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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-04-18 · Heft 16 (18.4.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 16 (18.4.1919)
Date
1919-04-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Megilla Xi. TV, l'Shmbe. 4. Mlschue Tora, 14. Buch, 2 Stunden. 5. Io re Te'a, Hil. Dresot, 1 Stunde. 6. Eben ha'ezer, Hil. Gittin, i Stunde. Herr Tr. El bogen wird-slesen: 1. Einleitung in -die Wisfenscbast des Judentums, 2 Stunden. 2. Psalmen, 2 Stunden. 3 Geschichte der Inden nach dem Untergang -des jüdischen Staates, 1. Teil, 2 Stunden. 4. Historische Uebungen, 2 Stunden. Herr Prof. Dr. G u t t m ann wird lesen: 1. Grundfragen der Ethik, 2 Stunden. 2. Uebungen .zur Ethik, 2 Stunden. 3. Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie im Mittelalter, 1. Teil, 2 Stunden. 4. Interpretation von Iehuda Halewis Kusari, 2 Stunden. Herr Tr. Freund wird lesen: 1. Die politische Geschichte der Juden in Preußen seit 1812. Herr Dr. Hochfeld wird lesen: 1. Die biblische Geschichte im Unterricht (Fortsetzung). 2 Stunden. In -rer Präparandie werden, wie bisher, Kurse über Bibel und Kommentare. hebräische Grammatik, Mischna und das Gebetbuch gehalten werden. Näheres wird durch Anschlag am schwarzen Brett bekannt gemacht werden. Tie Festsetzung der Stunden wird bei der Eröffnung des Sommersenwsters erfolgen. Alle Vorlesungen und Uebungen find unentgeltlich. Die Eröffnung des ^ommersemesters erfolgt Montag, den 28. April, 11 Uhr vormittags. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie rite immatritchierte Studierende der hiesigen Universität - und zwar ohne Unterschied der Fakultät in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt bei dem derzeitigen Vorsitzenden des Lehrerkollegiums, Herrn Tr. Baeck, am Mjontag, den 28. April, und Dienstag, den 29. April, 11—12 Uhr im Sprechzimmer der Lehranstalt. Außerdem ist Herr Tr. Baeck stets in den Pausen zwischen seinen Vorlesungen zu sprechen. 22 Berlin, 14. April. Ter H i l s s v e x c i n s ü r Iüdi sche S tu-die rend e zu Berlin hielt am 7. d. M. seine Generalversammlung ab. Ter Hilssverein hat in 78jührigem Bestehen säst dreitausend hiesige Studenten der Universität und anderer staatlichen Hochschulen darlehnsweise unterstützt, zuletzt jährlich mit 40V bis 60V Mart. Im letzten Vierteljahr erhielt er frühere Stipendien Zurückgezahlt in Höhe von 11 690 Mart. Vorsitzender ist Iustizrat A. Seligsohn, Schriftführer Professor Lieber -m a n n , Bendlerstraße 10. A. L. Berlin, 14. April. In der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen in Berlin" hielt Herr Direktor Tr. Gutmann einen Bortrag über „Notwendigkeit, Stofs und Methode des systematischen Religionsunt-errichts". Ter Vortragende berichtete zunächst, was moderne Methodiker des Religionsunterrichts über die Entbehrlichkeit bzw. Notwendigkeit systematischen Religionsunterrichts ausgeführt haben. Er ließ unter den Gegnern dieses Unterrichts namentlich Meitzer, unter den Befürwortern Richert und Kabisch zu Worte kommen, von denen der Erstgenannte nur den gerschichtlichen Religionsunterricht gelten laßen will, während die anderen beialler Anerkennung der Wrchtigf-eit eines historischen Religionsunterrichts zeigen, dap dieser allem nicht für die religiöse Bildung ausreiche. Ter Referent, der für die Notwendigkeit des systematischen Religionsunterrichts enrtrar, zeigte sodann, wie er in seinem eigenen Unterricht bei angehenden Lehrerinnen und etiva vierzehnjährigen Knaben und Mädchen verfahren sei, wie er hier versucht habe, aus der Idee des ethischen Monotheismus die Lehren lind Forderungen des Judentums abzuleiten. Er empfahl namentlich für jüngere Schüler eine ständige Anlehnung an den aus dem Bibellesen und dein Gebetübersetzen bekannten Stoff und ging zum Schluß aus die eigentliche Dialektik des systematischen Religionsunterrichts ein. wober er ausführlicher bei der Unterrichts form des freien Lehrgesprächs verweilte.' — Ter Vortrag wird später im Truck erscheinen. E. M. Berlin, 14. April. Aus dem Kreise der Gemeindeverwaltung ist in Herrn Martin Lesser ein treuer Mitarbeiter an den Ausgaben unserer Gemeinde verstorben. Martin Lesser gehörte seit nahezu dreißig Jahren, der Verwaltung. der jüdischen Gemeinde an, in der er sich auf verschiedenen Gebieten betätigt hat. Die Armenkommission, in der er seit 1890 mitarbeitete, verliert vn ihm einen durch soziales Verständnis und marines Mitgefühl für seine Pflegebefohlenen ausgezeichneten Helfer; dem Vorstand der Gemei-ndesynagoge in der Lützowstraße gehörte er seit 1890 an. Seine Hauptaufgabe sah der Verstorbene in der Mitarbeit! in der Kommission für -die festgottesdienstlichen und musikalischen