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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-02-07 · Heft 6 (7.2.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 6 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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tn'v mit der ungarischen gemeinsamen Vergangenheit mit, empfindet das trostlose Bild, die Bedrängtheit, die tausenden Gefahren' der Gegenwart mit und bietet der ungarischen Nation auf allen Gebieten ihre wirksame Mitwirkung zur Heilung der Wunden der ungarischen Nation, zur Erlegung ihres Blutverlustes, zur Schaffung ihrer schöneren, glücklicheren und blühenderen Zukunft an. Die ungarische Indens,chaft vrotestiert aufs schärfste und lebhafteste dagegen, daß ein verschwendend klemer, ab^r lärmender Bruchteil, der sich selber nicht mit seinen Absichten im klaren sein kann.- vor der Welt die Gefüble des nnaarsichen Judentums kompromittiere, es unt dem Verdachte separatistischer Bestrebungen belastet vor die öffentliche Meinung hinstelle und uns in einem solchen Licht erscheinen lasse, als wollten wir d'e ungarische Nation gerade setzt in der krisenhaftesten Zeit ihres Nngli'rckes und ihrer Erprobung im Stiche lassen. Die ungarische Judenschaft Protestiert aber auch aufs schärfste urrd euitschiedenste dagegen, daß. welcher Machtfaktor immer diese unorganisierte Gruppe für den berufenen Vertreter des Judentums anerkenne, dieser sich mit ihr über die Gesamtheit des Judentums betreffende fragen in Verhandlungen einlasse, ihre zu welchem Zwecke und unter welcher Fahne immer versuchte Organisation als das Organ des ungarischen Iudentnm§ betrachte. Gleichzeitig ergreifen wir die Gelegenheit, unserem tiefsten Schmerz darüber Ausdruck zu verleiben, daß diese schwierigen weiten das ungarische Uuiversaljudentum ohne einheitliche offizielle Oraanisieruna gefunden haben, daß es infolge der Unterlassungen des alten Svstems his zum hantigen Tage der fast eine Million umfanendon urmärisch-en J-ndenbelt nicht gelungen ist. ihre eigene Oraanisaiiou. unsere nach nirmt! Ordnung imh Disziplin, nach außen itrnc>r,0. Rechte und die Achtung nuferer Religion sicherstellende einheitliche und autonome offizielle Vertretung zu schaffen. Unabh ä u a i g h i e' r v o n folgt das ntui ar i s ch e Judentum nur seinen b c i I i er ft e n Traditionen, d e u u n v e r - r ckhar e n G e b o t e rii d e r H c i l i. g e n Schrift und de n E i n f l ü sf e r u n g e n seines e i a e n e n Herzens, indem g ussvri ch t. d a ß es ohne Rücksicht auf die trennenden Momente der V a r te i i cha t t ie r n na en. einheitlich. i n g e s eh l o s s e n e n Reihen, u n e r s ch ü t t e r l i ch. m i t a l l de n m o ralis ck> e n . a o \ ft i ro p n und wirtschaftlichen Werten, d i e b i e E h n r a k t e r k r a f t, d i e Begabung. der Fleiß. das B e st r e h e n . der E r f i n d n a sn e i st, die schö v f er i selle Zähigkeit der ungarischen I u d e n b i e t e n. s e i n S ch i ck s a f a n dasdes ungar i s ch e n Bo l ke s k n ü P f t u n d bereit ift, mit i h m n e mein s a m alles zu ertragen, was die göttliche B orsehu n a u n s a u f z u e r l e g e n f ü r g u t b e 7 i n d e n wird, u n d b i s zum letzten Manne ober alle seine Güter, Ver-- m n a e n u nd Lc b e n o P f e r n w i ll . eb e es s i ch v o n dem mit d e m endgültigen Niederbrucb bedrohten u n a a r i s ch e u Volke i n s e i n e n s ch ln e r st e n S t u 11 den l o s t r e n n t -e." Ron Sah und Mrn. — Amtsrichter Tr. Weiß. Rittmeister d. R., ist zum Reaierungsrat an dem Berliner Polizeinräsidilnu ernannt worden. Er ist der erste Jude, der in Preußen in den höheren Verwaltungsdienst berufen worden ist. Regiernngsrat Tr. Weiß ist ein Sohn des Kurators der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Herrn Mar W e i ß. — Tas I ü d i i ch e Gene f u n g s h e i m in Lehnitz wird voraussichtlich im Trübiahr wieder eröffnet werden. Eingaben um Aufnahme jüdischer Mädchen und drallen sind möglichst jetzt schon an das Bureau. Rosenstraße 2/4, zu richten, da in den Sommermonaten, des großen Andranges wegen, ein Teil der Gesuche abgelehnt werden muß. — MeinhartMaur vorn Deutschen Theater, der sich als Charakterdarsteller einen Namen gemacht hat und als geistvoller Interpret jüdischer Dichter auch in jüdischen Kreisen bestens bekannt ist, veranstaltet am 11. Februar einen G r o t e s k e n a b e n d im Meistersaal, dessen Programm vielversprechend ist. Der junge Künstler gehört zu den berufenen Darstellern und Interpreten jüdischer Kunst. — Am 30. v. M. ist Herr Mar M e ck l e n b uro, langjähriges Mitglied des Kuratoriums des II. Waisenhauses der Jüdischen Gemeinde, im 67. Lebensjahre verschieden. — In Königsberg i. Pr. hat sich ein Ortsausschuß für den Jüdischen Kongreß gebildet. Vorsitzender ist Prof. Rudolf Cohn. Vorsitzender