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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-02-14 · Heft 7 (14.2.1919) · p. Seite 68

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 7 (14.2.1919)
Date
1919-02-14
Page
Seite 68 (sequence 8)
Language
German
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dieselben addressiren und mit welcher ich zu gleicher Zeit die ausgezeichnete Ehre habe, mit aller Hochachtung und Ehrerbietung in der Heiligen Zahl immerhin zu seyri und zu zeichnen HochwürLiger Meister vom Stuhl, sehr ehrwürdiger Ordensbruder, Ew. .Hochwürden stets aufrichtig ergebenster Ordensbruder Sim. Barnch logirt." Dem Briefe sind drei pergamenteme Dokumente in englischer Sprache beigegeben, von denen zwei zeichnerisch erlesen ausgcführte bescheinigen, daß Simon Baruch als Logenbruder ausgenommen ist; dem dritten Zertifikat ähnlichen Inhalts sind zwei in Messing ziselierte Sterne des Ordens hinzug.'sügt. Ebenso liegen auch noch Bescheinigungen französischer Logen bei, Wdilchr Denker und Dichter. Bon Ludwig Geig e r. 9. S e l i g m a n n H e l I e r. ie für die Aufsätze „Eine Quelle zu Lessings Nathan" Marquis d'Argens „Jüdische Briefe", so bieten auch für die nachfolgende Skizze Mauthners inhaltreiche „Erinnerungen" den unmittelbaren Anlaß.! Mauthner erzählt in diesem Buche sehr anmutig, wie Heller! des Anfängers erste Gedichtsammlung „Tie große Revolution", Epigramme, wohlwollend beurteilte, ja, ihnen, wenn sie manchen Aenderungen unterworfen würden, das Prognostikon stellte, sie könnten „Epoche machend" werden, wie er aber dann das gedruckte Büchlein hart und unfreundlich in der „Bohemia" besprach. Mauthner hat dann, obgleich er das über Heller geprägte böse Wort Gutzkows nicht unterdrückte, „er sei einer der vielen Heller unserer Literatur gewesen", von ihm folgende im ganzen liebevolle Charakteristik gegeben: „Vorbildlich blieb er mir noch lange' Jahre in seiner Eigenschaft als Theaterkritiker der „Bohemia"; mit einem ungeheuren Wissen verband.er eine objektive Gründlichkeit und eine subjektive Unbestechlichkeit, die mir bei den berühmtesten Kritikern nicht oft wieder vorgekommen ist. Ueber ein Drama, mit welchem der peinlich gewissenhafte Mann seine Berechtigung zum Amte eines Rezensenten hatte Nachweisen wollen, hatte ich unehrerbietig gelacht, weil die Lyrischen Stellen und der künstliche Aufschwung zu sinnlichen Versen in Abstraktionen steckengeblio^en waren. Aber ein großes Epos „Ahasverus" hatte, mich durch die geistige Kraft und die strenge Form der Terzinen begeistert, so daß ich ihneinige Monate lang nicht etwa für einen Nachahmer, sondern für den einzigen Nachfolger des gewaltigen Dante hielt." Das in dem Vorstehenden angeführte Drama führt den Titel „Die letzten Hasmonäer" und erschien 1865; das Epos „Ahasver" ist 1868 veröffentlicht worden. Diesen beiden Werken folgten die „Gedichte" 1872. Endlich ist nach dem Tode des Schriftstellers durch David Kaufmann fein Buch „Die echten hebräischen Melodien" aus dem Nachlaß herausgegeben worden, das sich weiter Verbreitung rühmen darf. Es hat es 1908 zu einer dritten Auslage gebracht. In der nachfolgenden Skizze können nur das Drama, das Epos und die Melodien gewürdigt werden; die Gedichte sind mir leider nicht zugänglich gewesen. Seligmann Heller ist am 8. Juni 1831 in Raudnitz in , Mähren geboren und am 8. Januar 1890 in Wien gestorben. Er empfing eine wesentlich hebräisch-jüdische Ausbildung in seiner Kindheit und Jugend, wurde 1848 begeisterter Anhänger der Revolution, besuchte dann ein Prager Gymnasium, studierte in Wien, mußte eines