Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3229392-3229400--74713-3287178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Amt niederzullegen. Auch die israelitische Waisenknabenanstalt ist durch den Tod des Herrn Kantorowicz von einem schweren Verlust betroffen worden. Der Entschlafene, der ein Vierteljahrhundert ein hochgeschätztes Mitglied der Direktion gewesen ist und in ihrer Mitte ‘ m-it Eifer und Erfolg gewirkt hat. wird in den Annalen der Anstalt durch seine Stiftungen, durch sein liebenswürdiges Wesen und Wirken fortleben. Tie körperliche Ausbildung der Zöglinge lag ihm vornehmlich am Herzen, wie er auch ihre handliche Fertigkeit durch vielerlei Zuwendungen zu fördern suchte. Ebenso hat er sich des Lehrlingswesens mit Hingebung und Geschick in dankenswerter Weise angenommen. Selbst in den letzten Jahren, in denen er bereits mit schweren Leiden kämpfte, bat er. wenn es sein Gesundheitszustand irgend zuließ, an den Sitzungen teilgenommen und es an seinem klugen Nat nicht fehlen lassen. — Ter D abi n ge schieden e bekleidete eine große Menge von Ehrenämtern, z. B. im Verein der Destillateure der Provinz Posen, in der Geschäftsleitung der Engros- und Detailzweiaaeschäfte der Hartw-ia Kantorowiczschen Aktiengesellschaft (Berlin'» usw. bl. Brombera, 21. Februar. Die im Sitzunaswale der Handelskammer im Beisein von 24 Mitgliedern nbaebattene SO. Vollsitzung der Handelskammer für den Regierungsbezirk Bromberg erökfnete der Präsident. Geheimer Kommerzienrat A r o n s o h n , mit einem Hinweis auf die gegenwärtiae ernste, tief in unser Wirtschaftsleben -einschneidende Zeit, dabei der Hoffnung aus eine Besserung der Verhältnisse in Industrie und Handel Ausdruck aebeud. Die Wahl des Präsidiums für 1919 ergab die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder: Geheimer Kommerzienrat A r o n s o h n als Präsident. Kaufmann I. Moses als Schatzmeister und Stadtrat Friedländer als Schriftführer. —- Staroard i. P.. 21. Februar. Der Gvmnasialdirektor Tr. Bölling bat vor kurzem vor den hiesigen Frauenvereinen, zu denen auch zwei indische aebören. einen Bortraa gehalten, in dein er aus der antisemitischen Zeitschrift ..Tenkschlands Erneueruna" ein antisemitisches Märchen aröbster Art zur B-erlefisuq brachte, nach dem schon lanae vor dein Krieo-e nickt mehr die Junker und die Adeligen NH' Berater de- Kaisers aetvesen feien, sondern seine israelitischen Freilnde, die ihm auch zum Kriege geraten hätten. (!!) Unser Herr Rabbiner Dr. Silber stein ließ daraufhin in einein hiesigen Blatte deur Direktor eine alänzende Widerlegung zuteil werden, inde'.u «nu. a. schreibt: ..Zur Lchbenberaer Tafelrunde mit Gulenbnrg an der Spitze bat kein Jude gehört. Nie hat ein Jude in der Negierung aefessen, nie einer zu den Ratgebern des Monarchen gebärt. Wir Juden würden das sonst Nüssen: denn wir würden solche Ansuüchnnng und Freundlichkeit dankbar begrüßt haben. Der einzige Jude, der wegen seiner Fackkenntnis auf maritimem Gebiete von dem Kaiser ins Vertrauen gezogen wurde, war der kürzlich verstorbene Direktor der Ha vag Ballin, dieser weitschauende Mann, der alles vorher ge sehen und vorhergesagt und dem das nationale Unalück jäh das Herz gebrochen hat. Bon diesem Manne weiß alle Welt, daß er zw'ümal leim warnende SUnnno erhoben bat: in Nm kritischen Tagen des Juli 1914 und in der kritischen Zeit, die der Ankündigung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges voranging. Die »oarnende Stimme des .weltersahreuen Fachmannes blieb nngehört, "nd es ist alles gekommen, wie er prophezeit bat. Das ist die Wabrl>eit! Aber keine Lüge ist zu vlnmv, als daß ne nickt zur Judenlletze herhalten müßte." Herr Dr Silberstein iveist zum Schluß darauf bin. daß eine der Ursachen der Unbeliebtheit der Deutschen im Aus- Wnde unsere reaktionären Zustände sind, zu denen auch der Antisemitismus gehört. — 21. Februar. Wie der Vorsitzende in der letzten Sitzung des Gemeindekolleaimns unter ehrender Hervorhebung seiner 'Verdienste mitgeteilt hat, ist der Gemeindebevollmächtigte Siegmund Wertheim er aus dem städtischen Kollegium wegen seiner gesundheitlichen Verhältnisse -aus ge schieden'. Mi-t ihm hat das Kollegium eins seiner ausgeprägtesten Rlitalieder verloren, das jahrzehntelang darin einflußreich, ja in vielfacher Hinsicht richtunggebend gewirkt bat. Herr Wertheimer hatte erst vor ganz kurzer Zeit das Jubiläum 'einer 25jährigen Zugehörigkeit zum Nürnberger Gemeindekollegium leiern können und war ans diesem Anlaß mit der Bürgermedaille der Stadt ausgezeichnet worden. Er hat diese Auszeichnung aufs redlichste verdient. Nachdem er bis in die ersten Jahre dieses Jahrhunderts dem Vorstand als Schriftführer