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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-02-14 · Heft 7 (14.2.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 7 (14.2.1919)
Date
1919-02-14
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3- Doktor di pl-om mit ehrender Gratulation erneuert. Die Doktordifsertation betraf ein Thema aus der deutschen Literaturgeschichte. Seitdem hat, wie bekannt, Dr. Carlebach auf dem Gebiete der rabbinischen, homiletischen und Pädagogischen Literatur eine reiche schriftstellerische Tätigkeit entfaltet. Seine beiden letzten populären Schriften: „Sittenreinheit" (sexuelle Aufklärung vom orthodoxen Standpunkt) und „Ratgeber für das jüdische Haus" haben die Anerkennung der gesamten Presse gefunden. Dr. Carlebach bekleidet das hiesige Rabbineramt seit 48 Jahren mit reich gesegnetem Erfolge und genießt durch seine menschenfreundliche Wirksamkeit in weiten Kreisen hohe Verehrung. 1910 widmeten ihm 37 Amtsgenossen und Freunde zu seinem 40jährigen Amtsjubiläum eine wertvolle wiffenschaftlicke Festschrift. g/5> Magdeburg, 7. Februar. Im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt Studienassessor Arthur Spanier aus Berlin den ersten Wintervortrag über „Die Anfänge der Synagoae". Den zweiten Vortrag hielt Landesrabbiner Dr. Rieaer (Braunschweia) über „Mose, der älteste Sozialreformer der Menschheit". Das Thema darf Anspruch aus höchste Aktualität erbeben, da fast alle sozialreformeri scheu Ideen der Menschheit auf Mose zurückaeben. „Das soziale Programm des Mole aewinnt seine besondere Bedeutnna durch seine beabsichtiate Gegensätzlichkeit aeaen das reaktionäre Staatenaebilde des Altertums, geoen Aeayvten. Nicht die wenioen Uebereinstimmunaen sondern die unüberbrückbaren Gegensätze zwischen der ägyptischen undder mosaischen Gesetzgebung muffen bei einer Beurteilung der Soziallehren des Mose maßgebend sein. Sie kämpft durch eine planvolle Bodengesetzgebung gegen die Proletarisierung, sie sickert durch die Aufhebung der Sklaverei die persönliche Freiheit, sie schasst durch den Grundsatz der Gleichheit aller vor dem Gesetz den durchaus neuen Gedankenkomvler der politischen Freiheit, sie überwindet die für das ägyptische Pfaffentum charakteristische Versklavuna. die Grundsätze der Gewissensfreiheit. Die wesentlichen Grundzuae der Bodenreform, der politischen, persönlichen und religiösen Freiheit wie die ersten Schutzmaßreaeln aeaen die Ausbeutung der Arbeiter aeben auf Mole zurück. Sein Wirken darf auch beute nock als vorbildlich für die Sozialreform gelten." Sanitntsrat Dr. Wiesentha l dankte dem Vortragenden für seine hochinteressanten Ausführungen und teilte schließlich mit. daß zu Ehren des verdienstvollen i bisherigen Vorsitzeniden des Literaturvereins einen „Justizrat-Cbovke- Fonds" zum Besten der Vereinsbibliothek ins Leben zu rufen geplant sei. — Der „Mäadebnraer Generalanzeiger" vom 2. Februar brrngr folgende beachtenswerte Zuschrift unseres Lehrers a. D. Herrn Dr. M. Spanier: ..Der Vorsitzende des Vereins gegen Tierfolter bat in einem „Tiertolter! Tierauälerei? Jüdisches Schächten! Landtaaswahl!" über schriebe iren Inserat dn altbekannte antisemitische Forderung aufgestellt. das Scklachten sämtlicher Tiere nach jüdischem Ritus zu verbieten. Das Inserat sollte offenbar die Wähler beemflnffen. nur deni'emaen Männern und Frauen die Stimme zu geben. ' die antisemitischer Gesinnung sind. Es isi unwahr, das; die religiöse Schlacküart der Jrrden einer Tierauälerei gleichkommt. Bereits vor ungefähr 30 Jahren beschäftigte sich der Deutsche Reichstag mit einer Petition, das sogenannte Schächten zu verbieten. Ans Grund zahlreicher Gutachten wurd> beschlossen, über die Petition zur Tagesordnung überznaehen. Unter den Gutachtern befanden sich Männer, wie Prof. Tr. H o p P e - S e p l e r , Direktor des Mysioloaisch-chemischeu Instituts der Universität Strasilburg. Tr. W i r tz, Direktor der Staats-Tierarzneischule in Utrecht, Dr. H e r t w i g . städt. Qbertierarzt von Berlin (später Direktor des Städt. Schlachthofes, Berlin), Medizinalrat Prot. Dr. Richter in.Königsberg. Prof. Dr. Zirn in Leipzig nsw. Letzterer erklärte sogar das Schächten für eine der besten Schlachtmethoden Dr. W i r tz für die am wenigsten schmerzhafte Todesart. Aeußernngen solcher Kapazitäten sind maßgebend und imstande, das Urteil von Laien, die objektiv zu denken sich bemühen, zu beeinflussen. Leider dient sehr oft die Tierschutzfrage, die der Inserent als „eine sittlich hochstehende Kulturfrage" bezeichnet, als Deckmantel für Judenhetze. Die Bemühungen des Herrn Vorsitzenden des Vereins gegen Tierfolter werden in bezug auf das Schächten erfolglos bleiben." 