Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1919)
- Date
- 1919-04-18
- Page
- Seite 161 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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161 Aus New Uork wird berichtet: Eine Rede I a c v b Schiffs. Bei der jährlichen Generalversammlung der Immigration Aid Society an: 9. März hielt Jacob Schiff eine Protestrede gegen die reaktionären Versuche, die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten für mehrere Jahre zu verbieten, und führte aus, daß die jüdische Einwanderung nur von Vorteil für Amerika gewesen ist. Die Lage der Juden in einigen Ländern werde auch nach dem Kriege unerträglich sein, da die Gleichberechtigung, sogar wenn die Friedenskonferenz auf ihr bestehen sollte, wenigstens für einige Zeit nur aus dem Papier vorhanden sein würde. Was den Zionismus beträfe, so müsse er die Notwendigkeit betonen, Palästina wieder aufzubauen, ein Werk, an dem alle Juden teilnehmen müssen. Hunderte und Tausende, vielleicht Millionen von Juden werden nirgends eine so glückliche Heimstätte finden können wie in Palästina. Palästina werde zunächst unter der Sachival'terschaft einer Großmacht flehen, aber die Juden werden, wenn sie erst eine große Majorität im Lande bilden, über die Errichtung eines jüdischen Staates selbst entscheiden können. Der tzsushsllsktat der Lerlmer Jüdischen Gemeinde. Bon Benas L e v y. ^unt 'erstenmal haben die Repräsentanten der Berliner nj Jüdischen Gemeinde über einen ei n j ä h r i g e n Etat beraten. Ter Vorstand hat ihnen den Etat für das Jahr 1919 vorgelegt. Die von den Gemeindebehörden beantragte Statutenänderung, derzufolge nicht mehr auf drei Jahre hinaus der Etat festg-estellt zu werden braucht, wird hoffentlich vom Obervräsidenten genehmigt werden. Sonst wird auf der Grundlage des Etats für 1919 auch der Haushaltsplan für 1920 aufgebaut werden müssen und ein Nachtragsetat eingereichtwerden. Der einjährige Etat hat den Vorzug der größeren Uebersichtlichkeit. Das ist bei einer so .gewaltigen Menge von Zahlen ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Mit Leichtigkeit kann sich jeder, der sich «damit beschäftigt, zurechtfinden, obgleich dem -gesamten Etat nicht weniger als 35 Anlagen mit Spezialetats beigegeben sind. Der Umfang der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde in Berlin ist deutlich zu erkennen an der riesigen Summe von 9 656 162.38 Mark, mit der in Einnahme und Ausgabe der Etat für 1919 abschließt. Dementsprechend gewaltig ist auch der Betrag, der an Gemeinde-. steuern auszubringen ist und der sich auf 5 514 375,45 Mark beläuft. Vor 10 Jahren, im Jahre 1909, genügten zur Deckung der Gemeinideansgaben Stellern in Höhe von 2 122 228,23 Mark, und schon diese beiden Zahlen zeigen deutlich die bedeutende Entwicklung, die die Berliner Jüdische Gemeinde in dem letzten Jahrzehnt durchgemacht hat. Alls allen Gebieten der weitverzweigten Verwaltung zeigt sich reges Leben, lind es ist ein großes Stück Arbeit, das der Vorstand und die Repräsentanten, die 700 Ehrenbeamten sowie über 400 angestellte Beamte im Dienste der Gemeinde leisten. Ihre Tätigkeit verteilt sich auf folgende Abteilungen: 1. Kultuslind Ritualangelegenheiten, Synagogen, Fest- 'gottesidienste. 2. Unterrichts- und Bibliothekswesen. 