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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-02-14 · Heft 7 (14.2.1919) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 7 (14.2.1919)
Date
1919-02-14
Page
Seite 69 (sequence 9)
Language
German
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eit —- Das Drama ist eia achtungswerter Versuch, der aber doch zu wenig Eigenes aufweist. Der Verfasser bleibt im Konventionellen stecken; das Eigenartige besteht nur darin, daß er versucht, das Gefühl der Juden, die Antipathie gegen Herodes deutlich zu machen. Das Epos „Die Wanderungen des Ahasver", Wien 1865, Druck und Verlag der Typographisch-literarisch-artistischen Anstalt, ist nur der Anfang einer größeren Dichtung. Denn trotz ihrer 40 Gesänge behandelt das Epos auf 160 enggedruckten Seiten nur „Ahasvers erste Wanderung. Glaubenskampf. Ahasvers Schuld und Sühne". Wüßte man nicht, daß der Verfasser ein Jude sei, so könnte man aus vielen Stellen: der Schilderung Jesu, der Verführung seiner Anhänger, der Bekehrung des Saulus zum Paulus und vieler anideren Stellen, meinen, daß es sich in der Dichtung um eine Verherrlichung des Christentums, um eine Verklärung der neuen Religion auf Kosten der alten handelt. Und doch weisen einzelne Stellen darauf hin, daß der Verfasser, bei allem Respekt vor dem Christentum, das Judentum in seinem ewigen Bestände darstellen will und in dem Dauerleben des Ahasver ein Symbol für die Zukunft des Judentums sieht. Denn so find wohl die Ausführungen zu deuten (28. Gesang), die zugleich als Probe der Sprache dienen mögen. „Wie schwebtest du so licht zu mir empor. Entzückend wunderbares Luftgebilde, Bild dieses Landes, das mein Volk verlor! So herrlich strahlte mir nicht sein Gefilde, Als noch daraus Jerusalem sich hob Und Helden kämpften drauf mit Schwert und Schilde. Denn irdisch war das Reich und dunkel wob Sich stets ein Faden um die hellen Kränze, Die ihm gespendet seiner Dichter Lob. Und reichte bis Damask auch seine Grenze, Es glomm im Feuereifer der Prophet, Sein Auge sah des Baal verbuhlte Tänze. Doch zart vom Hauch des Geistes angeweht Und mild verklärt in der Erinnerung Schimmer Ist das Gebilde, das jetzt vor mir steht. Nun ist vorbei dein flüchtiges Geflimmer, Stern meines Volkes, du leuchtest ruhig groß, So groß wie jetzt, mein Volk, erschienst du nimmer! Du hieltest auS den harten Römerstoß, Entwurzelt, ungenährt vom Mark der Erde, Lebst du wie Engel, rein und körperlos. Lebst du gleich mir vom großen Geisterherde -- Unsterblich glüht in dir die reine Glut. Erlöst von Pein und irdischer Beschwerde. Das wirkt dein ungeschwächter Glaubensmut, Dein Hoffen, nur vom Höchsten angezogen. Die Liebe, die dir tief in: Busen ruht." Auf den Inhalt der merkwürdigen Dichtung im einzelnen will ich nicht eingehen. Es genüge zu erwähnen, daß außer von den christlichen Aposteln Johannes und anderen, den heidnischen Herrschern, z. B. Marc Aurel, vielen Vorgängen in Rom auch von gar manchen jüdischen Persönlichkeiten gesprochen wird. Unter ihnen werden einzelne jüdische Helden und Lehrer, z. B. Akiba, mit besonderer Vorliebe in ihrer Treue und Beständigkeit, in ihrer Anhänglichkeit zur jüdischen Lehre und in ihrer Feindschaft gegen die neue Richtung dargestellt. Aber man hat oft Mühe, infolge der geschraubten Sprache dem Dichter zu folgen, und ist nicht minder verwundert, an vielen Stellen eine Glorifizierung des Christentums, sowohl seiner einzelnen Glaubenssätze als