Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Brauchbares herzustellen. Seine Menststunden waren geteN.Mbfchew.Lehckätik^eit an den Schulen und der Armenpflege als der praktischen Seelsorge, wie er sie verstand. Nach Hunderten dürften die Schüler und Schülerinnen zählen, die er für den Glauben der Väter begeistert, in Lehre und Geschichte des Judentums eingeführt hat, wobei ihn bei Gebrauch von Lehrbüchern ein sicherer Takt geleitete, der ihn das Treffj liche von dem Minderwertigen scheiden ließ. Er nahm die > Aufgabe des Armenpflegers bei der einheimischen jüdischen | Bevölkerung wie den zugereisten Fremden nicht leicht, widmete! ihr mehrere Stunden des Tages, Mittel und Wege suchend, ' wie dem großstädtischen Elend zu nius, wie es ein Redner am Grabe von ihm gesagt, sich selbst gesetzt. Georg Y.KlotKk. r. Georg I. Plotke wurde geboren am 24. April 1888 als Sohn des Rechtsanwalts Julius Plotke in Frankfurt am Main. Er besuchte dort das Goethe-Gymnasium, kam nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1903 in die Nähe seiner Großeltern und besuchte die Gymnasien zu Fraustadt, Posen und Meferitz. In letzterer Stadt bestand er die Reifeprüfung, nachdem er vorher auch buchhändlerisch tätig gewesen war. Er studierte alsdann Philosophie und Literatur in Berlin (1909), hörte hier u. a. Geiger, Richard M. Meyer (mit dem er auch in Verkehr stand) und trat in das Seminar von Erich Schmidt. Hier wurde er auch Mitglied des Akademisch-literarischen Vereins, und hier entstand seine erste Gedichtsammlung „Helldunkle Jahres die er einige Jahre später herausgab. 1911 Fing er nach München, hörte dort literarische, kunstgeschichtliche sowie staatswisienschastliche Vorträge in enger Fühlung mit älteren und jüngeren Künstlerkreisen (Heyse, Ganghvfer).- Msdann studierte er in Paris an der Sorbonne, unternahm eine Reise nach Spanien und war nebenher wissenschaftlich und dichterisch tätig. Es entstand seine Gedichtsammlung „Zur Mutter" und seine Schrift „Heinrich Heine als Dichter des Judentums". Alsdann studierte «er in Münster und promovierte dort mit der Arbeit „Paul Heyses epische und novellistische Anfänge". Nach der Promotion arbeitete er als freier Schriftsteller. Schon 1913 hatte er zusammen mit Dr. Edgar Groß das „Deutsche Studentenbuch zur Erinnerung an dieErhebung 1813" herausgegeben; er wurdedannMitarbeiter der Zeitschrift „Das neue Leben". — Im August 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, war bis Anfang 191» im Felde und kehrte erkrankt zurück. 1916 wurde er Dramaturg am Neuen Theater in Frankfurt a. M. und später, als Karl Zeih die Intendantur übernahm, Dramaturg der Vereinigten Stadttheater. Schon am Neuen Theater hatte er sich energisch für die jugendliche Literatur eingesetzt und u. a. Ren« Sch-ickeles „Hans im Schuakenloch" und Georg Kaisers „Die Bürger von Calais" herausgebracht. Auch das spanische Werk ..Yorick" von Benavente führte er der deutschen Bühne zu. An den Vereinigten Stadttheatern ließ er weitere Werke der jungdeutschen Dichter, wie Georg Kaiser, Fritz v. Unruh, Reinhard Göring, Max Pulver, ferner auch Karl Hauptmann aufführen, brachte aber auch einen Zyklus „Der junge Goethe", darunter den „Ursaust", auf die Bühne. In den ersten Kriegssahren gewann er unter vielen Bewerbern den erftcn Preis mit der Preisarbeit für die Moritz - Manheimer - Stiftung: .„Richtlinien, für den einzelnen zur Wiederherstellung der internationalen Humanitätsbeziehungen nach dem Kriege" und machte sich dann durch Herausgabe des Briefwechsels zwischen Heyse und Storm besonders verdient. Er schrieb ferner „Deutsche Bühne, ein Jahrbuch des Frankfurter Schauspielhauses" und bearbeitete ein älteres deutsches Lustspiel „Nur sechs Schüsieln" für die moderne Bühne. In seinem Nachlaß befindet sich noch eine größere Arbeit über den jungen Heyse. Schon als Student hatte er eifrig politische Jnteresien betätigt und bereits in jungen Jahren eine kleine Sammlung „Gabriel Rießers Reden" herausgegoben. Diese Jnteresien traten im letzten Jahre Lei ihm sehr in den Vordergrund, und die Revolution sah ihn auf seiten lder Unabhängigen sozialistischen Partei. In Frankfurt suchte er inzwischen durch zahlreiche Vorträge und kritische Tätigkeit das künstlerische Leben in seinem Sinne zu beeinflussen und in neue Bahnen zu leiten. Zahlreiche Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften bekunden sein eifriges Eintreten für moderne literarische und soziale Fragen. Mitten aus dieser von Leben sprühenden Tätigkeit wurde er durch die Grippe, der eine Lungenentzündung folgte, dahingerafft (Nachwort von Ludwig Geiger): Den vorstehenden, mir von der Familie zur Verfügung gestellten Notizen habe ich nur weniges hinzuzufügen. Ich kannte Georg Plotke gut und stand in mannigfacher Verbindung mit ihm. Er hatte die Traditionen seines Vaters, der ein Vorkämpfer für das liberale Judentum gewesen war. steuern sei;/ er hatte Rat für viele, wenn er auch nicht Gabe für alle hatte. Seine Tätigkeit galt auch nicht bloß den lokalen , Vereinen der Stuttgarter Gemeinde; den Blick aufs Ganze gerichtet, war er mit gleicher Hingebung in den Landesvereinen Württembergs tätig, alles, was israelitische Wohlfahrtsbestrebung ist, mit seinem Herzen umfassend. Zum Kanzelredner erschien er wie prädestiniert durch den Drang zu lehren, seiner Zuhörerschaft die Heilslehren des Judentums an der Hand von Bibel, Talmud und Midrasch zu übermitteln. Wie er als solch« etwas von Lessingscher Einfachheit besaß, zeichneten seine Reden Einfachheit des Stils, Klarheit des Gedankens aus. Eine Fülle von Gedanken ist in seinen Roden, so weit sie gedruckt sind, niedergelegt. So hat er die 37 Jahre hindurch, die er im württembergischen Kultusdienst' gestanden, segensvoll gewirkt/ und mit dem römischen Dichter wird auch von ihm gesagt werden dürfen: er hat sich den Nachruhm vorweggenommen, sich ein nronumentum a«r« p«r«n- Dr. Georg I. plotke.