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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-04-04 · Heft 14 (4.4.1919) · p. Seite 141

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 14 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
Seite 141 (sequence 9)
Language
German
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141 Fuß. Ganz charakteristisch für ihn spricht ein Brief, in dem er 1914 einen jungen Studenten an mich wies. Das Schreiben lautete: Sehr verehrter Freund! Der lieberbringer dieser Zeilen ist einer meiner Schützlinge, den ich Ihrem Wohlwollen recht herzlich empfehle. Er ist nach dem frühen Tode seiner Mutter in die mir unterstellte St-ernsche Waiferrstift'UNg ausgenommen worden, hat sich dort stets als braver Schüler erwiesen und gedenkt setzt in Berlin seine Studien in der ZahnheWunde f,ortzusetzen. Ich bitte Sie herzllichst, ihm hierbei ein väterlicher Berater zu sein, damit er sein Ziel glatt erreicht und Ihrem Stand wie unserer Stiftung, von der er die notwendigsten Mittel für das Studium -erhält, zur Ehre gereicht. Nehmen Sie für Ihr dein P. X. bewiesenes Wohlwollen schon von vornherein meinen herzlichsten Dank entgegen! Er wird Ihnen von unserem Ergeben berichten, wie ich auch hoffe, durch ihn dann Näheres über Sie und alle Ihre Lieben, denen ich ein treues Gedenken bewahre, m hören. Mit vielen Grüßen an Sie alle bleibe ich Ihr Direktor Dr. Adler. Als ich ihm zu seinem 60. Geburtstage gratulierte, schrieb er mir ua.: „Ihre herzlichen Zeilen, lieber Freund, haben mir reckt wohl getan. Gern erinnere ick mich der Zeiten, die wir m Berlin gemeinsam in stets gleichgestimmtem Tun verlebten . . . Mein Sohn hat seine Ausbildung als Fliegerbeobackter hinter sich und dürste demnächst wieder in die Rront neben: mein kleiner Sonue!n schein besucht die erste Vorschulklasse des Philantropins und wird morgen 8 Jahre alt." Der ältere Sohn bat als Fliegerleutnant sein Leben im Kamvie für das deutsche Vaterland, das Adler wie ein echter Deutscher liebte. bingeben muffen. Möchte der „kleine Sonnenschein" die trauernde Witwe trösten und aufrichten! Von meiner letzten Sommerreiie in den Schwarzwald nabm ick zurück den Wea über Frankfurt, um Adler zu besuchen'. Ich batte ibn mebrere Jahre nicht mehr aeschen und fühlte das Bedürfnis, mit ihm wieder ein Stündchen zu plaudern. Das Geschick batte es anders bestimmt, Adler war zur Erholung verreist; mein Wunsch blieb leider unerfüllt . . . Mt dem Tode Adlers hat ein arbeitsreiches Leben viel zu früh geendet. Das Otium cum dignitate, das er sich schon vor Jahren gewünscht und das ihm wohl jeder gern gegönnt batte, batte er nickt mehr genießen sollen. Er war eine Persönlichkeit in des Wortes bester Bedeutung, die man überall schwer vermissen wird, wo sein Geist leuchtete und seine Tatkraft wirkte. Durch seine rastlose und erfolgreiche Tätigkeit für die deutschen Juden hat er sich in den Herzen aller Glaubensgenossen, und besonders seiner zahlreichen Freunde ein Denkmal gesetzt aere perennius. Marquis L'Urgens und frinr ..tjiiüifrfirn ßrirfp'". Von Ludwig Geige r?) (Schluß aus Nr. 12 > anz abgesehen davon, daß es damals den Juden unmöglich oder schwer möglich war, all die Länder zu durchschreiten, in die der Verfasser sie reisen läßt; sie hätten schon durch ihr Aussehen auffallen müssen. (Nur am Anfänge erzählt A. Monceca, daß er sich auf französische Art anziehe.) So wären sie weder fähig gewesen, die verschiedenen Landessprachen zu verstehen, noch sich in ihnen auszudrücken. Sie hätten ferner, an ihre Speisegesetze gebunden, kaum die Möglichkeit gehabt, sich in den Ländern zu ernähren. Von allen diesen Dingen weiß der Verfasser entweder nichts oder macht seine Kenntnisse nicht geltend. Aber was viel wichh Ans seinem Nachlaß. tiger ist, auch der jüdische Standpunkt in der Beurteilung der Menschen irnd Dinge nmcht sich 'nicht genugsam