Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1919)
- Date
- 1919-04-04
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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SS. Jahrgang. Nr. 14 Berlin, 4. Hpril ISIS Der Gemeindeüate. Bettage zur „Attsemetnen Leitung dr§ Judentums". LorrrspondkNHen und Kschnchlrn. Deutschland. E. R. Berlin, 30. Atärz. Die heutige Sitzung der Reprüsentantenversammlu ng eröfsnete der Vorsitzende, Geheimrat Dr. Minden, mit folgender Ansprache: Seit unserer letzten Verfamml-uug ist unsere G-enreindeverwialtung wiedervon einem schweren Verlust betroffen worden: Herr Salomon Seligsohn, elf Jahre hindurch Vorstandsmitglied, ist nach kurzem Leiden dahingeschieden. Gr hat der Gemeinde in den verschiedensten Verw altungszweigen mit großer Hingebung gedient-, insbesondere sind torä ,ihnr auf dem Gebiete des Bauwesens zu großem Dank verpflichtet. Gotteshäuser und Giemein-deanstalten von großer Wchti-gkeit sind.während seiner Amtszeit errichtet worden, und bei -allen er seine Praktische Erfahrung, seinen guten Einblick, feine Kenntnisse zugunsten' der Gemeinde betätigt. Als er vor einigen Monaten seinen siebzigsten Geburtstag beging, sagte er in der Antwort aus die Huldigungen, die ihm dargebracht wurden, mit gutem Humor: „Er sei zwar voll Dankbarkeit, daß er dies Alter in Rüstigkeit erlebt habe. Er könne aber allen Jüngeren den Rat geben, daß sie sich zum siebziigsten Geburtstag eine glücklichere Zeit aussuchen mögen, als jetzt über die Welt hereingebrochen." Nun sielen auch seine letzten Tage noch in die unglückliche Zeit, in welcher unsere Stadt von Bürgerkrieg und Aufruhr heimgesucht war. Der Wagen, der seine Ueberreste nach dem Fciedhose brachte, wurde von Volkshaufen aufgehalten und durchsucht, und während seines Begräbnisses aus dem Friedhof in der Schönhauser Allee dröhnte unaufhörlich das Geknatter der Maschinengewehre. Ichhabe zu spät von seinem Tode erfahren, um rechtzeitig zum Begräbnis irgend etwas namens der Repräsentantenver s-am-mtungveranlassen 3ju. tonnen. Sie wissen ja-, daß in> jenen Tagen -alles abgc sperrt war; es gab weder Bahnen, noch Telephon, noch Zeitungen. Ich habe aber nachträglich mündlich und schriftlich der- Witwe und den Hinterbliebenen das Beiteid unseres Kollegiums ausgesprochen und ihren Dank empfangene Salomon Seligsohn ist auch uns allen, die mit ihm persönlich zu tun hatten, ein lieber und herzlicher Freund gewesen. Ich danke Ihnen, daß Sie sich von Ihren Sitzen erhoben haben." — Folgende Zuwendungen wurden angenommen: 10 000 Mark von Frau Frieda Jacoby zur Erhaltung von Gräbern; 15 000 Mark von Mitgliedern der Waisenkommission zur Errichtung einer Bernhard - Bohrens - Stiftung für die Waisenkommission; 5000 Mark von den Erben des Herrn S. Bing für die Altersversorgungsanstalt zum Kapitalstock der Anstalt; 5OO0 Mark von Herrn Paul Fiegel für die Alterversorgungsanstalt zur Abhaltung der Jahrzeit; 200O Nüark von Frau Wally Eisner für jüdische tuberkulöse Anstaltsbedürstige. Bon Herrn Hirsch Bert Blitz gen. Rottmann zur Grabpflege 2000 Mark. Von Frau Gertrud Schindler geb. Barnaß 5000 Mark für Arme. 5000 Mark von Herrn Ludwig Steinmetz zur Errichtung einer Annette-Steinmetz-geb.-Rosenstein-Stistung zur Unterstützung hilfsbedürftiger durchreisender Juden. — Die im Verein der Beamten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zusammengeschlossenen Beamten sind wegen Erhöhung ihrer Bezüge vorstellig geworden. Sie verweisen auf das Beispiel der Groß-Berliner Kommunen, die übereinstimmend den Beamten, Lehrpersonen und dauernd Angestellten neben den bisherigen Teuerungszulagen einen Gehaltszufchlag von 1200 Mark jährlich vom 1.Januar 1919 ab bewilligt haben. Herr Benas L e v y führt dazu aus: Die Notlage der Beamten sei groß, deshalb habe sich der Vorstand veranlaßt gesehen, die Verhältnisse zu verbessern, und beschlossen, den hauptamtlich bei -der Gemeinde beschäftigten Beamten, Lehrpersonen und sonstigen Angestellten, welche die laufende Kriegsteuerungszulage nach Maßgabe des Gemeindebeschlusses vom 3. April 1918 beziehen, vom 1. Januar 1919 ab neben den bisherigen Kriegsbeihilsen und Kriegsteuerungszulagen einengleichmäßigen pensionsfähigen Gehaltszuschlag von nronatlich 100 Mark bis zur Neuregelung der Besoldungsordnung, längstens jedoch bis zum Ende des laufenden Kalenderjahres zu gewähren. Die nach dem 1. Dezember aus dem Felde zurückgekehrten Beamten erhalten die vor kurzem bewilligte Teuerungszulage für die