Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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berechtigt bin. Wvhl habe ich diesen Entschluß damals in meiner Aufregung gefaßt, aber auch jetzt, nachdem ich wieder ruhiger geworden, sehe ich noch immer Nicht die Notwendigkeit ein, jenen Entschluß zu ändern. Ich fühle mich noch durch jenen Schwur gebunden, weil er vollberechtigt ist/ Seine Stimme hatte den ruhigen Tonfall bis zu Ende beibehalten, doch ganz konnte er die innere Leidenschaft nicht verbergen. Alice schwieg eine Weile und flüsterte dann kaum hörbar: „Die Mutter mit Dr. Jarvis verheiratet, ich mit Burger und..." Er wußte nicht, ob sie -den Sah hier abgebrochen, oder ob er nicht weiter hingehört: in jedem Falle -aber brauchte sie nicht weiter zu sprechen, denn er wußte wohl, was. noch gefolgt wäre: denn er wußte, daß die Fortsetzung gelautet hätte: „und Sie verlassen mich!" Aber er hatte keine Zeit weiter nachzudenken, denn in diesem Augenblick kamen Stella und die Mutter herein- (Fortsetzung svlgt.) Litrrsrilchr Mitteilungen. — A it s m eine m I u g e u d t a n d. Von Iso l d e K u r 3. Deutsche Verlagsanstalt. Stuttgart und Berlin 1918. Gegen Isolde Kurz' Schriftstellerei hatte icki bisher eine gewisse Aversion empfunden: sie ist durch das vorliegende Prächtige Buch beseitigt. Dieses ist eine so liebenswürdige. anmutige, zugleich unterrichtende Zeichnung einer vergangenen Zeit und eine so Prächtige pietätvolle Schilderung einer herrlichen Mutter und eines ansaezeichneten Vaters (des Erzählers Hermann Kurz), eine von so tiefer Selbsterkenntnis zeugende Darstellung des kleinbürgerlichen, namentlich des Tübinger Lebens der Zeit von 1850 bis 1880. daß man sie gerade setzt, du man sich so gern ans einer trostlosen Gegenwart in eine heitere Vergangenheit flüchtet, mit Freude und Behagen lesen muß. Ich würde daher dieses mutige und wahrhaft stärkende Buch auch in dem Falle empfehlen, daß es gar nichts Jüdisches enthielte: ich darf abe^ um so mehr darauf Hinweisen, weil sich S. 104 sehr interessante Notizen über Ferdinand Eohen-Btind finden, die durchaus Neues enthalten. und daß S. 117 ff. eine Prächtige Stelle über den ans gezeichneten Moritz Hart mann steht. Einen anderen Absatz sS. 70) setze ich wörtlich, hierher, weil er allein wert ist, daß auch unsere Kreise von dem Buche Notiz nehmen. Nachdem sie von dem Wesen ihrer Mutter gesprochen, fährt sie fort: „Als sie einmal bei einem gefürchteten indischen Gel'dverleiher zur Unterstützung eines in Not aeratenen Studenten die nötige Summe in bar erhob, weil die von ihr und Ottilie Wildermuth gesammelten Gelder nicht schnell genug fließen wollten, da nahm der angebliche Shhlock von der Erstaunten weder Schein noch Zinsen und bat sie. sich in ähnlichen Zullen nur immer wieder an ihn zu wenden. Ich weiß nicht, ob es aus bloßer Hochachtung für ihre Person geschah oder ob er wußte, daß sie in ihrer Ritterlichkeit stets bereit war, gegen die an den jüdischen Mitbürgern verübte Unbill mit all ihrem Feuer zu Ielde zu ziehen." Li. G. & — Lebensbilder ber ü h m t e r Kant 0 re n. Her ansgegeben vom Königlichen Musikdirektor Aron Friedman n , Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. I. Teil. E. Boas Nächst, Buchhandlung. Berlin 1918. . Der Verfasser dieser zu einem stattlichen Band vereinigten Lebensbilder ist den Lesern dieses geschätzten Blattes durch seine mannigfachen, ebenso fleißigen wie höchst interessanten Aufsätze über hervorragende Vertreter seines eigenen Standes wohlbekannt. Dieses vorliegende Werk, das im übrigen aus bereits früher in den verschiedenen Zeitschriften veröffentlichten biographischen und fachwissenschaftlichen Arbeiten besteht, bildet, durch vielfach ergänzendes Material, eine reiche Ouelle der Belehrung für die jüngeren Kantorei! und zugleich einen Anspvrii zur Nacheiferung der Männer, denen hier ein literarisches Denkmal gesetzt worden ist. Mit besonderer Bewunderung und Verehrung verweilt der Verfasser begreiflicherweise bei den ganz Großen.unter den Kantoren des