Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-02-21 · Heft 8 (21.2.1919) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 8 (21.2.1919)
Date
1919-02-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229392-3229399--74695-3287159
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 - vergeblich, auch Verhandlungen mit dem Vorstand der israelitischen Religionsaemeinde Zu Dresden blieben erfolglos. Ter Vorstand des neubegründeten Vereins besteht aus 15 Personen, welche eine lebhafte Werbetätigkeit entsalten. Auvich, 14. Februar. I n d e m jüdischen Jugendverein „C oron a" sprach am Sonnabend Herr Hauptlehrer W o l f f im vollbesetzten Saale des ..Deutschen Hauses" über das Thema: ,.A l t e s und Neues über die Entwicklungsgeschichte der Synagogen g c in einde 9t u r i ch". In einem säst zweistündigen Vorträge schilderte der Redner das Entstehen und allmähliche Wachsen eines jüdischen Gemeinwesens in unserer Stadt unter den Grasen und Fürsten von Ostfriesland und konnte dabei seine Ausführungen mit Urkunden im Original belegen. Besonderes Aufsehen erregte das Generalprivileg für die Fndcnsch-aft in Ostfriesland vom 22. September 1808, das sich im Besitze des Svnagogenvorstehers Herrn A. van Dyk hier befindet. Ter Redner seblosi seine Darbietungen mit dem Jahre 1811. in welchem die Synagoge voll ndet und einaelveiht wurde, und ver- ''nrach. dck weitere Entwicklungsgeschichte in einem späteren Vortrag sh Ende Zn führen. Tie interessanten Darbietungen fanden e'n aufmerkmmes Publikum, das dem Redner reichen Beifall Zollte. er. Münster i. W., 14. Februar. In unserer Gemeinde hat sich in letzter Zeit das Gemeind-eteben erfreulich gehoben. Nicht aerinnen Anteil daran hat die starke Zunahme der indischen Studentenschaft. Durch den Schluß oder durch die Erschwerung des Besuches gewisser rheinischer und süddeutscher Universitäten ist jetzt eine gröbere Anzahl jüdischer Studenten hier in Münster. Wie wir hören, ist die Begründung einer Vereinigung jüdischer Studenten Mi Aussicht genommen, eine Verbindung im K. E. ist bereits entbanden. Im Anschluß an einen Vortrag des Herrn Rabbiner Tr. N o r b cii lElberfeldl hat sich eine Orts a r n v p e de r Liberalen Vereinigung gebildet, anderseits ist im Anschluß an einen Vortraa des Herrn Rechtsanwalt Tr. Klee (Berlin) unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalt Dr. Steinberg >Münsters eine Zionistische Ortsgruppe entstanden. Besondere Erwartungen setzt man in die bevorstehende Wahl eines Rabbiners. Münster bat seit langen Jahren keinen Rabbiner gehabt. Zuletzt wurde dieses Amt von Dr. S u t r o bekleidet, dann aber wurde jahrelang die Seelwrge in der Gemeinde dnrck Herren ausaeübt, dck Zugleich Seminarlehrer an der hiesigen Mark-Haindorfschen Stiftung waren. Bei aller Anerkennung der Leitung dieser seminaristisch gebildeten Herren ist sinn doch der Wunsch entstanden, einen Rabbiner in Müntzer Zu haben. Das Amt des Rabbiners soll mit dem Direktorpotzen des Lehrerseminars verbunden werden. A. Verne. 14. Februar. Tie Zeit der Ruhe für unsere Bild u n a s st ä t t e , das Simonsche Seminar, hat nun endlich ihr Ende lnrckchst. Mit dem erwachenden Frühjahr wird sich auch, wie wir hassen, in unserem Seminar wieder neues Leben regen. Bis ans das Iabr 1010. in welchem das Zuständige Generalkommando Vier- Zehn Lehrer Zur Ausbildung überwies. kannten wir während der übrigen Krregsjabre unserer eigentlichen Aufgabe, der Lehrerfortbitduua. nicht aerecl't werden. Zn unserem arosten Bedauern; denn die ersten drei Kurse bedeuteten einen vielverheißenden Anfang unseres sunaen Unternehmens. Dafür hatten wir die Ausbildung junger Leute für den Gartenbau während des Krieges auf eine breitere Grundlage gestellt: meist waren es junge Damen. Die Erfolge befriedigten nur teilweise; auf die Gründe für diese Erscheinung soll au dieser Stelle nickt näher emgeaanaen werden. Nur das eine sei erwäbnt. daß die Absicht, sich ernster Arbeit m widmen, nicht durchaos^nds den Hanvt-Nveck bei den Ansnahmegesnchen gebildet Zu haben scheint. Diese Aumahmegesuche haben sich in den letzten Monaten außerordentlich gehäuft: so wünscht eine Zuschrift aus Berlin allein Aushildnngsmöglschkeit für etwa hundert junae Leute. Ist das ein Zeichen wirklich erwachenden Interesses für diese Berusszweige oder für manche eine Mode- und Sportsache? Unsere Erfahrungen ermutigen nicht Zur Erweiterung dieser Ansbildunasmöglichkeit, wir kehren vielmehr nach. Wiederherstellung friedlicher Verhältnisse sofort wieder Zu unserer Hauptaufgabe Zurück: Lehrer für Gartenbau und Handfertigkeit ausz-ubilden. Alles ist bereits für die Fortsetzung der Arbeit vorbereitet: unsere Einladung an die Lehrer ist ergangen; unsere Tore sind weit geöffnet, einer möglichst großen Zahl von