Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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124 nnd knüpft daran einen Bericht über die Darlegung der zionistischen Delegierten vor dcrn Rat der Zehn. „Man h>a>t oingewandt, daß, wenn man den Juden, welche nach Palästina zurückkehren wollen, eine nationale Heimstätte anweifen wollte, es gerecht sein, würde, eine gleiche Autonomie auch denjenigen Konfessionen zu bewilligen, welche sich auf diesen: historischen Byden befinden. Der Wettstreit der Religionen um Jerusalem wirft Fragen von äußerster Schwierigkeit auf." Die „MorningPtost" -en'tn.immt aus „New Uork Dun" die seltsame Meldung, es werde auf Wilson ein starker Druck ausgeübt, damit Amerika den Schutz Palästinas übernehme. Lloyd Georges soll zu Wilson ungeduldig gesagt haben: „Sie wollen, daß jeder andere die Sache versucht, wollen aber nicht selbst Verantwortung übernehmen." Die „Neue Zürcher Zeitüng" schreibt: Paris, 1. März. Seit der Eroberung von Palästina durch die Alliierten ist die Bedeutung des Zionismus viel größer als vor dem Krieg. Auf dein Kongreß von Basel im Jahre 1897 wurde er eine politische Idee. Er fand besonders bei der englischen Regierung Unterstützung, die versprach, in Palästina eine israelitische nationale Heimstätte zu schaffen. England kennt den Antisemitismus nicht, und als es mit Frankreich die Verträge über Syrien abschloß, sah es bereits für Palästina ein internationales Regime vor. Heute verlangen die zionistischen Abgeordneten, unter denen sich Sylvain Levi, Professor der Sanskrit spräche am College de France (?), und der französische Dichter Andre Spive befinden, vor der Konferenz einen eigenen zionistischen Staat, der an das Mittelmeer und das Rote Meer angrenzen und von einen: englischen oder sranzösischen Mandatar verwaltet würde. England als eventueller Mnudatar begegnet der Opposition gewisser katholischer und kolonialer Kreise. Die Muselmanen sind einem unabhängiger: jüdischen Staat abgeneigt. Der bekannte Sozialist Albert T h o m a s drückte in einen: Interview namens der Sozialdemokraten die größte Shrnpathie für den Zionisn:us aus, der in enger Beziehung zur modernen. Demokratie steht. Der Völkerbund wäre unvollständig ohne Mitwirkung des jüdischer: Volkes. H er vö -schreibt in „La Victoire": „Der Zionismus, der davon träumt, in Jerusalem, an der Geburtsstätte der Juden, einen national-jüdischen Herd wiederaufzubauen, ist ein heiliges und rechtmäßiges Unternehmen, das bei keinen: Patrioten, der großen Nation der Entente angehörend, auf Widerstand stoßen darf. Doch der Zionismus, welcher nur gesonnen ist, nativnaljüdische Mittelpunkte im Schoße anderer Länder, wie Polen, Rumänien und Rußland, sestzulegen, würde nur das eine Resultat erreichen: in allen diesen Ländern und in ganz Europa eine fürchterliche Explosion des Antisemitismus veranlassen." Jur Ruinen der griechisch-orthodoxen Kirche erklärte Archimandrit Vosilokis einem Korrespondenten des „Mali::" über die zionistischen Forderungen: „Die historischen Rechte der Juden sind unbestreitbar. Ihre gegenwärtig ethnographischen Rechte sind es weniger. Unter der bunten Bevölkerung Palästinas nehmen die Mohammedaner den ersten Platz ei::, die Juden sind unserer Sympathie würdig. Sie haben ein besseres Los verdient als das, was sie 2000 Jahre gehabt haben. Wenn cs schlechte Jirden gibt, so ist es nur allzuhäufig deshalb, weil es schlechte Christen gibt, die sie unterdrücken. Aber werden die Juden Palästina zu neuen: Leben bringen können? Ein langer Aufenthalt in diesem Lande erlaubt nur daran zu zweifeln. Mit Ausnahme einiger Ecken im Tale Galiläas ist Palästina unfruchtbar. Es wird andauernde Arbeit nötig sein, um es zu beleben. Wie sollen dort die Juden ohne diese unumgängliche Mühe ihr Hein:, das sie ersehnen, errichten können? Unsere orthodoxen Kirchen werden nur verlangen, daß ihre Rechte in den heiligen Stätten respektiert werden." Di e z i o n i st i s ch c F r a g e n n d d e r Erz b i s ch o f von Pa r i s. Paris, 1. März. Im erzbischöflichen Palast von Paris wurden über die zionistischen Fragen folgende Erklärungen' abgegeben: Palästina gehört der syrischen Bevölkerung. Die Juden haben sich dort erst während einiger Jahrhunderte ausgehalten. Es verhält sich so, wie wmn die Römer Gallien forderten, weil sie es während 300 bis 400 Jahren besetzt hielten. Aus jeden Fall hoffenwir, daß die Mändatarmacht den französischen Einfluß respektieren wird. * Die