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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-04-11 · Heft 15 (11.4.1919) · p. Seite 151

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 15 (11.4.1919)
Date
1919-04-11
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 im Sommer 1918 an der Berliner Universität für das Fach der alten Geschichte. Außer Abhandlungen aus dem Gebiete der alten Geschichte, die in Zeitschriften erschienen, gab er fünf Bände der „Mitteilungen ldes Gesamtarchivs der deutschen Juden" heraus und (1913) das Buch „Imperium Romanum". Studien zur Entwicklungsgeschichte des römischen Reichs. Band I: Die Staatsverträge und.Vertragsverhältnisse. Täubler hat mit frischer Kraft und mit jugendlichem Eifer seine Universitätstätigkeit in schwerster Zeit begonnen und vermag schon in seinen ersten Semestern schöne Erfolge zu verzeichnen. So sehr die Lehranstalt es zu bedauern hat, daß ein so frischer, rühriger. Pflichteifriger, nach großen Zielen ringender Mann seine Stellung bei ihr aufgegeben hat, so muß sie sich beglückwünschen, daß sie die Anfänge seiner Lehrtätigkeit Miterlebt hat. Sie würde es auch für sich als eine Ehre betrachten, wenn der zu den schönsten Hoffnungen berechtigende Gelehrte an der Hauptuniversität Deutschilands, oder wo sonst ihm ein Lehrauftrag winkt, eine segensreiche Dozententätigkeit entfalten würde, und darf ihren besonderen Wunsch nicht unterdrücken, daß er bei seinen Studien, die im wesentlichen dem klassischen Altertum gewidmet sind, auch neue wichtige Dienste der Wissenschaft des Judentums zu leisten imstande sein möge. Bei seiner begeisterten Liebe zum Judentum und dessen Geschichte darf man auf eine Verwirklichiung dieser Hoffnung rechnen. L. G. Dir Thors im Lichte der Ngads Von Albert Katz. II. / 2kenieft@ Kapitel 1 bis 2. „Und Gott machte die zwei großen Lichter, das größere Licht, die Sonne, zur Regierung am Tage, das kleinere, den Mond, zur Regierung am Tage und in der Nacht." Das bezieht sich auf Esau und Jakob. Esau, der größere (der ältere, bestimmt das Jahr nach der Sonne, Jakob, der kleinere (der jüngere), nach dem Mond. Wie aber die Sonne nur am Tage und nicht auch in der Nacht regiert, so besitzt Esau nur diese und hat keinen Anspruch auf die künftige Welt. Jakob, der das Jahr nach dem Kreislauf des am Tage und in der Nacht herrschenden Mondes bestimmt, erfreut sich des flnteils an dieser und der künftigen Welt'J. Indessen sind die Pforten des Jenseits auch Esau nicht verschlossen, wenn er an Gott glaubt und seine Weltregierung anerkennt. Das Wort: „Die Seelen der Frevler kehren in das Schattenreich, in das Nichts zurück" (Psalm 9, 18), bezieht sich nur auf die Völker, die des ewigen Gottes vergessen"2). Die Thora, die, wie die Himmelslichter die Erde, den Menschengeist erhellt, ist ein Erbe des Hauses Jakob, das schon in alter Zeit von dem Glauben an eine künftige Welt, an ein Leben nach dem Tode durchdrungen war und diesen Glauben als ein teueres Kleinod behütet und gegen» Feind und Freund verteidigt hat. Ein Sadduzäer sagte einst zu Gabiha ben Pesisa: Ihr Pharisäer glaubt an ein Leben nach dem Tode. Ist das nicht töricht? Der Lebende Privatdozent Dr. Täubler. stirbt und der Tote sollt« aufleben? Darauf erwiderte der Angeredete: Toren seit ihr, die ihr unseren Glauben nicht teilt: Wenn der, der nicht war, ist, sollte nicht der, der war, wieder sein, von neuem leben können?-') Am fünften Tage schuf Gott die Fisck^ im Wasser, die großen Meerungeheuer, alles Kriechende, leiblich Lebendige im Wasser sowie allerlei Geflügel in der Luft, setzte sein Werk am sechsten Tage fort, an dem er Landheere aller Art, Vieh und Tiere aus der Evde hevvorbrachte, und nachdem er so die Erde mit den verschiedensten Gütern gefüllt hatte, beschloß er, den Menschen, den Schlußstein, vielleicht auch den Endzweck der Schöpfung, erstehen zu lassen. Und er sprach: „Wir wollen nun einen Menschen machen, in unserm Ebenbilde, in Aehnlichkeit mit uns." Gott sprach dies zu den von ihm bereits geschaffenen Naturkräften, zu der seinem Winke gehorchenden, seinen Weltenthron umringenden Engelschar, um so der künftigen Menschheit die Lehre zu erteilen, daß die Großen der Welt, Fürsten und Könige ihrer Erhabenheit keinen Abbruch tun, wenn sie, so es sich darum handelt, Neubildungen ins Leben zic rufen, zuvor den Rat ihrer Untergebenen einholen. So teilte der Ewige seinen Plan der Menschenschöpfung den seine Majestät kündenden, in seinein Abglanz lebenden überirdischen Wesen mit, um ihre Ansichten über den zu gestaltenden Menschen zu vernehmen. Doch diese Ansichten waren geteilt. Die Engel der Liebe und des Erbarmens rieten, den Menschen zu erschaffen. Er werde sprachen sie — in den Wegen seines Schöpfers wandeln und wie er Liebe und Barmherzigkeit auf Erden üben. Der Genius der Wahrheit dagegen sprach: „Der Mensch wird die Lüge der Wahrheit vorziehen, erschaffe ihn nicht." Diesem gesellte sich mit seinein Bedenken der Friedensengel: „Der Mensch, den dir. o Herr, zu erschaffen gedenkst, wird auf der Erde nur Verwirrung Hervorrufen, Zank und Steit stiften und den alles vernichtenden Krieg in die Welt bringen." Diese Bedenken aber zerstreute der Genius der Gerechtigkeit, indem er sprach: „Ich werde den Menschen meinem Gesetz unterordnen, und Der Frieden wird wieder aufblühen." „Du hast recht," sprach nun Gott zur Gerechtigkeit, und zur Wahrheit gewandt, fuhr er fort: „Steige zur Erde nieder, sei eine hilfreiche Genossin dem Menschen und stehe ihm bei in dem schwierigen Kampf gegen die ihn umstrickende Lüge."22) Indessen nicht nur die Engel der Wahrheit und des Friedens, auch die'vorweltliche Thora äußerte chre Bedenken gegen den Plan der Menschenschöpfung. „Herr der Welt", sprach sie, „der Mensch, den du bilden willst, wird arm an Tagen, aber reich an Mühen, Kümmernissen und Sorgen und leicht eine Beute der ihn umlauernden Sünden sein. Wenn deine Nachsicht und Langmut ihn nicht begleiten, wäre es besser für ihn, du ließest ihn unerschasfen." Da erwiderte der Ewige: „Meine teure Thora! Du selbst kündest ja von mir: Ich sei langmütig, ein Gott reich an Liebe und Treue — dein Wort ist Wahrheit, besteht ewiglich." Und indem er also sprach, vereinigte er in seiner Hand Staubkörnchen aus allen Enden der Erde, bildete daraus einen Menschenkörper und hauchte --) Ibid. "h Sanhedrin 91a. Ibid 105a. 25) Genesis rabba K. 8.

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