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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-03-21 · Heft 12 (21.3.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 12 (21.3.1919)
Date
1919-03-21
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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-4 die Tschechen in eine große Krise geraten. Die Professoren dieser Anstalt mußten, da sie nicht geneigt waren, den Unterricht in tschechoslowakischem Geiste fortzusetzen, den Unterricht ganz einstellen: die Vägujhelher jüdische Oberrea-lschule ist das erste Opfer der tschechoslowakischen Aspirationen geworden. Tue in der Hauptstadt weilenden jüdischen Professoren dieser. Anstalt haben sich an die Pester israelitsche Religions- * gewestide mit der Bitte nm Ueberlassung eines geeigneten Schulgebäudes gewendet, damit diese altehrwürdigö Pflanzstätte der Kultur ihre Tätigkeit in der Hauptstadt fortsetzen könne — eine Bitte, die zweifellos nicht ungetzört verhallen wird. — Ein ähnliches Schicksal bedroht übrigens auch die Trencsener jüdische Volksschule, an der seit nahezu siebzig Jahren die jüdischen Kinder des ganzen Komitates die Grundlagen ihres religiösen Wiffens und ihrer späteren Fortbildung erhalten haben. Diese Lehranstalt muß einfach ihre Tore sperren — weil, nun weil die an ihr seit Jahrzehnten wirkenden tüchtigen Lehrkräfte den Unterricht nicht, wie es die Tschechen befehlen, in slowakischer Sprache fortsetzen können. Bedenken wir nun, daß fast kein einziges Judenkind in Trencftn der slowakischen Sprache, geschweige denn, der tschechischen so weit mächtig ist, um den Unterricht in diesen Sprachen mit Erfolg genießen zu können, so leuchtet es auch dem ahnungslosesten Gemüte ein, wie die Tschechen das Selbstbestimmungsrecht der Völker betreffend die Unterrichtssprache interpretieren. — Unter dem Titel „Abava" bat sich in Budapest eine Organisation konstituiert, deren Mt,Weder sich aus allen Schattierungen und Kreisen rekrutieren. Dieser nach de^u M^ssi,- ftv Loaen vom bekannten Publizisten Samuel Bettel beim ins Leben norufwo fffyr^trr TvAff jÜN0Ü prffp *npnY)^r1otr»mTuria ab. in der Präsident Netsilbeim in lichtvoller M.^si die Nalästin>asracye beleirchtete und hsirisii a^s beoeist<»rt?r Auhänaer de8 ÄW^Ln^dankei-'S vor dem trügerischen Gedankt ^7^ fiefpnNpTen unaarländischen indischen Natinn warnte, der nach se'Uer Anschmurna geradezu au Noaromen ffiürpn rntVff.^ Die Nersammkrma na777 einbeMa eine Nesasnsiou an, d^o iÄedaaken eiae-n besonderen indischen Nation zuräckwi?ist. Zum Nai-tT-pta-»- dni- Oraanisation beim Londoner Kongreß wurde Präsident Samuel Bettelheim entsendet. Von -ah und Fern. -- Dea Studierenden der Medizin, .^ababeilkunde. TsirtzeJknude der Ntzormazie. die durch den Krsin^vsi^si pn der ^ortietrn77a ibretz Studiums gehindert waren, wird aus Noschsnst de^ Staatentzmrsis die Te^lnohme an den im Februar bis Avril abaetzalten-en .L>nck>schulkursin — für Mediziner auch an den Kursin. die an den Akademien m Köln und Düsseldorf und an den staatlichen Anstalten in Harnburg aboebasten werden — als Semester anaereckmet. — Der Geb ei me LeaatWnSrat Dr. Wilhelm E a b n vollendete am 15. d. M. das achtzrpsta Lebensjahr. Der Jubilar war 1870/71 m Naris als Vaverischer Merklicher Rat der Schweizerischen Gesandtschaft beigesellt und der emriae Vertreter der Deutschen in der französischen Hauptstadt. Sväter war er im Reichsdienst in Berlin im Auswärtigen Amt tätig. br8 rr nva*n eines An aen stützen s den Abschied nehmen mußte. Auf wisienschastlichem Gebiete bat er sich einen Namen gemacht durch seinen Kommentar zu dem Reichsgesetz über die Erwerbung und den Verlust der Staatsangehörigkeit. — Am Sonntag, 23. März, mittags 1 Uhr, wird auf dem Friedhof in Weißensee ein Denkstein zur Erinnerung an den verstorbenen Sanitätsrat Munter, der sich um die ärztliche Standesorganisation und die soziale Medizin große Verdienste erworben hat, von Freunden und Verehrern errichtet. — Montag, 17. März, mittags 1 Uhr, fand im Kultusministerium die Gründungsversammlung eines von Frau Kantorowicz ins Leben gerutenen Hilfskomitees für die in ihrer Eristenz bedrohten Lehrerinnen der Provinz Posen statt. Das Präsidium deS Komitees hat Kultusminister Haenisch übernommen. — Die neue Versammlung aller Personen, deren Angehörige sich in englischer Kriegsgefangenschaft befinden, findet Donnerstag, 27. März, abends 8 Uhr, in der Wandelhalle des neuen städtischen Rathauses, Straka-uer Straße 19/22, Ecke der Klosterstrabe, statt. — Im 87. Lebensjahre ist in Berlin der Geheime Sanitätsrat Dr. Albert Cohn, Ritter hoher Orden, gestorben. Die Beisetzung fand am 16. d. M. auf dem Friedhof in Weißensee statt. — Die Jüdische Gemeinde in Lübeck trauert um das Hinscheiden