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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-02-14 · Heft 7 (14.2.1919) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 7 (14.2.1919)
Date
1919-02-14
Page
Seite 72 (sequence 12)
Language
German
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Der erste Akt war beendet und unter rauschendem Verfall ging der Borchang endlich nieder, nachdem er sich für wenige Augenblicke immer wieder gehoben Hatte, um den Künstlerin -Aelegencheit zu geben, für das gespendete Lob ihren. Dank abzustatten. An Unterhaltungsstoff während der Pause war kein Mangel, da die Insassen der nächsten Loge, ebenso das Publikum da unten, eine reichliche Augenweide boten. Es war ja heute ein Gala-Abend, sogar der königliche Hof war anwesend, uUd Frau Mahlow mit Stella waren eifrig beschäftigt, um sich gegenseitig die tonangebenden Modedamen zu zeigen, die sie durch öffentlich ausgestellte Photographien oder von irgendeinem Wohltätigkeitsbazar her kannten, bei denen Frau Mahlow sich Hin und wieder beteiligt hatte. Klaßn-er vervollstäUdigte ihre Informationen, indem er ihnen die Berühmtheiten von Kunst und Literatur zeigte, mit denen er aber, wie er bald bemerken konnte, das Interesse seiner Zuhörer nickt zu fesseln vermochte, da diese Art Größen ihnen gänzlich unbekannt waren. Wäre es nicht für Alice, die ihn noch über diesen und jenen befragte, er würde diesen Weg nicht weiter verfolgt haben, der doch nur in eine Wüste führte. Die Namen von Personen, die Stella früher noch nicht gehört, fielen ihr auf die Nerven, während Frau Mahlow Klaßners Plaridvrn nur als Deckmantel gebrauchte, um mit Dr. Jarvis flüstern zu können, der bisher noch kein einziges Wort gesprvchen nnd nrir durch ein höfliches Kopfnicken seine Teilnahme bekundete. «Fortützunn folgt.) Litersrilchr Mitteilungen. — Das B u ch I j v b mit Uebersetzung n n ö Erläuteren g. Bon David Tawidowicz. Deutsche Uebersetzung des Dip nvrn, I Teil. Berlin 1919. C. A. Schwetschke u. Sohn, Verlag sbuch'han dl ung. Bor liegende Arbeit, von der der Verfasser im Vorwort sagt, daß sie dem Leser zeigen soll, „wie er die Dichtung als Rätsel zu lesen und aufzusassen habe", und mit der er das Verständnis des Buches zu erleichlern glaubt, weicht sosehr von allen vorausgegangenen lieber setzungen und Kommentaren dieses bumMn Jjob-Buches ab, daß man mit Elisas 4, 6 nach des Verfassers Auffassung dieser Stelle ausrufen möchte: „Da steht er nun — und ich erkenne sein Antlitz nicht wieder!" Die in der Dichtung auftretenden Personen erscheinen in ganz neuer Beleuchtung. Hierfür die Beweise: Ter Held, -der, von seiner Unschuld ausgehend, nach Gerechtigkeit in der Weltordnung sucht und hinter den Sinn des Menschenschicksals u nd vor allem seines eigenem kom men w ill, l eidet nach des Verfassers Auffassung, nicht unschuldig. Ten- Stur ui- und Feuerschaden hater selbst verschuldet, insofern er cs versäumt hatte, sich vor diesen Naturkräften zu schützen. Jjob hat es an Weitblick gefehlt. Ferner sind die drei Freunde, die sich als Trostbringer verkündigen, die aber, statt Trost zu bieten, durch ungerechte Beschuldigungen gegen besseres Wissen nur die Bitterkeit mehren, die Jjob bis zur Auflehnung gegen Gott treiben, nach Ansicht des Verfassers religiöse Schwärmer, die verabredetermaßen mit einem abgekarteten Plan: du mußt dich des' Reichtums, der dir noch geblieben, e.ntüußern, zu 'ihm kommen'. Air dem Distusfionsthema gehen sie meist vorbei, auf das von Jjob präzis gestellte Problem finden sie keine Antwort. In Elihu, der 'die ganze Diskussion in der Korona mit angehört hat, dessen, Räden b'ic neueren Ausleger als entbehrlich, ja störend ansehen und deshalb das ganze Elihu-Stück, Kap. 32 bis 37. aus dem Buche ausfcheiden, sieht der Verfasser einen Wahrheitssucher, einen freundlichen Mahner und Wegweiser des Heimgesuchten, einen Berufenen. Die Behanidtüng! dieses Stückes. ist eine feine psychologische Studie. Elchu führt Jjob in milder, aber eindringlicher Weise an. Beispielen aus der. Nat.ur vor. Au-gen', wie turzsichtig er bisher das Wirken Gottes angeschaut, wie wenig erden Naturgewalten, die uns zu höherem- Streben führen sollen. gefolgt fei; aus ihnen