Lehrern Aufnahme Zu gewähren. Die neuen Verhältnisse werden unserer Arbeit nicht den Weg verlegen, sondern im Gegenteil nur zu ihrer Stärkung beitragen. Unsere Voraussage, daß nach Beendigung des Krieges ein Zurückströmen der in den großen Städten zum Schaden der kleineren Gemeinden angehänften jüdischen Massen in die mittleren und kleineren Städte -in die Erscheinung treten wird, dürfte unter dem Zwang der Verhältnisse sich in weiterem Umfange zeigen, als erwartet worden ist. Die Lebensbedingungen in mittleren und kleineren Städten werden sich aller Voraussicht nach wesentlich günstiger gestalten als in den großen Städten, und der Hang unserer Glaubensgenossen, die Großstädte für ihre Berufstätigkeit Zu bevor- Zugen, wird in der Folgezeit wohl wesentlich eingedämmt werden. Tie seit Jahrzehnten von vielen Seiten als wünschenswert bezeichnet^ Berussumschichtung der deutschen Juden wird unter dem.Druck der neuen ZeitVerbältnisse schneller in Fluß kommen. Auch eine Abwanderung jüdischer Akademiker aus den großen Städten'wird damit im Zusammenhang stehen und Zur Stärkung der kleineren und mittleren Städte und Gemeinden beitragen. Die Landwirtschaft, der Gartenbau wird von allen Seiten bedeutende Förderung erfahren, der gewerbliche Mittelstand gestärkt werden, und die jüdischen Stiftungen und Vereinigungen werden nach dieser Richtung hin ein dankbareres Feld ibrer Tätigkeit finden, als es in den vergangenen Jahrzehnten der Fall gewesen ist. Damit wird auch das Simonsche S e m i im v a n B e d e u t u n a gewinnen, und die jüdischen Lehrer werden durch die Ausbildung in Gartenbau und Handfertigkeit sich selbst und der jüdischen Gemeinschaft den besten Dienst erweisen. Sv erwarten wir denn Zu nuferem neuen Kursus, der Mitte April seinen Anfang nehmen soll, einen reichen Zustrom von Teilnehmern. N. Mainz, 14. Februar. In dem hiesigen- Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach kürzlich Rabbiner Professor Dr. Sa l seid über das Thema „Aus dem altjüdischen Mainz". Mit dem Redner, den die Mitglieder Zn ihrer Freude ans schwerer Krankheit wieder hergestellt sahen, machten sie einen Gang durch b’e Jahrtausende Mainzer jüdischer Geschichte, von den ältesten Zeiten beginnend bis herab auf unsere Tage. Wie im uralten Mainz bereits Hochschulen für die jüdische Wissenschaft blühten, wie hier auf Synoden maßgebende Gesetze für die Indenheit der ganzen Welt oeaeben wurden, wie die größten jüdischen Gelehrten hier ihre fruchtbringenden Arbeiten zutage förderten, jüdische Dichter Psalmen und Gebete verfaßten, die noch heute überall, wo Juden wohnen, aesnnaen und gebetet werden. Tie Wohnstätten der Juden bildeten schon in der Frühzeit des Mittelalters ein eigenes Ouartier in Mainz, das in jüdischen Gesckichstsguellen als ..jüdische Niederlassung". ,,unsere Straßen", in christlichen ,,unter den Juden" und ähnlich bezeichnet wird, und das kein Getto in eigentlichem Sinne ist. weil auch Christen in ihm wohnten. Wer von der Mühlpforte die Stadt betrat, befand sich bald in der jüdischen Niederlassung, die sich der Länge nach von der Flachsmarktstraße bis zur Betzelsgasie erstreckte und in der Breite Teile der Petersstraße, der alten Marktstraße. der Christophsstraße, des Karmelitervlatzes, der Stadionerlwfstraße, des LyZeuuisaäßchens und der Stadthausstraße umfaßte. Auch der alte Hof zu Gillenberg, das Geburtshaus des Erfinders, jetzt Mohrenavotheke. war ein Judenhaus. Auf dem Platz, auf dem beute sich das Tietzscke Warenhaus -befindet, befanden sich eine Synagoge und ein jüdisches Lehrhaus. Redner ''.childert Vas später entstandene Getto und berichtete von den Abgaben und Lasten, die die Inden zu leisten batten. Sehr interessant waren und große Heiterkeit erregten die Kleiderordnungen, die die Kurfürsten erließen; da war oft auch das intimste Toilettenstück nicht vergessen. Die srauzösische Revolution brachte mancherlei Besserung und 1810 wohnten hier bereits 1264 Juden. 1808 erließ Napoleon eine jüdische Konsistorialverfassung. Tie Juden mußten sich Zunamen beilegen. Redner nannte noch die Namen einiger altjüdischer Mainzer Familien, deren Nachkommen noch heute in unserer Mitte weilen. Neicker Beifall lohnte die Ausführungen. g/j) Karlsruhe, 14. Februar. Wenige Wochen nach dem Tode seiner Gattin., deren Verlust ihn schmerzlich ntederbengte, ist uirr'cv geistliches Oberhaupt, Stadt- und Konferenz-R-abbi>ner De. Appel, von hinnen geschieden. Zn -der Bestattnugsstier hatte sich eine zahlreiche Trauerversammlnng eingefunden, darunter die Vertreter des Kultusminifteriinns und der städtischen! Behörden unter Führung des Oberbürgermeisters. Tie Zahlreichen Reden an der Bohre naben ein treues Bild von der vielseitigen Wirksamkeit des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.