Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1919)
- Date
- 1919-04-04
- Page
- Seite 137 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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137 Liberias-Sees und dem JordanLale bis zum südlichen Ende des Toten Meeres. Dies heißt also, daß ein Teil von Galiläa unter französischer Herrschaft und ganz Transjordanien unter arabischer Herrschaft steht. Dies ist eine wirkliche Teilung Palästinas, eine dreifache Teilung, so wie sie der kontinentale Militarismus im 18. Jahrhundert mit Polen ausführte. Sollte dieses Arrangement sich verwirklichen, was wir jedoch kaum annehmen, so würde es das Versprechen, Palästina werde „das Heim des jüdischen Volkes" werden, zunichte machen und würde den Millionen Juden in allen Ländern der Welt die bitterste Enttäuschung bereiten." * Die Be st im m ungen des englisch-französischen G e h e i m v e r t r a g e s. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: „The Zionist Review" bringt in ihrem Märzheft eine Erörterung des Geheimvertrages über Palästina. Aus den Veröffentlichungen der englischen Regierung über diesen Vertrag geht hervor, daß das von den britischen Truppen besetzte Gebiet in Westasien in drei Verwaltungsbezirke eingeteilt worden ist, nämlich einen englischen, einen französischen und einen arabischen. Nach dieser Einteilung stehi Nordgaliläa unter französischer Herrschaft, während das Jordantal. Transjordania und ganz Südpalästina vom Toten Meere bis nach Rafa unter arabischer Verwaltung steht. „Zionist Review" führt aus, daß bei einer solchen Einteilung Palästina auf keine ökonomische Entwickelung rechnen könnte und daß seine Grenzen auf allen Seiten, ausgenommen in den vom Meer begrenzten Teilen und im äußersten Norden, den Räubern der Wüste ungeschützt offenstehen würden, wobei das Land auch gegen Angriffe von anderer Seite völlig ungeschützt sein würde. g. Aus London wird 'dem Jüdischen Pressebureau in Stockholm telegraphiert: Die Liga der ^briki schon- Juden richtete einen Biri-of an den briti fchen Außenmiiniister Balso-ur. in> d«em sie ihm für das von ihm bekundete Interesse für die jüdischen Angelegenheiten dankt, aber, zum Ausdruck brinat. daß sie mit der von ihm in feinem Vorworte zum Buche von Sokokow über die Geschichte des Zionismus ausgedrückten Meinuna, die Juden seien heim los, nicht einverstanden fei-. Dir Liga erklärt, die Juden in Enailand bei'-äsien ein Heim. Der Brief tragt die Unterschrift von Lionel Rothschild, Lord Swahthling Philip Magnus und Markus Samuel. Das Mitglied des Kongresses in WaMiiwkon Jüli'us Cohen aus Kalifornien überreichte am 4. März Präsident Wilson eine Petition, welche die Errichtung -eines jüdischen Staates ablehnt und gegen die verlangte Anerkennung! der jiddischen Nation protestiert Die Petition verweist darauf, daß laut dem „Iewish Aearbook" unter den dreieinhalb Mlliouon in Amerika es nur 130 000 Zionisten gäbe. Zum Schluß wird d-'r Gedanke znrückgewies'en daß Palästina jetzt oder später als jüdischer Staat organisiert werden soll. Die Petition ist -unter anderem von Ochs, dem Be-; sitzer der ,.New Bork Times", und von Morgenthau, dem gewesenen amerikanischen Gesandten in Konstantinopel, imterzeichnet. # Pogro m n a chrichten aus der Ukraine. Die „Wiener M-orgenzeitung" .und die „Jüdische Morgenpost" in Wien berichten, daß in der Groß--Ukraine Pogrome staiitg.es lm den haben sollen, die man allerdings zurzeit nicht nachprüfen kann, da der Verkehr mi-t der Ukraine ganz -abgebrochen, ist. Nach der vorliegenden Meldung soll am 15. Februar in P-roskuro-w beinahe die gesamte jüdi-sche Bevölkerung —- 400 jüdische Familien — von ukrainischen Soldaten hingemordet Worden sein. Tiefer Pogrom soll ein Akt der Rache für die Haltung der Juden in Munkacs sein. Dort hatten am 10. Januiar -ukrainische Kosaken der Pet-ljura- Armee einen Angriff auf jüdische Geschäfte gemacht, doch gelang! os den Juden mit Hilfe des ungarischen Militärs, die Banden zu> entwaffnen und in geschlossenen- Waggons zur galizischen Grenze -abzuschieben. Ein Vertriaiuensmann der „Jüdischen. Morgenpost" schildert die Lage -in Ost.galizien -als völligvorZweisM. In. Stanisl-au sind ferner Gerüchte über Judenpogrome in Tarnop-o'-l a-nfgetrucht, wo sämtliche