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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-04-11 · Heft 15 (11.4.1919) · p. Seite 149

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 15 (11.4.1919)
Date
1919-04-11
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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verrückten, monomarverr Juden" nsnnt,-„einen wütenden Narren» "dör seine Zeit damit verbringt, zu schimpfen, zu drohe«, wie ein toller Wolf zu Heulen und hinter seiner Wolke vvr' WsKtlÄbeik'/'Ht''die Bibel «das reine' Mark des Löwen^. „Die widerstandskräftigsten Herzen find es, die sich von ihr nähren." bemerkt Ehristof, um fortzpfa^ren: „Daß Evangelium ist ohne das. Gegengift des Alten Destqmentes ein flaues und ungesund^ Gericht, Die Bibel ist das Knochengerüst der Völker, die leben »vollen." „Während also Ehristof", wie Ziegler meint, „zum Teil aus Verehrung des Alten Testamentes gegen seine Träger einen gewissen Respekt in sich hat/ H'^vier^Jude«Deü«si''S^ Menschenliebe, aus Herzensgüte und Milde, aus Haß gegen den Haß." Auf diese „geradezu klassische Kontroverse" über die Bibel und die Misraekit-rfcho GottMdee zwischen Olivjer und Ehristof. macht Ziegler die Leser des Romans ganz besonders aufmerksam» indem er in dem:besprechenden Teil , seiner Broschüre (Kapitel XUs darMsichittweist? ».daß wohl »auch Olivier manche seirter Urteile über dem ».ewig tobenden und scheltenden Jahwe" anders formuliert hätte, wenn er in der vergleichenden Religionsgeschichte besser bewandert gewesen wäre". An die Wiedergabe der vielen markanten, uns Juden besonders interessierenden Stellen des Romans schließt sich eine kleine Reihe von Abhandlungen Zieglers, in denen er in seiner bekannten geistreichen Art zu den Ausführungen Rvllands Stellung nimmt. In populär-wissenschaftlicher. fesselnd geschriebener Weise stellt er einige irrtümliche Anschauungen des französischen Autors in bezug aus jüdische respektive biblische fisragen richtig. So bildet das bereits erwähnte Kapitel XII der Broschüre: „Zu Rollan.ds Worten über die Bibel, über die Ironie und den Schauspielerberuf der Juden" ein'kleines Meisterwerk der Apologetik für sich, das für den gebildeten Laien von grobem Werte sein dürfte. Auch Kapitel XI: „Die wahre Mission der Inden" ist ganz besonders bervorzuüeben. Der Betfaffer zeigt hier, wie die Juden aller Länder sich mit dem heute mehr als ie betonten Nationalgedanken auSei.nanderzusetzen haben. Der Raummangel gestattet mir leider nicht, auch nur wenige dieser hochinteressanten Ausführungen Zieglers eingehend zu behandeln. Nur eine Stelle aus dem Kapitel „Die wahre Mission der Juden" sei mir gestattet, hier wiederzugeben. Ich erwähne sie auch deshalb, weil sie mir eine treffliche Antwort auf die neuerdings wieder von antisemitischer. Seite hervorgehobene alte Behauptung erscheint, die Juden seien die treibende Kraft des Bolschewismus sowie überhaupt das zersetzende Element der Welt: „Wäre uns jemals das . Unglück beschieden gewesen, stinkende Amorälisten. zersetzende Nihilisten, wie Kohn- Hamilton und Lewy-Coeur, als t H P i s ch e Judengestalten auf der. Kulturbahn aller Völker zu sehen, wenn diese Menschen nicht entjudete Juden, entwurzelte, entartete heimatlose Juden, sich selbst treulose Juden geworden wären? Entwurzelt, weil sie die sittlichen Werttz ihres Stammes verwarfen, heimatlos, .weil sie dem Urgrund ihrer Volksgröße treulos wurden, , wie es. auch Rolland mit scharfen Worten geißelt- Nicht die Diaspora hat . die Juden entwurzelt, sondern ihre Treulosigkeit gegen den alten, großen Geist ihres Volkes Hätten wir den behalten, den in die Welt weitergetragen, mit dem alles Große Und Edle aller Kulturen vereint? wir wärenein Segen der Menschheit gewordem In der Not -und im Elend der Diaspora haben wir fast alles erworben, was heute so durchgehends jüdische Art genannt wird: unseren ' Geldhunger, unseren Merkantilismus, unseren Verstand sind unsere Respektlosigkeit? Alle Versuche, dW^jüvische''Ui!t''aüflJsrMs^Kl'nd?. ' heitsjähre zürückzüfikhreti und sie unserer völkischen Urzellv in die-Schuhe zü schieben, scheiterst än der Erkenütstks, die wir - aus» den biblischen Schriften -überdie -ältesten 'Tage lmsevtzß Volkes gewinnen." — ' In demselben "Kapitel entwickelt sichten Wer seltzsts T.reue. zu jenen. religiösen uyd, sittlichen Wersin. die unsere sveltgeschichtliche Bedeutung ailsmachen. um derentwillen allein wir bislang die Leiden der ganzen' WM. auf uns genommen haben. Das fsi in erster Reihe der jüdische Nationalismus, unser Zionismus." Es wäre nach Zieglers Meinung unmöglich, „daß das heute die ganze Welt beherrschende Nationalgefühl bes uns.Juden, die wir", wie Rolland 'es so richtig bemerkt, „weit offener für all? Einflüsse von außen sind., als wir esssein sollten« die wir nichh nur an den eigenen Schwächen - leiden, sondern auch, an, denen», die wir von - den »Völkern, gleichsam airflesen", kein Echo finden sollte." - .»»:» o»»;?.: »" ».:»-:»:.V-' ' „In sistmmest Ehtsstrcht"? fährt Ziegler fort, „wollen wir uns E dem Wunder der Geschichte beugew."gelänge es'dWZndMvolk, die alte Heimat änfzurichtest' Wenn jedoch'Pgkästista nur den Zweck haben sollte? daß wir Europas Flitter, und Tand den Völkern Asiens vermitteln und 'sp die. einfachen, naiven Völkerschaften zu den europäischen Untugenden erziehen, dann lohnt es wahrlich des Schweißes unserer EhMtzn nicht-. Nur wenn unser Ziel kest und unverrückt der. Ausbau unserer inneren Kräfte bleibt, der mächtige neue Mügelschlatz .unseres alten Genius, nur dann ist Palästina ein Besitz, wert schwerer, zäher, begeisterter Arbeit" - . Herr Dr. Ziegler hat den kritischen Teil seiner Whandlung mit Erlaubnis der zuständigen Behörden Romain . Rolland übermitteln lasten. -Kurze .Zeit. darauf erhielt der Verfasser, nachfolgenden , interesiantM - .Brief, um desien. Verbreitung Herr Dr< Ziegler.,., ersucht, weil nach feiner Meinung, die» wohl jeder unserer. Leser mit uns teilen wird, „solche Worte eines Weltgeistes der Welt gehören"? — Der Brief Rvllands, am Schluß der' Broschüre im Original und in der Uebersetzung wiedergegeben, hat folgenden Wortlaut: : " Dienstag, den 6? August 1918. '» Mein Herr! ' »-»... » . .»-»».»--. ,..».-x.» Ich habe Ihre Broschüre mit dein« lebhaftesten Interesse -gelesen. Ich bin gerührt von der sympathischen Aufmerksamkeit »Und-großen Hingebung, die Sie meinem Werke gewidmet haben: Es freut»» mich, daß Sie einige meiner »Urteil« über die Juden für wahr-aiud fruchtbringend halten. Ihr« kritischen Bemerkungen, die Sie an mich richten, sind gerecht: ich unterschreibe sie.. Beinahe Hedaure ich es, daß meinem Jean Ehristof »allgemein eineso große Bedeutung,znerkannt wird;- hätte» ich das», da rch. ihn schrieb, vorhergesehen» Ä) hätte manches .meiner Urteile ergänzt» ... - , ». . »»!-»>. Es lag gar nichtin meiner Absicht, eine objektive. Studie» über die zeitgenössische Gesellschaft zu gehen- Alles ist »da vom Gesichtswinkel des Romans aus betrachtet, alles mit den Augen,und »der Seele meines Helden, gesehen. Selbst die. Atmosphäre, des Buches (die allgemeinen Reflexionen) hängen mit dem Charakter? Meines Helden zusammen.' Ehristof — eine sirt Beethovey, atzsi der Wflt von heute herausgewachfen -7 ist weder., nnborsing^nömmen» stöch sehr gut informiert., Man darf.sagen, daß eine geMsifesingerechtigkeit — generös, aufrichtig, leidenschaftlich', sprunghäst' zu Msier Natur gehört. Man findet sie auch in seistw'^zieHuugen zu Jsiael. Hätte ich in meinem' Buche über Ihr Volk im 'eigenen siänsin geschrieben' oder in einer besonderen Schrift," so /hätte', ich es'Mstständiger Und vorsichtiger getan.' Sie haben recht ünzimekjmen?bäß ich Ihre Rasse sMtze. 'Jch' hatte in meinem Leben viele Beziehungen, zu Juden; ich hätte (und höbe noch)' uüker-'ihnen-brehrere'Meiner besten Freunde (in allem Ländern)1 btm wertvollster! ZUNeigung; ich schulde ihnen manche »Frerlde und manches Leid» und dieses »bindet » nicht»weniger als jenes.» .. . »-' » -- : . Ich habc; immer-, gestaunt, -über den hervorragenden Platz, de» die Juden, im geistigen Lehen, Europas einnehmen. » Brauche »ich hinzv- I zufügen, daß ich sehr häufig enttäüfch't darüber war, daß so große Talente, so reiche Verheißungen, eine solche Fülle von Intelligenz,

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