Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1919)
- Date
- 1919-04-18
- Page
- Seite 162 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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162 30 300,— 42 950,— 188 604,80 54 650,- 116 450,- die in mustergültiger Weise erfüllt wird. Allerdings erfordert diese Verwaltung ebenfalls weit über 1 Million Mark jährlich. Im einzelnen partizipieren an diesen Kosten: 1. die Armenkommission einschließlich der Ausgaben für die verschämten Armen mit 218 155,88 M. 2. die Kommission zur Unterstützung hilfsbedürftiger durchreisender Juden mit . . 3. die Fürsorgekommission mit. 4. die Waisenkommission mit. 5. die Sammelvormundschaft für jüdische uneheliche Kinder mit. 14 025 — 6. das Reichenheinäsche Gemeindewaisenhaus mit .. 7. das II. Waisenhaus in Pankow mit . . 8. die drei Altersversorgungsanstalten, die sich bisher aus eigenen Stiftungen erhalten konnten und nur eine Rente von 6000 Mark von der Gemeinde beanspruchten, erfordern einen Zuschuß von. 55 160,— „ 9. das Hospital mit. 73 200,— „• 10. das Krankenhaus mit . .. 335 877,— „ 11. die Zentrale für die Wohltütigkeitsanstalten mit . 12 448,— „ insgesamt 1 141 820,68 M. Hierzu müssen noch die Unterstützungen gerechnet werden, die die Stiftungskommission aus den Zinsen der Stiftungen verteilt, die der Jüdischen Gemeinde zugesallen sind. Sie betragen in diesem Jahre.. .221 835,46 „ so daß für Wohlfahrtszwecke von der Berliner Gemeinde jährlich. 1 363 656,14 M. zugeschossen werden müssen. Das, Vermögen der Gemeinde besteht aus dem Besitz der Shnagogengrundstücke, der Schulen, der beiden Verwaltungsgebäude rlnd der Friedhöfe, der Waisenhäuser, der Altersversorgungsanstalten, des Krankenhauses und vieler anderen Grundstücke, außerdem aus Hypotheken und zahlreichen Stiftungsgeldern. Auf der anderen Seite sind die Anleihen und Hypothekenschulden zu berücksichtigen, die von der (Gemeinde ausgenommen worden sind und verzinst und amortisiert werden müssen. Für diese Schulden der (Gemeinde in Höhe von 17 507 900 Mark sind jährlich 864 188,09 Mark an Zinsen und Amortisation zu zahlen. Außerdem erfordern die beiden Verwaltungsgebäude 100 000 Mark jährlich, und die Gesamtausgabe dieser Position beläuft sich auf 910 070 Mark, wobei 110 000 Mark in Reserve gestellt, 60 000 Mark dem III. Amortisationsfonds zugeführt werden sollen, während anderseits 150 000 Mark als Erlös für Erbbegräbnisse in Einnahme gestellt worden sind. Zur Bewältigung der vielen Arbeiten, die in den Bureaus der Gemeinde zu erledigen sind, ist eine große Anzahl von Beamten notwendig. Mehr als 130 männliche und weibliche Angestellte sind hier beschäftigt, und ihre Besoldung erfordert infolge der ihnen bewilligten Teuerungszulagen und Kriegsbeihilfen einschließlich der Remunerationen eine jährliche Ausgabe von . 789 670,— M. Hierzu kommen noch die Bureauunkosten in Höhe von . 117 785, — „ und die von der Gemeinde zu zahlenden Pensionen .. 87 141,47 „ so daß diese Position insgesamt. 