Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 IFire greise» Elter» verloren haben oder sie, lange zu erhalten wünfeften. Tr. Boxe r, Hofrat S ch l a g. H. Bernhard G o l d - stein. Frau Professor Roth und Frau Dozent Grünfeld unterstützten die Vorschläge des Vortragenden auf das wärmste. Wir hoffen, daß es der Fürsorge gelingen wird, eine neue Tochter ins Leben zu rufen, die sich in .der Armenpflege ebenso bewährt wie ihr erstes Kind, der so segensreich wirtende Leopoldstädter Frauenverein. — Am 22.v. Bi. beging der Schriftsteller Emil Jelinek die 60. Wiederkehr seines Wiegenfestes. MH Theater- und Musikreferent hiesiger Zeitschriften und bis Kriegsbeginn auch als Vertreter ausländischer Blätter tätig, hat Jelinek seine größeren im Truck erschienenen Werke, wie „Eine Nordlandsreise mit dem Toppelschrauben- Postdnmpfer „Fürst Bismarck" der Haniburg-Uinerika-Linie", „Die Amerikareise des Wiener Männergesaugvereins mit der Doppelschranben-Lustjacht „Lceana" der Hainburg-Amerika-Li nie", „Die -thüringer Reise des Wiener Männergesangvereins", eine überaus ivertvolle Bereicherung der einschlägigen Literatur zugeführt. Im Rahmen des „Indischen Museums" hat er eine intensive Tätigkeit zugunsten dieser so große Erfolge gehabten Vereinigung entwickelt, und namentlich die Abhaltung so vieler hochinteressanter Vortragsabend', die stets die Elite der Wiener Judenschast versammelten, ist durch Jelinek in gelungenster Weise veranstaltet worden. Die großen rumänischen und russischen Emigrationsbeivegungen bildeten ein reiches Feld zur Entfaltung seiner organisatorischen Tätigkeit, die sich auch auf die Flüchtlingskampagne 1915/16 erstreckte, die er der Einladung der Israelitischen Allianz zufolge entwickeln konnte. (Herr Jelinek hat in früheren Jahren Beiträge auch für unsere Zeitung geliefert. Die Red.) Von Osh und Fern. In der letzten Sitzung des Vereins der Kassenärzte in Berlin-Charlottenburg wurde berichtet, daß von den 633 Mitgliedern der Organisation 355 Herren außerhalb Berlins im Heeresdienste tätig waren. Von diesen 355 Mitgliedern sind 20 im Felde bzw. an den Folgen von Krankheiten, die sie im Felde erworben hatten, gestorben. Von diesen 20 im Dienste des Vaterlandes rerstorbenen Mitgliedern sind 17 jüdischer und nur 3 Aerzte christlicher Abstammung. Da der Verein der Aerzte in Charlottenburg mehr als zur Hälfte aus Nichtjuden besteht, seien diese Zahlen den Antisemiten, die so gern mit Prozentrechnungen operieren, zur Benutzung empfohlen. — Geheimer Justizrat Professor Dr. Albert M o s s e, bisher unbesoldeter Stadtrat und Mitglied des Berliner Magistrats, hat, rote wir erfahren, sein Amt niedergelegt. — Professor Dr. Ferdinand Blumen thal in Berlin wurde der Preis von 1600 Mart aus der Martin Brunnerschen Stiftung für Erforschung »und Betämpfung der Krebskrantheiten für das Jahr 1915 zuerkannt. — Geheimer Medizinal rat Professor Dr. Julius Hirschberg ist zum Ehrenvorsitzenden der Berliner Gesellschaft für Geschichte der Naturwissen schäften und Medizin gewählt worden. Hirschberg, der an der Universität Extraordinarius für Augenheilkunde ist, hat sich durch eine Reihe historischer Schristen weiteren Kreisen bekanntgemacht. — N ahid a R e m h - R u t h L a z a r n s , die in der Schweiz lebende Witwe des unvergeßlichen Begründers der Völkerpsychologie, Prosessor Moritz Lazarus, vollendete am 3. d. M. ihr 70. Lebensjahr. Sie verfaßte eine Reihe von Nonranen und hat sich namentlich mit ihren Borträgen und Schriften über das Judentum euren Namen gemacht. — In Herrn Siegfried Löwen w a ld hat die Berliner Jüdische Gemeinde einen Veteran aus ihrer Verwaltung verloren, der drei Jahrzehnte allen Genrerndeangelegenheiten sein lebhaftes Interesse widmete. Seine -Hauptverdienste erwarb sich der Berstorbene nm die Verwaltung des K r a n k e n h au s e s , zu dessen eifrigsten Mitarbeitern er gehörte. Die S t e n e r c i n s ch ä tz u> n g s - k v nr m i s s i o n und die K o m m i s s i o n f ü r d u r ch rei, sen d e arme Juden erfreu.ten sich gleichfalls der Mitarbeit des Verstorbenen. — Aus Posen wird uns berichtet: In den Vorstand des Deutschen Volksratslvurden Herr Fabrikdirektor Fritz Kantor o w r c z und Frau Tr. Pro ch o w n i k gewählt. — In: 76. Lebensjahre ist am 24. d. M. Konsul Julius Friedemann verschieden. Der Berstorbene, der ein treues Mitglied der Berliner Jüdischen Reformgemeinde ivar, bekundete lebhaftes Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten. Er war ir. a. fast ein Bierteljahrhundert Schatzmeister