Augenleidens wegen das Studium ausgeben und in das Geschäft seines Vaters eintreten, der die Pachtung einer Brauerei in Leitmeritz übernommen hatte. Diese behielt er bis 1861 bei; er wurde in einer damals geschlossenen! Ehe sehr unglücklich (die Ehe wurde 1866 getrennt), übernahm ein Pensionat in Leitmeritz, wurde dann Theaterrez-enfent der „Bohemia" in Prag und Professor der deutschen Sprache und Literatur an der Handelsakademie. Seit 1872 wirkte er in Wien als Feuilletonist der „Deutschen Zeitung" und später als Professor der dortigen Handelsakademie. „Die letzten Hasmonäer", Tragödie in 5 Akten von S. Heller, Bühnenmannskript, Prag 1868, Druck von S. Freundes Witwe u. Co., Selbstverlag, ist ein Herodes-und- Mariamne-Drama. Es endet mit dem Tode der Mariamne nnd mit der Gewährung eines ehrlichen Grabes für die Ermordete durch Herodes. Am Schluß steht eine Art Gesang, in Verzückung ausgesprochen, von dem Essener Menahem, des Vorsitzenden des Synhedriums, ein Gesang, der folgendermaßen lautet: „Einst, einst kommt die Zeit, Da wird des Geistes Morgenröte tagen, Die Zionsburg wird allen winkend ragen, Und durch die Lüfte heiter weht ein Grüßen: Kommt, hört den Friedenslant, den innig-süßen, Der allen Völkern weit und breit erklungen. Der herrlich, wonnig tönt in allen Zungen!" Kein Perser beherrscht, kein Römer die Welt, allerorts herrscht einender Friede, Ein Gott, ein Geist pocht tief in der Brust und erklingt im beseligten Liede, Und es scheidet ein Volk von dem anderen nicht mehr das Belieben gekrönter Verräter, Und die Eintracht küßt mit der Liebe sich traut, mit dem Erdkreis freundlich der Aether - Die du leuchtend verklärt, Weib, herrlich und groß, Mariamne, bäld birgt dich die Erde im Schoß, Heil, Heil dir, denn du hast vollendet." Neben den jüdischen Kreisen kommen in diesem wortreichen Drama, dessen vielfache Reden mit Gesängen durchsetzt sind, auch Antonius und Kleopatra vor, doch beschränke ich mich hier mehr im kurzen Hinweis auf den eigentlich jüdischen Inhalt. Während die meisten Herodes-und-Mariamne-Dramen psychologischer Art sind, dazu bestimmt, den Wechsel von Haß und Liebe bei Herodes und den inneren Kamps der Mariamne zwischen Neigung und Abneigung zu schildern, handelt es sich in nuferer Dichtung darum, den Gegensatz des Herodes gegen die Juden vorzuführen und die Stimmung des jüdischen Volkes in jener Zeit darzustellen. Daher wird ans die Charakteristik einer Anzahl jüdischer Persönlichkeiten, des schon genannten Menahem, ferner Hillels, Soem und dessen Sohn Janai, der größte Wert gelegt. Ter Inhalt, der uns hier interessiert, besteht darin, daß Herodes bestrebt ist, sich von den Hasmonäern zu befreien, die er als seine Feinde betrachtet. Als erste Opfer werden auserkoren Hhrkan, der Großvater der Mariamne, und seine Tochter Alexandra. Um den Beschluß des Königs gutzuheißen, wird eine Sitzung des Synedriums veranstaltet. Obgleich Hyrkan den Brief, durch den er Hochverrat begangen haben soll, ableugnet und obgleich Hillel für seine Unschuld eintritt, wird er verurteilt. Herodes reistMach Rom und gibt vor seiner Abreise den Befehl, sobald die Nachricht von seinem Tode eintreffe, Alexandra und Mariamne zu töten. Salome, die Schwester des Herodes, weiß die Ausführung dieses Befehles zwar zu hindern, benutzt aber das Wiedererscheinen des Herodes, um die Mariamne des Giftverfuchs zu bezichtigen, und erwirkt, daß Herodes, der dieser Beschuldigung glaubt, den Befehl zur Hinrichtung der Mariamne erteilt, um sich zu überzeugen, daß die Anklage der Salome erlogen ist.

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