994 596,47 M. erfordert. Für die Baukommission, der die Ausführung der Bauarbeiten und die Reparaturen der Gemeindegrundstücke ob-. liegt, sind für 1919 167 100 Mark in den Etat eingestellt und für unvorhergesehene Ausgaben und für den Dispositionsfonds 262 000 Mark. Ferner sind von der Gemeinde, wie bisher, Beiträge an wissenschaftliche und soziale jüdische Vereine und Anstalten vorgesehen und es belaufen sich diese an 42 Vereine bewilligten Zahlungen auf 80 000 Mark jährlich. Das allen steuerzahlenden Gemeindemitgliedern unentgeltlich zugehende „Gemeindeblatt" erfordert 61000 Mark. Die herfür entstandenen Mehrkosten sollen in Zukunft durch die Aufnahme von Inseraten gedeckt werden. Für die in diesem Jahre stattfindende Neuwahl zur Repräsentantenversammlung sind 18 000 Mark zur Deckung von Wahlkosten, in den Etat ausgenommen worden. Die Gesamtsumme dieser diversen Ausgaben beträgt 588100 Mark. Als letzte, aber nicht unwichtigste Position des Etats ist das Beerdigungswesen und die Friedhossverwaltung sowie die Gärtnerbetriebe auf den Friedhöfen' in Weißensee und in der Schönhauser Allee zu betrachten. Die Unkosten für die Beerdigungen sind so kolossal gestiegen, daß die Tavife von der Gemeinde bedeutend erhöht werden mußten. Die Gesamtausgaben für Beerdigungen sind auf 1 014 205 Mark berechnet, während die Einnahmen, trotz der Tariferhöhungen, nur 805 494 Mark betragen, so daß 208 711 Mark bei den Beerdigungen von der Gemeinde zugelegt werden müssen. Dagegen bleibt beim Gärtnereibetrieb ein Ueberschuß von 99 560 Mark, so daß trotzdem noch ein Zuschuß von 109 151 Mark von der Gemeinde zu leisten ist. Tie Einrichtung des neu gekauften Friedhofsgeländes in Buckow wird ebenfalls große Kostenaufwendungen erfordern, ober es ist nötig gewesen, rechtzeitig für die Beschaffung eines geeigneten Terrains für einen neuen Friedhof Sorge zu tragen. Der Haushaltsplan der Berliner Jüdischen Gemeinde für 1919 beweist klar, daß auf allen Gebieten der Verwaltung nmsterhafte Ordnung herrscht. Trotz der gewaltigen Höhe der Allsgaben wird überall Sparsamkeit geübt, soweit es die Verhältnisse überhaupt gestatten. Es ist nicht vorallszusehen, wie die großen Veränderungen im politischen Leben und die beabsichtigte Trennung von Staat lnld Kirche die jüdische Gemeinde und die Steuerkraft der Gemeindemitglieder beeinflussen werden. Wir hoffen jedoch zuversichtlich, daß das stets bewährte Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Juden sich stärker erweisen wird als der Gedanke der Trennung und des Abfalls. Denn nur bei festem Zusammenhalten aller Gemeindemitglieder kann die Berliner Jüdischen Gemeinde in Zukunft auf der Höhe sich'erhalten, zu der sie jetzt emporgestiegen ist. Bon Rabbiner Dr. Frlcbniönn in Lublinitz. Frage, die infolge des Planes seitens der Entente, J die Juden wieder in den Besitz Palästinas zu setzen, in der Gegenwart akut geworden ist rmd die Gegensätze innerhalb der Judenheit scharf hervortreten läßt, statt sie bei dleser großen Angelegenheit in Einigkeit und Einheit zll finden — die Frage nämlich, ob dann das neue Gemeinwesen national, religiös oder national-religös sein solle, ist doch nur aus der geschichtlichen Entwicklung und ihrem inneren Wesen zll beantworten. Die Geschichte lehrt unzweifelhaft, daß Israel von Anfang an die Aufgabe und den Beruf hatte, die Welt -mit seiner wahren Religion zu erfüllen und zu beseligen. Zu diesem Zweck hatte das Volk ursprünglich das Land Kanaan erlangt, um sich hier für seine Aufgabe selbst zu stärken und zu festigen