Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-03-14 · Heft 10-11 (14.3.1919) · p. Seite 105

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 10-11 (14.3.1919)
Date
1919-03-14
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229392-3229401--74724-3287190
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

g-essen bleiben noch heute seine formschönen und gehaltvollen Reden, die er jeweils bei der Eröffnungsfeier der ShnodaltaMNMn gehalten hat und die ob ihres hohen sittlichen Pathos auch von religiös Andersdenkenden rückhaltlos anerkannt wurden. . Mt Eifer beteiligte er sich an den Arbeiten der Berufsverbände der Rabbiner. Beim Allgemeinen wie beim Liberalen Rabbinervvrband gehörte er dem Zentralausschuß an. Er besaß ein hohes Standesbewußtsein. Bis in seine letzten Tage widmete er besonderes Interesse und tätige dekorativer Natur, sondern erforderten rastlose Betätigung. Und gerade das weite Gebiet der Wohlfahrtspflege war es, auf dein ihm in unermüdlicher Mitarbeit seine ihm nur um 6 Wochen im Tod vorausgegangene Gattin (eine Tochter des Rabbiners und Oberrats Benjamin Willftätter (f. A. in Karlsruhe) zur Seite stand. Keineswegs ging er unter in der Tagesarbeit seines Berufes, fortwährend suchte er neue Bildungsmöglichkeiten; er war ein verständnisvoller Freund der 'bildenden Künste und begeisterter Naturfreund. Wie im öffentlichen Leben, so zeigte er sich auch im privaten Verkehr. Wen er als treu und gerade — ihm wesensverwandt — erkannt hatte, dem brachte er Vertrauen und herzliche Wärme entgegen; wessen Art und Tun er als unaufrichtig empfand, gegen den kannte er keine Nachsicht. Er hat nur ein Alter von 67 Jahren erreicht. Ein heiterer und ruhiger Lebensabend nach einem arbeitsreichen Leben war ihm nicht'vergönnt. Die Kriegsjahre mit chren Aufregungen mannigfacher Natur sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Der Tod seiner treuen Lebensgefährtin hat seine Lebenskraft gebrochen. Die Treue — den hervorstechendsten Zug seines Wesens — hat er nun auch im Tode bewahrt. Möchte es der jüdischen Gemeinschaft niemals an solch begeisterungsfähigen und charakterfesten Männern fehlen, wie Meier- Appel es gewesen ist. Ehrseinem Andenken! Lum 25. Todestage von Ioleph Oerles. (4. März 1894.) Bon F e l i x P e r l e s. (-chlutz) n München fand Perles ein nicht nur viel ausgedehnteres, sondern auch sonst wesentlich anders geartetes Arbeitsfeld vor. Bei seinem Amtsantritt war noch nicht ein Jahrzehnt seit Aufhebung des drückenden und entehrenden Matrikelgesetzes vergangen, das die Vermehrung der bayerischen Juden in fast pharaonischer Weise verhindert und so auch die Entwickelung der Gemeinden gelähmt hatte. Viele der begabtesten Juden waren ausgewandert, besonders nach Ainerika. Das Bildungsniveau war dadurch naturgemäß durchschnittlich noch nicht so hoch wie in Posen. Sein Amtsvorgänger Hirsch Aub war schon durch sein hohes Alter nicht mehr imstande gewesen, den Uebergang der Gemeinde in die neue Zeit in die richtigen Bahnen zu lenken,. Die Parteien standen sich meist argwöhnisch und verständnislos gegenüber. Da galt es nun, mit weiser Mäßigung vorzugehen, um eine friedliche Entwickelung der Gemeinde zu sichern. In kürzester Zeit gelang es ihm auch hier, die ganze Gemeinde zu gewinnen und nicht nur mit Vertrauen, sondern mit Verehrung und Liebe zu erfüllen. Da das Judentum in Bayern von seiten des Staates nicht wie anderwärts als guantitd n6gligeable behandelt wird, hat der Rabbiner dort von Amts wegen höhere Autorität, aber auch höhere Verantwortung. Seine Wirksamkeit spielt sich viel mehr unter den Augen der Behörde ab, und er hat daher auch-mehr Gelegenheit, dem Judentunr in der Lesfentlichkeit Geltung zu verschaffen. Da verstand es Mitarbeit der beruflichen und sozialen Hebung' des Rabbinerstandes, insbesondere der Festigung seiner Stellung innerhalb der Gemeindeverwaltung. Aber auch der Kampf für die politischen Interessen der deutschen Judemheit sah ihn in vorderster Reihe. Lange Jahre war er Vorsitzender der 1892 gegründeten Vereinigung badischer Israeliten, die sich später als Landesverband des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens konstituierte. Mit diesem Zeitpunkt trat er gleichzeitig in den Vorstand des Zentralvereins ein. Sein starkes Rechtsempfinden machte ihm den Kampf für die politische Gleichberechtigung der Juden zur Pflicht. Seine vaterländische Gesinnung ließ ihn ,den Antisemitismus doppelt schmerzlich empfinden. — Mit starkem Rechtsgefühl verband er ein warmes soziales Empfinden. War es nun die Fürsorge für Waisen oder für arme Sieche und Greise, handelte es sich um Unterstützung Ortsfremder oder um die Förderung der für Einheimische bestimmten Institutionen: überall griff er mit Rat und Tat ein. Die Aemter, die,er in den betreffenden Vereinen inuehatte, waren nicht nur arbeitssrohen. s Stadt- und Bonferenzrabbiner Dr. Meier Appel (Rarlsruhe i. B.) geb. 19. September 1851, gest. 8. Februar 1919.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.