Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen Zu erbringen, den er längere Zeit schuldig blieb, um schließlich zu erklären, daß ihm jede Absicht, irgendeine bestimmte religiöse Gruppe zu kränken, ferngelegen habe, und daß er mißverstanden, worden fei. Es ist ärgerlich, daß man für eine frischsröhliche Judenhetze sich nachher noch entschuldigen muß. A. B. Breslau, 21. März. Das Vereinsjahr 1919 eröffnete der Jüdisch-liberale I u g e n d v e r e i n zu Breslau am 7. Januar mit einem Diskussionsabend über das Thema: „Unsere politischen Pflichten und die Wahlen zur Nationalversammlung", um insbesondere seinen Mitgliedern, die zum erstenmal ihr Wahlrecht ausüblen, Aufklärung zu gewähren. Am 29. Januar fand unter sehr starker Beteiligung die Generalversammlung statt, der sich zwecks Durchführung der abgeänderten Statutenberatiung am 12. Februar eine außerordentliche Mitgliederversammlung, anschloß. Am 26. Februar veranstaltete der Verein eine Gedenkfeier für seine im Kriege gefallenen und verstorbenen Mitglieder, an der auch Vertreter dcs Liegnitzer und Ratibarer Brudervereins teilnahmen. Die Gedenkrede hielt der erste Vorsitzende des Breslauer Vereins, Herr Tr. Phil. Albert Wolf, der nunmehr nach 'fast vierjähriger Abwesenheit infolge seiner militärischen Pflichten wieder die Vereinsleitung führt. Bei der stimmungsvollen Feier für die Heimgegangenen wirkten die Mitglieder Fräulein Ernestine Schmidt und die Herren Kan'or Wartenberger und Erhard W -e ch s,e l m a> n n mit. Am 12. März hielt der erste Vorsitzende einen Tendenzvortrag über Ziele und Ausgaben des Jüdisch-liberalen Jllgendvereins, dem eine Einführung der neuen ordentlichen Mitglieder — seit 1. Januar 55 — voran ging. Am 16. März feierte der Verein im großen Saale der Gesellschaft der Freunde das Purimsest durch einen Festakt mit anschließendem geselligen Teil. Herr Tr. Wo l^ begrüßte die heim gekehrten Krieger und Herr Rabbiner Tr. Sänger hielt die Festansprache. Von der Jnnenarbeit ist noch besonders zu erwähnen, daß der Verein nlmnnhr in der glücklichen Lage ist, fortlaufende Kurse abhalten zu können: es spricht jeden Dienstagabend 8 Uhr Herr Rabbiner Dr. Sänger über die Geschichte der Juden im 19. Jahrhundert und jeden Sonntagnachmittag 4 Uhr Herr Dr. Phil. Nellhaus über das Judentum im Lichte ldes Prophetismus. Hebräische Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene werden gleichfalls eingerichtet. Sämtliche Veranstaltungen finden in den Räumen der Spinoza-Loge, Schweidnitzer Stadtgraben 9, statt. „Wir wo-llen nicht verfehlen, auch an dieser Stelle an alle, denen es ernst zu tun ist mit der Zukunft unserer Glaubensgemeinschäft, die dringende Bitte zu richten, unsere Arbeit nach jeder Richtung zu fördern. In der heutigen Zoit muß jeder von uns Farbe bekennen, und alle diejenigen, die auf dem Boden der Fortentwicklung des Judentums stehen, sollten und müßten unsere Mitglieder und Förderer werden, denn nur durch tätige Arbeit aller kann unser Lebenswerk gelingen. Spenden und BeiLrittserklärungen nehmen gern entgegen die Herren Erich Bayer, Breslau, Karlstraße 13, und Alfred Berger, Breslau 7, Höschenstraße 61." W. Posen, im März. Der hiesige Verein der liebenden Brüder (Ansche Chassed) hielt seine diesjährige Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde der im Berichtsjahre verstorbenen Mitglieder ehrend gedacht. Der stellvertretende Vorsitzende, Herr Nathan Tuch, erstattete den Geschäftsbericht. . Danach, betrug die Mitgliederzahl Ende 1917: 269. Hiervon schieden im Berichtsjahre 1918 aus: durch Verzug 2, durch Tod 7. Neu hinzugekommen sind 9, so datz der Verein Ende 1918 einen Mitgliederbestand von 269 hatte. — Der Verein, welcher am 18. November 1846 gegründet worden ist, verfolgt folgende Zwecke: 1. Kranke Mitglieder zu besuchen, ihnen unentgeltlich einen Arzt zu stellen, 2. die Angehörigen bedürftiger Mitglieder im Notfälle mit Medikamenten zu versehen und 3. ein Vereinslokal zu unterhalten, in welchem die Erfüllung der religiösen Satzungen stattzufinden hat. Aufnahmefähig sind alle unbeschouenen Personen, die das 20. Lebensjahr überschritten haben. Ter Verein vereinnahmte im Jahre 1918 inklusive des Bestandes vom 1. Januar 1918 8966 Mark und 73 Pfennig. Nach Abzug der Ausgaben verblieb ein Bestand von 1468,38 Mark. Das Vermögen des Vereins betrug am 1. Januar 1919 außerdem noch an Wertpapieren einschließlich Legate 29 000 Mark. Nach Antrag der Rechnungsprüfer wurde