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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-04-25 · Heft 17 (25.4.1919) · p. Seite 177

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 17 (25.4.1919)
Date
1919-04-25
Page
Seite 177 (sequence 9)
Language
German
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177 Dir Srlagrrung non Iotspstg. Ein Rückblick von ClaraSchott. ic riesenhaften Kämpfe der Jetztzeit, die bei weitem alle kriegerischen Ereignisse der Vergangenheit überragen, lassen kaum Vergleiche mit früheren Heldenkämpfen zu. Trotzdem ist es von großem Interesse, einen Rückblick aus Kriegsereignisse zu Wersen, bei denen gleicherweise der Existenzkampf eines Volkes gegen eine erdrückende Uebermacht in Erscheinung tritt. In seinem hochinteressanten Werke „Der Jüdische Krieg'") sagt Josephus, daß es noch niemals einen so gewaltigen Krieg gegeben habe als den jüdisch-römischen, und doch spielte sich dieser nur in einem winzigen Ländchen ab, kaum von der Größe der heutigen Balkanstaaten. Durch hohen Mut. Aufopferung und Organisationstalent gelang es damals dem kleinen Judenvolke, lange Zeit dem gewaltigen Römerreiche arg zu schaffen zu machen, und nur innere Spaltungen und Zwistigkeiten bewirkten, daß letzterem schließlich seine Unterwerfung gelang. Während heute Wunderwerke der Technik als Angriffs- und Verteidigungsmittel dienen, standen damals nur Primitive Kampfwerkzeuge zur Verfügung. Um so bewunderungswürdiger ist es, daß man so große Resultate zu erzielen verstand. Greisen wir aus dan wechselvollen Kriegsbildern, die der jüdische Feldherr uns gibt, zunächst die Belagerung von Iotapata heraus, so nimmt uns die Schilderung in der farbenprächtigen Uebersetzung von Professor Dr. Philipp Kohout derart gefangen, daß man sich durch die Lebhaftigkeit derselben mitten hinein versetzt glaubt. Den Ereignissen folgt man mn so lieber, als sowohl seine Stammesgenossen wie auch die Römer Josephus als grundehrlichen ~ Geschichtschreiber priesen. Der Festungskampf war ungemein schwierig, denn Iotapata ist, eine einzige Stellung ausgenommen, ganz abschüssig gelegen und beinahe von allen Seiten ringsherum durch ungeheure Schluchten abaesperrt. Nur von Norden her ist die Stadt zugänglich. Diese nördliche Seite mm hatte Josephus zur Befestigung der Stadt mit einer Mauer eingefaßt, während alle anderen Seiten von den hohen Bergen so eng umschlossen waren, daß die Stadt vollständig verborgen lag. Iotapata war mithin ein fester Stützpunkt für die Juden, welche sich in Massen nach dorthin flüchteten. Vespasian, hiervon unterrichtet, schickte eine Abteilung Fußvolk gen Iotapata, um zunächst die für Reiter unpassierbaren Wege instand setzen zu lassen. Mächtig müssen die Römer gearbeitet haben, denn bereits in vier Tagen war eine breite Straße gebahnt. Nunmehr zog der Feldherr Decurio Aebutius mit 1006 Reitern gen Iotapata. und einen Tag später folgte die ganze Heeresmacht nach. Decurio Aebutius ließ seine Truppen aus einer Stelle ihr Lager aufschlagen. von welcher aus sie vom Feinde gesehen werden konnten. Er erreichte auch damit, daß das jüdische Volk in Angst und Schrecken geriet, um so mehr, als sie sahen, daß der Feind die Festung mit einem doppelten Truppenkordon umstellte. Am nächsten Morgen begann der Sturm. Die Juden leisteten vom Weichbilde der Stadt aus wirkungsvollen Widerstand. Als jedoch Vespasian Bogenschützen und Schleuderer und die ganze Masse der Wurfschützen gegen sie aufbot, ja, er *) Deutsche Uebersetzung: Quirin Haslingers Verlag, Lenz.! voraus, wo die Mauer am leichtesten