Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1919)
- Date
- 1919-03-21
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.-111 datar soll die Bildung einer jüdischen Selbstregierung durch weitestgehende Maßnahmen in die Wege leiten. * Neben den zionistischen Forderungen verdienen besondere Erwähnung diejenigen, welche die jüdischen No tadeln En glands der Friedenskonferenz unterbreitet haben. Dem Jüdischen Preßbureau in Stockholm wird aus London telegraphiert: ' Am Mittwoch, den 26. Februar, überreichte eine Delegation des Joint Jewish Foreign Committee des Board of Deputies und der Anglo Jewish Association der Friedenskonferenz ein Monwrandum über seine Sympathien mit den nationaljüdischen Bestrebungen Samuel, Baron Rothschild, Claude Montefiore und Lucian Wolf. Das Memorandum fordert die Sicherstellung der jüdischen Bürgerrechte. Die Forderung nach nationaler Gleichberechtigung wird im Memorandum der jüdischen No tadeln Englands, wie zu erwarten war, ignoriert. Es wird bloß die volle religiöse Freiheit und der freie Zutritt zu Staatsämtern und aller: Berufen für alle Einwohner ohne Unterschied der Rasse und der Religion gefordert. Die Personen oder die Gemeinden, die -unter der. Nichtbeobachtung dieser Bestimmungen leiden, sollen sich beschwerdeführend an die Exekutive des Völkerbundes wenden können. Diesen Forderungen kann die Gesamtjudenheit zustimmen. * Der Papst über die Zukunft Palästinas. Die ,,Germania" berichtet über eine Ansprack-e. die der Papst im Konsistorium zu Ron: gehalten hat. Benedikt XV. äußerte sich hierbei- -auch über die heiligen Stätten »tu. Palästina und gedachte der jahrhundertelanaen Kämpfe der Christenheit gegen -die Mohammedaner uni dieie Stätten. Er sagte hierauf: ,,llnd nun, da die'e heiligen Orte zur unbeschreiblichen Freude aller -der Gewalt der Christen zurückgeaeben sind, kannes uns nicht gleichgültig sein, welck-es Schicksal ihnen die Friedenskonferenz vorbehält, denn ohne Zweifel wäre unser eigener Schmerz und der Schmerz aller Christen groß, wenn in Palästina die 1t n g l ä n b i g e n eine b e v o r - zugte Stellung erhielten. Er wäre noch größer, wenn diese erhabenen Stätten B ö l k e r n anvertraut würden, d i c n i ch t Christen sind. Wir wissen außerdem, daß nichtkatholi'-che Ausländer, die über Mittelaller Art verfügen!, das Elend- und das Leid, das der Krieg über diese Gegenden gebracht hat, dazu benutzen, uni für ihre Lehren- Propaganda zu machen." Diese Kundgebung ist nicht zu unterschätzen. Vor einiger Zeit allerdings hieß es, der Papst hätte einen bekannten Zionistenführer in Audienz empfangen und diesem gegenüber seine Sympathien mit den nationaljüdischen Bestrebungen wohlwollend zum Ausdruck gebracht. * Wie das Kopenhagener Bureau mitteilt, verlas Dr. Weizmann in derselben Sitzung der Londoner Zionistenkonferenz, in welcher er über den Verlauf der Verhandlungen über den Zionismus in der Pariser Friedenskonferenz seine hochbedeutsamen Mitteilungen machte, das nachfolgende Schreiben des Kronprinzen von Arabien und Vorsitzenden der Hedschasdelegation in Paris, Emir Faisul, das für die Gestaltung der jüdisch-arabischen Beziehungen das Beste erwarten läßt. Paris, 1. März. Sehr geehrter Herr Frankfurter! Ich möchte die Gelegenheit meiner -ersten Berührung mit den amerikanischen Zionisten benutzen, -um Ihnen zu sagen, was ich Dr. Weizmann schon -oft sowohl in Palästina als in Europa sagen konnte. Wir sind der U-eberzengung, daß Araber und« Juden nahe Rasienverw-andte sind, -ähnliche Verfolgungendurch Mächte, die stärker waren als sie selbst, erlitten haben und durch -ein glückliches Zusammentreffen in der Lage waren, zusammen den ersten Schritt zur Verwirklichung ihrer nationalen Ideale zu tun. Wir Araber, besonders die Gebildeten unter uns, blicken mit tiefster Sympathie ans die zionistische Bewegung. Unsere Deputation hier kennt genau die Vorschläge, die gestern von der Zionistischen Organisation der Friedenskonferenz unterbreitet wurden, und wir halten sie für mäßig und gerecht. Wir werden unserseits unser Bestes tun. Ihnen' zum Siege zu verhelfen. Wir wollen den Juden unser