Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1919)
- Date
- 1919-02-14
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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schastlichen Untersuchungen über den Begriff der Ehre in Bibel u nd Talmud Forschun gen an gestellt, di e von beeidender B-edeutung sind. Don bleibender Bedeutung wi>rd auch sein Werk in dieser Gemeinde sein, der sein Wirken zur Ehre gereicht. — Nach dieser Ansprache wurde der Sarg in der Ehrenreihe des Friedhofes beigesetzt. Januach b'schalorn. E.M. Berlin, 12. Februar. DaS Freiheitsproblem in der jüdischen Religionsphilosophie behandelte Rabbiner Dr. K e l l e r m a n n in der ersten diesjährigen Montagsvorlesung an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Die Frage, wie sich das Problem der Naturgesetze mit dein Problem der Freiheit des einzelnen in Einklangbringen läßt, bzw. wie sich das jüdische Moralgesetz zur göttlichen Allmacht verhält, beschäftigt die jüdische Religionsphilosophie ebenso eingehend wie andere philowphiicke Systeme. Gott ist für die jüdischen Denker der Inbegriff und Urheber aller Naturgesetze. Diese beiden Pole in Einklang zu bringen, ist das Hauptbestreben unserer Religionsphilosophie. Wahrend die Bibel anfangs beide Gewalten ungehemmt nebeneinander walten läßt, tritt schon im 40. Kapitel des Deuteroid-aias eine Trennung ein. Im talmndischen Altertum ist der Einfluß der Stoa rnrf die Behandlung der Frage durch die Tannaiten unverkennbar. Schärfer noch tritt die Trennung bei der Entstehung des Christentums hervor, das durch die Leistung eines Mittlers den Gegensatz zu überbrücken versucht. Mit aller Deutlichkeit hat Philo von Alerandrien das Problem ausgenommen, der den Begriff des ..Logos" als Derbindung zwischen menschlicher Freiheit und göttlicher Macht schuf. Unter den späteren jüdischen Denkern ist zuerst Saadia zu nennen, der dieses Problem in Abhängiakeit von der orientalischen Philosophie behandelte, ferner Gabirol. bei dem die Schule der Neuvlatoniker und Neupvtbagoräer unverkennbar herv^rtritt. Den Höhepunkt in der Behandlung des Problems erreichte Maimonides, der freimütig bekannte, daß wir Gott nur neaative Attribute beileaen können. Es muß festaestellt werden, daß die indischen Denker den Wea. den sie suchten, nicht gefundenhaben, weil sie trotz des scharten philosophischen Denkens als gläubige Juden in den Doamen der Religion besangen waren. Erst durch Hermann C o b en s aewaltiaes Geisteswerk wurde das Problem des Freibeitsin der jüdischen Reljgionsphilosophie so gelöst, wie es die Ansprüche des reinsten kritischen Denkens erfordern. — Die geistreichen Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Berlin, 12. Februar. Das Berliner Lokalkomitee des K o n g r e ß a u s sch u s se s veranstaltete am 27. v. M. im großen Saal des im Westen Berlins gelegenen Brüdervereinshauses eine öffentliche Versammlung, in der Herr N a hu m Goldmann die Bedeutung und Nostvendiakeit des jüdischen K a u i? te s s e s in ei ndrucks tiefen, gedankenreichen und formvollendeten Darlegungen behandelte. ..Der Konareßa-edanke", so begann der Redner. ..ist so einleuchtend, so einfach in ''einer Größe, daß er als Selbstverständlichkeit gelten sollte. In der Tat ist er auch Gemeingut der überwiegenden Mehrheitder Gdamtiudenheit geworden, die sich in der -Forderung nach einer f e l b st n n d i gen n a t i-o n a l e n Politik des jüdischen Volkes vereint hat. Bisher kannte die wand-lunasreiche Diaspora-Gdchichte eine solche Politik nicht, lle'ber die Schicksale des Juden Volkes entschieden stets -andere Machts-aktoren, für die es lediglich ein. Objekt w i I I f ü rli-cher Dorf ü g un g bildete. Die Uv'acke dieses. entwstadigenden Zustandes lag in dem- Mangel einer pol-i tischen O r -g a n i- - sation der Inden. Das Judentum hat sich trotzdem erhalten durch die einigende Kraft des So l i d a r i t ä t s-ge f ü hl s. Da kam vor einem Jahrhundert die Emanzipation der Westjuden, die in ihrer rechtlichen Stellung einen wesentlichen Fortschritt, für die Entfaltung des jüdischen Eigenlebens einen verhängnisvollen Rückschritt bedeirtete. Sie lockerte die inneren Gem-d-rckchaftsbande des Judentums und hätte in ihren weitererr Auswirkungen zu seinem Untergang geführt, w<nn nicht die moderne jüdische B e w e g ar. n g, mit der eine P o l i t i f i e r u n g des I u d e n - t u m s einsetzte, eine Regeneration gebracht haben würde. Di-c-ser Politisierungsprozeß hat im Kriege seine Vollendung gefunden. D>ie Judenheit fast aller Länder hat in autoritativen Vertretungen, Kundgebungen und M-anifestationen einmütig n a tt o n a l e F o r d e r -u n g