der Repräsentalltenversammlung der Indischen Gemeinde. — Sein 70. Lebensjahr vollendete mn 29. Januar der Privatgelehrte Kultnsboamter a. D. Herr Joseph Moses in Posen.. Derselbe hat sich während seiner vieljährigen Amtstätigkeit allgemeine Achtung und Wertschätzung erworben. — Am 25. v. M. verschied in Breslau im 69. Lebensjahre Dr. Jakob Baßsrennd, früher Oberrabbiner in Trier. Die Beisetzung erfolgte unter aroßer Beteiligung von Freunden und Verehrern des Dahingescküedenen. Die beiden Gemeinderabbiner Dr. Rosentbal und Prof. Dr. G u 11 in a n n gaben ihren freundschaftlichen Gefühlen, Herr Rabbiner Dr. Silberberg dem Schmerze der Verwandten beredten Ausdruck, während Herr Rabbiner Dr. Munk (Berlins für den traditionell-gefetzestreuen Rabbinerverband sprach, zu desien treuen Mitarbeitern der Verstorbene zählte. — Am 5. v. M. fand im Logenbeim in Hamburg eine öffentliche Kundgebung zugunsten der Voqromovser in Galizien statt. Als Redner des Abends waren die Herren Oberrabbiner Dr. Lern-er (Altona) und Rabbiner und Prediger Dr. Sonderling sowie Fräulein Sidonie Werner, Vorsitzende des Israelitischen Humanitären Frauenvereins, gewonnen. Die Versammlung, die überaus reich besucht war, spendete den Rednern lebhaften Beifall. Die Sammlung ergab bisher ein Resultat von ungefähr 20 000 Mark und es sei hier noch darauf binaewiefen, daß dieselbe nach wie vor fortgesetzt wird. — Aus Lauvheim (Württemberg) wird geschrieben: Zur Ebrnng der beimaekehri-en Krieger fand auch in der hiesigen reichgeschmückten Svnagoae Festaottesdienst unter Beteiligung der ganzen Gemeinde statt. Gleichzeitig wurde das vollständig benagelte Ehrenschild (Maaen Dawid") einoewoiht. Die beiden Chebroth batten für ieden Kriegsteilnehmer einen Nagel gestiftet und desien Namen zum ewm-en Gedächtnis eingetragen. Nahezu hundert unserer Gemeindemitglieder standen im Felde und sind zumeist mit ehrenvollen Auszeichnungen beimaekehrt. — Die Wiener Knltnsaemeinde beklagt den Heimgang ihres verdienten stellvertretenden Vorsitzenden, Advokat Dr. Leopold K o h n. Bei der Bestattung des Heimgegangenen. die auf der israelitischen-Abteilung des Zentraliriedbofes stattsand. leate die außeraewöhnlich starke Beteilianna ein beredtes Zenanis für die Barebrnna ab. die Dr. Kolm genoß. Oberkantor F'nbs trug -die Traueraesänge vor. In der Zerenmnienballe svrachen Rabbiner Dr. Taasicht. Virevräsident Hobat Dr. Ravvavort und der Rektor des Israelitischen Seminars. Dr. Schwa r z Die Gen707nde widmete dem Verstorbenen ein Ebrenarab. —- Einen charakteristischen Beweis für den Ernst, mit dem dw none NoltLreaie''Uua Nnaarus d'e Gleichbereckstianng der unaarländischen Juden aus allen Gebieten des siaatl-ck'en Lebens aicksaßt, bildet. w--e uns aeschrieb^u wird, die iünaste Verordnung, mittels der d,ie Reaier^um den Seelsorgern und Angestellten der israelitischen Gemeinden alle iene Erleichterungen und Anweisungen aewäbrt. die sie den Staatsbearnfen zur Erleichterung ihrer materiellen Laae einaeräumt bat. — Wie das Misrachi-Korrespondenzbnrean mitteilt, ist in Baris vor einigen Monaten eine bedeutende ortbowr-nationale Vereinianna entstanden, an deren Spitze Großrabbiner Levv stellt. Die Bereinigung setzt sich unter anderen^ rnr Aufgabe, die öffentliche Meinung s^rankreichs über die Kolonisationsarbeit Palästinas und die Fraae des Jndenstaates anfzuklären und sich sveziell mit der Förderung der geistigen Jnteresien der Inden in Palästina zu befassen. — Mährend der Parlamentswablen sind % England elf Jreden, die alle der Koalition anaellören, zu Abgeordneten gewählt worden. Einer der gewählten Kandidaten ist Maior I. B. Eohen, der auf dem Schlackstfelde beide Beine verlor. Sir Alfred Mond ist trotz besonders starker Gegnerschaft durchgednmgen. Weitere elf jüdische Kandidaten, darunter der ehemalige Minister Herbert Samuel, sind dnrchgefallen. „Jewilb Ehronicle" bemerkt, daß die Nichtwahl dieses hervorragenden englischen Politikers, der sich der zionistischen Organisation angeschloffen hat und in ihr eine führende Nolle spielt, zwar ein Verlust für England, aber ein Gewinn für die Judenheit sei. Das frühere Parlament zählte 16 jüdische Mitglieder. — Das Jüdische Preßbnreau Stockholm meldet dem Kopenhagener Zionistischen Bllreau: In den politischen Kreisen um die FriedenUonserenz wird ernstlich der Plan erwogen, ein interriationales Tribunal zu schaffen, das über die strikte Durchführung der auf die Judenfrage bezüglichen Bestimniungen des Friedensvertrages wachen soll. Das Tribunal soll dem Völkerbrrnd angeschlossen werden und unter seiner Kontrolle stehen. Berantwortlicker Redakteur: Albert K atz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortbch fiir den Anzeigenteil: Max Fahr nlän der, Neukölln. Druck und-Verlag von Rudolf Mosse.

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