Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1919)
- Date
- 1919-03-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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z Gemeinschaftsgefühl, die Solidarität, jetzt inehr denn je in den Vordergrund zu treten habe. Jeder einzelne wird jetzt sich seines Rechtes bewußt, seine Pflichten gegen die Gesamtheit zu wahren. Jede Parteirichtung wird ihre Sonderinteresien in den Hintergrund setzen müssen, um die Interessen des Gesamtjudentums zu vertreten. Wenn die Trennung von Staat und Kirche uns verhelfen wird, uns enger zusammenzu schließen, dann wird unser Gemeindeleben von neuem aickblühen und sich erst dann zur vollen Macht entfalten können. Wir Juden sind glücklicherweise in ehret angenehmeren Lage als alle anderen Religionen, nur.werden diese Umwandlung lnühelos überstehen, denn sie wird uns setzt erst recht zur Einmütigkeit führen, was wir im Interesse der Erhaltung unserer Tradition unbedingt erstreben müssen. Ter Redner schloß seinen lehrreichen, mit großem Beifall attsaenommenen Vortrag mit den Worten unserer Weilen: „Israel ist nicht verwaist und wird nicht unteraeben." -- Am Freitag, den 28. Februar, fand die feierliche Einiührung unseres neuen Rabbiners Tr. Alexander statt. Unter Harmoniumklünaen und'Bearüßnnasaesana von Kantor und Cbor wurde Herr Tr. Alerander in das festlich erleuchtete und von der ganzen Gewinde gefüllte Gotteshaus geleitet. Am Altar emviina ibn der Gemeindevorstand. Herr Kommerzienrat Sonnentbalals Vorsitzender widmete dem neuen Rabbiner herrliche Worte, hieß ibn willkommen und aab ibm die Versicherung. daß er sowie die ganze Gemeinde ihre Kräfte dabin wirken lasten werden, um 'lim das schwere Amt zu erleichtern. Er hoffe, daß das Amt, das Herr Dr. Alexander übernehme, für ihn und die Gemeinde zum Seaen gereichen werde. Der neue Rabbiner dankte mit erarehen^en Worten für die Ebrnng. die ihm zuteil wurde, und gab die Ve^stchernng, daß er bestrebt sein werde, das Vertrauen, das in ihn aei'ebt wurde, Noll und ganz zu rechtertioen. Dann geleitete d'"r Vorstand Herrn Dr. Alerander an feinen Amtssitz. worauf der Gottesdienst in altaewobnter Weise seinen Anfang nabm. Kurz vor dem Sckgustaebet betrat der neue Rabbiner die Kanzel Z7i seiner AntrhtLvred'gt. Nach einem einleitenden, febr rührenden Gebete, wobei er Gott um Verstand ß"ir den schweren Fübrerberuf bat. sprach er davon, daß er f.tMtvv A„^rsn.'s-ch^^ wolle im Si77no d.c's Weifen, der da sagt, daß die sittliche Weltordrmna auf der Wabrbeit. dem Recht und deni ^vieden berirb-t. Er beschloß feine eindrucksvolle Rredi.h N7st G^bet und Segen für Stadt und Land, Bürgerschaft und Gemeinde. or. 14. März. I ü d i s cb e F e l d s e e l. i o r g e bildete das Tbema eines Vortraaes, den Rabbiner Tr. Wilde in einer zablroich besuchten Versammlung des hiesigen Vereins hir indische Geschickte und Literatur hielt, ^etr. Dr. Wilde schilderte die Bearünduna und das Anwachsen der indischen ^eldhellorae. die erst im lebten Kr'eae a-eschaffen wurde, Unaesäbr 20 Rabbiner walteten rritf dem westlichen und östlichen Kr'easschauvlatze ihres AmhL. Dr. Wilde beschrieb in anschaulicher Weile die Tätigkeit des Seelwrgers im Felde, die sich auf >Abhaltung von Gottesdiensten. Besuch von Lazaretten, Begräbnissen usw. erstreckte. Jeder Anwesende oewann die klare Ueber^enauna, daß diew Einrichtung ihrer Bedeutung noch über iedes Lob erhaben ist und. dazu beiaetraaen bat, unseren Söbnen im Felde dh ich tue re Zeit zu erleichtern. Rabbiner Dr. Wilde, der reichen Beimst für seine AuLfnbemmen erntete, war vom Anfang bis zum Schluß des Krieges als Feldvrediaer tätig und ist mit dem Eisernen Kreuz 2. und-Wem Ritterkreuz 1. Klaffe mit Schwertern vom Königlich Württembergischen Friedrichsorden ausgezeichnet worden. J. - A. Nürnberg. 14. März. Ter Iüdi s cb e I u a e u d v e r e i n N ü rnb e r g/F ü r t b bat feit Jahresfrist einen erfreulichen Aufschwung genommen. Er will nicht nux seinen Mitgliedern Belehrung und Aufklärung duch Vorträge zu kommen lasten, sondern strebt auch danach, daß die Mitglieder selbst durch ernstes Streben und Studium zu Rednern, herangebildet werden, um nicht nur Misten und Wissenschaft zu empfangen, sondern auch Wissen bei den jugendlichen Genossen zu-verbreiten. In letzter Zeit sind in anerkennenswerter Weile zwei junge Herren aus dem Mitglwderkreise mit Vorträgen an die Teffentlichkeit getreten, und zwar Herr stud. zur. Kurt N e u mit einem Vortrage: „Der junge Mensch in Dichtung und Leben" und om 26. Februar der Unterprimaner Herr Richard Levi mit einem