Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-03-21 · Heft 12 (21.3.1919) · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 12 (21.3.1919)
Date
1919-03-21
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229392-3229402--74737-3287204
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

kanische Judenheit ins Zeug geht, ist dies gesteckte Ziel glänzend erreicht worden. Herr Dr. Boris Bogen hat im Austrag des Hilfskomitees sofort eine Reise nach Europa angetreten, um die zweckentsprechende Verteilung der amerikanischen Beiträge einzuleiten. Bei Eröffnung dieser Geldsammlung hat der Vorsitzende dieses Komitees, Herr Felix M. Marburg, daraus hingewiesen, daß es die Absicht der amerikanischen Juden sei, einen Totalbetrag von 10 Millionen Dollar auszubringen, und wenn das Ergebnis der ersten Woche den Füns-Millionen-Betrag erbringe, dann würde zu einer späteren Zeit eine nochmalige ähnliche ' Kampagne unternommen werden. Und es ist anzunehmen, daß auch eine zweite Fünf-Mllionien-Sammlung ebenso günstig wie die nun erzielte abschließen wird. Schon im vorigen Jahre ist durch Ähnliche Sammlungen ein gleich großer Betrag aufgebracht worden. Sehr zu bedauern ist, daß durch die allgemeinen Verhältnisse, wie sie der Kriegszustand nun einmal in Osteuropa hervorgebracht hat. es dem amerikanischen Ilnterstützungskomitee nicht möglich war, wie früher, namentlich in Osteuropa, das von ihm duvch den „Hilfsverein der deutschen Juden" begonnene Unterstützungswerk weiter durchzuführen, und da bei Eröffnung der Geldsammlung ein Ermunterungs- und Glückwunschtelegramm des Vizepräsidenten Marshall die Unterstützung der amerikanischen Regierung in Aussicht stellte, so dürften die seit zwei Jghren erlassenen Beschränkungen bezüglich >der Verteilung der Fonds ausgehoben werden und dem Hilfskomitee eine unbegrenzte Entfaltung seiner Tätigkeit möglich sein. Unter den auf dem Kongreß zu Philadelphia besonders gefaßten Entschließungen ist auch die Ernennung eines weiteren Komitees bestimmt worden, das nach Polen und Galizien entsendet wird, um die Vorgänge bei den Pogromen zu untersuchen und auf der Friedenskonferenz darauf zu dringen, daß die Urheber zur Rechenschaft gezogen werden, und namentlich gegen tote Wiederholung derartiger Vorkommnisse Bürgschaften zu fordern und besonders anzuregen, daß die Ententemächte die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien sowohl, wie in dem zu gründenden Polenstaat als Grundbedingung in den Friedeusvertrag einfügen. Inzwischen ist allerdings von einer englischen Kommission über die Greuel von Lemberg und anderen Orten Polens und Galiziens ein Bericht veröffentlicht worden,, der möglicherweise eine Entsendung des amerikanisch-jüdischen Komitees hinfällig macht, aber immerhin den hilfsbereiten amerikanischen Juden die Ueberzeugung beibringt, daß noch viele ungezählte Millionen zur Linderung des unbeschreiblichen. Jammers benötigt werden. _ Dr. Friedenwalds eimgebrachte Resolution lautet wörtlich: „Beschlossen, daß die vom Amerikanisch-jü>dischien Kongreß betreute Friedensdelegation in Versailles im Verein mit Vertretern anderer jüdischer Organisationen, namentlich mit den universal zionistischen, dahin wirke, damit die Frivdmskonferenz die Ansprüche und historische Berechtigung bezüglich Palästinas anerkenne, das, entsprechend der Erklärung der englischen Regierung vom 2. November 1917 und unterstützt durch die alliierten Regierungen uud den Präsidenten der Vereinigten, Staaten, solche politisch-administrativen und autonomen Verhältnisse in Palästina unter der Suzeränität von Großbritannien anstrebe, wodurch die Verwirklichung eines palästinensischen Nationalstaates unter der ausdrücklichen Selbstverständlichkeit ermöglicht wivd, womach die politischen Rechte und religiösen Anschauungen, nichtjüdischer