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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-03-21 · Heft 12 (21.3.1919) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 12 (21.3.1919)
Date
1919-03-21
Page
Seite 116 (sequence 8)
Language
German
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116 Die Schöpfungsgeschichte beginnt auch aus dem Grunde mit einem 2weil der Ewige sprach: Ich erschaffe die Welt im Zeichen der Wracha, des Segens. Oh, möchte sie doch unter diesem Zeichen fortbestehen! Zugleich aber verkündet das Beth, dessen Zahlenwert zwei beträgt, daß es zwei Welten gibt, eine sichtbare und eine unsichtbar^ ein Diesseits und ein Jenseits"). Unsere, die sichtbare Welt, ist nur als eine Vorhalle der künftigen Welt anzusehen; rüste dich in der Vorhalle, damit du in den Empfangssaal Hineingelasien wirst'"). In gleich Hellem Lichte erstrahlt auch der erste Buchstabe des Alphabets, das Aleph. Dieses beklagte sich durch 26 Geschlechter seit der Weltschöpfung über die ihm, dem durch seinen Zahlemvert eins prädestinierten Verkünder der Einheit Gottes und des Menschengeschlechtes, bei der Schöpfung der sichtbaren Welt zugefügte Zurücksetzung und beruhigte sich erst, als Gott ihm tröstend zuries: Ich habe die Welt nur um der Thora willen erschaffen, gedulde dich, bis ich sie und durch sie mich als einen einzigen Gott der Welt offenbare, -dann sollst du dem ersten der zehn Worte, dem^it. voranstehen"). „Die Erde war wüst und öde und Finsternis herrschte all überall." Die Erde verwandelt sich gar oft in ein Tohuwabohu durch die Werke der frevler, die die Welt verwüsten und in tiefe Finsternis hüllen. Gott aber läßt immer von neuem sein „Es werde" erschallen und steht den Frommen und Gerechten bei, die durch chr Wirken Helles Licht verbreiten und zur Erhaltung der Welt beitragen^). „Gott sprach: Es sei Licht." Das bezieht sich auf Abraham, von dem der Prophet sagt: „Wer begeisterte den aus den: Osten"), dem Heil auf jedem Schritt begegnet?" (Jefaia 41, 2.) „Gott nannte das Licht Tag", darunter ist Jakob zu verstehen, „die Finsternis nannte er Nacht", damit ist Esau gemeint; „es ivar Abend", bezieht sich auf Esau, „es war Morgen", auf Jakob; „ein Tag", das ist der Jom Kippur, den der Ewige dem Hause Jakob als besonderes Gnadengeschenk verliehen hat. Zwischen Esau und Jakob herrscht ein ewiger Kamps: solange Esaus Licht die Welt blendet, bleibt das Licht Jakobs in Dunkel gehüllt; erst wenn ersteres als Blendwerk erkannt sein wird, wird das Licht Jakobs die Welt erhellen"). „Und Gott sah das Licht, daß es gut war." Gott erschaute die ferne Zukunft, sah den Messias und sein Geschlecht und verbarg das von ihm erzeugte Licht unter dem Throne seiner Herrlichkeit für jene gesegnete Zeit. Da sprach der Satan: „Herr der Welt! Für wen verwahrst du dein weitstrahlenöes Licht?" „Für denjenigen" — entgegnete der Ewige — „der von mir dazu bestimmt ist, dich und alle, die dir dienen, zum Gespött der Welt zu machen, der Schmach und der Schande preiszugeben." „Darf ich diesen Auserwählten sehen?" versetzte der Satan. „So siehe ihn" — lautete die Antwort. Und kaum hatte ihn der Satan erblickt, da siel er, von Angst und Schrecken erfüllt, auf sein Angesicht und jammerte: ,Ja, das ist der Messias, der berufen ist, mich und meinen Anhang in die ewige Verdammnis zu stürzen." Auch alle Götzen und chre Anbeter erbebten und riefen: „O Herr! Wer ist der, dessen Gewalt wir unterliegen sollen? Oh, nenne uns seinen Namen, sage uns, was ihn so besonders auszeichnet." „Ephrajim" — erwiderte der Herr — „ist sein Name. Er wird Wahrheit künden. Recht lehren und Gerechtigkeit üben: der Messias sein." ") Genesis rabba, K. 1. '") Aboth 4, 21. ") Genesis rabba K. 1. ") Jalkut Schimoni, B’reschit. 