ihres Rabbiners Dr. Salotnon Ca r leb ach. Der Gemeindevorftand widmet ihm salbenden ehrenden Nachruf: „Wir beklagen in dem Heimgegangenen den geliebten Führer, der — eine Leuchte jüdischer Wissenschaft, uns ein Vorbild jeder menschlichen Tugend — in fast fünfzigjähriger rastloser Tätigkeit für unsere Gemeinde und alle ihre Angehörigen segensreich gewirkt hat. Die Spuren seines Schaffens find unauslöschlich unserer Gemeinde eingegraben." — Herr Kantor Blumenthal in Köln feierte mit seiner Gattin am 16. v. M. das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Den Zeitumständen entsprechend wünschte das Jubelpaar die Feier in aller Stille zu begehen. — Die Verwaltung der israelitischen Präparandenschule Höchberg bei Würzburg hat beschlossen, uunmehr auch jüngere Knaben auszunehmen und zu diesem Zwecke die bisherige Vorklafse auszubauen. — Aus Kitzingen wird berichtet: In dem nahe gelegenen israelitischen Zentralfriedhofe Rödelsee wurden von roher Hand etwa 30 Grabsteine umgeworfen und demoliert. Trotz Aussetzung einer Belohnung von 500 Mark seitens des Bezirksamtes Kitzingen konnten der oder die Täter nicht ermittelt werden. — Der Verwaltungsausschuß der Israelitischen Kultusgemeinde München wählte Rechtsanwalt Dr. Karl O e st r e i ch zum zweiten Vorstand und beschloß die Neuwahl des gesamten Verwaltungskörpers im April. Das neue Kollegium solle dann über die Abänderung der Gemeindeverfasiung beraten. — In Frankfurt a. M. ist Herr Simon Leopold Baer, der Seniorchef der bekannten Buchhandlung Josevh Baer u. Co., inr patriarchalischen Alter gestorben. Mit ihm bat der deutsche Buchhandel einen seiner bekanntesten Vertreter verloren, desien Wirken in fsinfziaiätzrmer Tätigkeit auch dem Nusi urrb Ansitzen seiner Vaterstadt Frankfurt zustatten kam. — Vor den Wahlen tzat in Wien ein höchst merkwürdiges Plakat großes Anssitzen gemacht. Es war dies das Wertzevlakat der sozialdemokratischen Partei, das in allen möglichen Formaten vlakatiert und verteilt wurde. Seine Illustration stellte eine Krone vor, ans welcher drei Gosillschaftstvven Platz genommen batten. Die eine stellte einen behäbigen Priester dar, die zweite einen mageren alten General, der mit verzückter Msine einen Lackschntz anstarrt, und die dritte? Als dritte Fmnr erscheint aus itzrem Plakat ein nasingewaltiaer. abscheulicher Protzeninde, der eine dicke Zigarre raucht. Eine ai^aereichnete und etzrenvolle Idee für eine freiheitliche und fortschrittliche Partei, den Kavitalisrmrs durch einen Juden darznstellen. — Im Alter von 76 Jatzren ist in Budavest der Gemeindevorstand Dr. Moritz Eisler, ein eitriger Förderer aller jüdischen und tznmanitären Institutionen, gestorben. — In Bukarest fand ein Deu7onstrationszüg. an dem sich 15 000 Inden beteiligten, statt, um für die Errichtung eines indischen Gemeinwesens in Palästina zu demonstrieren. Die Demonstration wurde durch militärische Eingriffe gestört. — Ans Kiew kommt die Nachricht, daß Dr. Moses Silbers a r b. der erste jüdische Minister in der Ukraine, nach kurzer Krankheit gestorben ist. Der Verstorbene tzat ein Alter von nur 39 Jatzren erreicht. — Eine Gruvve von 62 Auswanderern nach Palästina, welche zwei Monate hindurch in Triest ansgetzalteu wurde, ist -einem Betrüger zum Opfer gefallen. Derselbe gab sich als Kapitän eines Llopddampsirs aus und natzm der Gruppe unter der Vorspiegelung, er werde sie ehest nach Palästina bringen, an Reisegeld nicht weniger als 16 000 Kronen ab. — Wie die „Pologne Libre" aus Warschau meldet, hat sich dort eine neue Gesellschaft „Die Macht der Einheit" konstituiert, deren Hauptzweck „die spstematische Entjudung Polens" bildet. Ihre Mitglieder sollen den nationalpolnischen Handel fordern und Mitbürger von den jüdischen Geschäften fernzuhalten suchen, ihre Kinder nicht in Schulen schicken, welche Juden besuchen, usw. — Die amerikanischen Juden, die ungefähr drei Prozent der gesamten Bevölkerung der Vereinigten Staaten ausmachen, haben zwischen vier und fünf Prozent zu der nach Frankreich gesandten Armee beigetragen. Hiervon gehörten 35 000 der Infanterie an, 6500 waren in der Artillerie, 9300 in den Signal- und Aeroplankorps, 1213 in der Kavallerie, 1019 in der Munitionsabteilung, 3521 in dem Quartiermeisterkorps; 8800 waren der Flotte zugeteilt und 1700 dem Marinekorps, in welchen beiden letzteren 205 jüdische Offiziere, einschließlich eines Vizeadmirals und eines Brigadegenerals, sich befanden. In der Armee befanden sich 5021 jüdische Offiziere, wovon 30 vom Obersten- und Oberstleutnantsrang, 202 Majore und 782 Hauptloute und 4007 Leutnants. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Mar Fahrnliinder, NenkSlln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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