jüdischen. Geschäfte von So-Idaton a-ttsgeplündert, viele Juden verwundet und einige >crmordet würden. Verläßliche Bestätigungen, dieser Nachri-chtein liegen, da der Zivik-- w-rkehr auf allen Strecken nach der Ukraine unterbrochen ist, nicht vor. * Von absolut zuverlässiger Seite erhält die „Wiener Morgenzeitung" die folgende Darstellung über die Lage der Juden in Beßarabien': Seit Beßarabien von den Rumänen besetzt wurde, herrscht dort ein wahres Schreckensregiment, das namentlich die Juden zu fühlen bekommen. Auf allen Gebieten sind sie Repressalien ausgesetzt, wybei man sich aller möglichen Vorwände bedient. Prügelstrafe und Plünderungen sind an der Tagesordnung; es werden ständig Requisitionen vorgenommen, kurz, es herrscht ein despotisches Regime des rumänischen Militärs. Man geht systematisch gegen die Juden vor und möchte sie am liebsten ganz ausrotten, weil die Inden als Wortführer der liberalen Ideen gelten und dadurchden Haß der Rumänen Hervorrufen, die sehen, daß die Stimmung des ganzen Landes gegen sie ist. Die in Beßarabien wohnenden Rumänen sind gänzlich russifizicrt und wollen von den rumänischen „Befreiern" nichts wissen; sogar die Bojaren sind gegen sie, so daß die Rumänen auf keiner Seite Freunde finden. Ein Plebiszit würde sich völlig gegen die rumänische Herrschaft aussprechen. Unter solchen Umständen ist es die Hauptsorge der Rumänen, das Land zu nationalisieren. Mit den Schulen ist schon begonnen worden. Die bestehenden jüdischen Schulen sind geschlossen worden unter dem Vorwand, daß die Umgangssprache nicht die rumänische sei. In verschiedenen Städten ist es zu Ausschreitungen und Mißhandlungen der Juden gekommen, wobei die beteiligten Soldaten straflos blieben. In Chotin wurden Juden ohne jeden Grund von Gendarmen erschossen und unbeerdiat liegen gelassen. Es wäre höchst wünschenswert, eine europäische Kommission nach Rumänien zu schicken, welche die Verhältnisse untersuchen sollte. Die Juden in Beßarabien erklären, sie würden alle auswandern, falls Beßarabien rumänisch bliebe. * Die jüdischen Fragen bei den Friedensverhandlungen. Berlin, 81 März. sW. T. B.) In der Geschäftsstelle des Auswärtigen Amts für die Friedens- Verhandlungen fand heute vormittag eine Sitzungzur Beratung der jüdischen Frage bei den Friedensverhandlungen statt. Die Sachverständigenkommission für jüdische Angelegenheiten schlug folgende Forderungen vor. Gleichberechtigung und Gleichstellung der Juden und des Judentums in allen Ländern der Welt, also auch Beseitigung aller Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen, die Beschränkungen lediglich für Juden enthalten. Forderungen über die nationale und kulturelle Autonomie in den neugebildeten Staaten in dem Umfange, den die Mehrheit der dortigen Juden fordert, sowie Festsetzung solcher politischen, administrativen und ökonomischen Bedingungen für Palästina, daß seine Entwicklung zu einem von der ge sa m tcn Iudenheit getragenen, a u t o n o nt e n Geme i n wesen (common wealth) gesichert wird. Ferner wurde unter lebhaftem Beifall Entschädigung von Pogromopfern durch den betreffenden Staat verlangt, endlich Einsetzung eines internationalen Ausschusses mit der Aufgabe, darüber zu wachen, daß die Grundsätze und Beschlüsse der Friedenskonferenz hinsichtlich der Juden durchgeführt werden. Sabbmrr Dr. S. Samuel. (Zu seinem 25 jährigen Amtsjubilaum.) nr 5. April sind 2.5 Jahre verflossen, seitdem Dr. S. Sam u e l als Rabbiner der Synagogengemeinde Essen seines Amtes waltet. Die Gemeinde wird diesen Tag festlich begehen, aber auch über den Kreis seiner Gemeinde hinaus wird das Jubelfest des allseitig geschätzten Mannes freudige, dankbare Teilnahme wecken. Salomon Samuel ist am 6. Oktober 1867 in Culm (Westpreußen), wo sein Vater nahezu 50 Jahre als Kantor wirkte, geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums seiner Vaterstadt studierte er von 1886 bis 1894 Theologie an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Orientalia und Philosophie an der Universität Berlin. Außer einer großen Anzahl populär-wissenschaftlicher Abhandlungen in Zeitungen und Zeitschriften seien folgende Schriften Samuels genannt: „Geschichte der Juden in Stift und Stadt Essen", „Die Bücher Jona und Ruth", „Bibel und Heldentum".