geltend; das Eingehen auf die Lage der Juden, ihre äußere Stellung und ihre innere Verfassung kommt nicht so häufig vor, wie dies geschehen müßte. Jüdische Reisende aus jener Zeit hätten, so meinen wir, sich in erster Linie um die Stellung der Juden kümmern müssen. Trotzdem ist bei den Besprechungen mancher Länder und Städte davon kaum die Rede. Und wenn etwa davon gesprochen wird, wie z. B. bei Holland, wird das Charakteristischste in dem Wesen der damaligen Ju-denschaft, ihr Getto, die Beschäftigung vieler Juden als Handwerker. Diamantschleifer überhaupt nicht erwähnt. Auch bei der ausführlichen Schilderung des Karnevals in Rom bleibt, was ein Jude unmöglich hätte verschweigen können, das schmähliche Wettlaufen der Juden bei dieser Volksfestlichkeit unerwähnt. Ist von Jüdischem die Rede, so muß man sagen, daß auch so lebe Aeußerungen durchaus den Charakter der Aufklärung an sich tragen, wie er sich damals unter den Inden noch kaum oder gar nicht fand. So spricht z. B. Aaron Monceca in Brief 88 fast wie ein moderner Ultraliberaler. Er will von einem eingewurzelten Hasse der Juden gegen das Christentum nichts wissen. Er folgt den Entscheidungen der Rabbiner nur insoweit, „als sie mit den klaren und genauen Entscheidunaen übereinstimmen, die ich unmittelbar von Gott empfange". „Ich lache", so fährt er fort, „im Grunde meines Herzens über die lächerliche Anhänalichkeit der Juden an den Talmud, und. obgleich von dem Wesen meiner Religion überzeugt, verdamme ich den Aberglauben." (Wenn ein anderer der Korresvondenten, Onis z. B., in Brief 84 den Talmud als hundertmal lächerlicher als den Koran bezeichnet, so muß man bedenken, daß er. wie er ausdrücklich bemerkt, dabei abhängig ist von karäischen Anschauungen.) In demselben Briese gebt Monceca noch weiter: Er gibt den Juden zu große Eitelkeit schuld und sieht darin den Grund des Haffes der anderen Nationen gegen sie. Aber derartiges ist selten genua. Man kann viele Seiten des unterhaltenden, kulturgeschichtlich ungemein wichtigen Buckes lesen, ohne zu bemerken, daß man jüdische Briefe, d. b. angebliche Aeußerungen iüdischer Schreiber, vor sich hat. Damit ist freilick nickt gesaat. daß das Jüdische gänzlich fehlt, und es sei im folgenden alles das zusammengestellt, was sich bei einer aufmerksamen Lektüre des merkwürdigen Buches nicht etwa aus einem Vergleichen der im Register zusammengebrachten Stellen über Judentum ergibt. Dafür ist es wohl am ratsamsten, die Briefe hintereinander durchzugehen, ohne die behandelten Gegenstände sachlich zu ordnen. Gleich itt Anfang wird von der Ehrbarkeit jüdischer Flauen (Brief 21, von rabbinischer Literatur, freilich sehr oberflächlich (Brief 8), von den Sadduzäern, die trotz ihres Zweifels an der Unsterblichkeit der Seele als Inden zu betrachten seien (Brief 4). von der Unduldsamkeit der Juden im Gegensatz zu den Christen, die in dem ganzen Buche meist als Nazarener vorgeführt werden (Brief 8), gesprochen. In dem letzterwähnten Brief findet sich eine recht hübsche Stelle, die so lautet: „Die Christen machen uns einen Vorwurf, der jedoch den Ruhm unseres heiligen Gesetzes ausmacht. Sie behaupten, daß unsere Zerstreuung in der ganzen Welt den Beweis liefere, daß wir verworfen seien. Aber diese Einheit des Glaubens, die wir bewahren, diese Einfachheit in den wesentlichen Punkten unserer Religion, der weder Zeit noch Unglück, noch Verschiedenheit des Klimas irgendwelche Veränderungen gebracht haben, sind sie nicht die deutlichsten Beweise der Größe und Wahrheit unseres heiligen Gesetzes? Während Verwirrung, Unordnung und Aenderungen das Schicksal aller übrigen menschlichen Erfindungen sind, dürften Stetigkeit und Beständigkeit die Zeugnisse des Fingers Gottes sein." Eine ausführliche Verteidigung der Marannen m Spanien findet sich im Briese 21. Sie werden entschuldigt, daß sie die

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