6. \V. Göttingen, 7. Februar. Anläßlich der Rückkehr der Krieger fand hier ein feierlicher Gottesdienst statt, der der Begrüßung der Heimgekehrten und dem Gedenken der Gefallenen galt. Tie Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Behrens machte auf die. zahlreich erschienenen Gemeindeangehörigen einen nachhaltigen Eindruck. —- Mit dem Abschluß des Krieges sind zahlreiche jüdische Studierende nach Göttingen geströmt. Zum ersten Male werden sich an der hiesigen Universität jüdische Verbindungen niederlassen. Abgesehen von der K. C.-Verbindung „Vipagia" und der Verbindung V. I. St. „Bar Kochba" sowie einer Stammtischgemeinschaft der „Veda" hat sich die hiesige jüdische Akademikerschaft zu einer Freien Vereinigung deutscher jüdischer Akademiker und Akademikerinnen zusammengeschlossen zu gemeinsamer Arbeit und zu entschlossener Abwehr. Die Abwehr war besonders in dem nun abgeschlossenen Wahlkampf sowie in den Versammlungen wie in der Presse notwendig. Dieser Ausgabe hat sich Herr Rabbiner Dr. B e h r e n s in Wort und Schrift mit großem Erfolge unterzogen. Gegenwärtig wird noch eine Polemik zwischen Dr. Behrens und dem Oberbibliothekar Dr. Hcieberlin ausgcfochten. — Endlich sei noch auf die rege Tätigkeit hingewiesen, die der „Jugendverein" wieder entfaltet. Seine Vortragsabende sind glänzend besucht. Das Jugendheim ist nunmehr in das Gebäude der Union übergesiedelt. Die stimmungsvolle Einweihungsfeier fand am 11. Januar statt. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Behren s. — Nürnberg, 7. Februar. Die Freie Konferenz der bayerischen Rabbiner hat in ihrer Jahresversammlung vom 6. Januar 1919 einmütig folgende Erklärung beschlossen: Nach langjährigen schweren Kämpfen ist unser tapferes Heer in die Heimat zurückgekehrt. In beispiellosem Heldenmut und unaebrockener Tapferkeit hat es das deutsche Vaterland vor Feindeseinbruch und Verwüstung geschützt. Auch aus unserer Glaubensgemeinschaft haben in großer Zahl Gatten, Väter und Söhne den Heldentod gefunden, andere sich hohe Auszeichnungen verdient, andere wiederum Siecktuni und schwere Verwundungen davongetragen. Ihnen allen gilt umer heißer Dank. Sie haben dem Daterlande und unserer Glanbensaemeinschaft Ehre gemacht. Unterdessen haben gewaltige staatliche Umwälzungen im Vaterlande sich vollzogen. In Dankbarkeit gedenken wir des gereckten Schutzes, den unter Bayerns Fürsten und Regierungen auch bic israelitische Religion und ihre Bekenner im Lande aefunden haben. Wie diese allezeit in Treue zum bayerischen Vaterlande standen, w werden sie auchunter den veränderten Verhältnissen ibm die volle Treue wahren und dem Gedeihen des bayerischen Bolksstaates alle ihre Kräfte widmen. Durch nichts werden sie sich hierbei ahschrecken. von niemand sich die Zugehörigkeit zum bäuerischen und deutnben Baterlande bestreiten lauen. Wir sind bayerische und deutsche Staatsbürger iüdischen Glaubens und wollen in voller Gleichberechtigung an denselben Pflichten und Rechten teilnehmen wie alle anderen Büraer. In die politische Betätigung der einzelnen kann und will freilich das Judentum nicht eingreisen und kann dafür auch nickt verantwortlich gemacht werden. Es ist keine politische. sondern eine xdipiü^e Gemeinschaft und verpflichtet als solche alle seine Bekenner, den Vorschriften der Bibel und der Ueberlieseruna gemäß das Wohl des Vaterlandes fördern und seinen Gesetzen zu gehorchen. Wenn wir für die Neuordnung im Lande bestimmte Grundsätze als Juden aufstellen, so beziehen sich diese lediglich auf das religiöse Wesen des Judentums. Wir verlangen demgemäß: volle Freiheit der religiösen Hebung im Gottesdienst, im öffentlichen und staatlichen Leben — auch im Dienste des Staates — und gesetzlichen Schutz aller rituellen Anstalten und Einrichtungen, Gleichstellung im Staate mit den anderen religiösen Bekenntnissen. gleichmäßige Berücksichtigung des israelitischen Kultus bei Zuweisung öffentlicher Mittel, Erhaltung der iüdischen Schulen und des israelitischen Religionsunterrichtes als Pflichtfach an den öffentlichen Schulen. In einer Trennung von Staat und Kirche erblicken wir eine Gefahr für die religiöse Erziehung, die uns auch im Juteresse des Staates geboten erscheint: unter keinen Umständen dürste iene etwa in reliaionsfeindlichem Sinne durckgeführt werden. Deshalb verlangen wir in jedem Falle: eine mehrjährige Uebergangszeit zur Neuordnung der religiösen Verhältnisse, Fortbestand oder Ablösung wohlerworbener Rechte, Ueberlafsung geeigneter Stunden und Räume für den Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen, Ausschluß eines staatlichen Moralunterrichts als Pflichtfach, Freiheit zur Begründung von Schulen und Befreiung von doppelten Schulabgaben, Ermöglichung der Ausbildung und Anstellung von jüdischen Lehrern und Kultusbeamten, Wahrung der Gewissensfreiheit für jüdische Lehrer Und Schüler an den öffentlichen Schulen, Korporations- und Besteuerungsrecht der Kultusgemeinden sowie Unantastbarkeit des Kultus-- und Stistungsvermögens. Don

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