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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-04-04 · Heft 14 (4.4.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 14 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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— 2 I der Toyubeehalle bewilligt: dergleichen 4Ö0 Mark fair die Sale int Veremshause Deutscher Apotheker, Levetzowstraße 16. Am Schluß der Sitzung wurde au Stelle des Herrn Salomon Seligsohn Herr Hugo Blankenburg zum Gemeindeältesten gewählt und von Herrn Gehoimrat Dr. Minden und den Mitgliedern der Versammlung herzlich beglückwünscht. E. M. Berlin, 1. April. Das Ableben des greisen R a b biners Dr. O s k -a r L i> p s chitz 'hat weite Kreise der hiesigen Gemeinde in Trauer versetzt. Der Verstorbene wirkte 'seit mehr als 30 Jahren als Rabbiner des L i P P m a n n - T a u ß- Synagogenvereins. Er erfreute sich in seinem Wirkungskreise wie in allen Schichten der Berliner Gemeinde allgemeiner Wertschätzung und Berehrung. Seine ausgezeichnete Persönlichkeit, seine Herzenssrömmigkeit und seine Kanzelberedsamkeit haben ihn ebenso wie sein wohltätiger Sinn beliebt gern acht. Seit Jahren erblindet, hat er trotz dieser Hemmung sein Amt in vollem Maße ausgefüllt. Auf literarischem Gebiete hat er sich durch Uebertragung einiger Teile der Mischna in die deutsche Sprache verdient gemacht, als einer der ersten, die derartige Uebersetzungen Herausgaben. Dr. Lipschitz entstammte einer alten berühmten Rabbi.nersamilie. Er tva-r ein Enkel des bekannten Kommentators der Mischna Israel Lipschitz (Danzig). Sein Vater Bar nch L i P sch i tz war als Landesrabbiner von Mecklenburg Nachfolger H o l d hei m s in Schwerin und später in Berlin Rabbiner der konservativen Gemeinde „Kahal Jisroel". Oskar Lipschitz war ein würdiger Sohn seiner Vorfahren. Am -23. März hat der Tod seinem reichen Leben ein Ziel gesetzt. Eine Trauerseier vereinte im Sterbehause die Freunde und Verehrer des Toten. Rabbiner Dr. Loewenthal und Rabbiner Dr. K o e n i g s - derger hielten Ansprachen, in denen sie in ergreifenden Worten das Leben und Wirken des verstorbenen Amtsbruders würdigteü. Hierauf wurde die Leiche von einem: großen Gefolge zum, Friedhose begleitet. Ter Trauerzug nahm seinen Weg vorbei an der langjährigen Wirkungsstätte des Verblichenen und hielt einige Minuten vor der Synagoge still. Tie meisten .Ladeninhaber dieser Gegend, selbst christliche Geschäfte, hielten während dieser Zeit die Läden geschlossen. Bei der Beerdigung, die unter großer Beteiligung weiter Kreise unserer Gemeinde auf dem Friedhofe in Weißensee stattsand, hielt Rabbiner Dr. Meier Hildes h e i nt e t die erste Ansprache, in der er in eindrucksvoller Weise die Person und das Lebenswerk des Verstorbenen schilderte. Es sprachen dann noch Herr Dr. Singermattn als Leiter der Religionsschule und Herr Dr. Garbaty für die Schüler des Heimgegangenen. Der Trauer des Synagogenvereins Lippmann-Tauß gab dessen Vorsitzender, Herr Joseph C h a i m, Ausdruck. Das El-mole-rachamim-Gebet beschloß die ergreifende Feier. E. M. Berlin, 1. April. Ter Religionsschuldirigent Abraham L e v y ist, wie bereits mitgeteilt, im 72. Lebensjahre verstorben. Ter Dahingeschiedene übte seit einem halben Jahrhundert eine segensreiche Tätigkeit in seinem Berufe als städtischer Lehrer, als Prediger und Seelsorger an den Gefängnissen Groß-Berlins, als Dirigent der ersten Religionsschule der Berliner Jüdischen Gemeinde und in einer Reihe von Ehrenämtern aus. Seine rastlosen Bemühungen in der Fürsorge für entlassene Strafgefangene yaben hervorragende und viel beachtete Erfolge gezeitigt. Die in weiteren Kreisen bekannte wissenschaftliche Tätigkeit des Jubilars bewegte sich vornehmlich auf dem Gebiete jüdischer Literatur und der Erforschung des altisraelitischen Staats- und Familienlebens, lieber dieses Thema hielt er vor ungefähr 20 Jahren im Verein für jüdische Geschichte und Literatur einen hochinteressanten und lehrreichen Vortrag, dem auch Hermann Subermann, der Dichter des „Johannes", beiwohnte, und der später in der „Allg. Zeitung des Judentums" zum Abdruck gelangte. Die Beerdigung hat dem Sinne des Entschlafenen entsprechend in aller Stille auf dem Gemeindesriedhofe in Weißensee stattgesunden. W. Posen, 28. Marz. In einer zahlreich besuchten Versammlung sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Galland übrr das Thema: „DiejüdischeSchuleim Posen er Lunde." Redner führte im wesentlichen aus: In der Provinz Posten trete demnächst die Frage der nationalen Autonomie, die Freiheit der Nationalitäten in den kulturellen Lebensgebieten, in den Vordergrund, und es sei wahrscheinlich, daß der Friedenskongreß für die Provinz Posen den hier vertretenen Nationalitäten die