festangestellten Beamten der Gemeinde aus Billigkeitsgründen nachbewilligt. Tie erforderlichen Mittel werden einstimmig bereitgestcllt. Auch die übrigen Teuerungszulagen werden einstimmig bewilligt. — Tie Versammlung beschließt ferner, den- Rabbinern der subventionierten Vereine aus ein weiteres Jahr zu gestatten, unter den bisherigen Bedingungen bei Beerdigungen auf dem Gemeindesriedhos im Ornat zu fungieren. Sodann fand die Einführung des neugewählten Aeltesten-Stellvertreters Herrn Berthold K i r st e i n statt. Herr Geheimrat Dr. Minden begrüßte ihn mit folgenden herzlichen Worten: „Sehr geehrter Herr Kirstein! Ich begrüße Sie, nachdem Sie zum Aeltesten-Stellvertreter unserer Gemeinde gewühlt uiib von der Stnatsregierung bestätigt worden sind, in dieser neuen Eigenschaft in diese pi Saal. Sie waren ja hier als Mitglied der Nepräsentantenversammtung mehrere Jahre hindurch tätig und haben dabei großen Eifer und lebhaftes Interesse, Geschick und Wohlwollen bewiesen. Wie Ihr verewigter Herr Vater, haben auch Sie dem Ehrendienste der Gemeinde Ihre Kräfte zu widmen. als ein Herzensbedürfnis enrpfunden. Sie sind in einer schweren Zeit in dieses neue Amt berufen, in einer schweren Zeit ft'rr -unser teures deutsches Vaterland, für unsere jetzt von Aufruhr und Unruhen durchtobte Vaterstadt und für unsere Religionsgemeinde. Wir hoffen, daß Ihr Wirken zum Segen sein wird. Ich führe Sie hierdurch in das Amt eines Aeltesten-Stellvertreters ein. — Es folgen dann Wahlen in einige Verwaltungskommisstonen. — Von Ausgaben werden bewilligt: Für das II. Waisenhaus 1072 Mark zur Anschaffung von 80 Hemden; 200 Mark für die Synagoge Fasanenstraße zur Anbringung von Embruchsstcherungen; 4000 Mark zur Anbringung von Stiftungstaseln bei Bettstiftungen; 300 Mark der Friedhofskommission zur Instandsetzung der Lichtanlage der neuen Bethalle; 165 Mark zum Ausbau eines Mädchenzimmers im Reichenheimschen Waisenhaus: 45,45 Mark für das II. Verwaltungsgebäude (Mehrverbrauch für di.e Reparatur von Heizkörpern); 16 637 Mark für Verlängerung der Wasserleitung nach den neu zu errichtenden Beerd-igungsfeldern Friedhof Weißensee: 8317,50 Mark sü-r die Frie-dhossverwaltung zu Schwellenftlndamenteu (auf dem Friedhof in Weihensee); desgl. 6384 Mark Mehrkosten ft'rr die Aus-fÄhrung von 1200 Schwellenfnndamenten auf den: Friedhof in Weißensee; dein Deutsch-Israelitischen Gemeindebund für das Etatsjahr 1918/19 außer dem bereits gewährten Betrage von 15 000 Mark noch weitere 3750 Mark; den: Verband -der Deutschen Juden ein einmaliger außerordentlicher Beitrag von 2600 Mark; der Friedhosskommifsion für Exhumierung Erwachsener eine Erhöhung auf 9 Mark für die Leichenträger und Gruftmacher und auf 13,50 Mart sü-r die Kolonnenführer. Hierbei bemerkt Herr Prof. Türk, daß in der neuen Kapelle in Weißensee die Kälte unerträglich sei, und bittet um Abhilfe. Herr Emil P i n c u s erklärte, es müßte in jedem Falle etwas geschehen, da auch keine -genügenden Sitzplätze vorhanden seien. Der Vertreter des Vorstandes, Herr B l a nie n b u r g, sagt: Wegen Raummangels sei es nicht möglich, weitere Sitze anzubringen, auch können keine Matten gelegt werden, weil dieselben nicht zu haben sind. — Dem Verein Freie Jüdische Volkshochschule wurde für das lausende Jahr eine Subvention von 10 000 Mark bewilligt. Der jüdischen Roligionsgeirremde Charlottenburg wird vom 1. April bis- 31. Dezember d. I., längstens jedoch bis zum Verkauf des Grundstücks, die bisherige Subvention von 11 500 Mark jährlich weiter gewährt. Ferner werden bewilligt: Für die Reparatur eines Leicheuautomobils 5000 Mark; der Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Künstler in Krankheitsfällen eine einmalige Beihilfe von 1000 Mark; 1400 Mark für Gegenstände für das chemische Institut beider inneren Mteilung des Krankenhauses; dem Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands 3000 Mark. Eine einmalige Teuerungszulage wird den bei der Gemeinde nebenamtlich Beschäftigten, welche laufende Kriegsbeihilfe erhalten, gewährt, und zwar denjenigen, die ein ganzes Jahr bei der Gemeinde beschäftigt sind, -er elssache Betrag der lausenden monatlichen Kriegsbei hilft, denjenigen, die kürzere Zeit als ein Jahr im Dienste der Gemeinde stehen, für jeden sehlenden Monat ein Zwölftel weniger. Als Stichtag gilt der 31. Dezember 1918. — Zur Veranstaltung eines Jugendgottesdienstes nach altem Ritus an den diesjährigen hohen Feiertagen werden 250 Mark für den in der Gipsstraße 12a befindlichen Saal