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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-04-18 · Heft 16 (18.4.1919) · p. Seite 165

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 16 (18.4.1919)
Date
1919-04-18
Page
Seite 165 (sequence 9)
Language
German
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Zur Erklärung des vorstehenden Briefes ist mancherlei zu sagen. Zunächst über den Schreiber und den Adressaten. Was den ersteren betrifft, so ist es der allbekannte Rabbiner Leopold Löw, der Vater des noch jetzt in voller Kraft wirkenden Oberrabbiners in Szeged, Immanuel Löw. Leopold Löw, geb. 22. Mai 1811, gest. 13. Oktober 1875, der Begründer der jüdisch-talmudischen Archäologie, ist in einem Artikel dieser Zeitung 1911, S. 233 bis 235, gewürdigt worden; daselbst ist auch sein Bild zu finden. Seine großen, selbständig erschienenen grundlegenden wissenschaftlichen Arbeiten, zu denen noch die kleinen Aufsätze treten, die der Sohn pietätvoll in fünf Bänden gesammelt hat, können nicht noch einmal hier behandelt werden; an dieser Stelle mag es genügen, aus die von ihm herausgegebene Zeitschrift „Ben Chananja" zu verweisen, die 1858 bis 1867 erschien und eine Zeitlang das einzige wissenschaftliche Organ des Judentums war. Der Adressat unseres Briefes ist, wie ich aus der Mitteilung von I. Löw entnehme. Dr. M. Rappoport in Lemberg. Zum Verständnis unseres Brieses mag die Bemerkung genügen, daß Leopold Löw, von Geburt ein Mähre, den größten Teil seines Lebens in Ungarn zubrachte, daß er in jenem Lande, in Kanisza, Papa und Szeged, als Rabbiner wirkte, daß er lebhaft und entschieden für die Reform eintrat, in ungarischer Sprache predigte und sich dieser Sprache auch in einzelnen Aufsätzen bediente, und daß er unermüdlich tätig war im Kampfe für die Gleichstellung der Juden. Ueber die in unserem Briefe erwähnten Einzelheiten bemerke ich gleichfalls nach der Aufklärung von I. Löw folgendes: Die Uebersetzung des 6. Kapitels der Sprüche erschien im „Ben Chananja" Band 4, 1861, S. 69 urtb 70. Der Haazinugesang dürfte sich auf eine Lemberger Predigt L. Löws beziehen. Er mußte Lemberg aus demselben Grunde ablehnen, ans dem auch der Sohn Wien nicht annehmen konnte. Ich glaube durch Veröffentlichung des vorstehenden Brieses manchem Freunde unseres Blattes einen Dienst zu erweisen. Die Erinnerung an treffliche Kämpen der Vorzeit stärkt auch um in dem Streite für unsere Rechte, der leider noch nicht ansgekämpft ist. Line Llterker?r. Von I. L. C a r a g i n l e. Aus dem Rumänischen von Elia s N a ch t (Berlin). * (Schlund ie Kehle war ihm trocken. Er hatte Durst. Er wusch ein Gläschen in der dreibeinigen Wanne neben dem Ladentisch, um sich aus einer Flasche einen guten Schnaps einzuschenken; aber der Flaschenhals begann mtf dem Rande des Glases stark zu klirren. Diese Klänge waren noch schlimmer für ihn. Der zweite Versuch, mit dem besten Willen, seine Schwäche zu überwinden, hatte auch nicht mehr Erfolg. Als dann verzichtete er aufs Glas-, ließ es leise ins Wasser fallen und schluckte einigemal aus der Flasche; stellte diese dann auf ihren Platz, wodurch aber beim Berühren des Brettes ein erschreckendes Geräusch verursacht wurde. Er blieb über diese Erregung einen Augenblick bewegungslos stehen. Darauf nahm er die Lampe und stellte sie auf das Blindfenster, nach dem Gange zu; auf das Tor, aufs Pflaster und auf die Malier gegenüber vom Gange fielen einige breite Strahlen von einem Lichte, welches kaum stärker als eine Einbildung hervorkam. Zibal ließ sich wieder auf die