Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 - a.rbeits frohen, aufrechten und cha-ra-ktier-festen. Vra-nnes a.u?f. veLigi-ösem, padaigoigischeim mi> fo.zilnl.em Gebiet, 'von, 'seiner Täti-gkeit -im Dienste des badischen und deutschen Judentums. Den einleitenden Nachruf hielt Rabbiner Dr. K u r r e i n (Karlsruhe). Rabbiner Dr. G r z y - misch (Bruchsal) zeichnete die Arbeit des Verstorbenen für die berufliche und soziale Hebung, des Rnbbinerstandes.; ergreifende Worte der Würdigung fand Rabbiner Dr. I t a l i euer (Darmstadt). Für den Oberrat der Israeliten, dessen Religionskonferenz der Entschlafene seit 1894 angehört hatte, sprach Geheimrat M a y e r, der neben , demreligiösen das. vaterländische Empfinden des Heimgegangenen hervorhob, für die Jsraebitische Gemeinde Sy novalrat Mayer, für die Familie der ältere Sohn, da der jüngere — Rabbiner in B>in,gen — durch die feindliche Besetzung verhindert war, dem Vater >die Grabrede zu halten,. Es folgten die Vertreter der Vereine, denen der Verblichene in leitender Stellung angehö.rt hatte, als: Jsraelitilcher Land eswai fenvereiu,, Bereinigung badischer Israeliten, Centrakverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Landesasyl für israelitische Greise., Karl-Friedri-ch-Lo!ge. Als letzter sprach ein Vertreter ver ehemaligen Schüler. Tie Gemeinde Karlsruhe hat ein Oberhaupt von warmem religiösen und sozialen Empfinden., von starker rhetorischer und Pädagogischer Begabung, der Ra b b i ner stand einen eifrigen Verfechter seiner Stanidestntoressen,, das Judentum einen begeisterten Verkünder feiner Lehren, die Judenheit einen aufrechten, Vorkämpfer für. ihre religiösen und politischen Interessen verloren. Holland. S£2 Den Haag, im Februar. Die Gesamteinnahme des Jüdisch e n N a t i o n a l f o n d s für das Jahr 1918 hat zu den Kursen vom 31. Dezember 2 2 4 5 7 9 9 Francs (1917: 1 747 278 Francs) betragen. Es ist zu berücksichtigen, daß dieses Gesamtergebnis infolge der teilweisen oder vollständigen Unterbrechung des Verkehrs mit den osteuropäischen Ländern einer Ergänzung bedarf. Die wahrscheinlich bedeutenden, ziffernmäßig jedoch vorerst nicht abschätzbaren Ausstände der betreffenden Landessammelstellen werden den Eingängen des folgenden Jahres hinzuzurechnen sein. — Nach den Maßstäben der Zeit vor dem Kriege darf das Gesamtergebnis als ein glänzendes bezeichnet werden. Für das Jahr 1919 darf die Verwaltung des Jüdischen Nationalfonds angesichts des Friedensschlusses, der für ein Siedlungswerk in allergrößtem Stile Perspektiven eröffnet, auf ein Vielfaches der Einkünfte des verflossenen Jahres rechnen. Der Gedanke der Nationalisierung des Bodens und seiner Vergebung in Erbpacht — ein Prinzip, das namentlich in England und seinen Kolonien von den gesetzgebenden und ausführenden Körperschaften auf Grund langjähriger praktischer Erfahrungen nachdrücklich gefördert wird — findet nun auch in jüdischen Kreisen immer mehr Anklang, und die zionistischen Tagungen der Länder der größten jüdischen Massensiedlung, nämlich Amerikas und Osteuropas, haben sich bereits grundsätzlich dafür .ausgesprochen. Staatlich organisierte Völker überlassen ihren Kolonisten Land umsonst oder gegen sehr geringes Entgelt oder in Erbpacht. Für die jüdischen Ansiedler, die in ihrer Mehrheit nur über unzureichende Mittel verfügen, muß die jüdische Gesamtheit Erbpachtland bereitstellen, und es gilt nunmehr mit aller Energie hinreichend gemeinnütziges Kapital zu beschaffen. Zu den vormals allein üblichen kleinen Gelegenheitsspenden müssen bei wirklicher Opferwilligkeit namentlich der Begüterten neue bedeutende Einnahmequellen hinzutreten: die „Nachl a h" (der durchschnittliche Bodenanteil einer Kolonistenfamilie) von 5000 Francs, die S elb stb e fleu er u n g weitester Dolkskreise, die „F r i e d e n s s ch e ck regelmäßige Unterstützungen seitens G e - m einden und Korporatione n. Die sich ausbreitende Pionierbewegung läßt es wünschenswert erscheinen, daß dem „P r o n i e r b e i t r a g" des Genossenschaftssonds — namentlich seitens der Arbeiterschaft — erhöhtes Interesse zugewendet wird, damit so bald als möglich zahlreiche für die Landwirtschaft vorbereitete junge Juden, in Arbeitergenossenschaften vereinigt, die Umwandlung brachliegender Ländereien in Kulturfläche beginnen können. Auf Grund eines Manifestes und eines Aktionsplanes der Nationalfvndsverwaltung werden zurzeit in allen Ländern Kons e r e n z e n der Vertrauensleute des Jüdischen Nationalfonds abgehalten, damit durch zweckdienliche propagandistische und organisatorische Maßnahmen dem