Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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0 bcm Jyrtcbbofc in Weißerrsee zum Ausdruck, zu der sich Abgeordnete aller Institutionen eingefunden hatten, denen er im Leben nahegestanden hatte. Rabbiner Dr. L e w k o w i tz rühmte in seiner Gedächtnisrede seine Verdienste um 'die Gemeindeverwaltung. Rabbiner Dr. P e t u ch o w s k i, der als Vertreter des Komitees für jüdische Volksküchen in Palästina sprach, hob die Hingabe hervor, mit der der Heimgegangene sich dem Komitee widmete; für das jüdische Kurhospital in Bad Salzbrunn rief Rechtsanwalt Dr. T reitet herzliche Dankesworte nach. Chorgesang erösfnete und beschloß die Feier. 2/D Berlin, 25. Februar. Die Frühehekasse des J üdi.schon F r a u e nb n -n d e s blickt aus das erste Jahre ihrer Tätigkeit zurück. Gegründet von weitblickenden Frauen., die erkannten, daß unsere durch Krieg, Ki-nderlostg-k-ei-t, Mischehe und Dause bedrohte Gemeinschaft nur durch eine planmäßige Bevötker-ungspoliltik gehoben )verden kann, hat sie sich, zur Ausgabe gestellt, gesunde, frühe jüdische Ehen nach moderneil, sozialen Gesichtspunkten zu unterst ätze u. Die großen Mittel, die zur dlussührung dieses edlen Zweckes erforderlich sind, sollen, ähnlich wie das bereits andere Lrgmlisationen verruchten, durch einen Vertrag mit einer Versicherungsg.esellschaft - - der Viktoria zu Berlin — beschafft werden. Bereits inr ersten Arbeitsjahr hat die Kasse, die von Frau Tr. E s ch e l b a ch e r (Berlin) geleitet wird, einen Grundstock von JO Ooo Mark auszmveisen. Durch kleine Versicherungen, die wohlhabende Ettern aöschlreßen, wird ein Kapital fitr die eigenen Kinder gespart, zugleich aber auch d-urch 'die dein Frauenverein zrrsteihenden Provi.sionen. für rninderbemittelte jüdische junge Leute beiderlei Geschlechts die Nlittel zur- Gründu>ug einer Existenz bereitgestellt. Für etwa 25 Kinder Zahlt jetzt schon der Frauenbund die Beiträge zu den Anssteuerversicherungen: für eine Weitalls größer? Zahl geben wzi.at denkende Männer und Frauen wöchentlich kleine Beträge, die zur festgesetzten Zeit zur Auszahlung gelangen und die materiellen Grundlagen einer jüdischen Ehe sichern sollen. Obwohl der Gedanke der Frühehekasse erst in wenigen Städten Delltschtands propagiert wird und auch dort erst in engen Kreisen bekannt geworden ist, sieht die neue Gründung, die vermöge ihrer Organisation bestimmt erscheint, die „Hachnossas Kalloh" in Deutschland zu zentralisieren, vertrauensvoll in die Zukunft uud verdient in reichern Maße gefördert und großzügig unterstützt zu werden. 22 Berlin, 25. Febrlinr. Der Verein für A rbeits n a ch - w e i-s E. V. (begründet von ken Berliner Logen U. O. B. V.), Berli nN 24, Monbijouplatz 10 (Fernsprecher Norden 9130/31) sieht nunmehr auf ein 23jähriges Bestehen zurück. War es deni Verein in dieseir langen Jahren auch stets gelungen, seine humanitäre Aufgabe der kostenlosen Stellenvermittlung für Handel und Gewerbe erfolgreich zll erfüllen, so sieht er sich doch jetzt angesichts des katastrophalen Niederganges unserer Volkswirtschaft vor turmhohen Schwierigkeiten. Tie Arbeitslosigkeit wächst auch unter unseren Glaubensgenossen lawinenartig von Tag zu Tag: demgegenüber fehlt es an Arbeitsmöglichkeiten. Not, Elend und Demoralisation sind die traurigen Folgen. Dieser Gefahr auch rnlr einigermaßen Herr zil werden, kann nur dann gelingen, wenn alle jüdischen Arbeitgeber e s a l s ihre st r en g ste P flicht be t r a ch t en, de m V ere i n a l s d e nt j ü d i s ch e n Z e n trnlarbeit 8 n n ch w e i s in '9 r v ß -Berlin j e d> e o f f e ne S t e l l e, jede, au ch die g e - r i n g st e B e s ch ä f t i g rr n g s rn ö g l i ch k e i t u m q e h e n d mit - zu teilen. Um den Berliner Arbeitsmarkt zu entlasteu, wo die wirtschaftliche Not unendlich schwerer rtnd ernster ist als im Reich, wäre es besonders erwünscht, wenn auch die Juden in der Provinz . alle offenen Stellen — nicht nur kaufmännische, sondern besonders auch in Handwerk und Landwirtschaft — hierher rnitteilen würden. Das gleiche gilt bezüglich der mit dem Arbeitsnachweis verbundenen L e h r st e l l e n v e r m i t t l n n g für Lehrstellen aller Art. (Sine große Unterstützung wäre es anch für. den Verein, wenn die Abteilnng Schrei b st u b e, in der durch vorübergehend Stellungslose Schreib- und Maschinenarbeiten aller Art angesertigt, Noklauten uüv. versandt werden, rmd die neu angegliederte N äh stube mit einschlägigen Aufträgen versehen würden. 