musikgeschichtlichen Thsma: „Klassisches und modernes Zeitalter deutscher Musik".' Der Letztgenannte hat das große und gewaltige Gebiet auf Grund eines gediegenen Studiums den Hörern vorgeführt und die hauptsächlichsten Tonschöpfungen der großen Meister kritisch beleuchtet. Er behandelte Joh. Seb. Bach, den Schöpfer der Kirchenmusik; Haydn, Mozart, dessen Schöpfungen von ewiger Jugend sind; Beethoven, den Meister der Symphonie, Franz Schubert, den Liederkomponisten; Johannes Brahms und Franz Liszt. Bon modernen Tonsetzern besprach der Vortragende Richard Wagner, den Schöpfer des Musikdramas, besonders einaebend, ferner Rbeinberger, Max Bruch, Max Reger, Hugo Wolf, Richard Strauß, Anton Bruckner, Gustav Mahler, Max Schillings, Eugen d'Albert und Kienzel. Wenn auch bei der Fülle der bedeutenden Namen jeder Komponist nur kurz behandelt werden konnte, so gab doch der Vortragende hierbei einen interessanten und fesselnden Ueberblick über unsere deutschen Tonsetzer und deren Werke. Das Auditorium war außerordentlich befriedigt von der gewandten Ausdrucksweise, dem klaren Vortrage und dem sicheren Urteile des jungen Mannes und spendete reichen Beifall. Im Anschluß an den Vortrag wurde das Klavierquartett in Ls-äur von L. v. Beethoven gespielt, unter Mitwirkung von Frl. Carola Lehmann (Klavier), dem Vortragenden Herrn Rich. Levi (Violine), Herrn Oberlandesgerichtsrat Escales (Bratsche), Herrn Dr. I. Steinhardt (Cello). Auch die gediegene Ausführung des Quartetts, wobei die Klavierspielerin Frl. Lehmann sich durch große Fertigkeit auszeichnete, fand bei dem zahlreich erschienenen Publikum hohe Anerkennung, so daß alle Hörer von der Veranstaltung des Jugendvereins außerordentlich befriedigt waren. — Stuttgart, 14. März. Unter überaus starker Beteiligung aus allen Teilen des Landes fand die Beisetzung des im 71. Lebensjahre verstorbenen Bezirksrabbiners Dr. Stössel statt. Qberkirckenrat Dr. Krön er entwarf am Grabe, ein lebensgetreues Charakterbild dieses einfachen und schlichten Gelehrten. Im Namen der israelitischen Oberkirchenbehörde dankte Regierungsrar Tr. Nördlinger für die nützlichen Dienste, die der Verstorbene durch seine klaren religiösen Gutachten dieser Behörde geleistet hat. Kirchenvorsteber Schwabacber fand Worte der Anerkennung für seine treue Mitarbeit im Kirchenvorsteheramt. Lehrer Adler (Cannstatt) hielt im Namen der Bezirksgemeinden und deren Lehrer einen warmen Nachruf. Für die Rabbiner des Landes sprach Tr. Gerlinger (Hall), der besonders ans die tiefe Gelehrsamkeit des Verstorbenen hinwies, welche neben seiner gewinnenden Persönlichkeit ausschlaggebend war, ihn als Vertrauensmann seines Standes in den „Weiteren Rat der israelitischen Oberkirchenbehörde" zu entsenden. Rabbiner Dr. Be er mann dankte namens des Bezirksrabbinaks Heilbronn, dessen verwaiste Stelle er kurze Zeit mitversehen hatte. Kirchenvorsteher Stefan Straus würdigte seine Mitbetätigung auf dem Gebiete der Armenpflege und der Woblbhigkeit. Landesgerichtsdirektor Stern, Vorstand des Jsraelhischen Waisenhauses in Eßlingen, würdigte die Verdienste, die der Tabingeschiedene sich um diche Anstalt und deren Zöglinge erworben hatte. Die schlichte Trauerfeier war umrahmt von hebräischen Gesängen der Lehrer der Stadt und des Bezirks Stuttgart. Anlkarn. z. Budapest, im März. Die Pester israelitische Religionsgemeinde und mit ihr das Judentum Ungarns haben einen schweren Verlust zu verzeichnen. Am 28. Januar ist nach kurzem Leiden der Generalsekretär der Gemeinde, Dr. Julius W e i ß b u r g, im Alter von 52 Jahren verschieden. Mit -ihm scheidet eine der hervorragendsten Gestatten des jüdischen Glaubenslebens. Jahrelang stand er als Rabbiner, Prediger und Religionslehrer im Dienste der Pester israelitischen Religionsg-emein'de und hatte sich dabei als Kämpfer des geistigen Fortschrittes, als Förderer des religiösen Lebens erwiesen. Er war auch literarisch und besonders publizistisch mit großen Erfolgen tätig und redigierte Jahre hindurch angesehene jüdische Zeitschriften. Später trat er von der Rabbinerstelle zurück und wurde zum Generalsekretär der Gemeinde gewühlt, in welcher Stelle er sich durch besonders strenges Pflichtbewußtsein und durch konziliantes Entgegenkommen ausze^chuete. — Die Jüdische Gemeinde des oberungarischen Städtchens Vngujhely hat seit Jahrzehnten eine jüdische Oberrealschule aufrechterhalten, die schon ganze Generationen ungarischer Juden in jüdischem Geist, im heiligen Glauben der Väter großgezogen hat. Diese einzige ungarische jüdische Oberrenlschule Ungarns ist nun infolge der Besetzung Vügujhelys durch