Schwelle nieder und spannte sein Gehör aufs äußerste an. Geläute auf dem Berge ... Es wird zur Auferstehung geläutet, d. h. Mitternacht ist schon vorüber, wir nähern uns dem Tage . . . O, wenn die andere Hälfte dieser langen Rächt schon vorüber wäre, gleich der ersten! . . . Ein Knirschen von zermalmtem Sande unter der Sohle! Er ist doch in Strümpfen und hat feinen Fuß gar nicht bewegt . . . Ein Krach . . . mehrere ... Es ist sicher jemand draußen, hier in der Nähe. Leiba erhob sich und drückte mit der Hand gegen die Brust und versuchte die Beklemmung, die in ihm aufgestiegen, zu unterdrücken. ... Es sind mehrere Leute draußen . . . auch Gheorghe! . . . Ja, er ift's! Ja, ja, es hat auf dem Berge die Auferstehungsstllnde geschlagen. Sie sprechen leise: „Wenn ich dir sage, daß er schläft; ich habe gesehen, wie er das Licht ausgelö'scht hat." „Besser wir fangen danndas ganze Nest." „Das Tor öffne ich: ich kenne dies Handwerk. Wir werden cs ihm schon zeigen . . . Ter Balken geht hier hindurch . . ." Man merkte das Taften, welches der Mann draußen zum Messen der Entfernung des Holzes anwandte . . . Ein großer Bohrer zernagte die ausgetrockneten Fasern der alten Eiche ... Zibal mußte sich jetzt stützen: er lehnte sich deshalb mit der linken Hand an das Tor, während er sich mit der rechten die Augen bedeckte. Plötzlich, durch etwas Unerklärliches, produzierte sich im Ohr des Mannes von innen laut und deutlich: „Leiba, die Postkutsche kommt!" Es war ohne Zweifel Saras Stimme . . . Ein kleiner Lichtstrahl von Hoffnung ... ein Augenblick von Glück . . . es ist vielleicht wieder ein Traum! . . . Leiba zog schnell die linke Hand zurück, da die Spitze des Instrumentes, welche das Tor durchdrungen, ihn gestochen hat. Ob noch an Rettung zu denken ist? . . . absurd! . . . In seinem Gehirn, welches vor Aufregung brannte, bekam der Bohrer Dimensionen von unglaublichen Größen. Das Werkzeug bewegte sich fortwährend, das Loch wurde größer, immer größer, und endlich so groß, daß das Ungeheuer, ohne sich zu bücken, erscheinen konnte. Was sich in seinem Gehirn abspielte, ist längst über den menschlichen Gedankenkreis hinaus. Das Leben erhob sich zu einer überspannten Stufe, von wo aus man alles sehen, alles hören, enorme Verwirrungen merken konnte. . . . Die Arbeit von außen erfolgte ganz methodisch und dringend. Leiba hat schon viermal hintereinander den Stahlzahn, der durchkam und wieder zurückgezogen wurde, gesehen. „Jetzt gib die Säge her!" sagte Gheorghe. Eine kurze Zunge einer Säge begann durch das erste Loch zu gehen und mit regelmäßig aufeinanderfolgenden Bewegungen das Holz zu zerteilen. Der Plan war leicht zu verstehen: vier Löcher in vier Winkeln eines Viereckes, mit der Säge die Linien dazwischen gezogen; am Rande des Vierecks war der Bohrbr eingeschlagen: wenn nun das ganze Stück vom Holzkörper losgelöst ist, wird er herausgezogen und durch die zurückgezogene Leffnung eine kräftige Hand eingeführt. Diese Hand faßt den Balken und schiebt ihn zur Seite und . . . die Verbrecher sind bei Leiba im Hause. Und derselbe Bohrer wird nach einigen Minuten das Instrument der Onal Leibas und all seiner Angehörigen sein . . . Zwei Verbrecher werden das Opfer auf dem Boden gekreuzigt halten, während Gheorghe, mit dem Fuße auf dem Unterleib, den Bohrer langsam, wie in ein totes Stück Holz, in die lebendige Brust hineinstecken wird, tief, tiefer, bis er das Herz berührt, wodurch die krampfhaften Zuckungen anfhören werden und er es dann sofort treffen wird.

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