22 Berlin-Pankow, 25. Februar. Zu einer eindrucksvollen Feier, an der anch der Gemeindevorstand teilnahm, gestaltete sich das Wiedersehen der ehemaligen Zöglinge des II. Waisenhauses der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in Pankow. Sie hatten sich hier an ihrer Jugendstätte zusammengefunden zur Begrüßung der aus dem Felde heimgekehrten ehemaligen Zöglinge und tun das Andenken der im Felde gefallenen „Ehemaligen" zu feiern. Nach den für die Totenfeier üblichen Gebeten mit Chorgesang gedachte der Direktor, Herr Grunwald, der seit über einem Menschenalter die Anstalt leitet, des vor kurzem verstorbenen Herrn Max Mecklenburg, der ein treuer Freund des Hauses war, und feierte dann das Andenken der gefallenen Ehemaligen --- seiner Söhne — mit innigen Worten und einem stimmungsvollen Gebet. Von 134 Kriegsteilnehmern ist nahezu die Hälfte wegen Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, fünf schmachten noch in Kriegsgefangenschaft und sieben haben für das Vaterland ihr Leben hingeben müssen. Wenn auch — so schloß der Redner — von verschiedenen Seiten unsere Gleichberechtigung angefochten wird, es soll uns nicht abhalten, weiter wie bisher unsere Pflicht zu tun zum Segen des Vaterlandes und zur Ehre des Judenturns. In herzlichen Worten dankte sodann der Vorsitzende des Vereins der Ehemaligen Herr Be r e l i o w i tz dem Direktor für die alte Liebe und Treue, die sie alle seit Jahrzehnten von ihm empfangen hatten, und überreichte eine Summe von 1400 Mark, die einige ehemalige Zöglinge zur Vergrößerung des „Unterstützungsfonds für die Ehemaligen" gesammelt hatten. Mit einem Appell an den jungen Nachwuchs, sein Bestes beizutragen, um später tüchtige tirrd brave Mensckren und tatkräftige Mitglieder zu werden, schloß der Redner. Im Aufträge der Kriegsteilnehmer sprach Herr P r i n tz dem Direktor seinen Dank ent8 für die Liebesgaben an die im Felde Gewesenen rtnd für die monatlichen regelmäßigen Unterstützungen an die Frauen und Mütter der Kriegsteilnehrner. Er schloß mit dem Gelöbnis, weiter dahin wirken zu wollen, daß die Zusammengehörigkeit der Ehemaligen in Liebe zum Hause erstarke. Chorgesnng rtnd ein Zusammensein der Ehemaligen mit ihren Angehörigen rm Kreise >des Direktors beschlossen die würdige Feier. Königsberg i. Pr., 21. Februar. Die Stellung des Z e n t r a l v e r e i n s zur j ü d i s ch e n K v tt g r e ß b e rv e g tt n g behandelte ein Vortrag des Herrn Albert Loose in der letzten Mitgliederversammlung. Der Redner bekämpfte die Forderung der Zionisten nach einem jüdischen Kortgreß rtnd betonte energisch, daß die d'utüben Juden uationnldentsch, nicht nationatjüdirch Wien, iutbeschadet einer jüdischen Gemeinschaft des Kultus. Das Vaterland der deutschen Judert ist Deutschland, nicht Palästina: ihre Ausgabe liegt in der mesßa irischen Idee des Weltfriedens, dem der Nationalismus, der zrtrrr Chauvinismus führt, scharf entgegengesetzt ist. Er billigte rtnd wünschte einen von allen detttschen Jrtden beschickten Kongreß, rtm alle Angelegenheiten des jüdischen Volkes in Deutschland zrt regeln. Käme ein jüdischer autonomer Staat in Palästina imstande, so geriete er sofort unter englischen Einfluß. Die deutschen Inden seien kein Gastvolk bei dem Wirtsvolk, sondern eine gemeinsame Geschichte habe sie zusamnrengeschweißt, sie seien Deutsche. Nachdem verschiedene Redner rtnd Rednerinnert diese Frage in lebhafter Aussprache behandelt hatten. wurde die Vorstandswahl vorce nommen. W. Posen, 21. Februar. Ans der Reise rrach Grevesmuhlen (Mecklenburg-Schwerin) ist, seinem großen Freundesrtnd Bekanntenkreise ganz unerwartet, Herr Josef Kantorowicz, Seniorchef der bekannten Firma Hartwig Kantorowicz (jetzigen Aktiengesellschaft), in der Wohnung seines Schwiegersohnes in Berlin gestorben. Herr Kantorowicz, der inr Dezetrrber vorigen Jahres siebzig Jahre alt geworden war, hatte sich im Sommer vorigen Jahres in Grevesrnühlen ein Grundstück gekauft, rtrn dort von einem arbeitsreichen Leben auszurrthen. Bor wenigen Tagen erst begab er sich rrach seinenr Ruhesitz, zvg sich auf der Reise, die ja irr der jetzigen Zeit mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft ist, eine starke Erkältung zu. deren Folgen er schnell erlegen ist. Der Verstorbene war ein Kaufrnann vom besten alten Schlage, ruhig rrnd besonnen, weitblickend rtnd von besonderer Liebenswürdigkeit. Diese vortrefflichen Charaktereigenschaften hatten ihm in weitesterr Kreisen der Bevölkerung, mit denen er durch sein Unternehmen sein Leben lang in engste persönliche Fühlung gekonrmen war, die allgemeine Wertschätzung erworben. Er erfreute sich überall besorrderer Hochachtung: sein Ableben wird darrtrn lebhaftes Mitempfinden Hervorrufen. Der Verstorbene wurde int Jahre 1904 durch das Vertratten der Genreindemitglieder irr die Revrüsentantenversammlung berufen rrnd hat sich ihren Artfgaben stets mit warmem Interesse und regenr Eifer gervidmet, bis sein Gesundheitszustand ihn rm Jahre 1916 zwang, sein ihm lieb gewordenes