angehört hatte, rief ihn das Vertrauen seiner Kollegen in den letzten Jahren aufs neue in; den Vorstand als zweiten Vorsitzenden. Bei der Letzten Wahl im i Januar hat er mit Rücksicht auf seine schwankenden Gesundheitsverhältnisse leider ans eine Wiederwahl von vornherein verzichten! wüsten. Seine grüßten Verdienste hat sich der Genannte im Ge-; meindekollegium als Berichterstatter über den Stndthaushalt er- * worben in jenen Jahren, als noch eine sichere bürgerliche Mehrheit im Kollegium die Geschicke der Stadt selbständig zu leiten in der 9 we war. Es war stets ein hoher Genuß, seine klaren, durchsichtigen, durch übersichtliche Anordnung und Verarbeitung des großen Zableni ousterials auffallenden sowie durch lebrreiche Beziebnngen ans die Vergangenheit und die Verhältnisse anderer Städte interessierenden ‘ Etatsreden auznhören. Siegmuud Wertheimer hat schon allein mit den vielfachen wertvollen Anregungen, die er als „Etatsreiorm" für die städtische Wirtschaft geneben hat. seinen Namen in die Ehrentafel Nürnbergs eingetragen. Auch auf anderen Gebieten der Stadtwirtschaft hat Herr Wertheimer in den langen Jahren seiner gemeindlichen Tätigkeit anregend und schöpferisch gewirkt. Ueberall brachte er. was ihm vielfach die besondere Achtung und Zuneigung gewann, seine büraerfreundliche Gesinnung zum Ausdruck, wenn es auch hierfür stets bei ihm eine Grenze aab: die Rücksicht ans die Forderungen der Allgemeinheit. Mit ihm ist ein gerader, aufrechter Mann von vielseitigem Können und reicher Erfahrung, der sich um die Stadt Nürnberg redlich verdient gemacht und ihr mit allen Kräften aufrichtig gedient hat, ans dem gemeindlichen Wirken geschieden. | — Randegg, 21. Februar. Nach Beendigung dos Krieges mußte > die hiesige Gemeindeverwaltung neu bestellt bzw. ergänzt werden. Der bisherige Vorsteher, Herr Mar R o t s ch i l d , erhielt die erbetene Entlassung von der Bebörde. Es soll nicht verabsäumt werden, ihm öffentlich den Dank für seine vorzüglich geleisteten Dienste ansznsprecheu. Als vor etwa zehn Jahren Herr Rotschild die Verwaltung antrat, war vieles zu ordnen und zu regeln, insbesondere die finanziellen Berhältnisse in der Gemeinde. Die Gebäude, j Synagoge, Rabbinerwohnung und Schnlhaus erforderten dringende I Reparaturen. Die Wiederberstellung konnte trotz der hohen Kosten! fast ohne Belastung der Steuerzahler durchgeführt werden. Die I Synagoge ist geradezu eine Zierde und wird auch von den Fremden : bewundert. Die viereinhalbjährige Kriegszeit erforderte eine Unsumme > von Arbeit und Geduld: Einberufungen zum Heere, Wechsel der Ange-! stellten, Verschaffung ritueller Lebensmittel usw. Kein Wunder, daß •^rr Notschild das Bedürfnis mul) Ruhe hat. Seine Name wird stets in Dankbarkeit lind Ehre erwähnt werden. Bei der am letzten Sonntag stattgefnndenen Synagogenratswaht wurden gewählt: Leopold B loch, Simon E i ch st e t t e r und Moritz Rothschild Mögen sich diese ihrer Pflichten bewußt treu der Gemeindeangelegen-! heiten annehmen, besonders um die Erhaltung des hiesigen Rabbinats! bemüht sein. Zruilch-Sllttrrrich. Z. Wien, 21. Februar. Auf Antrag der Präsidentin und Bizepräsidentin der „Greisinnenfürsorge". Frau Helene D e n t s ch und Frau Dr. Minna Holpern. Plal)t der Verband ..Weibliche Fürsorge" einen Zusammenschluß aller in der Altersfürsorge tätigen Vereine. Zur Unterstützung dieses Vorhabens hielt der Amtsleiter des israelitischen Knttusgenieinde-Wohltätigkeitsamtes Rudolf K e a u ß aus feiner reichen Erfahrung euren Vortrag in der Sitzung vom 11. d. M., die unter dem Ehrenpräsidium der Freifrau Charlotte v. Königswarter stattfand und in der die Vorsitzende Regine Ulnrann dem verstorbenen Hofrat Kamill Knranda einen ergreifenden Nachruf hielt. Ter Vortragende erwähnt die bisherigen Leistungen der Verbände „Weibliche Fürsorge". „Wöchneriunenverband", „Kursürsorge" und ..Bekleidungsverband der Zentrale für jüdisches Armenwesen": die Arbeit Lei dem zu gründenden Verbände für Alt-erssürsorge werde sich auf das ganze Jahr erstrecken müssen und erfordere besonders liebevolle und individualisierende Pflegschaft. Es handelt sich ungefähr um 1000 Personen, während das Attersversorgnngshaus in der Seegasse nur Rann: für ZOO Personen habe. Es sei wichtig, eine Art Vorhof für dasselbe zu schasse'!, auch für solche Leute, die nicht solange in Wien oder nach Dentschösterreich zuständig sind: dies lasse sich vielleicht mit dem Mittelstandsheim für alte jüdische Leute verbinden, das Frau Dr. Feuchtwang schon vor dem Kriege als Arbeit der Fürsorge geplant habe. So schwer die Arbeit sei. vertraue er auf den Opfer sinn der Pftegearbeit der Fnrsvrgedamen und ans die Pietät von Wohltätern, die