die Entlastung des Vorstandes und des Kassierers beschlossen. Die laut Satzung ausscheidenden sechs Vorstandsmitglieder, die Herren Ludwig Grün,. Samuel Goldschmidt, Nathan- Markus, Alfons Kurz und Paul Zwirn, wurden einstimmig wiedergewählt, und für das verstorbene Vorstandsmitglied Louis Meyer wurde dessen Sohn, Nathan Meyer, gewählt. Zu Rechnungsprüfern wurden die Herren H. Wollheim, Nosenthal, Warschawski und Gerechter ernannt. er. Spandau, 21. März. Eines der ältesten Dokumente jüdischer Geschichte in unserer Stadt und ehemals eines der wertvollsten dazu ist der hiesige Juliusturm, der als ehemaliger Aufbewahrungsort der französischen Kriegsentschädigung von 1871 sehr bekanntgeworden ist. Der „Juliusturm" der hiesigen Zitadelle tritt unter dieser Bezeichnung zuerst im Jahre 1557 auf. In diesem Jahre beantragte Balzzer v. Schoening, der. damalige Hauptmann von Spandow, beim Kurfürsten Joachim II., den „Juliustnrm" mit einem neuen Dache versehen zu lassen. Ursprünglich wurde er von den Spandauern gemeinhin der „Judenturm" genannt und als solcher noch in einem Schriftstück aus dem Jahre 1386 erwähnt. Diese Bezeichnung führt auf das Jahr 1356 zurück, in dein Markgraf Ludwig der Römer seinem „getreuen Kammerknecht" Fritzel das Turm- oder Wächteramt auf dem damaligen Burg- und Schloßturm zu Spandau als Erblehen verlieh. (Die Wittelsbacher waren bekanntlich infolge ihrer beständigen Kriege sehr bei Juden verschuldet.) Kammerknechte aber hießen die damals unter dem Schutze des Landesherrn stehenden Juden, und so entstand denn der Name „Judenturm", wie beispielsweise in Berlin der „große und kleine Jüdenhof" in der späteren Jüdenstraße an die ältesten Wohnstätten der Juden erinnern. Im Verlauf der Zeiten, und nachdem das Turmamt wieder an Christen übergegangen war, fand man für die alte Bezeichnung wohl keine Erklärung mehr, uno so mag der noch heute geltende Name entstanden sein, den man irrigerweise mit Julius Cäsar in Verbindung brachte, indem man den Turm als eine Gründung Cäsars oder vielmehr seines Freundes Domitius Ahenobarbus betrachtet. 22 Chemnitz, 21. März. Im großen Festsaal der Reformschule beging durch eine wohlgelungene Feier der Jüdische Jugendverein zu Che m n i tz sein fünfjähriges Bestehen. Der festlich geschmückte Raum war überfüllt. Fast sämtliche jüdische Körperschaften, die Gemeinde, Loge, Centralverein, Frauenverein u. a., hatten Vertreter entsendet. Der Ortsausschuß für Jugendpflege war durch Herrn Professor Dr. S t ö ck e r t vertreten. Der" 1. Vorsitzende des Vereins, Herr Heinrich Guttmann, begrüßte mit herzlichen Worten die Erschienenen und wies dabei auf die ehrliche Unparteilichkeit des Vereins hin. Die Festrede hakte Herr Gemeinderabbiner Dr. Felix Goldmann (Leipzig) sreundlichft übernommen, der sich dieser Ausgabe wieder in glänzender Weise entledigte. Durch Darbietungen verschiedenster Art erhielt der Abend noch ein besonderes Gepräge. Die Damen Agnes Lenbach, Mitglied der Vereinigten Stadttheater, Alice Wertheimer, Taish Koppel-Sachs, Jenny Kupferberg, Else Guthmann, Ruth Schindler und Eva Gottgetreu wie die Herren Otto Röll und Max Frank seien lobend erwähnt. Der Jüdische Jugendverein zu Chemnitz hat sich durch seine rege Tätigkeit auch während des Krieges die Anerkennung der Chemnitzer Gemeindemilglieder in vollstem Maße erworben. Davon legte gerade dieser Abend wieder besonderes Zeugnis ab und wird 'der Vereinsleitung Veranlassung geben, noch mehr wie bisher alles zu tun, um die Heranwachsende Jugend zu wertvoller Mitarbeit an all den. großen Allsgaben der jüdischen Gesamtheit und dadurch auch der Menschheit zu erziehen. — Der Vorstand des Jüdischen Jugendvereins setzt sich wie solgt-zusammen: 1. Vorsitzender Herr Heinr. Guttmann, 2. Vorsitzender Herr Heinr. Frank, 1. Kassierer Herr Arthur Becker, 2. Kassierer Fräulein Hanne Wolfs, 1. Schriftführer Herr Otto W o l s s h e i m e r , 2. Schriftführer Fräulein Margarete May e r; Beisitzer: Fräulein Bianka Proskauer, Toni Goldberg, Herr Leopold Steinhardt, Salo Schmidt, Fritz Weiner; Ausschuß: Fräulein Ilse Franck, Herr Dr. Adolf Liepmann, Franz Breslauer, Max Geller. §2 Nürnberg, 21. März. Der Elternabend, den die israelitische Gemeindebibliothek am Donnerstag, den 13. März, einberufen hatte, um infolge der politischen Vorgänge zur Frage des Religionsunterrichts Stellung zu nehmen, war 'sehr zahlreich, von Mitgliedern der Kultusgemeinde besucht. Als erster Referent begründete Herr