, die Mauer' herab. Es zeichneten sieb beim Verteidiauugskampfe durch tollkühnes Vorgehen ferner Netirad lind Philippus, ebenfalls aus Galiläa, aus. indem sie die Sch'lachtreiben der 10. Legion zerrissen und, wohin sie kamen. Tot und Schrecken verbreiteten. Bei der Verteidigung der Wälle wurde Veivasian selbst durch Pfeilwurf an Fußsohle verletzt. Tie Erbitterung hierüber feuerte die Römer zu uni so heftigeren Angriffen an. Sie fuhren ihre Geschosse auf, rissen die ganze Brustwehr mit großen und kleinen Katapulten fort. Trotzdem hielten sich die Juden überaus tapfer: nach ihren Ausfällen - so beißt es - erweckte es bei Vespasian beinahe den Glauben, daß er der Belagerte sei, denn die Bekämpfer näherten sich furchtlos den Dämmen, die freilich mittlerweile so weit wieder ausgebaut waren, daß man zur Aufstellung der Widder schreiten konnte. Die Widder nahmen unter den anderen Kriegsgeschützen die gleiche Stellung ein wie bei uns die „schweren Geschütze". Sie bestanden aus einem ungemein großen, fast dem Mastbaum eines Schiffes gleichenden Balken, der an der Spitze mit einem dicken, in der Form eines Widderkopfes auslaufenden Eisenstück versehen war. Dieser ungeheure Balken hing an starken, an seiner Mitte befestigten Seilen von einem anderen Balken herab, der wiederum von mächtigen Pfosten getragen wurde, wie von einem Wagebalken. Da Sprengmittel noch unbekannt waren, wie Pulver, Dynamit usw., mußten Menschenhände die Maschine bedienen. Man hatte den Mast nach rückwärts zu holen und ihn mit vereinter Kraft derart nach vorn zu schleudern, daß das Eisen die Mauer traf. Josephus erkannte wohl, daß in kurzer Zeit die Mauer in Trümmer gehen müsse: er griff wiederum zu einer Kriegslist, und zwar ließ er Säcke mit Spreu anfüllen und an den Stellen herab, wo der Widder seine Stöße vollführte. Die Abschwächung der Stöße brachte den Römern bedeutenden Zeitverlust, bis sie auf den Einfall kamen, mit langen Sicheln die Säcke abzuschneiden. Noch hielt die Besatzung auf Jotapata stand. Selbst dann noch, als die Römer nach 47tägigem Kampfe die Höhe der Mauer überschritten. Da entfloh ein Verräter aus der Festung und brachte Vespasian die Kunde, daß die Zahl der Verteidiger zusammengeschmolzen, die Kämpfer total erschöpft und die Nachtwachen eben dadurch leicht zu überwältigen wären. Er möge mtr gegen Morgen einen Ausfall wagen. Dem Vespasian kam die Meldung des Ueberläufers verdächtig vor. Kannte er doch das treue Zusammenhalten der Juden untereinander wie auch ihre Todesverachtung. Es war schon früher einer aus Jotapata ausgegriffen worden und hatte allen möglichen Folterqualen getrotzt, und selbst gebrandmarkt konnte man ihn nicht dazu bewegen, dem Feinde etwas über das Innere der Feste mitzuteilen. Selbst am Kreuze lachte er der Todesqualen. Immerhin hatten die Aussagen des Ueberläulers etwas Glaubwürdiges. Vespasian ließ denselben festnehmen und führte sogleich den Feldplan aus. Mit nur wenigen Legionären bestieg Titus mit dem Tribun Domitius Sabinus als erster die Mauer. Sie stießen die Wachen nieder und drangen, von dichtem Nebel begünstigt, in die noch im Schlafe liegende Stadt ein. Erst als das ganze Römerheer in die Stadt hineinströmte, erwachten die erschreckten Krieger ltnb suchten sich zu verteidigen. Die Römer drängten schonungslos das Volk in dichten Haufen die Abhänge hinunter und mordeten nach Herzenslust. Aus der Elitetruppe Josephus' legten viele Hand an sich, um nicht durch die Schwerter der Römer, denen sie nicht mehr Widerstand leisten konnten, zu fallen. Eenturio Antonius wurde noch von einem sterbenden Juden niedergestochen. Sonst aber verlief die Einnahme von Jotapata blutlos für die Römer, die auch alle unterirdischen Verstecke entdeckten und 40 000 Menschen umbrachten. Festungswerke und Stadt wurden dem Erdboden gleichgemacht. So gestaltete sich die Einnahme von Jotapata. Irdem das Srinige. P18. Forts.) Roman von M. Pulvermann. r schwieg und holte tief Atem, was auch bei ihr einen schweren Seufzer als Widerhall auslöste. Er sah sie von dem Lichte des Mondes bestrahlt, aber er vermochte doch nichts inihrem Gesichte zu lesen. Verschlossen und unbeweglich saß sie da, ohne ihren inneren, seelischen Aufruhr nach außen hin erkennen zu lassen. Er glaubte hier das ewige Geheimnis des Frauenherzens verkörpert vor sich zu sehen: unergründlich, weinend, schmerzend und doch begeistert, so daß die Ungewißheit ihn in einen gewaltigen Taumel versetzte. „Sie scheinen geneigt zu sein, meinen Worten Ihre volle Aufmerksamkeit zu widmen," sprach er froh, als ihm durch ihr fortgesetztes Schweigen ein neues Licht aufging. „Ich