seiner Vertreter, zu finden. Ansätze zu einer jüdischen Auffassung des Stoffes finden sich gelegentlich. So gleich am Anfang, wo aus denr einfachen Schuster ein Philosoph gemacht wird, der, ein Jugend- und Schulgenosse Jesu, schon seit dieser Knabenzeit ingrimmigen Haß gegen seinen bevorzugten Genossen empfindet, so daß seine Grausamkeit gegen den unter der Last des Kreuzes Seufzenden nicht als Zeichen eines augenblicklichen Unmuts, sondern als Wirkung einer langjährigen Feindschaft erscheint. Noch eigenartiger in der Erfindung scheint mir das Moment zu sein, daß Jesu Worte zu Ahasver, durch welche dieser zu ewigem Leben bestimmt ist, weniger einer Androhung als einer Verheißung, gleichen., denn sie lauten folgendermaßen: „Unglücklicher! Was in dir braust und gärt. Entsprang verirrtem, gläubigem Gemüte, Dir sei die höchste Menschenlust gewährt! Wie grausam jeder gegen mich auch wüte. Von Herzen geht es keinem so wie dir. Und doch, dein Herz ist voll der 'Seelengüte. Erkanntest du mich, keinen gab's, der noch So treu wie du sein Blut für mich versprühte -- Erkennen sollst du mich wie keiner hier! Wie langsam keimt des Jesus,Wortes Blüte, Bis einst die ganze Menschheit labt die Frucht, Die golden im Erlösungsstrahl erglühte — Sollst du, von Todesqual nicht heimgesucht. Mit deinem Volke durch die Erde wallen. Ein Trotz zermalmender Aeoncnwucht. Tie Blätter werden von den Bäumen fallen. Nationen gehen, verwittert und zerschellt - Ihr bleibt, bis die Posaune wird erschallen. Wenn dann der Menschensohn das Dunkel hellt, Ihr bleibt, ihr lebt nach tausendfachen Tvden." Heller war ein eifriger und selbständiger Mensch und ein wackerer Arbeiter, der nur der Sache wegen, nie wegen eines materiellen Erfolges schrieb. Die zwei besprochenen Dichtungen sind auf eigene Kosten erschienen. Die kleine Sammlung der „Gedichte" (1872), die ich mir nicht verschaffen konnte, wurde veröffentlicht, um mir dem Ertrag die Leiden der Ueberschwemmten in Böhmen zu lindern. Dieser Theaterkritiker und Feuilletonist war dabei ein eifriger Gelehrter, der sich eingehend mit Tante und dem Sanskrit beschäftigte und der diese Studien in entsagendster Weise trieb, um seine karge Mußezeit auszufüllen und sich von der Schwere seines täglichen Berufes zu erholen. Endlich aber muß von seinen „Hebräischen Melodien", einem Werke seiner letzten Jahrzehnte, das erst aus seinem Nachlaß herausgegeben wurde, ein Wort gesagt werden. David Kaufmann, der diese Veröffentlichung unternahm, setzt in der Einleitung hübsch auseinander, wie bei Heller durch die Beschäftigung mit diesen alten Liedern der alte Glaube, der fast eingeschlummert schien, wieder lebendig und mächtig wurde, wie der Alternde durch diese Hingabe an eine fast erstorbene Dichterwelt sich wieder jung und hvffnungsfreudig zu fühlen begann. Er legt ferner dar, wie Heller in seinen Uebersetzungen sehr frei vorging, wie er manches Eigene in diese fremden Lieder hineintat, wie er an seinen Uebersetzungen unermüdlich feilte und mit dem spröden Stoffe rang. Die 205 von Kaufmann zusammengebrachten Lieder sind hauptsächlich den Sammlungen von Juda Hälevy, Abraham ibn Esra und Gabirol entnommen. Nur ungefähr zwanzig entstammen nicht diesen Quellen, sondern den Sammlungen einzelner weniger bekannten Dichter des Mittelalters. Am ausführlichsten ist das Schlußlied, das „Lied vom einen" von Jehuda Ben Samuel aus Speyer: ein Gedicht, das nicht

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