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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-03-14 · Heft 10-11 (14.3.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 10-11 (14.3.1919)
Date
1919-03-14
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 trauert mit seinen Vorsitzenden und ebenso zahlreiche Jugendpflegeorganisationen. Tie Beisetzung erfolgte unter Beteiligung eines großen Kreises von Bekannten und Freunden am 7. d. M. auf dem Friedhof Schönhauser Allee. Die Trauerrede hielt Rabbiner Tr. B a e cf. Für den Eemeindevorstand sprach dessen, Vorsitzender Gebeiwrat Tr. Julius Stern. E. M. Berlin. 11. März. Eine Gedenkfeier für die i nt K r t e q e q e f a 11 e n e it 93t i1 a 1i e h e r des OrdensU. O. B B. fand im Logenbause in der Kleiststraße statt. Die Großloge und die Wer Berliner Logen des Ordens batten gemeinsam zu der Veranstaltung eingeladen, die so stark besucht war. daß die weiten Räume kaum die Erschienenen fassen konnten. Sanitätsrat Tr. Golds ch m i d t leitete die Trauerfeier mit einigen Begrüßungsworten ein, worauf der Präsident, Rabbiner Tr. B e r g e r, eine Ansvrache hielt, in der er nicht b:e Klag? über die gefallenen Helden, sondern die Bekundung. sie besessen zu baben, als geUEaen Inhalt der Veranstaltung Gezeichnete. Die Rede stellte einen Rückblick ans die verflossenen Krieasiabre und gleichzeitig einen Ausblick auf die kommenden Anfagben des Ordens dar. Der Großpr-'ftident des U. O. B. B.. Geheimer Jnstizrat Timendorfer, belichtete in längeren, interessanten Ausführungen über die Auszeichnungen und Beförderungen ^r deutschen Lvgenangehöriaen und über ibre Verluste. Die vier berliner Lagen beklagen 55. die gesamten Logen Deutschlands ^7 Tote. Er begrüßte dann die zurückaekebrten Vrüder. von deren ^Viwrbeit der Orden aroße Förderung erwartet. D»e a'ößte Ebruna s'"'r die Gefallenen ist das feste Gelöbnis, mit aller Kraft für das Vlschf he$ teueren, deutschen Vaterlandes zn arbeiten. Oberkantor Wilhelm F r i e d m a n n trug hierauf das „Largo" von Händel und ^en Gesang „Meine Seele ist stille zu Gott" meisterhaft vor, dann folgten Rezitationen von Frau Johanna Meyer. E. M. Berlin. N. März. Aus der Herenküche der Parteien berichtete Tr. Alfred Wiener interessante Einzelheiten in einer Versammlung, die der F e n t r a l v e r e i n d e u t s ch e r Staats b ü r a c r i ü d i s ch e n G1 a u b e n s als Sonderveranstaltnng für kaufmännische Angestellte im Zentrum einberufen batte. T'e einzige Partei, die während des ganzen heißen Wahlkampfes nirgends m antisemitischen Manövern gegriffen batte, waren die Sozialdemofraten, die sich von seder religiösen und Rassenhetze freihielten. Der D e m o k r a t i s cke n Partei ist in einem Falle ein durchaus antisemitisches Verhalten nachgewieien worden. Auch die Deutsche V o l k s p a r t e i habe in verschiedenen Orten des Reiches in Antisemitismus gemacht, obwohl der Vorsitzende. Geheiinrat Kahl, eine aegenantisemitische Erklärung abgegeben hatte. Den Antisemitismus in seiner krassesten Form hat die D e u t s ch n a t i o n a l e Partei vropagiert. Der Fentralvereiu bat im Wahlkampf selbstverständlich für keine Partei, sondern aeaen den Antisemitismus in jeder Partei gearbeitet. Dr Wiener aab ein anschauliches Bild der umfassenden Tätigkeit des Zentralvereins in der Zeit vor den Wahlen zur Nationalversammlung, für da« Preußenvarlawent und die Stadtverordnetenversammlung. Ter Zentralverein bat in großen Massen aeaenantisemitisch-e Flugblätter verteilt und viele Versammlungen in Berlin und in der Provinz, auch in den kleinsten Orten, überwacht, in denen in erforderlichen Fällen seine Redner in die Debatten eingriffen. Das wirtschastlicle Programm des Antisemitismus beleuchtete dann als zweiter Redner Dr. Leo Zeitlin, der die soaenannte antisemitische Mittelstandsvolitik als Gesamtkomplex aller Wünsche und Bestrebungen schilderte, die die Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschastslebeu erstreben. Eine lebhafte Aussprache beschloß den Abend. 2/D Berlin, 11. März. Die Unterzeichneten Verbände bitten die Gemeinden, die Ortsgruppen des Zentralvereins, die Logen imb Arbeitsnachweisstelle des Kartells des Jüdischen Frauenbundes, bemüht zu bleiben, Lehrstellen für Knaben und Mädchen, die Zn Ostern die Schule verlassen, Lehrstellen für verschiedene Berufe ausfindig zu machen, und zwar solche mit Verpflegung beim Arbeitgeber bzw. Meister. Tort, wo letzteres nicht angängig -ist, wäre für Unterbringungsmöglichkeiten der Lehrlinge oder Lehrmädchen bei Familien zu sorgen. Diesbezügliche Meldungen sowie Neumeldungen von Lehrlingen und Lehrmädchen sind zu richten an den V e r b a n d b e r A r - beitsnachwe is e der G r o ß löge 11. O. B. B.. B e r l i n XV 62, Kleiststraße 