e n aufgestellt. Ein j ü d i s ch e s Friede n s - Programm wurde festgesetzt. Das jüdische Volk will als Han d e l n de s, über sein Schick s a l s-e, l b st de st i m men* des Subjekt im Weltgeschehen austreten. Und der Ruf seines nationalen Willens sollte von vollem Erfolg gekrönt werden. D'e Großmächte haben ihm Gehör geschenkt. Auf dem Friedenskongreß wird eine jüdische Delegation die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes vertreten. Noch fehlt aber die g e s a m t j ü d i sche Repräsentanz, die über der Verwirklichung und Durchführung dieser Forderungen dauernd wachen soll; der j ü b t sche Weltkongreß , das jüdische Parlament, wird diese Aufgabe zu erfüllen haben. Die Vorstufen dazu bilden die zum Teil bereits realisierten jüdischen Kongresse in den einzelnen Ländern, aus denen der jüdische, Weltkongreß hervorgehen wird. Der jüdischen Kon grehbewegu n g, die sich überall durchgesetzt hat, muß sich nun auch die deutsche In den hei t anschließen, soll sie nicht vom Gesamtjudentum. isoliert bleiben. Sie mußerklären, daß sie die neue Epoche mitmachen will. Das Bedenken, daß das Bekenntnis zumjüdischen Volkstum nicht im Einklang mit dem Patriotismusstünde, ist -ein spezifisch deutschjüd-ifches und hängt mit dem nunmehr überwundenen altp-reußi scheu- Staatsbegri-fs zusammen, der eine Verknüpfung der Staatsbürger mit außerhalb des Staates liegenden Sphären nicht zuließ. In. freien Ländern herrschen solche engbearenzten Auffassungen nickst vor. Sind denn -die englischen- und amerikanischen Juden, d-ie sich zu den jüdischnationalen Forderungen bekannt haben, etwa keine guten Patrioten? Mr geben uns der Hoffnung hin, daß' -auch die deutschen Juden den Weg zum lebendigen Judentum gehen werden. Auf dem Kongreß werden sie ihren Anschluß an die geeinte jüdische Volksgesamtheit vollziehen!" — In der anschließenden Debatte erklärte unter anderen ein alter Veteran des Centralvereins, Herr H o f st a e d t, er sei ein heißer deutscher Patriot, habe den- Krieg 1870 als- -Freiwilliger mitgemacht, gehöre zu den -ältesten und aktivsten Mitgliedern des Centralvereins, er bekenne sich jedoch uneinaeWränkt zur Solidari-tät der jüdischen Gemeinschaft und zürn jüdischen Kongreßgedanken. Gleichzeitig lud er Herrn G-o-ldinann du, auch im Centralverein den Kongreß plan zu liehan-deln, und stellte dabei seine tatkräftige Mitwirkung in Aussicht. Herr Kareskiwies sodann in eindringlichen Worten aus die welthistorische Bedeutung der gegenwärtigen Schicksalsstu-nde für das jüdische Volk hin. Nachdem noch H-err Goldmann in Erwiderung ans die Einladung -des- Herrn Hos-- staedt bemerkte, daß er und die -anderen Verfechter der Kongreßidee auf die Gelegenheit warteten, sie in den Kreisen des Centralvereins erörtern zu können, schloß der Vorsitzende. Herr Dr. Albert Goldberg, die eindrucksvoll verlaufene Versammlung, aus deren Mitte mehrere hundert Personen ihre Zustimmung zu-m jüdischen- Kongreß schriftlich erklärten. — Berlin, 12. Februar. Es ist interessant, die Berechtigung der Behauptung, daß die Demokratische Partei die „Judenpartei" sei, an der Hand der Ziffern nachzuprüfen, die die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung ergeben haben. Es sind bekanntlich für die Deutsche demokratische Partei mehr als 534 Millionen Stimmen abgegeben worden. Die Gesamtzahl der Juden in Deutschland beläuft sich auf etwa 600 000, von denen nach Abzug aller Personen unter 20 Jahren höchstens 300 000 bis 350 000 stimmberechtigt sind. Von diesen geht noch die stimmberechtigte Bevölkerung von Elsaß- Lothringen und von den Teilen der östlichen Provinzen ab, in denen die Wahl teils verhindert, teils sehr erschwert war. Es ist ferner zu berücksichtigen, daß eine stattliche Anzahl jüdischer Wähler für die Sozialdemokratie beider Richtungen gestimmt hat, ein nicht unbeträchtlicher Teil, besonders im Rheinland, für das Zentrum und eine Anzahl auch für die Deutsche'Dolkspartei. Man darf daher annehmen, daß die Anzahl der jüdischen Stimmen, die für die Deutsche demokratische Partei abgegeben wurden, sich in ganz Deutschland auf 150 000 bis allerhöchstens 200 000 beläuft. Zieht man diese ab, so verbleibt immer noch eine Stimmenzahl von über 5 300 000, so daß die Deutsche demokratische Partei auch ohne die Stimme eines einzigen jüdischen Wählers die zweitgrößte Stimmenanzahl von allen Parteien erhalten hätte. er. Lübeck, 7. Februar. Vor kurzem konnte der Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde Dr. S a l o in o n C a r l e b a ch sein goldenes Toktorjubilämn begehen. Die philosophische Fakultät der Tübinger Universität hat dem Jubilar aus diesem Anlaß das