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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-04-04 · Heft 14 (4.4.1919) · p. Seite 144

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 14 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
Seite 144 (sequence 12)
Language
German
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144 herzlichen Begrüßung und nachdem sie einen menschenleeren Weg eingeschlagen. Ohne lange Einleitung mild Umschweife berichtete sie ihm ihre Unterredung mit der Mutter und von der G-algenfrist, die ihr zur Festsetzung ihres Hochzeitstages gewährt wurde. Sie sprach gefaßt, ohne Erregung, doch konnte er ihr inneres Beben heraushören. Als sie geendet, schloß Klaßner die Augen und schwieg eine kurze Weile. „Die Hauptsache ist doch, daß Ihre Mutter zu der Verbindung mit Dr. Jarvis fest entschlossen ist, die Sie hingegen durchaus verhindern wollen," sprach er ganz geschäftsmäßig. „Jawohl, ich muß diese Verbindung verhindern!" rief sie erregt. „Und dabei soll ich Ihnen helfen. Offen gestanden, ich weiß nicht, wie ich das anstellen soll . . ." „Hören Sie meinen Vorschlag," unterbrach sie ihn. „Ich und viele unserer Freunde haben es bereits versucht, das Vertrauen der Mutter zu diesem Menschen zu erschüttern, aber vergeblich. Ihre einzige Antwort besteht darin, daß sie uns unvernünftiger Vorurteile beschuldigt. Dennoch bin ich fest überzeugt, daß Tr. Jarvis' Veraanaenheit nicht so ist, wie man sie bei einem anständiaen Menschen voraussetzt. Allerlei wenig schmeichelhaste Gerüchte werden mit seiner Verson in Verbindung gebracht, daß er nur nach der großen Stadt gekommen wäre, um seine anrüchige Reputation zu verbergen. Wenn ich nun etwas Bestimmtes erfahren könnte, um es meiner Mutter vor Augen zu führen, vielleicht daß sie darauf mehr Gewicht leat und mit Rücksicht auf ihre gesellschaftliche Stellung jeden Umaana mit ihm abbricht. Ich weiß, daß sie mich in aller Zukunft dafür ballen wird, aber ibr Stolz wird sie doch zu dem Bruch mit ihm zwingen. Sie wird keinen Mann heiraten, den der Strafrichter bereits mit dem Finger berührt. Deshalb wollte ich Sie bitten. Erkundigungen über ibn einzuziehen, da ich doch in solchen Sachen gänüich unerfahren bin. Tie Ausgaben selbstverständlich .. Er winkte abwehrend, um ihr anzudeuten, daß sie darüber nicht sprechen solle. Es dauerte wieder eine Weile, bis er zu sprechen begann. ..Zweifellos könnte und müßte sogar etwas nach dieser Dichtung bin geschehen. Aber. Fräulein Mahlow, so gern ich Fünen helfen möchte, kann ich mich doch eines Peinlichen Gefühls dabei nicht erwehren." „Welcher Art ist dies?" „Welchen Ausgang die Sache auch nebmen mag. so scheint mär doch meine Einmischung in die Angelegenheit Ihrer Mutter unangebracht und auch unberechtigt. Ich sehe nicht ein, welches Recht einem Fremden zusteht, irr Familienfachen einzugreifen. Dafür achte ich auch Ihre Mutter trotz allem viel zu hoch, um hinter ihrem Rücken gegen sie zu agitieren." „Haben Sie nicht dadurch Ihre Einwendung schon selbst beseitigt?" „Wie das?" „Sie achten meine Mutter und wünschen sicherlich ihre Freundschaft zu erhalten. Ist es da nicht Ihre Pflicht, den Freund, wenn auch gegen seinen Willen, vor Unglück zu bewahren? Haben Sie mir nicht auch erst neulich gesagt, daß Sie entschlossen sind, jeden Verkehr mit Personen zu meiden, die außerhalb ihres eigenen Klaubens eine Ehe eingehen?" (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. — Hans Z i m in e r : Theodor Körners Br aut. Ein Lebens- und Charakterbild Antonie Adambergers. Stuttgart, Greiner 11. Pfeiffer, v. I. Preis geb. 7,50 Mark. Wir erwähnen das Buch deshalb an dieser Stelle, weil es bei der Besprechung der Beziehungen zwischen Theodor Körner und seiner Braut Antonie Adamberger einmal auch auf jüdische Dinge zu sprechen kommt. Der Verfasser geht der Möglichkeit nach, daß vor dem Ausrücken Theodor Körners ins Feld eine Entfremdung seiner Braut