Jüdischen Nationalfonds im Jahre 1919 eine M in de stein - n ah me von 10 Millionen Fra nc s gesichert wird. ißrotfrfr-Sfrftm'Nd). Wien, 12. Februar. Der Sekretär der Israelitischen Allianz. Herr Dr. Armand K a m i n k a, der behufs Neuregelung der amerikanischen Unterstützungen in Russisch-Polen und in Galizien geweilt hat und auf dem Rückwege im Januar durch Ausbruch der polnischtschechischen Kämpfe und Unterbrechung aller Verbindungen mit Wien längeren Aufenthalt in Krakau nehmen mußte, ist vor einigen Tagen auf dem Umwege über Deutschland nach Wien zurückgekehrt. Aus seinem der Israelitischen Allianz sowie dem unter Mitwirkung des Jüdischen Nationalrates gebildeten gemeinsamen Hilfskomitee erstatteten Berichte geht hervor, daß im ehemaligen österreichischen Okkupationsgebiete aus den amerikanischen Geldern als zweimonatliche Rate für den Bezirk Lublin 241 600 Kronen, für den Bezirk Radom 119 800 Kronen, für den Bezirk Kielce 135 475 Kronen, für den Bezirk Piotrkow 80 000 Kronen, ferner in Westgalizien außer den bereits früher von der Israelitischen Allianz für die Opfer der Pogrome verteilten Unterstützungen aus amerikanischen Geldern für einen Monat in Krakau, Oswiecim (wo 1200 jüdische Flüchtlinge in Baracken weilen) sowie in den Pogromorten der Bezirke Tornow. Rzeszow, Jaslo und Vrzemhsl 249 400 Kronen verteilt wurden. Nach Lemberg wurden, außer den Zuwendungen von den durch die Allianz gesammelten Geldern, vom amerikanischen Fonds bis jetzt 500 000 Kronen gesandt. Herr Dr. Kaminka reiste in Polen in Begleitung des Herrn Inspektor Wilhelm Engländer von der Baron-Hirsch- Stiftung. In Warschau wurden die Herren vom Ministerpräsidenten Vaderewski empfangen, und sie hatten Gelegenheit, ilnn eindringlich in einer länger als eine Stunde währenden Besvrechung d»-e Vorschlinun-eruua der LE der Juden, insbesondere in Galizien, durch die zahlreichen Voarome und die feindselige Haltung der polnischen Bevölkerung zu schildern. Präsident Paderewski zeigte sich zwar vollkonnuen vom Geiste der nationaldemokratischen antisemitischen Polen insmriert mib seinen alle Verleumdungen zu glauben, die in der judenfeindlichen Prelle zur Rechtfertigung der Pogrome verbreitet werden, er ließ sich jedoch teilweise von der völliaen Unrichtigkeit seiner Informationen überzeugen und versprach feierlich, altes, was in seiner Macht ist, zu tun, um den Juden im polnischen Staate vollen Schutz zu gewähren. Anksgrn. z. Budapest, im Februar. Ter Provagandnansschuß des Zentralverbandes der ungarischen Juden hat unter Mitwirkung der bedeutendsten und angesehensten Fachmänner des ungarischen Judentums ein obiektives Memorandum verfaßt, das ein übersichtliches Bild der geschichtlichen, kulturellen und sozialen Lage des ungarischen Judentums bietet und mit speziell vom Standpunkte des Judentums unwiderleglichen Arguiuenten die Notwendigkeit der Ausreclsterhaltuua der territorialen Integrität Ungarns beleuchtet. Dieses Memorandum soll durch eine besondere Mission an die einflußreichsten und hervorragendsten jüdischen Persönlichkeiten des Auslandes, besonders auch des neutralen Auslandes, verbreitet werden. — In einer unter dem Vorsitz des Präsidenten Franz Szakelh stattgehabten Direktwnssitzung befaßte der Zentralverband der ungarischen Juden sich mtd1 mit der Val-Utinasraee. Der Vizepräsident der Israelitischen Landeskanzlei Dr. Franz Mezey unterbreitete folgenden Antrag: ..Der Verband steht auf der Grundlage, daß die Gemeinsamkeit der einzigen jüdischen Religion die in den verschiedenen Staaten der Welk zerstreute Jndenschaft vereinigt. Hieraus folgt, daß das heutige Judentum weder eine jüdische Nation noch eine jüdische . Nationalität, sondern, eine Konfession ist, deren Mitglieder, ebenso ■ die ungarischen Juden, die Söhne der sie ausnehmenden Nation sind j und mit dieser unverbrüchlich verknüpft sind und bleiben. Dabei ist j es aber natürlich, daß wir ebenso, wie wir es auch bei anderen Konfessionen beobachten, die Geschicke unserer in fremden Ländern lebenden Glaubensbrüder überall auf der Welt mit warmen Sympathien verfolgen und auch in Zukunft nach unseren Fähigkeiten alles fördern werden, was der Besserung des Schicksals unserer Glaubensbrüder und der Wahrung ihrer Rechte dienen kann, und zwar wo immer auf Erden, somit besonders auch in Palästina, für dessen Judenheit wir mit allen uns möglichen Kräften zu handeln und I zu opfern wünschen." Die Direktion nahm den Antrag einhellig | an und ermächtigte dementsprechend das Präsidium des Verbandes, ‘ in Angelegenheit der Palästinasrage in den: im Anträge umschriebenen