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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-04-11 · Heft 15 (11.4.1919) · p. Seite 150

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 15 (11.4.1919)
Date
1919-04-11
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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vop./Rrohmut, von Idealismus sich fast niemals bis zu den höchsten' Gipfln en^tzörschwingen konnte, sondern unterMgs liegen blieb! Ich ' habe fast immer konstatiert,'daß die bedeutendsten jüdischen Geister unserer' Zeit (ivie auch des vergangenen Jahrhunderts) -^ Denker, Schriftsteller/ Künstler,Musiker - etwas . Unvollständiges an sich Habens -nicht in der Form, sondern im. Wesen --- ein ge)visser Mangel an. innexem Kern ist an ihnen bemerkbar. . Man könnte sagen, der Boden, unter ihren Füßen sei ihnen nicht sicher genug, oder daß diese reichen Ströme von Leidenschaften und Ideen, von ihrem natürlichen Fluß abgelenkt, seit Jahrhunderten ihr altes Flußbett suchen, den Weg, deydie Natur für sie gebahnt hat. Ich bewundere Zhre Worte über den wahren Zionismus und stimme mit' Jhnen vollkommen überein. Jawohl, auch ich sehe ihn für'euch in-der. Rückkehr, in der Treue zu sich selbst) in der Ilebereinstimmungmit, sich selbst, .in der inneren Aufrichtigkeit, der. vollen , und absoluten. Euer wahres Leben wiederfiuden und es verwirklichen: hier liegt euer wirkliches Jerusalem! — Ich habe die Juden, die ich kannte und schätze, immer darauf hingewiesen, namentlich die Künstler. Es gilt nicht einen neuen Nationalismus zu gründen. Ich bin ein Feind aller Nationalismen; es wäre nur ein Hohn, wenn „das Volk Gottes^ sich mit seinem Gott in einem kleinen Vaterlande einsperren wollte mit. all den kleinlichen Leidenschaften seiner Ameisenhaufen. Es gilt sich seiner ethischen, tiefen, ewigen Persönlichkeit bewußt zu werden, seiner Mission in der menschlichen Bruder- . gemeinschaft^ Die' Gemeinschaft der Völker, die ich für die Zukunft erträume, geht nicht darauf aus die individuellen Charaktere in der Gemeinschaft zu bilden und zu verwischen, sondern will sie nur nett und sauber herausarbeiten, daß sie schöne Instrumente werden, die zu einer gemeinsamen Symphonie zusammenspielen. Empfangen Sie den. Ausdruck meiner Sympathie ...und Hochachtung. . R o m a i n R o l l a n d. . . Gestatten Sie mir. zu bemerken, daß ich .nicht Schweizer bin, sondern Franzose — Altfranzose, aus dem Zentrum Frankreichs. Wenn ich momentan in der Schweiz wohne, geschieht es, um von den Leidenschaften mich fernzuhalten, die dtls unglückliche Europa zerfleischen. Dr. Lduard Akumann Oberrabbiner von Ranizsa. Von Ludwig 231<ui- (Budapest), en Verheerungen des Weltkrieges ist in Gestalt der. spanischen Grippe ein Würgeengel gefolgt, der unter der daheimgebliebenen Bevölkerung mit gleichem Schrecken wütete. Zu den Besten, die der furchtbaren Epidemie zmn Opfer gefallen sind, zählt auch Dr. Eduard N e u mann, der Vorsitzende des Ungarischen Landesrabbinervereins. Ein schmerzlicher Verlust nicht nur für seine Geineindc. der er volle 36 Jahre mit nie erlahmendem Eifer und weit sichtbarem Erfolge geldient, sondern auch für das ungarische Gesamtjudentilm, das ihn als eine leuchtende Zierde des Rabbinerstandes ' tief verehrte. Den herbsten Schlag hat neben feiner engeren Familie seine, im wahren Sinne des Wortes weitere Familie, der ungarische Rabbinerstand, erlitten, für besten materielle lind moralische Interessen er seit 16 Jahren mit großen Opfern an Zeit und Kraft unermüdlich tätig war. Seine ausgezeichneten' Charaktereigenschaften, sein feiner Takt, seine Selbstlosigkeit'und Standhaftigkeit haben ihm die Zuneigung aller,.berufenen Faktoren des ungarischen Judentums in so hohem Maße gesichert, 'daß er mit deren Hilfe für den ungarischen Rabbinerstand ein solches Maß'von. .Rechten und Vorteilen zu gewinnen vermochte, wie