vorigen Jahrhunderts, Ein Blick in die Artikel über S a l 0 m 0 n Snlzer, Naumburg, Weintraub, Moritz Deutsch und andere mehr bestätigt dies. Letztgenanntem ist das Buch „als Gedenkschrift zu seinem hundertsten Geburtstage (16. Dezember 1918) in tiefster Ehrfurcht gewidmet". Daß unser genialer gottbegnadeter Meister L 0u i s Lew an do wski hier einen hervorragenden Platz einnimmt, ist selbstverständlich; - nicht nur deshalb, weil er ^-durch seine Gesänge mit dem Kantorenstande innig verwachsen ist", auch weil er als Bildner einer ganzen Kantorengeneration sich blechende Verdienste um die Veredelung des Gottesdienstes erworben hat. Als äußeren Anlaß für die Abfassung der vorliegenden fünfundzwanzig Lebensbilder boten sich dem Verfasier die verschiedensten Gelegenheitsfeiern, wie Amtsjubiläen, Geburtstage höherer Semester, Sterbe- und Gedenktage. Die sachliche Beurteilung - der Leistungen der erwählten Persönlichkeiten auf gesanglichem, musikalischem und fachwissenschaftlichem Gebiete verrät den gründlichen Kenner, der bemüht ist, durchaus objektiv zu verfahren, wobei aber stets ein warmer Ton der Anerkennung und Wertschätzung mitklingt. — Friedmann hat sich insbesondere dem biographischen Studium seiner Berufsgenossen mit großem Fleiß und vielem Geschick gewidmet, so daß man versucht ist, ihn als den Kantor e n - P l u t a r ch -anzusprechen. Da er noch einen zweiten Teil seines Werkes herauszugeben beabsichtigt, so steht zu hoffen, daß es ihm, gleich dem griechischen Schriftsteller, auch gelingen wird, seine „44 Vitae paralleliae", d. h. vergleichende Lebensbeschreibungen, zwar nicht berühmter Griechen und Römer, sondern wohlverdienter Kantoren heranszugeben. Wie bei seinem bereits in zweiter Auflage erschienenen lehrreichen Werk „Der synagogale Gesang" hat der Verfasser -den Erlös der „Lebensbilder" zugunsten der „Hilfskasse für israelitische Kantoren und Kultusbeamten, deren Witwen und Waisen in Deutschland" gewidmet — ein Grund mehr, deren weiteste Verbreitung zu wünschen. B. Iac 0 bs 0 h n (Berlin-Friedenau). iBüdiminlauf. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Jahrbuch der Jüdisch-literarischen Gesellschaft (Sitz Frankfurt a. M.) XII. Ter Patriarch Hillel. Zwei Vorträge von Rabbiner Dr. Salomon Stein, Schweinfurt. Frankfurt a. M., Buchdruckerei David Droller, 1918. Mendele Mocher-Ssorim (Scholem-Jäakev Abrarnowitsch): Fischke der Krumme. Ein jüdischer Roman. Deutsch von Alexander Eliasberg.' R. Löwit Verlag, Wien und Berlin 1918. Die Siedelung. Roman von Auguste Hauschner. Verlag Egon Fleische! & Co., Berlin 1918. Dr. Jsaac Breuer: Meffiasspuren. Verlag Rudolf Leonhard Hammon, Kommanditgesellschaft, Frankfurt a. M. 1918. Unsere Aufgabe, ein Mlcharruf von Wolf S. Jacobson, Zürich. Verlag „Arzenu" der „Agudas Jisroel"-Jugendt-Organisation, Zürich. Druck von Kopp-Tanner, 1918. Ein ernstes Wort in ernster Stunde. Von Atoses Leiter, Zürich. Verlag „Arzenu" der „Agudas > Ji sroel"-Jugenv-Organisation, Zürich. Druck von Kopp-Tanner, 1918. Alfred Lemm: Der Weg der deutschen Juden. Der Neue Geist- Verlag, Leipzig. Anton v. Marhtski: Geschichte der Judenfrage in Polen. Deutsche Ausgabe. Besorgt von I. T. I. Berlin 1918, Verlag Dr. Wedekind u. Co. G. m. b. H. Dr. S. Linde: Der vermeintliche Opfertod Jesu i,m Lichte der Evangelien nebst Beiträgen zu der den Weltfrieden fördernden Zutun stskirche. Dr. I. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad: Romain Rolland., rm „Jean Christof" über Ju'den und Judentum. Wien 1918, Separatabdruck aus „Dr. Blochs Wochenschrift". I. S. Zuri (Schesak): Rab, sein Leben und seine Anschauungen. Zürich 1918, Buchdruckerei 'S. v. Ostheim. . - I. S. Zuri: Rabbi Jochanan, der erste Amoräer Galiläas. Berlin 1918, Verlag, von M. Poppelauer. Dr. Oscar Götz, Direktor: Geschichte der Nauenschen Erziehungsanstalt zu Berlin (von 1909 bis 1919). Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1919. Herausgegeben vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. 22. Band. Berlin 1919, Verlag von M. Poppelauer.