zu ersteigen war, die Höhe heranstürmte, wurde dem Josephus um die Stadt bange und er machte darum mit der ganzen Mannschaft einen Ausfall. Es gelang ihnen, die Stürmenden unter vielen glänzenden Beweisen ihrer Kraft und Kühnheit von der Mauer zurückzuschlagen. Fünf Tage tobte der Kampf um die Mauer. Die Juden schreckten vor der Macht der Feinde nicht zurück, und die Römer spornte die so hartnäckige Verteidigung der Feste zur heißesten Kampfeslust an. Erst als letztere sahen, daß der Inden Verwegenheit sich gegen ihre bekannte kriegerische Tüchtigkeit siegreich durchsetzte, stellten sie den Kampf ein, um in ein anderes Fahrwasser einzulenken. Und zwar ließ Vespasian zunächst alle Dämme überbrücken. Zum Schutze der Ausführenden spannte man Decken aus Flechtwerk aus, welche den Zweck hatten, die Wucht der geschleuderten Geschosse und der von der Mauer geworfenen Felsblöcke abzuhalten. In verhältnismäßig kurzer Zeit waren die Dämme hergestellt. Nunmehr ließVe'Pasian 160Wurfgeschosse auffahren und ging mit einem Heer von Wurfspiehwersern, Schleuderern, arabischen Bogenschützen usw. der Mauer erfolgreich zuleibe. Die Katavulte sausten ihre zentnerschweren Steine bis ins Innere der Stadt und richteten ungeheure Berbeernngen an. Die Juden gerieten in Verzweiflung, denn sie konnten sich von der Mauer aus nur strichweise verteidigen. Soweit es anging, zogen sie den Dammarbeitern die Schutzvorrichtungen kort, hieben auf die ungedeckten Römer ein und warfen Brandfackeln auf die Holzgerüste, so daß sich die Römer zurückziehen mußten. Zur Gegenwehr sammelte Josephus seine Bauleute und ließ eiligst die Mauer höher Kellen. Um die Leute zu schützen, wurden hochsiedende Pfähle eingeschlagen urtb darüber ü isch abgezogene Ochsenhäute gespannt. Durch diese wurden die von den Ballisten geschleuderten Steine aufgefangen und dieFeUerbrände durch die Feuchtigkeit gedämpft. So konnten die Merkleute Tag und Nacht ungehindert arbeiten mid nickt nur die Mauer 20 Ellen höher stellen, sondern auch eiligst eine größere Anzahl Türme sowie eine starke Brustwehr errichten. Unter den Römern, welche sich schon halb im Besitze der Stadt glaubten, rief diese Abwehrmaßregel der Jrrden arge Erbitterung hervor, während ihr Erfolg sie zu neuen Ausfällen aufstachelte. Vespasian stellte seine offenen Angriffe ein, er hoffte vielmehr, durch eintretende Hungersnot die Festung in die Gewalt zu bekommen. Aber an Lebensmitteln fehlte es den Juden nicht. Wohl aber stellte sich durch anhaltende Trockenheit ein fühlbarer Wassermangel ein, was bei 'den Römern nicht unbemerkt bleiben konnte. Schon von der Hoffnung beseelt, daß die Wasserbehälter der Feste sich bereits zu leeren begannen und die Juden mit der Uebergabe der Stadt nicht länger mehr zögern könnten, erlitt Vespasian eine neue Enttäuschung. Josephus befahl nämlich seinen Leuten, ihre Kleider in Wasser einzutauchen und diese um die Brustwehr herum aufzuhängen. Im Nu glich die ganze Mauer einer kleinen Ueberschwemmung. Die Bestürzung der Römer war hierob groß. Sie, die da glaubten, man sei mit dem Trinkwasser bereits zu Ende, sahen den scheinbaren Ueberfluß mit Schrecken. So versuchten sie ihr Glück wiederum mit dem Schwerte, und dieser Ausfall kam den Juden sehr erwünscht. Eine Schlacht war ihnen lieber als eine weitere Belagerung. Wenn sie die Stadt aufgeben mußten, so wollten sie lieber den Tod im Kampfe als durch Verhungern und Verdursten erleiden. Ernst Müller aus Theilhaber, ,Jüd. Flieger im Krieg" (Verlag Louis Lamm, SBerfin.)

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