Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1919)
- Date
- 1919-02-07
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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s - zehn Feldrabbinern sind im pergangenen Jahre aus der Zahlder gegenwärtigen Kommilitonen die Herren cand. Phil. Felix .Ab er, Friedrich Rülf und Hugo- Schiff zu Feldhilfsgeistlichen ernannt worden. — Das abgievanfene Jahn hat dem Seminar wiederum sonders schwere Verluste gebracht. Forscher und Gelehrte von überragender Bedeutung, die aus unserem Seminar hervorqegangen sind, die sich sowohl durch ihre außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen als auch durch ihre unermüdliche, kluge, besonnene und mann-- hafte Wirksamkeit für die Interessen unserer Gesamtbeit unveraänaliche Verdienste um die deutsche Judenheit erworben haben, sind uns entrissen worden, und zwar aus dem ältesten Geschlecht der Schüler Geheimer Regierun-gsrat Prof. Dr. Hermann Cohen in Berlin und Dr. Moritz Gü bemann, Oberrabbiner in Wien: aus einem späteren Geschlecht Dr. Selig G r o n e m a n n, Landrabbiner in Hannover, Prof. Dr. Alexander Kisch, Rabbiner der israelitischen Kültusge-meinde in Prag und Prediger an der Meisel-Svnagoge daselbst, und Prof. Dr. Coßman Werner, Rabbiner in München: endlich aus der Zahl der jüngeren Kommilitonen Prof. Tr. Adolf Bi ach, Rabbiner in Brüx, Landrabbiner Tr. Max Doctor in Kassel und Rabbiner Leo Fabian, Direktor der Israelitischen Waisenerziehungsanstalt in Breslau. Ihr Nmne und ihr Andenken wird auch in der Geschichte des Seminars fortleben. — Das Lehrerkollegium hat aber auch die Freude gehabt, d-ern Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Herrn Tr. Rosenthal, der seit Jahrzehnten den Blstrebungen der Anstalt und den Mitgliedern des Kollegiums rn.hesteht und erst jüngst von neuem seine Hilfsbereitschaft durch die zeitweise Uebernahme der Dorles.unaen des beurlaubten Seminarrabbiners an den Tag gelegt hat, anläßlich seines 90. Geburtstages und dem ans dem Seminar hervoraeganaenen Herrn Rabbiner Prof. Dr. Borges in Leipzig, der setzt im Ruhestände in Würzburg lebt, zum 70. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche darzubringen. er. Stettin, 31. Januar. Eine S v n a g o g e n f e i e r für die beim gekehrten Soldaten wurde am Freitagabend in der h'ellaen Svnaa-oae veranstaltet. Das Gotteshaus war überaus stark besucht. De wür-diae Feier übte auf die T-^ib^h^er einen tielaebenden Eindruck aus. Sie aalt zugleich dem Gedächtnis deripniaen Krieaer ans der hiessaen Gemeinde, die nicht mehr unter den weilen. Die Gemeinde trauert um 62 ihrer Mitabeder b?w. S>nbne ihrer Angehörigen, die im Dienste des Vaterlandes ihr Leben hingegeben haben. Rach der Begrüßung der Krieger nahm der Abendgottesdienst feinen Fortgang. K. Akteur b. .Hannover, 2. Februar. Rack 4^iährmen7 Bestehen ist jetzt das Reservelazarett im Mädchenheim der „Israelitischen Erzielmnasanstalt Ahlem", das Tausenden von Soldaten als Ge- 7'esungsftätte aedient hat, aufgehoben worden. Darnit ist dem Institut dw Möglichkeit gegeben, seine Arbeit im alten Umfange wieder aufzunehmen. Dem außerordentlichen Interesse folaend, das der indischen Berufsumsckncktung zugunsten der Bodenkultur und des Handwerks entgegengebracht wird, soll „Ablem" von Grund auf neu organissert rrnd ausgeballt werden. So werden in Zukunft auch junae Mädchen, die neben guter Schlllbildung körperliche Emnnng und Liebe zum Beruf besitzen, als Gärtnerinnen ausaeb'ldet. Nachdem ein ehemaliger Schüler der Anstalt, der die Gartenbaubochsckllle absolviert bat, die Leitung des gärtnerischen Betriebes übernommen hat, rubt die gesamte Ausbildung in jüdischen Händen. Durch Bergrößernna des Bodenareals wird die Möglichkeit geboten, neben dem gärtnerischen auch den landwirtschaftlichen Betrieb kennenzulernen. Die Anstalt umfaßt nach vollendeter Neuorganisation folgende Abteilungen: 1. La n d h e i m sch u l e für Schulpflichtige mit Ausbildung in Handfertigkeit und Schulgartenbau; 2. Gartenbau s ch u l e für männliche und weibliche Lehrlinge einschließlich des Unterrichts in Bienenzucht, Kleintierzucht, Milchwirtschaft, Obstverwertung; 3. Handwerkliche L e h r w e r k st ä t t e n : 4. Allgemeine und fachliche Fortbildungsschule: 5. Haushaltungsschule mit Ausbildung im Hausgarten, in Geflügel- und Kleintierzucht, Kinderpflege. — Die geplanten großen Neubauten werden es gestatten, dem Gemeinschaftsleben der Lernenden alles „Anstaltsmäßige" zu nehmen und die modernen pädagogischen Forderungen (Gruppenbildung usw.) zu erfüllen. — Anfragen sind ausschließlich zu richten an Direktor A. Silberberg, Ahlem, Post Hannover- Linden 2. ~ Stuttgart, 31. Januar. Eine Wa rn ung vor der a n t i f e m v ti scheu Hetze enthält einim „Staatsanzei-ger" erschienener A u fr ns, der voll zahlreichen führenden Persönlichkeiten unseres Landes u-niierschrieb-on ist. Der Aufruf lautet: „In der letzten Zeit hat in der hiesigen Presse und in Flugblättern eine heftige Au'seinanderletzuna! über die Judenfraae stattaef-nnden. Die Unterzeichneten sind der Meinung, -daß die schwere Geaenwart nicht dazu angetan ist, zwischen Bürgern desselben Staates Streitigkeiten über Rasse und Bekenntuisfragen ausrntraaen. Wir möchten deshalb. 