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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-04-18 · Heft 16 (18.4.1919) · p. Seite 163

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 16 (18.4.1919)
Date
1919-04-18
Page
Seite 163 (sequence 7)
Language
German
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163 und dann seine Lehre in die Welt zu senden und zu verbreiten. Dies ist zum Teil geschehen, einerseits durch das Christentum und anderseits durch den Mohammedanismus. Aber diese Verbreitung ist bis jetzt nur u n v o l l k o m m e n erfolgt. Auch Israel selbst ist im allgemeinen nicht in der Lage, inmitten Veränderen, der Wirtsvölker, in seiner Art und nach seinem Wesen seine eigenen Religionsgesetze — ungestört und ungehemmt — zu erfWen. Da muß man doch -wohl erkennen, daß Israel, so es ^wieder im eigenen Lande selbständig, mit eigenem Selbstbestimmungsrecht herrschen würde, nur auf national-religiöser Grundlage seine Herrschaft werde führen können — auf einer Grundlage, die in der Thora vorgeschrieben ist. Ja, selbst wenn alle Politischen 'Staatengebilde der Erde einen rein nationalen Charakter tragen sollten und überall die Parole „Trennung von Staat und Kirche" herrschend werden sollte — im jüdischen Palästina dürste dies nicht geschehen, weil eben Palästina katexochen das Land der Religion, das heilige Land war und sein soll. Auch in der messianischen Zeit, wo alle Völker, in der Verehrung des einzigen Gottes und in echter, aufrichtiger Menschenliebe miteinander verbunden sein werden, soll Palästina als der Mittelpunkt, als das Zentrum aller Gläubigen hervorragen. Ich meine also: Ebenso wie das zweite Staatsleben zu Anfang aufgebaut und errichtet worden war unter zwei Führern, einem weltlichen und einein geistlichen Führer (Serubabel, Josua), so könnte auch das dritte Staatsleben erstehen unter einem nationalgesinnten und einem religiösen Führer. Beide freilich müßten in Einmütigkeit handeln und zum Wähle der Gesamtheit wirken. Dann könnte es nicht ausbleiben, daß die Entwicklung erfolgreich würde. War diese schon im zweiten Staatsleben weit größer imd bedeutsamer als im ersten, so würde sie im dritten noch unvergleichlich vorzüglicker werden als im zweiten. Hauptsächlich müßte das neue Palästina der Welt das schöne Beispiel liefern, daß es von der Geschichte gelernt hat, ein -- immer einig Volk von Brüdern, ein Volk des einig-einzigen Gottes zu sein. Es ist selbstverständlich und braucht wohl nicht erst besonders bemerkt zu werden, daß im Falle der Gründung eines neuen Staatswesens in Palästina nicht alle Juden sogleich in ihr Stammland einziehen werden oder gar einziehen müssen. Es soll ja dieses in e r st e r Reihe für die immer hart bedrängten Juden des O st e n s bestimmt sein. Waren doch im Jahre 536 vor der üblichen Zeitrechnung nicht alle Juden ans Babylonien in ihre Heimat zurückgekehrt, sondern nur 42 000, die von den Zurückbleibenden mit Geld, Vieh und sonstigen für das neu zu gründende 'Staatswesen und Gotteshaus bestimmten Gäben ausgerüstet wurden! Unverständlich aber, ja töricht wäre es, wollte jemand aus Liebe zu seiner jetzigen Heimat überhaupt dem Plan, Palästina den Juden als Zufluchtsstätte wiederzugeben, ablehnend gegenüberstehen. Die Mehrheit der Juden war doch immer von der Sehnsucht erfüllt, die Herrlichkeit Gottes wieder einmal im Heiligen Lande thronen zu sehen. Und nun, da die Zeit dafür gekommen scheint — wie sollte sich jemand dagegen wenden. Freilich müßte vorerst die Gründung auch des Völkerbundes gesichert sein und feststehen, damit Palästina unter dem Schutze desselben sich erheben und einrichten könnte, ohne besondere Hindernisse und Störungen von irgendeiner Seite befürchten zu müssen. Dann aber wird Wilson, der Vater dieses Bundes, auch von den Juden in Palästina ebenso gefeiert werden, wie seinerzeit Chrus gefeiert worden ist. R Iffland als Schema in Cumberlands „Iude" aus: Gebrüder Henschel, ,,Jfflands mimische Darstellungen für Schauspieler und Zeichner", Berlin, 1808—1812. Cumbrrlsnds „Jude". Von Tr. S. Aschner. ichard Cumberlands „Jude" verdient, den Berlinern wieder in Erinnerung gebracht zu werden; hat er doch hier ganz besondere Triumphe gefeiert! Doch davon später! MchardCumberland (1732—1811), ein Nachfahre Lillos, der das bürgerliche Trauerspiel schuf und auf Lessings „Miß Sara Sampson" besonders tief einwirkte, wird von Oliver Goldsmith nicht umsonst The Terence of England, the inender of hearts genannt, mit seiner Anspielung übrigens auf den Schuhflickerwitz in Shakespeares „Caesar" I, 1 (A mender o! bad soles). Er ist der gutmütige und oberflächliche Vertreter des englischen Rührstücks, das mit Jffland und Kotzebue auch bei uns um die Wende des 18. Jahrhunderts gute Tage hatte. Uns interessiert er, weil er mit seinem Juden Schema gleichsam den Shhlock des 18. Jahrhunderts formte, eine Gestalt, die, wie der Nathan, im vollen Licht moderner Toleranz steht. Der Inhalt ist kurz folgender: Schewa ist in Cadix durch einen Edelmann von der Inquisition errettet worden und wird in London noch einmal durch dessen Sohn, Karl Ratclisf, vor dem englischen Pöbel geschützt. Karl wird aus dem Dienst des Handelsherrn Sir Bertram gejagt, weil Bertrams Sohn sich in des verarmten Rateliff schöne Schwester Louise verliebt hat. Zu spät; denn die Liebenden sind bereits heimlich verlobt. Der Vater verstößt und enterbt deshalb seinen Sohn, den sein Freund Karl zum Duell fordert, da er seine Schwester entehrt glaubt, elendes Hungerleben führt, obwohl reich geworden, ist ein edler Schewa, der ein er durch Geldgeschäfte Menschenfreund wie Nathan, obwohl er überall als schmutziger Wucherer verschrien ist und nichts tut, diesen Ruf Lügen zu strafen. Er gibt heimlich die 10 000 Pfund, die zu Louisens Mitgift nötig sind, und, als er erfahren, daß Karl sein Wohltäter und der Sohn seines Retters, vermacht er dem edlen Jüngling sein ganzes Vermögen. Selbstverständlich willigt Sir Bertram; namentlich im Anblick der Mitgift, in die Ehe, und alles endet in dulci jubilo. Schemas letzte schöne Worte sind: „Ich verschwende mein Geld nicht an Eitelkeiten oder öffentliche Werke: ich hinterlasse es einem barmherzigen Erben und erbaue mir ein Denkmal im menschlichen Herzen." Dieses Stück, ganz aufgebaut auf diesem einen in sich freilich höchst widerspruchsvollen Charakter, da alles andere öde Schablone und typische Mache, wurde von Jffland in Berlin am 22. August 1798 aufgeführt, nicht nach Brockmanns Wiener Uebersetzung 1795, sondern nach der Königsberger von 1798. Jffland selbst, unübertrefflich als Humorist und Charakterspieler, gab den Juden. Beiliegende Umrißzeichnung aus der mit Recht berühmten Sammelmappe der Gebrüder Henschel

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