herzlichstes Willkommen bei ihrer Rückkehr in die Heimat Zurufen. Mit den Führern ihrer Bewegung!, besonders mit Dr. Weizmann, standen und stehen wir noch immer in engster Verbindung. Er hat unserer Sache -große. Dienste geleistet, nnd ich hoffe, daß die Araber bald imstande sein werden, den Juden ihre Güte' zu vergelten. Wir arbeiten zusammen für einen neugestalteten und wiederauflebenden Orient, und unsere beiden Bewegungen ergänzen einander. Die jüdische Bewegung ist national und nicht imperialistisch, auch unsere Bewegung ist national und nicht imperialistisch, und in Syrien ist für uns beide Raum genug. Ich glaube, daß jeder von -uns des anderen Volkes zum wirklichen Erfolg bedarf. Weniger unterrichtete und weniger verantwortliche Menschen als Ihre und unsere Führer, die nicht die Notwendigkeit eines Zusammenwirkens der Araber und -der Zionisten kennen, haben versucht, auf die lokalen Schwierigkeiten hinzuweisen, die notwendigerweise in Palästina in den -ersten Entwicklungsstadien unserer Bewegungen entstehen müssen. Einige von ihnen haben, wie ich fürchte, den arabischen Bauern Ihre Wünsche und den jüdischen Bauern unsere Wünsche in einemfalschen Lichte gezeigt, mit dem Erfolg, daß hieran interessierte Parteien Kapital geschlagen haben ans dem, was sie unsere Differenzen nennen. Ich möchte Ihnen meine feste lieberzeugung aussprechen, daß diese Differenzen nicht in Prinzipi-enfragen, sondern in Detailsragen bestehen und solcher Art sind-, wie sie iinvermeidlich bei jeder Berührung benachbarter Völker Vorkommen ' müssen 'und durch beiderseitigen guten Willen leicht beseitigt werden können. Sicherlich werden bei genauerer Kenntnis fast alle Differenzen verschwinden. Ich und mein Volk sehen einer Zukunft -entgegen-, in der Sie uns und wir Ihnen helfen werden, so daß die Länder, an denen wir gemeinsames Interesse haben, aufs neue ihre Rolle in der Gemeinschaft der Kulturvölker der Welt spielen werden. gez. Faisul. # Vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erhalten wir mit der Bitte um Veröffentlichung folgender Zuschrift: Nach dem Bericht über die Sitzung der Deutschen Nationalversammlung am 28. Februar hat der Abg. Dr. Cohn angeregt, die nationalen Minderheitsrechte der Juden in der Verfassung niederzulegen. Diese Auffassung wird von der ganz überwiegenden Mehrheit der jüdischen Bevölkerung Deutschlands nicht geteilt. Sie stellt sich vielmehr auf den Standpunkt, daß wir Deutsche jüdischen Glaubens sind, daß uns das Deutschtum Nation und Volk, das Judentum Glaube und Stamm ist, daß uns die Glaubens- und Stammesart aber nicht völkisch von den Deutschen absondert, daß wir nicht jüdisch-national, sondern jüdische Religionsgemeinschaft und kein jüdisches Volk, am allerwenigsten in Deutschland sind. Dieser Standpunkt ist von uns seit Bestehen unseres Vereins verfochten und neuerdings wieder Präzisiert worden in dem Aufsatz von Geh. Rat Dr. Eugen Fuchs in den „Neuen Jüdischen Monatsheften" vom 25. Januar 1919. Danach hat derjenige, der aus dem Judentum ein nach völkischer Macht strebendes, imperialistisches, von Volksleidenschaften getriebenes Volk macht, den Begriff des Judentums nicht voll erfaßt. Wir glauben eine höhere Auffassung vom Judentum zu haben, wenn wir das Volk der Religion, das Volk der Lehre nicht auf das Niveau eines weltlichen Volkes Herabdrücken, das an Raum und Zeit gebunden ist und wie alle Völker gleich Spreu im Winde verweht. * Als antifein itische Geistesver w i r r u ng bezeichnet der „Vorwärts" das Bestreben deutschnationaler Blätter, den Spartacistenaufstand auf das Konto der Juden, zu buchen. Das Organ der Mehrheitssozialisten schreibt: Die „Deutsche Zeitung" möchte die Spartacistenkämpfe gar zu gern in einen kleinen Judenpogrom allsmünden lassen. Zu dieseiil Zweck erzählt sie ihren Lesern Schauergeschichten über die angeblich russisch-jüdischen Drahtzieher der Beweg.lmg: sie hak sogar entdeckt, daß überzeugte Kom-munisten als Abzeichen den sogenannten „Judenstern" tragen! Wi^ waren schon im Begriff,'den schwerwiegenden Angaben der „Deutschen Zeitung" über die jüdische Führung des Spartacisteu-