12. Hauptstelle für Berufsberatung, Verband der Arbeitsnachweise der Großloge U. O.B.B., Kartell der Arbeitsnachweise des Indischen.Frauenbundes. — Ratibor, 28. Februar. Der Jüdisch-liberale I u gen dv e r ei n hielt eine Versammlung ab, in der Rechtsanwalt Spitz über das Thema- „Was wir wollen" vom Standpunkt des liberalen Judentums und des Ratiborer Jugendbundes im besonderen sprach. Er betonte, daß die liberale Richtung ebenso sehr die Stärkung des Deutschtums wie die Förderung eines lebenskräftigen Judentums erstrebt. Der Redner verbreitete sich, eingehend über den Gegensatz zwischen dem Zionismus und dem liberalen Judentum und beleuchtete in seinen weiteren Ausführungen die Fürsorge für die jüdische Jugend und die Tätigkeit des hiesigen Liberalen Jugendvereins. In der anschließenden freien Aussprache forderte Rabbiner Tr. T i e n e in a n it eine regere religiöse Betätigung der jüdischen Jugend, die den Zukunstsarbeiten und Aufgaben unserer Gemeinschaft noch nicht das genügende Interesse entgeaenbringt. H. XV. Posen, 28. Februar. Durch die Uebersiedlung des Herrn Michael Fla tau nach Hamburg verliert unsere Gemeinde ein in jeder Beziehung bewährtes Mitglied. In den Vereinen, wo er Gelegenheit hatte, tätig zu sein, wirkte er in leitender Stellung mit einer Selbstlosigkeit und Hingebung, daß er bei jedermann sich Achtung und Wertschätzung erwarb. Namentlich in der Synagoge des Vereins der wohltätigen Freunde. Hier Zeigte er einen Fleiß und eine Ausdauer wie selten einer. Gegen Beamte und alle Mitglieder benahm er sich in zuvorkommender Weise. Sein vieles Wissen und seine große Erfahrenheit taten sich vielfach in der Synagogenverwaltung kund. Die elektrische Beleuchtungsanlage und die Zweckmäßige BeheiZungseinrichtung sind alleinig sein Verdienst. Möge er in seinem neuen Wirkungskreise ebenso tätig sein wie in Posen. — Im 71. Lebensjahre verschied hier der Kaufmann Leopold Gold. Sein biederer Charakter und sein wahlloses Wirken verschafften ihni viele Freunde und Gönner. Dies Zeigte sich bei der großen Anteilnahme an der Beerdigung. In gleich großem Ansehen stand hier die verstorbene Frau Karoline L i ßn cr, die ebenfalls mit hohen Ehren Zu Grabe getragen' wurde. In die Liste der Rechtsanwälte sind eingetragen: der Amtsrichter i. R. Rußak beim Amtsgericht in Cvone a. d. Brahe und Rechtsanwalt Dr. P o p P e r aus Posen beim Amtsgericht und Landgericht in Hirschberg. er. Larrdsberg a. d. W., 28. Februar. Die Begründung einer jüdischen W oh lfa h r t s Z e n t r a le im Anschluß an die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Inden ist in einer im Logensaal abgehaltenen stark besuchten Versammlung beschlossen worden. Es sollen die bestehenden gemeinnützigen jüdischen Wohltätigkeitsvereine Zentralisiert werden, und zwar die seit etwa 125 Jahren bestehende Pr i v a t a r m e n ka sse , der seit 1813 in der Zeit -der Not gegründete B ü r g e r r e t t u n g s v e r e i n , der B e r e i n z u r A u s - st a 11 it n g a r m e r B r ä u t e, der B c r c i n g e g e n W a nd e r - beit e t e i und der I s r a e l i t i f ch e F r a u e n v e r e i n. Der Verein wird gerichtlich eingetragen werden, um die Rechtsfähigkeit Zn erlangen. Die vorhandenen Mittel sollen in moderner sozialer Weise Verwendung finden. 2/D Dresden, 28. Februar. Die Nummer 8 der „Allg. Ztg. des Judentums" enthält einen Bericht über die Errichtung eines Hilfsvereins für Ostjnden in Dresden. Darin ist gesagt, daß vor der Begründung des Vereins alle Versuche, di.e mißliche Lage der ostjüdischen Arbeiter zu heben, vergeblich, auch Verhandlungen mit dem Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde erfolglos geblieben seien. Daraus kann leicht gefolgert werden, daß die Israelitische Religionsgemcinde ihre Liebestätigkeit aus die in Dresden befindlichen Ostjuden nicht erstrecke. Tatsächlich unterstützt aber die Gemeinde, ebenso wie die ihr unterstellten Vereine, sämtliche ortsanwesenden bedürftigen Glaubensgenossen und hat gerade im Kriege Unterstützungen in weit höherem Maße den Ostjuden als den Einheimischen zu gewendet. Zur Mitwirkung bei einem Arbeitsnachweis haben wir uns bereit erklärt, dagegen'mußten wir ablehnen, die A r b e i t s l o s enunter st ütz n n g nach festen Regeln zu übernehmen, weil diese von der politischen Gemeinde ausgeübt loird und die ostjüdischen Arbeitslosen genau so behandelt werden wie alle anderen. Wir würden es weder für richtig gehalten haben, der politischen Gemeinde diese Last a dz n nehmen, noch zu den hohen Beträgen, die diese gewährt, weitere feste Unterstützungsbeiträge h i n z u z u f n g e n. Solche Zwecke konnten wir nicht unterstützen und uns deshalb an dem Verein nicht beteiligen. *

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