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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-03-21 · Heft 12 (21.3.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 12 (21.3.1919)
Date
1919-03-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Lichen Zeremonien. Ter Psa lms st beschreibt die religiösen Feiern, er schildert, wie die Mengen zum Hause Gottes zogen, er beschreibt eine Nachtfeier und andere Ausdrucksformen der israelitischen Frörmnig« keit. Tie bisherige Forschung beschäftigte sich in der Hauptsache mit dem Inhalt der Psalmen; um zu einem tieferen Verständnis zu gelangen, muß auch d-e Form in das Bereich der Forschung gezogen werden. Die Grundform der Hymnen war das Halleluja, ein Ruf, mit dem man zum Opfer g?ng und in die Schlacht zog. Dieser Ruf. ein Ausdruck des Lobes, bildet den Anfang der später entstandenen Dichtungen und wurde unendlich ost wiederholt. Eine andere Grundform der Psalmen bildeten Sähe, in denen die Großtaten Gottes gepriesen werden; andere Hvmnetz verberrlicheu das Gesetz. Das interessante Gebet erfordert noch arost? Arbeit. Die Ordnung der Psalmen, n-ack Gattung und ebewaliaer Anwendunasart wird eine lobnende Aufgabe der B-belwisfenschaft für die nächsten fiirrf^'a Jabre bilden. Das zablreicke Publikum dankte mit lebhaftem Beifall für die interefia ".fon W i»§K’ r i t n aen. E. M. Berlin. 18. März. Die Berliner Adaß-Jisroel- Gemeinde bat be'-ck losten. d-e bereits vor dem Ko'eae geplante, aber wegen des Kriegszustandes vertagte E r r i ch t u n g e iner stöberen Schule nnnmestr unverzüglich i.n Angriff zu nehmen. Ne^r den für die . lästere *n wä blenden Gstaralter sGn'nnastnni. Reasnnn7nasiuui. Reformichule ufw.s fallen im Hinblick auf ö-e bevur^ebende Reiornr irr der Sckmlaeiestaeb1ingnoch keine endaiUt'gen Entscheidungen o-etroffenwerden. Die neue Schulte soll den Eiltern d'e Möglichkeit zu einer iü'dfiidMndividuellen Ausbildung irn^ Erstebüno ihrer Kinder beeten. Der Lehrvlan der Unter- und uu.r^^fs^-^sen nstrd derart auf-gestellt werden. daN er den rechtzeitigen Anschluß an die mittleren bzw. stöberen Klasten der verschiedenen Schulgattunaen den Zöglingen ermöglicht. Mit der Ausführung dieses Beschlusses wird die Entwicklung des jüdischen gesetzesfronssn stobens in Barlm in eine neue Bstgle eintreteu. D'e neue Schule der Adaß-J'sroel-Gemeinde, welche die planmäßige jüdische (vn-'e-tnrng und Ausbilduua istrer Zöglinge anstrebt, wird das hebräische Schrifttum wie die reliaionsgesetzliche und schöngeistige Literatur zum gleichberechtigten Faktor für die Ausbildung der jüdischen Jugend machen. Bei vollkommener Iunebaltung des vromnen Bildungsmaßes soll die Schule der jüdischen Jugend den b'u'nnderen Weg ebnen, der ihr ermöglicht, ihre schönsten aufnahmefäbigsten Jahre nickst nur den allgemeinen Kulturerzeilcmisten, sondern ebenso Hingebungsvoll auch der Sittenwelt und den Wissens- 'ck-ätzen des Iudentnims zu widmen. — Dia Vorarbeiten für die Begründung der Scknlen wurden von einem besonders für diesen Zweck begründeten Komitee geleitet, das sowohl mit der Ve-'-ckanung der erforderlichen Geldmittel als auch mit der Vorbereitung des Lehrplanes beauftragt war. Die Vorschule der neuen Anstalt wird sofort eröffnet werden. Ter Unterricht beginnt mit dem neuen Schuljahr -'Ende April 1619). Es soll eine Vorschule im Zentrum, au der Nordgrenze Berlins und eine Parallelanstalt im Westen eröffnet lverden. Berlin, 18. Mürz. Einen besonders interessanten Beitrag zur Frage der Besiedelung Palästinas bildet die soeben erschienene Tovpelnnmmer der Zeitschrift „Volk und LandDiese bringt eine ausführliche Arbeit des bekannten Natioualäkonomen Professor Tr. Ballod über die Möglichkeiten des Zionismus mit Ergänzungen von Tavis T r i e t s ch. Ballods Ausführungen erregten seinerzeit in der „Europäischen Staats- und Wirtschafts-Zettung" starkes Aufsehen. Aus dem weiteren Inhalt des Heftes seien noch nachstehende Artikel hervorgehoben: Dr. Brünn: „Jerusalem: Bauhpgiene in Palästina"; C. Z. Klötzel: „Zur Frage der ostjüdischen Arbeiter in Deutschland. Eine interessante Uebersicht über ausländische Prefsestimmen zur jüdischen Frage über Wirtschaft, Politik und Palästinaarbeit." Palästina-Archiv. x. Lissa i. P., 13. März. Am heutiaen Tage beging Herr H a u p t l e st r e r a. D. Herb st seinen 80. Geburtstag und empfing zu diesem Ehrentage viele Gratulationen und Ehrungen. Auf die Beglückwünschung von Deputationen des Gemeindevorstandes, dessen Mitglied, des Vorstandes des Literaturvereins, dessen Vorsitzender er ist, und anderer Körperschaften erwiderte er dankend mit seltener Geistesfrische und gutem Humor. Mögen dem verdienten Manne, der viele Jahre auch Vorstandsmitglied des Verbandes der Lehrervereine war und in allen seinen Aemtern segensreich gewirkt