gegenüber eingetreten war. Er glaubt die Ursache im Verkehr mit Henriette v. Pereira und Marianne Salig zu sehen. „Mag sein, daß hier eine alte, zuerst in Karlsbad aufgegangene Liebe zu Marianne Salig neu aufgeflammt war, mag sein, daß die jüdischen Kreise Pereira - Arnstein - Salig den jungen, leicht zu beeinflusienden Dichter gegen die ' Katholikin Antonie Adamberger umgestimmt haben, sei es auch imr durch die geistige, seelische Verwandtschaft, die ihn mit ihnen verband." Es ist ja durchaus nicht ausgeschlossen, daß Körner in dem genannten Kreise mehr geistige Anregung fand, und daß er dadurch die Bande, die ihn mit seiner Braut verknüpften, sich lockern fühlte, aber ich glaube, daß der Verfasser zu weit geht, wenn er die Möglichkeit ins Auge faßt, daß hier Körner gegen die „Katholikin Antonie Adamberger" umgestimmt wurde. Daran ist doch wohl kaum zu denken. Dr. Willy Cohn. — Ter „Neue Merk u t". Das erste Heft des setzt im dritten Jahrgang erscheinenden ..Neuen Merkur" kommt soeben als starkes Sonderheft unter dem Titel „Ter Vorläufer" heraus und kündigt das neue Quartal an, welches im April 1919 beginnt. „Der Vorläufer" enthält einen einleitenden aktuellen politischen Aufsatz „Rechenschaft" des Herausgebers Efraim Frisch, in welchem der gegenwärtige Zustand im Zusammenhana mit den Vorkriegs-- und Krieasereignissen von einem aesamtenropüiscken Standpunkt ziifammenfassend betrachtet wird. Der temperamentvolle Alfred Döblin schildert in ergreifender Weise sein inneres Erlebnis der Revolution din „Vertreibung der Gespenster". Ter Würzburger Jurist A. Mendelssohn-Bartholdh erörtert in seinem Ellah ..Der Bund" die Ursachen der inneren Kraft und Stetigkeit der eidgenössischen und amerikanischen Bundesverfassung im Hinblick auf aktuelle deutsche Fragen. Der kürzlich aus Rußland zurückgekehrte bervorraaende Kenner der inneren russischen Verhältnisse Alfons Paguet bringt aus eigener Anschauung authentische und aufklärende Mitteilungen über „Die russische Rote Armee". Arthur Holitschers „Pranger und Gericht" deutet den tieferen Sinn der Schuldfrage ins Menschliche und Innerliche. Erich v. Kahler zeichnet ein bedeutendes welthistorisches Bild von der „Dynastie Habsburg" und ihrem Niederganae in der österreichischen Linie. Ein an interessantem Material und fruchtbaren Betrachtungen reichhaltiger Essay „Kunst und Revolution" des Mitherausgebers Wilhelm Hausenstein beschließt den Hauptteil, der außerdem eine Anzahl bedeutender dichterischer Beiträge enthält: das stimmungsgewaltige Gedicht „Russisches Gastmahl" von Arnold Ulitz, die tragische Erzählung „Die Qual" von Otto Flake und unveröffentlichte Gedichte ausdem Nachlaß von Christian Morgenstern. Der Preis des äußerst reichhaltigen. im Verlag „Der Neue Merkur" zu München erschienenen Heftes ist 8 Mark. *** * — D i e Entstehung des Buckes E st h e r. Wo das Buch Esther entstanden ist, daraus werfen jetzt Forschungen von Hermann Gunkel und Robert Kol'dewey ein neues Lickt. Wie Koldewev, der beste Kenner der altorientaliscken Palastarckitektur, und Gunkel mitteilen, ist für den Plan des Königspalastes von Susa das gleichzeitige' Vorkommen zweier Bauteile bezeichnend, darunter ein Festungsturm aus zwei ungeheuren Fronttürmen mit einem verdreifachten ^ingangsturm dazwischen. Dieses Zusammentreffen. das durch Ausgrabungen festgestellt worden ist, findet sich außer in Suw weder in Persepolis noch in Babylon noch sonstwo. Beide Gebäude werden auch im Esther-Buche erwähnt. Daraus geht, wie Gunkel in der „Theologischen Literatnrzeitung" schreibt, mit Sicherheit hervor, daß der Verfasser des Buches von diesen Gebäuden in Susa Kunda gehabt, also sie doch höchstwahrscheinlich aus dem Augenschein gekannt hat. Hiernach ist das Vorurteil, das Buch. Esther sei in Palästina geschrieben und beziehe sich aus die Religionsverfolgiing des Antiochus Epiphanes, jedenfalls neu zu prüfen. ji

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