hätte er lernen können, daß dem Menschen Kraft und Fähigkeiten gegeben seien, die Mittel zur Beherrschung der Natur ausfindigzu machen. Das Erscheinen Gottes ist nach des Verfassers Auffassung eine Selbstbetrachtung. Nach den Hlihu-Reden beginnt auch in Jjob die Stimme lebendig zu werden, die Elihu -ausder Natur so deutlich vernimmt. Jetzt spricht etwas, in ihm: Gibt nicht auch dir Gott aus der Sturmkatastrophe deietlichen Rat, was du an dir zu ändern hast? Ist er es wirklich, der deinen. Weg veriduukekt, oder verdunkelst du, nicht vielmehr selbst dir jenen Rat? Laß dich von den: Gefühl deiner Gottähnlichkeit durchdring,eu und brauche deine Kraft! Das Urteiil über die Auffassung dieser Personen, die entschieden die Kritik herausfordert, muß zu-rückgestellt werden bis zum Erscheinen «des II. Teils, in -der Erwartung, der Verfasser werde in ihm kräftigere Beweise für seine Behauptungen beibringen. Nun einige Bemerkungen über die Uebersetzung. Jeder vorurteilsfreie Leser dürfte daraus ersehen, wie sehr wir im Verständnis der einfachsten Stellender biblischen Bücher noch zurück sind. Welche Fülle neuer lieberSetzungen, die zumeist richtig sind, wird hier geboten! Die Mittel zu solchen neuen Uebersetzungen liefert dem Verfasser die Sprache, in die er sich vertieft hat, und nur diese Bald sieht er einen genetivus objectivus, wo die früheren Erklärungen einen «mbjeeiivus sahen; bald findet er in einem Worte eine bisher unbekannte Wurzel., oder er entdeckt dessen aramäische Abstammung, liwb so fort; der Text -bleibt unangetastet. Für den Verfasser ist jedes Wort in diesem Buche bedeutsam; das Buch gleicht ihm vom, ersten biszum, letzten Kapitel einer woih>lge>gtied-erten Kei-te, in d-er jedes Gliedsich -gerade da befindet, wohines -gehört. Um nur wenige Beispiele -auzusühren, sei neben die bisher geläufige Uebersetzung seine gestellt: Die bisherige Uebersetzung: Die Uebersetzrlu-g. des Verfassers: 16,9. Sein (Gottes) Wort zer- Jjob spricht zur corona gefleischte und feindete mich an, wendet -auf' Eli-fas hinweisend: er knirschte wider mich mit feinen | Sein (Elisas') Zorn hat mich zer- Zahnen, als mein Dränger wetzt er ln-it seinen Augen. 25,2. Bei ihm (Gott) sind Herrschaft und Schrecken, der Frieden macht in den Höhen. 25,36. Und über wem erhebt sich nicht fein Licht? 11,7. Kann st du den Grund m Gott erreichen? oder zu dem Aeußersten im Allmächtigen hinreichen? 21,22. Will man Gott Erkenntnis lehren, da er doch die Hohen richtet? 6,27a. Auch über eine Waise würdet ihr das Los werfen... 27,19. Reich legt er sich nieder und du-t's nicht wieder, seine Augen hat er aufgeschlagen und — ist dahin. fleischt. Herrschsucht und Furcht stecken zugleich in ihm (in Jjob). — Du Friede nsstister in den, Höhen! Und gegen wen wird er nicht auf-treten? Soll ich ihn belehren? Willst du, was nur Gott erforschlich ist, si-nden? Od-er bis zur letzten Absicht des Allmächtigen h in finden? Ziemt das einem Gott, der Erkenntnis -lehren soll* Richtet er so erhaben? Zorn häufet ihr aus einen Verwaisten. Als Reicher wird er sich hinlegen, aber n-icht so bestattet werden; seine Augen tut er auf und — es ist nichts mehr da. Aber wo viel- Licht ist, ist auch viel Schatten.. 'Der Verfasser bleibt öfters die Begründung! feiner Auffassung schuld-iig. Hierfür mit einige Beispiele: So übersetzt -er 19, 26 •jgjpj mit „urteilen" und begründet diese Uebersetzung in. der Fußnote mit den Worten: All ifcpj stehe das Jj-obswerk von in seinem Das genügt nicht. Ferner gibt er 33,16 3^33 wit „Täuschung" wieder. Diese Auffassung scheint mir mit dem Hinweis auf 713 'IDöb nicht h-inreichend gestützt. Der Verfasser ist des Deutschen nicht mächtig, daher hat er sein Werk von einem gelehrigen Schüler ins Deutsche übertragen lassen. Tie Uebersetzung ist mit geringen Ausnahmen, sinn- und sachgemäß. Daß sich aus -der Art, wie d-ie Uebersetzung zustande gekourmeu ist, manche Unebenheit erklärt, bedarf wohl keiner Bemerkung. Diese interessante, originelle Arbeit, die auch im> den zum Widerspruch reizenden Stellen -anregend wirkt, muß als wertvoller Beitrag zur Erklärung der biblischen Bücher 'betrachtet werden. Sonnenschein.

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