13) Abraham kam aus dem Osten; siehe Raschi zur Stelle. ") Jalkut Schimoni, B’reschit. Da flohen sie alle, verfolgt von der Gottesstimme: Kein Feind wird ihn unterdrücken, kein Ungerechter überwältigen (Psalm 89, 23). Zum Messias aber sprach der Herr: „Die letzt vor dir fliehen, find die kommenden Geschlechter, deren Sünden dich unter ein eisernes Joch bringen würden. Es ist vir durch sie ein trauriges Los beschieden: Qual und Pein, Leiden und Dulden, gleich einem stummen Lamm, das, zur Schlachtbank geführt wird, harren beim Willst du dich einem jo furchtbaren Geschick ergebungsvoll unterziehen?" „Ist diesem mir bevorstehenden Martyrium eine Grenze gezogen? Wird es auch einmal enden?" „Nur eine Leidenswoche'") ist über dich verhängt. Doch wenn du zagst, so wisse, daß dem Schöpfungswerk Unheil, sofortige Vernichtung droht." „Mit freudigem Herzen" — sprach nun der Messias — „unterordne ich mich deinem unersorschlichen Willen. Erhalte nur, 0 Herr, und festige dein Werk! Erhalte Israel un!> mit ihm die gesamte Menschheit, schütze die Seelen der Verstorbenen sowie auch die, die in deinem Gedanken leben und noch nicht geboren sind, gieße deinen Geist, den Geist der Wahrheit und Liebe über die kommenden Geschlechter aus und verleihe mir jo die Kraft, mutig und geduldig das mir auferlegte Martyrium zu tragen und die Welt mit deiner Botschaft zu erfreuen: Stehe auf, leuchte; denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des ewigen Gottes strahlt über dir" (Jefaia 60, 1)'°). „Und Gott nannte das Licht Tag, die Mnsternis nannte e r Nacht." Das belehrt uns, daß der Ewige seinen Namen dem Bösen, das ein Werk der Finsternis ist, nicht gesellt, sondern nur dem Guten, das wie der Tag leuchtet und Segen stiftet"). „Es war Abend", heißt es, und nicht, es sei Abend. Daraus geht hervor, daß eine Zeitenfolge schon früher gewesen war. Gott erschuf im Laufe der Ewigkeit mannigfache Welten, die aber, weil sie ihren Zweck nicht erfüllten, dem Untergange verfielen; diese Welt — sprach er — gefällt mir"). Am zweiten Tage sprach Gott: „Es werde eine Ausdehnung mitten im Wasser, damit sie scheide zwischen Wasser und Waffer," und es geschah nach dem Befehle des Herrn. Doch hier fehlt das die anderen Schöpsnngslage auszerchnende: Es war gut. Warum? Weil am zweiten Tage die Teilung eines Elementes, die Scheidung zwischen Wasser und Wasser, in die Erscheinung trat. Daraus ziehen wir die Lehre, daß, wenn eine Trennung wie diese, die für die Bildung und Vervollkommnung der Welt doch, erforderlich war, nicht von dem Worte „es war gut" begleitet ist, so enthält eine npi^ria Teilung, eine Absonderung, die Feindschaft und Verwirrung in die Welt bringt, gewiß nichts Gutes. Dem zweiten Schöpfungstage ist aber auch aus dem Grunde das Prädikat „gut" nicht beigegeben, weil in seinem Werke, dem in Quellen, Meere und Müsse geleiteten Wasser, das Geschlecht des Enosch sowie die «der Sintflut und des Turmbaues ihren Untergang fanden'"). Am dritten Tage sprach der Ewige: „Die Erde lasse hervorsprossen Fruchtbäume, Frucht tragend", d. h. die Bäume sollten ebenso wie die Früchte genießbar sein. Die Erde brachte aber nur Bäume Frucht tragend hervor. Da sie gegen den Befehl ihres Schöpfers verfuhr, so zog sie sich seinen Unwillen zu und geriet später, als auch Adam der Sünde verfiel, in 15) Da tausend Jahre vor Gott einem Tage gleich sind, so sind hier unter einer Woche 7000 Jahre und von Liesen das letzte Jahrtausenü als der künftige Sabbat der Menschheit zu verstehen. "*) Ibid, Jefaia K. 60. 17) Ibid, B’reschit. '*) Genesis rabba K- 3. '») Jalkut Schimoni, B’resvhit. .. . .;,Ä

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