hat, noch viele glückliche und freudenreiche Lebensjahre beschieden sein. — Breslau, 14. März. Als am 13. v. M. Professor Dr. Adolf Weber gelegentlich seiner Vorlesung über allgemeine Volkswirtschaftslehre einen kurzen statistischen Ueberblick über die Verteilung der Juden in den verschiedenen Berufen gab, kam es 31t unerquicklichen Szenen, die jeden reifen Akademiker mit Zorn und Scham erfüllen mußten. Ms Herr Professor Weber in feinest streng sachlichen Ausführungen darlegte, daß in den geistigen uttd kaufmännischen Berufen die Zahl der Inden im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungsziffer ganz außerordentlich hoch sei, erhob sich bei einem Teile der Hörer ein ebenso unmotiviertes wie ungehöriges Scharren. Wenn auch die vorwiegend aus christlichen jungen Leuten bestehende Hörerschaft zuihrem größten Teile in dem Gefühle der Mitverantwortung für ihre Kommilitonen sofort dieses klägliche Geistesfiasko durch starkes Beifallstrampeln zu verdecken suchte, so blieb doch das Scharren noch so deutlich zu hören, daß Herr Professor Weber sich gezwungen sah, sich religiöse Tendenzkundgebungen zu seinen Vorlesungen zu verbitten. -Es sei hier ausdrücklich bemerkt, daß Professor Weber sich mit wissenschaftlicher Sachlichkeit lediglich an statistisches Material gehalten hat, und daß es nicht seine Schuld war, wenn die Hörer sich derartig benähmen. Es wäre stark zu wünschen, daß unter strengster Wahrung der akademischen Freiheit von seiten der Vorgesetzten Universitätsbehörde gegen derartige Vorkommnisse einmal energisch Stellung genommen wird, da solche Aeußerungen religionsseindlicher Art gerade in einer Zeit, in der alle Meinungen und Ansichten um ihrer selbst von der Oeffentlichkeit geachtet werden sollten, keinen allzu günstigen Eindruck erwecken. — Leipzig, 14. Mürz. Hier besteht seit einem Jahr ein jüdischer Jugendgarten, auf dem jüdische Schulkinder unter Leitung einer Gärtnerin täglich Gartenarbeit treiben. Ter Jugendg,arten, der jetzt seinen ersten Jahresbericht herausgibt, kündigt einen Kursus zur Ausbildung von Jugendgärtnerinnen unter Leitung von -Fräulein Elfriede Bambus an. An diesem Kursus sollen sich diejenigen beteiligen, die Interesse dafür baden, Gartenbau mit Kindern zu treiben. Es kommen also besonders solche Mädchen in Betracht, die v^dagogisch oder sozial arbeiten wollen (Kindergärtnermnen, Lehrerinnen, Helferinnen in jüdisch-sozialer Arbeit). Die Notwendigkeit, jüdische Kinder zur Gartenarbeit hinzulenken, braucht wohl nicht erst betont zu werden. Immer wehr dringt die Einsicht durch, daß die wichtigste Arbeit aus dem Gebiete der jüdischen Jugenderziehung die Bern'suwsebichtung betrifft. Ter Mangel an geeigneten Lehrkräften auf diesem Gebiet bat zur Folge, daß bis jetzt an fast keiner der zahlreichen jüdischen Erziehungsinstitutionen Jugendgärten eingerichtet sind. Ta das Seminar für Schulgartenbau lind Handfertigkeiten nur Herren zugänglich ist. w wird der in Leipzig eingerichtete Kursus der einzige für jüdische Jugendgärtnerinnen sein. Der Kursus dauert vom 1. April bis 15 Oktober: das Lehrgeld kostet einmalig 100 Mark. Anmeldungen niimnt entgegen Elfriede Bambus, Leipzig, Keilstrabe 6. E. N. Köthen, 14. März. Im hiesigen Verein „Freundschaft" sprach am 26. v. M. Herr Landesrabbiner Dr. Walter (Dessau) vor einer stark besuchten Versammlung über die Trennung von Staat und Kirche. Herr Dr. Walter führte aus, daß die Frage der Trennung von Staat und Kirche keine neue wäre, sie ist nur in unserer Zeit wieder akut geworden und interessiert uns Juden wohl am meisten von all den Fragen, die die Revolution mit sich gebracht hätte, da sie unsere Gemüter am tiefsten berührt. Während der frühere Staat die Bekenner der jüdischen Religion völlig in den Hintergrund stellte, will der neue Staat den Menschen nicht mehr nach seinem Glauben beurteilen, sondern nach seinen Taten. Durch die Verbindung von Staat und Kirche war der frühere Staat ein konfessioneller Staat; dies soll nunmehr abgeändert werden. Es gibt demnach keine Staatsreligion mehr, sondern die Religion ist nur noch Privatsache. Redner ging dann auf die Schäden dieser neuen Einrichtung ein. In erster Linie wären es die Lehrer und Schulen, die bon ihr hart betroffen werden, denn die Eltern würden sich nicht mehr für verpflichtet erachten, ihre Kinder an dem Religionsunterricht teilnehmen zu lassen. Ebenfalls würden die Steuerzahler es nicht mehr für notwendig ansehen, den Gemeindest ihre Unterstützung zu gewähren, was zur Atomisierung der Gemeinde führen würde. Die Indifferenten könnten jetzt ohne weiteres aus der Gemeinde austreten. Die kleinen Gemeinden wären daher kaum noch in der Lage, einen Rabbiner zu halten. Redner betonte dann, daß deshalb das

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