Jüdische Prestzen-trale in Zürich teilt mit: Bon: 19. bis 26. Februar tagte in Zürich die Weltkonfevenz der jüdisch-orchodoxeri Verbände. Vertreter aus vierzehn Ländern waren anwesend. Besondere Austner-ksanckeit erregte die italienische Gruppe unter Führung des Oberrabbiners von Florenz. Im Vordergrund der Beratungen urrd Beschlüsse stand die Entsendung von Deleg ierten zur Fr iedenskonserenz, die dieser —- wenn irgendwie möglich gemeinsam mit den Vertretern anderer in .Betracht kommender jüdischer Organisabionen die Wünsche der orthodoxen Judenheit, namentlich in bezug, auf Palästina, und die Rechte!der Judenheit -in den übrigen Ländern unterbreiten sollen. In der bezüglichen Resolution heißt es u. a.: „Die bei. der Weltkonferenz in Zürich vertretenen großen orthodoxen jüdischen Organisationen erheben kraft -der historischen Legitimation!der hinter ihnen stehenden thoratreuen Massen des jüdischen Volkes in allen Län-dern der Diaspora den feierlichen Anspruch, bei der bevorstehenden Neuordnung der staatlichen und politischen Verhältnisse vor dem Forum der Nationen.gehört zu werden." Ferner: „Das jüdische Volk erwartet von: Friedenskongreß die g r und süßliche Anerkennung Palästi n a s al s das Land Israel s, allwo es berufen ist, seine nationalen Ausgäben gemäß Lehre und Gesetz der Gottesoffen'barung zu verwirklichen." Bezüglich der anderen Länder werden internationale Sicherung der jüdischen Bevölkerungen, Gleichberechtigung und Gewährleistung des Rechtes aus Bildung staatlich anerkannter jüdischer Gemeinwesen in staatsrechtlichen Formen, die den politischen Verhältnissen der einzelnen Länder und den Bedürfnissen ihrer Juden entsprechen, gefordert. Zur Palästina-Arbeit selbst wurden sehr bemerkenswerte Beschlüsse gefaßt, so namentlich Errichtung eines Studienausschusses zur Prüfung .der Ansiedlungsverhältnisse, Gründung eines Palästina-Amtes zur Beratung der jüdischen. Massen und einer S i e dl u n g s - u nd H a nde l s - bank mit den: Sitz in London .und Filialen in Palästina und einen: Aktienkapital von ungefähr 25 Millionen Franken. Ein uanchafter Teil des Kapitals wurde bereits gezeichnet. Die Konferenz beschloß auch die Ergreifung der Initiative zur Regelung -der jüdischen Massenwanderung, die sofort nach Oeffnungder Ländergrer^en mit erneuter und verstärkter Wucht vinsetzen dürste. Die Frage des Studiums -des jüdischen Neligionsgesetzes wurde eingehend besprochen und insbesondere beschlossen, für die Erhaltung und Belebung der T a l m u d h och sch u! e n und für ihre Wiederherstellung, soweit sie durch die Kriegsereignisse verfielen und zerstört wurden, Sorge zu tragen. Zur Durchführung aller.dieser Beschlüsse wurde eine jüdisch-orthodoxe W e l t o r g n n isation, mit Sitz in Zürich, gegründet. Die Schlußsitzung der Konferenz gestaltete sich zu einer feierlichen Kundgebung, die auch auf die nicht direkt beteiligten Zuhörer einen tiefen Eindruck inachte. •* Unter der Spitzmavke „Herr Rudolph Herzog und die rheinische Republik" schreibt Herr Juftizrat Dr. Fuld (Mainz) in der „Kölnischen VoWzeitung" .vom 19. März: In Nr. .196 der „Kölnischen Volkszeitung", nimmt Herr Rudolph Herzog das Wort zu der Frage der rheinischen Republik; das ist sein gutes Recht, und es ist weiter auch sein Recht, staatsrechtliche und nnrtschaftliche Auffassungen zu vertreten, welche man den: Romandüster gern nachsieht, weil man weiß, daß der Verfasser von Romanen regelmäßig sich auf den: Gebiete des Staatsrechtes und der Volkswirtschaft nicht besonders auskennt. Es wäre daher kein Anlaß vorhanden, sich mit dem Artikel des Herrn Rudolph Herzog zu beschäftigen, wenn derselbe es nicht für angemessen erachtet hätte, durch antisemitische Auslassungen die Kraft seiner Argumente..zu unterstützen. Ohne irgendeinen Anlaß spricht Herr Herzog von dem Verhökern rheinischer Ehre in der I u d e n g a s s e und verwahrt die rheinische Ehre gegen dieses Schicksal. Wie schwach muß es um die Beweiskraft der Argumente der Gegner stehen, wenn man jetzt sogar die antisemischen Instinkte mobil macht. Was hat die Judengasse mit der rheinischen Republik zu tun? Die Judengasse ist nicht schlechter, noch besser wie andere Straßen, in denen sich Herr Rudolph Herzog vielleicht besser auskennt, aber die maßlos verächtliche Art und Weise, in welcher Herr Herzog davon spricht,, ist geeignet,, dirheinischen Juden wie auch alle anderen deutschen .Juden auf das tiefste zu kränLen, und sie ist auch so empfunden worden.