nationale Autonomie gewähren würde. Hierdurch erlangen auch die Juden das Recht, ihr Schulwesen selbst zu regeln und zu verwalten. Erstrebt wird die Verwirklichung des Ausbaues der jüdischen Schule nach Grundsätzen der bereits in anderen Großstädten zur Einführung gelangten Einheitsschule. Ein Schulzwang für die 800 jüdischen Schüler Pofens für diese Schule bestehe jedoch nicht. — Lehrer Brzezinski führte zu dem Thema „Religiöse Erziehung und konfessionelle Schule" aus: Die Familie müsse als Erziehungsfaktor in organischer Wechselbeziehutn mit der Schule bleiben. Von 27 000 jüdischen Kindern Preußens, die die öffentlichen Volksschulen besuchen, sind 8000 Zöglinge jüdischer Schuten und 19 000 Schüler simultaner und christlicher Schulen. Glaube, Sittlichkeit und Wissen können den jüdischen Schülern nur in konfessionellen Lehranstalten übermittelt werden. Rabbiner Dr. Neuhaus (Ostrowo) sprach, über dasselbe Thema und führte aus: Schon 1854 ertönte der Ruf, jüdische Schulen zu gründen. Redner appelliert an das Verantwortlichkeitsgefühl der Eltern, die dafür zu sorgen hätten, daß ihre Kinder nicht problematische Naturen ohne Halt und festen Ankern, sondern in sich gefestigte harmonische Charaktere würden. — In der lebhaften Diskussion erklärten sich schließlich für das Projekt drei Redner und ebenso viele dagegen. er. Leipzig, 28. März. Die Frage des Wahlrechts der Ausländer zur Kultusgemeinde hat eine lebhafte Bewegung in unsere Gemeinde gebracht. Bis vor kurzem waren hier nur die sächsischen Bürger wahlberechtigt, während nicht einmal die übrigen detltschen Staatsbürger wählen durften. Dieser Zustand ist jetzt geändert, so daß von 15 000 Mitgliedern der Gemeinde immerhin schon 900 wahlberechtigt sind, von denen aber nur 300 bei der letzten Wahl ihre Stimrne abgaben. Ein Komitee, das die Modernisierung des Gemeindewahlrechts verlangt, hat dem Ministerium eine Massenpetition überreicht. Die Repräsentanz der Gemeinde beschäftigte sich in einer Sitzung mit dem Wahlrecht. In der Debatte wurde hervorgehoben, daß durch eine Aenderung des Wahlrechts der deutsche Charakter der Gemeinde bedroht sei. Seitens anderer Repräsentanten wurde das Verlangen nach Ausdehnung des Wahlrechts auf die Ausländer als „bolschewistische Chuzpe" bezeichnet. Ein Kompromißvorschlag, daß von den dreißig zu wählenden Repräsentanten fünfzehn von den deutschen und fünfzehn von den ausländischen Juden zu wählen seien, wobei von den letzten fünfzehn Repräsentanten noch fünf deutscher Staatsangehörigkeit sein müssen, wurde mit fünfundzwanzig gegen fünf Stimmen abgelehnt. Ebenso wurden alle anderen Anträge in der Frage des Wahlrechts abgelehnt oder zurückgezogen und die Frage vertagt. Die neuerliche Hinausschiebung . wird hoffentlich nicht wieder einen jahrelangen Aufschub bedeuten. z. Steele (Ruhr), 28. März. Aus dem Nachlaß der Eheleute Herrn. Hey mann und Frau Emma geb. Rosenbaum sind dem Israelitischen Altersheim in Unna 50000 Mark zugefallen. Kleinere Legate von 1000 Mark fielen an die Pensionskasse israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens, an das Waisenhaus in Ems, an das Katholische und Evangelische Krankenhaus in Steele und an die Shnagogengemeinde, 2000 Mark an die städtische Arrnenvcrwaltung in Steele. X X Frankfurt a. M., 21. März. Am 13. v. M. sprach in Frankfurt a. M. ein Vertreter des preußischen Kultusministeriums über das Verhältnis von Staat und Kirche. Im Verlaufe seiner Ausführungen meinte er, daß die Aushebung 'der theologischen Fakultäten nicht zu umgehen sein werde. Begreiflicherweise erhoben die aaiueieribet evangelischen Geistlichen heftigen Widerspruch; ihnen trat ein Rabbiner bei, der nach dem Berichte des „Generalanzeigers" (14. März) „der Ansicht ist, daß die Streichung der evangelisch-theologischen Fakultät ein großes Unglück bedeuten würde, da sie auf dein Gebiet der Soziologie und Bibelforschung Außergewöhnliches geleistet hätte". Unter den sonderbaren Blasen, die der wilde Strudel der Revolution an die Oberfläche getrieben hat, mutet diese Blase nicht zum mindesten sonderbar an. Rein sachlich sei zunächst einmal an den Herrn Rabbiner die Frage gerichtet, inwiefern die evangelische theologische Fakultät auf dem Gebiete der Soziologie Außergewöhnliches geleistet hat. Es würde sicher weite Kreise höchlich interessieren, über diesen Punkt genau unterrichtet zu werden. Anderseits wird ohne weiteres zugegeben, daß es hochgelehrte christlrckre Theologen gegeben hat und noch gibt, die auf rein wissenschaftlichem Gebiete sich hervorgetan haben. Gerade wir Juden erkennen neidlos geistige Größen an, von welcher Seite sie auch kommen mögen. Dafür dürsten wir eigentlich auch erwarten, daß unsere bedeutenden

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