Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1919)
- Date
- 1919-03-21
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
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'Kantoren und' Religiönslehrern gesovgt werden muß und da ' jxrner an den Seminaren der Zukunft für die Ausbildung des Kantors und Religionslehrers noch weniger als früher, nämlich gar nichts mehr geschehen kann, so sind es neben den Gründen prinzipieller Natur auch Zweckmäßigkeitsgründe, die eine schleunige Umformung von jüdischen Lehrerseminaren in Kantoren- und Religionslehrer-Seminare verlangen. Letzten Endes bleibt es indessen verwunderlich, daß der sonst rührige Lehrerverband, und auch der Deutsch-JsraeÄtifche Gemeindebund zu dieser enorm wichtigen Frage in allen Tonarten bis jetzt geschwiegen haben, während das Gebot der Stunde mehr als jemals dringend darauf hinweist, dem, was werden soll/ mit offenem Auge entgegenzusehen und nichts aut die lange Bank zu schieben, was unweigerlich der schnellsten Erledigung harrt. Man darf wirklich gespannt sein, was gerade diese beiden Organisationen in der Sache zu tun gedenken und bis wann sie sich emporschwingen, ans ihrer Entschlußlosigkeit tatsächlich hervorzutreten. Mit den Worten des Esther- Luches rufe ich deshalb beiden zu: „Wenn ihr euch darauf beschränket, auch fernerhin zu schweigen, so wird die Rettung des Kantoren- und Religionslehrerstandes von anderer Seite erfolgen müssen." Die Do?kntrn an der Lehranstalt kür die Wiltenlchskt des Judentums in Lerlin. V. Rabbiner Tr. H o ch f e l d. >^^eboren zu Höxter i. Wests. VD arn 21. Juli 1871 als Sohn des Musiklehrers Michael Hochfeld. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, das er Ostern 1888 mit dem Zeugnis der Reise verließ. In Berlin studierte er rabbinische Wissenschaften an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und gleichzeitig Geschichte und Philosophie die einen Teil des von der Gesellschaft zur Förderung bei Wissenschaft des Judentums herausgegebenen „Grundrisses" bilden soll, ist er seit Jahren beschäftigt. Seit vielen Jahren hält er Vorlesungen an der Lehranstalt über Pädagogik und'" verbindet sie mit praktischen Hebungen zur Vorbereitung der Zuhörer im jüdischen Religionsunterricht. Seine Predigten, die er besonders in den Synagogen in der Lützow- und Fasanenstraße hält, sind infolge ihrer klaren Disposition, ihres gediegenen Inhalts und ihrer gewählten Sprache beliebt. Hochfeld gehört zu den Vertretern des entschiedenen Liberalismus. Er ist ein frischer, allseitig gebildeter Mann, musikalisch'und in der Ausübung dieser Kunst eifrig tätig. Wer die Freude gehabt, in seinem gastlichen Hause, das durch eine liebenswürdige Gattin zu einer Stätte behaglichen Wohlseins gestaltet ist, ihn mit gleichbegabten Dilettanten und Berufskünstlern Quartette spielen zu hören, der hat einen erfreulichen Eindruck empfangen. Diese Freude an der Kunst, ein väterliches Erbteil, behindert ihn nicht an seiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Möge es dem vortrefflichen, in der Vollkraft des Lebens stehenden Mann vergönnt sein, noch lange in steter Rüstigkeit zu schaffen und die gesundheitlichen Störungen, die seine Arbeitskraft uNd seinen Tätigkeitsdrang in den letzten Jahren mehrfach behindert haben, glücklich zu überwinden. Vor allem sei es ihm. ermöglicht, seine „Religionspädagogik", dieses sehnlich von vielen erwartete Werk, zu einem gedeihlichen Abschluß^» bringen und damit einen vorzüglich orientierenden Wegweiser zu schaffen, der dem Schulmann ersprießlich, dem großen denkenden Publikum wichtige Aufklärungen über die ^Lehren des Judentums und über die beste Art, sich in L. G. Rabbiner Dr. Hochfeld (Berlin). semitische Sprachen,! sie zu vertiefen, zu geben imstande ist. an der Universität. j Dezember 1892 bestand er das Doktorexamen; seine Dissertation behandelte ein Thema aus dem Schrifttum des Orients: „Beiträge zur syrischen Fabelliteratur". Ende 1896 schloß er seine Studien an der Lehranstalt mit der Rabbinatsprüfung ab und war von 1897 bis 1903 Rabbiner in Frankfurt a. d. O., von 1903 bis 1907 Rabbiner in Düsseldorf. Seit dem 1. August 1907 ist er Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Sein Arbeitsgebiet ist die praktische Theologie. Er veröffentlichte außer zahlreichen Artikeln und Abhandlungen in Zeitschriften und Zeitungen, aus denen wir die Studie „Die Entstehung des Chanukasestes" in Starkes Zeitschrift und den Aufsatz „Bemerkungen zum Begriff und zur Methode 'der praktischen Theologie" in der Cohen-Festschrift besonders hervorheben, einen Band .Mnderpredigten" lind eine Sammlung „Kriegspredigten". Mit der Abfassung einer „Religionspädagogik". Die Thors im Lichte der pgads. Von Albert Katz. nter Agada ist ein großer Teil des rabbrnischen Schrifttums zu verstehen, der nicht ausschließlich auf die Erforschung der Halacha, auf die Formulierung und Statuierung des Gesetzes gerichtet ist. Die Halacha, auf das Schriftwort gestützt und durch mündliche Ueberlieferungen fortgepflanzt, schung der Halacha. auf die Formulierung und Statuierung bildet das Substrat-der jüdischen Lehre; die Agada, frei von jeder Fessel traditioneller Hemmungen, verklärt und beleuchtet sie und macht uns zugleich mit den Gedanken vertraut, die das jüdische 'Volk in seiner Gesamtheit auch außerhalb der „vier Ellen der Halacha" beschäftigten. Die Agada verfolgt, wie Leopold Zunz in seinen „Gottesdienstlichen Vorträgen der