des Zentralvereins „Esra" zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina. — In der Sitzung des Veröandes'Ostdeutscher Industrieller e. V. wurden die Ehrenämter des Vorstandes für das Jahr 1919 verteilt, nämlich: Kommerzienrat G o l d s a r b (Preußiisch-Stargard), stellvertretender Vorsitzender für die Provinz Westpreußen. — Die in Schrimm gewählten Ratsherren Jaff6 und Zimmt haben die Bestätigung der Regierung erhalten. Zum Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung wurde Herr Dr. Ehrlich gewählt. Herr Max Abraha m nurrde als Stadtverordneter eingeführt und zum Schriftführer gewählt. — Aus Görlitz wird uns berichtet: Unter Aufsicht des von der Regierung ernannten Wahlkornmifsars, Herrn Oberbürgermeister S na h, wählten die Repräsentanten der hiesigen Synagogengem ei nde neulich zum Vorsitzenden des Geineindevor standes -Herrn Rentier .Theodor Wierus z o w s k r und zum Beigeordneten Herrn Kaufmann L. K arge r. — Frau Julie Sali n ger (Dresden), Mitglied der Deutschen demokratischen Partei, wurde als einzige bürgerliche Frau in die sächsische Volkskammer gewählt. — Aus Harburg (Schwaben) wird geschrieben: Im Spital zu Wemding verstarb aus der Reise der Kaufmannn Adolf W e i l l, geboren am 4. Februar 1866 zu München, als Sohn des Paulus Jakob Weill und seiner Ehefrau Rosa, geborene Seliger, israelitischer Konfession und verwitwet. Auf Anordnung des Bezirksamtes Tonauwörth wurde die Leiche nach Harburg, als nächstgelegene jüdische Gemeinde, übergeführt und auf dein hiesigen israelitischen Friedhofe beerdigt. Nähere Angaben über die Persönlichkeit und etwaige Familienangehörigen sowie über den bisherigen Wohnort des Verstorbenen fehlen. — Zum Lektor für jüdische Wissenschaften am Orientalischen Seminar der Universität Gießen ist Dr. I. R ab in, Zuletzt Leiter des Rabbinerseminars in Odessa, zugelassen worden. — Herr Elias H e i m, Vorstand der Gemeinde in Müllheim (Baden), und seine Gattin Mathilde, geb. Diedesheimer, begingen in geistiger und körperlicher Frische Dienstag, 18. Februar, das Fest ihrer Goldenen Hochzeit. — Die „Jüdische Preßzentrale Zürich" wurde verschiedentlich von Wien mit der dringenden Bitte angegangen, um für die Mozzothversorgung der Wiener Jndmheit bei der Entente zu intervenieren. Die „Jüdische Preßzentrale Zürich" wandte sich telegraphisch an verschiedene in Betracht kommende Stellen in Paris und erhielt vom Consistoire Central des Israeliten de France einen vom 3. Februar datierten und vom Großrabbiner Dr. Levi unterfertigten Brief, daß das Verproviantierungsministerium die Sache in die Hand genommen habe und daß ihr weiterer Bescheid noch zugehen wird. — Das Organ der tschechischen Sozialdemokraten in Prag verbreitet ein Flugblatt gegen die Juden. Es ist wohl sehrmerkwürdig, daß die angeblich freieste Partei der angeblich freiesten Nation sich solcher elender Mittel für eine billige Popularitütshascherei bedient. Das Flugblatt fordert nicht zu Gewalttätigkeiten, wohl aber zum Boykott der Inden auf und strotzt von den infamsten Lügen. — Das Wiener Burgtheater wird im April eine interessante Erstaufführung bieten. Beer-Hossm a n ns biblisches Drama „Jakobs Traum", das als erstes Stück einer Trilogie erschienen ist, wird am Burgtheater seine Uraufführung erleben. — Aus Venedig wird gemeldet: Oberrabbiner Moses C o e n P o r t o ist zu Mantua im Alter von 84 Jahren verschieden. — In amerikanischen Kreisen der Friedenskonferenz verlautet nach „Giornale d'Jtalia", Wilson beabsichtige, die Führer der hauptsächlichsten Religioneil der Welt^ vor allen den Papst, den englischen Großrabbiiner, den Scheich-nl-Jstam und Vertreter der verschiedensten protestantischen und buddhistischen Religionen mit beratender Stinnne in den Bölkerbund aufzunehmen. . Die englische Militärzeitung beginnt ein englisch-hebräisches und hebräisch-englisches Wörterbuch als unentgeltliche Beilage zur Zeitung herauszugeben. Das Wörterbuch ist vom Professor B. Nedana verfaßt. — Das Jüdische Korrespondenzburenu im Haag meldet, daß demnächst Aenderungen in der Verwaltungsmethode in Palästina vorgenommen werden, wodurch -die Beziehungen Zwischen Inden und Engländern bedeutend besser werden sollen. Der Chef des englischen Generalstabes, General Wilson, hat Dr. Weizmann versprochen, das miltärische System, das noch in Palästina herrscht, allmählich zu verringern. Verantwortlicher Redakteur: AlbertKatzin Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlid) für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.