3. Armen- und Waisenunterstützung, Verwaltung der Waisenhäuser, des Hospitals, des Krankenhauses und der Altersversorgungsanstalten. 4. Vermögen sverwaltu na. 5. Allgemeine Verwaltung, Gehälter, Pensionen und Remunerationen. 6. Beerdigungswesen, Friedihofsverwaltrmg und Gärtnereibetrieb. Die Ausgaben für Synagogen und gotresdienstliche Veranstaltungen einschließlich der Gehälter für 16 Rabbiner und Prediger sowie für 15 Kantoren betragen 1 134 630,50 Mark. Alls die 10 Synagogen verteilen sich die Ausgaben, abzüglich der Einnahmen für die Vermietllng der Stände luld zuzüglich der anteilig gerechneten Gehälter für Rabbiner und Kantoren sowie zuzüglich der Zinsen von insgesamt 400 568 Mark für die Beträge des Grunderwerbs und der Baukosten, folgendermaßen: 1. Alte Synagoge, Heidevoutergasse (392 Herren- und 456 Damenplätze) . . 2. Neue Synagoge, Oranienburger Straße (1313 Herren- und 888 Damenplätze) . . 3. Synagoge Kaiserstrahe (746 Herren- und 609 Damenplätze) . . 4. -Synagoge Lindenstraße (833 Herrenilrnd 915 Damen Plätze) . . 5. Synagoge Lützowstvaße (820 Herren- und 1027 Damen Plätze) . . 6. Synagoge Rhkestraße (964 Herren- und 1000 Damenplätze) . . 7. Synagoge Famnenstraße (958 Herren- und 1052 Damenplätze) . . 8. Synagoge Levetzowstraße (993 Herren- und 1115 Damenplätze) . . 9. Synagoge Kottbuser Ufer (894 Herren- und 865 Damenplätze) . . 10. Synagoge Pestälozzistraße (388 Herren- und 328 Damenplätze) . Jährliche Zuschüsse 77 530 Mark 137 492 „ 72 540 „ 121 422 „ 84 666 „ 107 194 „ 114 995 „ 111422 „ 109 386 „ 50 525 „ Es sind demnach jährlich an Zuschüssen für die Synagogen. 987 172 Mark von der Gemeinde zu leisten. Für die nächsten' hohen Feiertage sind ferner vorgesehen 22 Hauptgottesdienste statt der bisherigen 20 und 18 Jugendt'öttesdien.ste statt der im letzten Jahre veranstalteten 17. Die Kosten für - diese Festgottesdienste belaufen sich auf 257 430 Mark, und die Gemeindeznschüsse betragen 209 310 Mark. ‘ An Subventionen für die in Groß-Berlin befindlichen Religionsvereine, die ebenfalls gottesdienstliche Vevanstaltungen unterhalten, sind im Etat 185 000 Mark vorgesehen. Die Verwaltung des Lnellbades erfordert einen jährlichen Zuschuß von 11 700 Mark. Tie Koscherflehchangelegenheiten verursachen einen Zuschuß von 75 917 Mark, die Position „Beschneidungen" -ist mit 1000 Mark Unkosten vorgesehen, wohingegen für „Trauungswesen" ein Ueberschuß von 3000 Mark zu erwarten ist. . Für die Schulen und die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde ist ein Aufwand von 644 856 Mark nötig. Im einzelnen verteilen sich diese Kosten wie folgt: 1. Die Knabenschule erfordert jährlich 177 491,65 Mark 2. Die Mädchenschule jährlich . . . 155 412,— 3. Die Lehrerbildungsanstalt jährlich 42427,35 4. Die Präparandenanstält jährlich . 21 950,— 5. Der Kursus zur Ausbildung von Religionsunterricht jährlich ... 1 500,-- „ 6. Die 24 Religiousschulen der Gemeinde sowie der Religionsunterricht an den profanen Lehranstalten erfordern jährlich. 203 905,— 7. Die Gemeindebibli oth ek jährlich . . 42 170,— 644 856,— Mark Die Erfüllung der sozialen Aufgaben der Gemeinde, die sich auf die Unterstützung der Armen und Waisen, auf die Heilung der Kranken ltnb auf die Versorgung der alleinstehenden Alten beziehen, ist eine Ehrenpflicht der Gemeinde,