Korporationen in Palästina ebensowenig angetastet werden dürfen wie die Rechte und politischen Sicherungen, deren sich die Juden in jedem anderen Lande zu erfreuen haben." Die in Frage kommenden Herren der für Versailles bestimmten Friedensdelegationi sind ersucht worden!, baldig ihre Reise nach Europa, um dort im Interesse der angenommenen Beschlüsse die nötigen Schritte einzuleiten, anzutreten. Bei der Stellung die die Juden Amerikas einnehmen, werden ihre Bemühungen nicht ohne Erfolg sein. Ob die Ausprüche der Zionisten trotz der britischen Erklärung ganz oder teilweise befriedigt werden, bleibt abzuwarten, denn es darf nicht übersehen werden, daß in jüngster Zeit in Amerika selbst eine starke Bewegung eingesetzt hat, die zionistischen Aspirationen! einzudämmen und die ganze Bewegung als antiamerikanisch zu bekämpfen. Es wäre vielleicht zweckentsprechend, falls ein Kongreß der deutschen Juden zustande kommen, könnte, denselben zu einer Zeit abzuhalten, wo den amerikanischen Juden Gelegenheit gegeben wäre, diesem deutschen Kongreß beizuwohnen, oder wenigstens anzuregen, in der Schweiz oder anderswo eine Versammlung europäischer Juden ,möglich zu machen, um M Verein mit der amerikanischen Delegation das Gesamtunterstützungswerk für die osteuropäischen Juden und die Bedürfnisse für den Orient zu beraten und durch geeignete Vorschläge zu unterstützen. Den in Europa bestehenden Bne-Brith- Schwestevlogen ist die beste Gelegenheit geboten, eine Wiederanknüpfung der unterbrochenen Verbindungen zwischen den Juden aller Länder herbeizuführen und für die allgemeine zweckentsprechende Verteilung der aus Amerika zufließenden Summen mitzuwirken. Lmhritsschulr und Lantorrnstminar. Bon H e r m annZiv i. Oberknntor der Shnagogcngemeinde Elberfeld. 3m Hinblick auf die bevorstehende Neuordnung der Dinge, wo die Kirche von Staat und von Schule getrennt werden soll, erheben sich für uns Juden gar mancherlei Fragen, von deren Beantwortung eS abhängen wird, inwieweit wir auf dem Boden der Tatsachen stehen. Die Fragen politischer und staatsrechtlicher Natur sind Sache der jeweils in Betracht kommenden Fachleute; sie werden schon wissen, wie sie es anzusangen haben, um das Judentum lebensstark uud gefahrlos in die neue Aera hinüberzuführen. Was aber in den Vordergrund der gegenwärtigen Betrachtung gestellt werden soll, ist eine Frage von größerer Bedeutung, als sie im ersten Augenblick es zu sein scheint. Die Frage lautet: „Wie wird beimJnkrafttreten der Einheitsschule die Heranbildung von Kantoren und Religionslehrern zu bewerkstelligen sein V — Ohne irgendwie ahnen zu können, wie sich innerhalb kurzer Zeit die Verhältnisse von Grund auf ändern und zu dem gestalten würden, was im Verlaus der Revolution auch auf, dem Gebiete des Unterrichtswesens an Neuem entstanden ist, habe ich im Juli vorigen Jahres einen Aussatz über „Neue Wege zur Kantorenausbildung" geschrieben, der in Nr. 43 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Oktober 1918 veröffentlicht worden ist. Damals schon und noch viel früher habe ich es mit vielen Gleichgesinnten als einen Mangel sondergleichen empfunden, daß wir Kantoren und Religionslehrer daraus angewiesen sind, auf dem allgemeinen Lehrerseminar ausgebildet zu werden, wo doch aus bekannten Gründen auch nicht annähernd dasjenige geleistet werden kann, was billigerweise selbst bei bescheidenen Ansprüchen verlangt werden muß. Durch die infolge der inzwischen erhobenen Forderung der Einheitsschule anderweitige Regelung der Dinge ist nun auch das konfessionelle Lehrerseminar im Begriff, sich zur Auslösung bereit zu halten uud einer Einrichtung Platz zu machen, die auch ein jüdisches Lehrerseminar vollkommen überflüssig erscheinen läßt. Da aber nichtsdestoweniger stir Nachtouchs an

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.