man es kaum zu hoffen wagte- Der -.ungarische Staat behandelt die Rabbiner in jeder Beziehung" voll und ganz wie die Seelsorger anderer Konfessionen. ' ' .; ' Dr. Neumann hat auch eine Bewegung "etngeleitet,. daß die Rabbiner in der Führung der Gemeinden den ihnen gebührenden Platz einnshmen, was von seiten der israelitischen Lastdeskanzlei uüd den Distriktsprästdenten mit Wohlwollen ausgenommen wurde und ohne Zweifel zu einem vollen Erfolge führen ' wird. In seiner Eigenschaft als -Vorsitzender des Rabbinervereins unterhielt Neumann Beziehungen auch zu führenden Geistlichen anderer Konfessionen, welche sich überaus'herzlich gestalteten. Durch seinen lauteren Charakter und seine 'trauliche Art vermochte er nicht nur ihre Liebe und Hochachtung für sich, sondern auch ihre tatkräftige Unterstützung für seine Bestrebungen zu gewinnen. In rührenden und ehrenden Worten haben sie anläßlich seines Heimganges ihrem Schmerze und ihrer Teilnahme seiner Familie wie auch seiner Gemeinde gegenüber Ausdruck gegeben. Mit unwandelbarer Treue hing Dr. Reumann an der Landesrabbinetschule. deren erster Zögling er gewesen. Als lang-' jähriges Mitglied des leitenden Komitees hat er sich an allen ihren Arbeiten mit Eifer und Erfolg beteiligt, und sie wird ihm stets ein dankbares Andenken bewahren. Troß dieser. weitverzweigten Praktischen Tätigkeit für die Allgemeinheit 'war Dr. Neumann ein musterhafter ,Führer seiner Gemeinde, der alle Pflichten eines idealen Seelsorgers' anfS gewissenhafteste erfüllte. Er fand sogar noch Zeit. für. die allgemeinen kulturellen Bestrebungen der Stadt seiner' engeren Tätigkeit und ihrer Umgebung zu wirken, die ihn zum Vorsitzenden ihres Kulturvereines wählte, in welcher Eigenichast er sich allgemein anerkannte Verdienste erwarb, was bei der Leichenfeier in imposantester Weise zum Ausdruck kam. Ein Mann des praktischen Lebens im edlen Sinne des Wortes, vermochte er dennoch vermöge eines angespannten- Fleißes eine rege literarische Tätigkeit zu entfalten. Neben selbständigen Schritten, wie derjenigen über die mohammedanische Josefs- Sage und im Gebrauche stehender Schulbücher, lieferte er zahlreiche Beiträge für ungarische und deutsche Zeitschriften, unter welchen sich auch diese-Zeitung befindet. Nur das glückliche Familienleben, das er mit Frau Emma Kahserling, der Tochter des nnveraeßlichen Dr M. Kahserling und Enkelin Ludwig P h i l i p p s o n s führte, die ihm zwei ausgezeichnete Söhne und eine edle Tochter schenkte, konnte die seelische und geistige Atmosphäre schaffen, in welcher sich seine angeborenen Talente zu so herrlicher Blüte entwickelten. Aus der Vollkraft seines segensreichen Schaffens — er stand im nennnndfünfzigsten Lebensjahre — hat ihn die tückische Krankheit binweggerafft und die Verwirklichung seiner weitgehenden. Plane zunichte gemacht. Das ungarische Judentum und eine große Schar von Freunden werden dein ausgezeichneten Manne stets, ein treues und ehrenvolles Andenken bewahren. Dir Dorrnten an der Lehranstalt für dir MMnlchakt des Judentums m Berlin. VI. Eugen Täuble r. ugen Täubler, geb. 1879 in Gosthn (Provinz Posen), besuchte das Gymnasium in Lissa, studierte in Berlin Geschichte und Philologie, hörte auch Vorlesungen an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1904 mit einer Arbeit über die Parthernachrichten bei Joseph us Promoviert, machte 1906 nach einer Dienstzeit am Geheimen Staatsarchiv in Berlin das ärchivalisch'e Staatsexamen und übernahm dann die Leitung ' des Gesamtarchivs der deutschen Juden, wurde 1910 an die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums für das Fach der jüdisch-hellenischen Geschichte und Literaturgeschichte berufen, übernahm 1912 an derselben Anstalt den Ludwig - PhiliPPson -Lehrstuhl für "jüdische Geschichte, habilitierte sich, unter Aufgabe dieses Lehrstuhls,

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