Angelegenheiten, deren Leitung er angehörte. Hier war sein Äat, ddk durch die außerordentlichen Kenntnisse ans musikalischen Gebieten unterstützt war, oft ausschlaggebend. Sein sicheres Urteil und eine reiche Erfahrung machten ihn zürn ausgezeichneten Berater in allen Fragen, welche die Ausgestaltung des Gemeindegot'tesdienstes be- . treffen. Sein Tod hat eine Lücke gerissen, die nur schwer auszufüllen sein wird. Tie Beisetzung des Verstorbenen fand am Donnerstag, den 10. April, auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee unter großer Beteiligung statt. Außer Vertretern des Gemeindevorstandes und -der Repräsentantenversammlung nahmen Abgeordnete aller Verwaktungskommisfionen, in denen der Verstorbene gewirkt hakte, an der Trauerseier teil. Nach einleitendem Ehorgesang Hielt Rabbiner Tr. Weiße die Gedächtnisrede, in derer die große Liebe des Heimgegangenen zur Kunst feierte, die er stets willig in den Dienst der jüdischen Gemeinschaft stellte. Im Alten wurzelnd, hütete und wahrte er liebevoll die alten Gebräuche, die er mit der Poesie seiner Lieblingsknnst, der 93titfif, verklärte und neu beseelte. Das Judentum war der Jungbrunnen, aus der er immer neue Kräfte schöpfte. Ter Trauer der Familie und des Freundeskreises gab Sanitätsrat Tr. F e i l ch e n s e l d beredten Ausdruck. Nach dieser Ansprache sang der (5hör der Synagoge Lützowstraße, unter Leitung seines Dirigenten Wein bäum, ein Schlußlied; dann wurde der Sarg der Erde übergeben. Z2. JN. Köthen, 11. April. Am Mittwoch, den 5. d. M., sprach Herr Rckbbiner Dr. Wilde (Magdeburg) vor den Mitgliedern und Gästen des Vereins „Freundschaft" über „Die jüdische Feldseelsorge im Weltkriege". Tie jüdische Feldseelsorge war eine der schwierigsten Allsgaben, die wir uns gestellt hatten, da wir gar keine Erfahrungen auf diesem Gebiete besaßen. Der Zweck der Seelsorge lag darin: erstens, das religiöse Empfinden bei den jüdischen Kriegern anzusachen, es weiter auszubilden und dauernd zu erhalten; zweitens, die Verwundeten llnd Kranken in den Lazaretten zu besuchen und sie zu trüftcu; drittens, die Sorge für die Kriegsgefangenen und schließlich viertens, den gefallenen Helden den letzten Dienst zu erweisen. Tie Grabfeier galt den Toten und tröstete die Angehörigen in der fernen Heimat. lieber jeden Gefallenen berichteten wir den Angehörigen. Nach vielen Bemühungen gelang es auch, Denkmäler nach jüdischem Ritus aufstellen zu lassen, so daß das Kreuz dem Biogen David wich. Die Totenfeier hatte aber audt> eine andere, nicht zu unterschätzende Bedeutung. Die christlichen Kameraden waren Zeugen der Bestattungen vieler, vieler jüdischer Helden, die für das Vaterland ihr Bestes hergegeben hatten. Was die Feldgottesdienste anbetras, wurden nach Zulässigkeit und Möglichkeit überall Gottesdienste, mit anschlietzender rikueUer Verpflegung, hauptsächlich an den hohen Feiertagen abgehalten, die rege Anteilnahme fanden. Ter Verband der Deutschen Juden gab ein Feldgebetbuch und eine Bibel im kleinen Format heraus, welche in Massen unentgeltlich zur Verteilung gelangten. Herr Rabbiner Tr. Wilde ließ bei der Druckerei d. A.-L.-K. 4 eine Sammlung „Aus den Sprüchen der Väter" in 8000 Exemplaren drucken und verteilte sie unter die jüdischen Kameraden. Ebenso ließ er ab und zu kurze Beschreibungen der Feste drucken, so „Sabbatgcdanken für jüdische Soldaten, Passahfeier im Felde" u. a. Es dürfte wohl zum ersten Male überhaupt gewesen sein, daß der preußische Staat auf seine Kosten jüdische Schriften drucken ließ. Besonderes Augenmerk wurde auf die Verwundeten und Kranken gerichtet; sie bedurften des Trostes und der Seelsorge am uleisten. Der 'Rabbiner mutzte ihnen die An ge hö eigen ersetzen und ihnen Hoffnung und Mut einflößen; dies konnte nur durch religiöse Einflüsse geschehen. Die Sorge für die Kriegsgefangenen, hauptsächlich Russen, die an das religiöse Leben gewöhnt waren, lag den Armeerabbinern sehr anr Herzen. Herr Rabbiner Tr. Wilde war der erste Feldrabbiner; er hat viel dazu beigetragen, um das religiöse Gefühl der jüdischen .Helden wieder 51t erwecken und zu kräftigen, so daß er mit Recht behaupten burfte, daß der Krieg unsere religiösen Gefühle nicht vernichtet, sondern mehr gestärkt hat.— Ter Vortragende erntete reichen Beifall für seine ausführlichen Berichte, die einen guten Einblick in den schweren Dienst des Armeerabbiners gewähren ließen. Tübingen, 11. April. In einer auf Veranlassung des „Deutschen Schutz- und Trutzbundes" einberufenen Versammlung sprach Hauptmann d. L. B a r n a ck über das Thema „Deutschland den Deutschen". Ter Referent, der sich nach seiner Einleitung frei von dein gewöhnlichen Antisemitismus glaubt, bringt in

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