17-n-^ere Stimme erbeben -und -alle wohlmeinenden Mitbürger und Mitbürgerinnen aisirufen, solche Ark-beinandersetzunaien zu unterloüen, den Geist der N-erföbnlichkeit zuvflea-en und alle Kräfte dem W'-ederauf-bau -des Ba-terla-ndes zu widmen." Der Aufruf ist ' lu^err ei ebnet! vom Oberbüraerillei ster L rr u teu s >ch laaer, Ministeriailrat Tr. v. Bälz, Tr. Karl Beck, Geheimer Komnlerzienra>t Bl e zinger, Oberingenieur B ü >gg e l n , Nechnungsrat B ü r ke r t, Regieruugsdirektor Dr. v. F a lch, Stad trat Professor Dr. G a st Var, Dekan G au aer (LudwiaShurat, Polizeidirektor Dr. Ludwig, Oberkircheurat Prälat Mangold. Professor M ü tz e l, Regierungsdirektor v. Nickel, Geheimer Hofrat Tr. Veiel (Cannstatt) u. v. a. D8nkm»rk. Kopenba^en. im Januar. Die in Bukarest errckeineude zionistische Wochenschrift „Zsido Szemle" schreibt: ..Die Räumung Rumäniens hat mit Mu-tveraießen und unter Tränen begonnen. Kaum begann die Armee Mackensen aus Bukarest abzuziehen, überfiel auch schon der siegestru-nkene Bukarester Pöbel die Juden und arrangierte einen Pogrom in der Stadt Bukarest." Die radikale Zeitschrift „PoliMa" brin-at iolaende Einzelheiten über die empörenden Vorfälle: ..Der bewaffnete Pöbel griff am 11. Dezember das sich zwuchen Ga loa B-a'karesti und Strada> Eivanola^ ausbreitende Indenviertel an un'd beaann zuplündern. Die zur Berteidiauna vorbereiteten Juden, haben an der Kreuz-unader Stradu Sfinli Pineri und der Calea Voforesti rnehrere Maschinengewehre ausgestellt und sich ans d-ew Weile aeaen die Anareis-er aew-ebrt Bei diesem Zuminmenstoß Habe7l unaesähr 300 Verwuen ihr Leben vaxf.aren. Die Z-abl der Verwundeten übersteiat 1000. Geaon dlhend aelana es der Masse, in das Judenviertel einzudrinaen. wo sie fnr^'tbare Verheerungen anrichteten. In der Nacht des 11. stano das Getto in Flamnren. In derselben Nacht zog der Röbel durch die Strad-a Ltpfkani, ioo sich die Geschäfte der reichsten Juden befinden, lind plünderte in fürchterlicher Weise alles aus. Das aefchah in der> Moraendän7mer-nilg des 12. Dezoinb^r. Von diesem Zeitpunkt ab ist keinerlei Nachricht aus Rumänien eingetroffen. BrnffdT-HMtrmid? g/3 Wien, 30. Januar. Anr 18. Dezelnber t. I. trat in Stanislau der erste Jüdische Nationalratstag Ostaalizie^^s zusammen. Von den 49 Bezirken des Landes lagen 37 östlich der?Front, welche ihren Anschluß erklärten. Bei den Beratungen, welche bis zum 20. Dezernber dauerten, waren 23 Bezirke durch- 44 Deleg-erte vertreten. Der von der Konferenz gewählte Jüdische Nationalrat für Ostgalizien in Stanislau setzte als seine Repräsentanz in Wien eine Delegation ein, welche aus Adolf Stand (Präsid-entl, Mäher H e n i s ch, Dr. Moritz P a ch t m a n n, Dr. Max Rosenfeld, Hermann T r o p p und Leon Wechsler (Sekretär) besteht. Der Delegation obliegt die Vertretung der Interessen des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien gegenüber allen jüdischen und nichtjüdischen Körperschaften in Wien und im Westen. Alle Zuschriften, die in normalen Verhältnissen direkt an den Jüdischen Nationalrat für Ostgalizien in Stanislau gesandt worden waren, sind an die Delegation in Wien, II, Taborstraße 20a, zu schicken. Angara. Z. Budapest, im Januar. In der jüngsten Direktionssitzung des Zentralverbandes -der ungarischen Juden hat der angesehene hauptstädtische Professor Dr. Karl S e b -e st v ö n den folgenden, die Stellungnahme der überwältigenden Mehrh-eit der ungarischen Judenschast präzisierenden B-es-chlußantrag unterbreitet, der von der Direktion auch eiubellig angenommen wurde: „Das nng-arisch-e Judentum weiß und fühlt sich vollkommen eins mit der ungarischen Nation und es ist sich des tausendjährigen Bandes bewußt, das ihre auf diesen^ Territorium zir gleicher Zeit beginnende Geschichte zll einem untrennbaren zusammengeschweißt hat. Das ungarische Judentum fühlt in vollem Maße die Kämpfe, Bestrebungen und glänzenden Erfolge