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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-02-07 · Heft 6 (7.2.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 6 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Ihrer jüdischen Glaubensgenossen müssen noch mehr zahlen, es find schon 400 000 Mark beisammen. Es sind schon mehrere jüdische Herren, die sich 'bereit erklärt haben, Geld zu zahlen, -dadurch Mitglieder des Bundes geworden. Der politische Geheimbund." Die Adressaten gingen an die vorgeschriebene Stelle, gefolgt von Kriminalbeamten: es ließ sich jedoch der Erprefier nicht sehen. Er muß aber doch ausgepaßt haben, denn am nächsten Tage erschien ein Mann bei Cohnreich und überreichte ihm persönlich einen Brief, in dem der „Politische Geheimbund" ersuchte, das Geld dem Ueberbringer auszuliefern. Nun wurde der Angeklagte, der der Ueberbringer war, festgenommen. — Er war auch der Schreiber der Briefe. Vor Gericht erklärte er auf die Frage des Vorsitzenden, wozu er das Geld haben wollte, folgendes: Er habe die Flugblätter bekommen, die gegen die Juden hetzten. Da habe er sich nach Schöneberg begeben, wo in der Wohnung des Herrn Josef Knauer Leute beisammen waren, die auf die Juden schimpften und sagten, es müßte gegen sie ein Blutbad angerichtet werden wie in Rußland. Ta habe er gedacht, es sei gestattet, gegen die Juden so vorzugeben, wie man wolle. Weiter sei gesagt worden, es müsie Geld eingezahlt werden, damit die Bewegung in Gang komme, und dadurch sei er veranlaßt worden, die Briefe zu schreiben, um Geld für die Bewegung zu erlangen. Auf Gerichtsbeschluß wurden die Flugblätter mit den Ueberschriften „Ende des Militarismus — Anfang der Judmherrschait" und „Tie Juden, Deutschlands' Vampire" verlesen. — Ter Verteidiger behauptete, daß darin geradezu aufaefordert werde, die jüdischen Mitbürger auszuplündern und totzufchlagen. In dem einen Flugblatt sei auf eine Leninsche Weissagung bezug genommen, wonach Juda überall ausgerottet werden würde. nachdem es die Hand nach der Krone ausgestreckt habe. Jetzt, so hieß es, hätten die Juden die Hand nach der Krone ausgestreckt und deshalb müßten sie ausgerottet werden. Von den vier Unterzeichnern der Flugblätter war nur der 20jährige Erich K a m r a d als Zeuae zur Stelle. Er bekundete, daß in nichtöffentlichen Zusammenkünften das Vorgehen gegen die Juden besprochen worden 'ei. Wer der Verfasser der FluabläJ'r sei, wisse er reicht: er selbst habe nur eins unterschrieben, weil es seiner Ansicht entsvrochen habe. Es sei nickt beabsichtigt gewesen, Pogrome nach russischem Muster nt veranstalten. Unter das Flrtgblatt. in dem zur Ausrottung der Juden a>ugefordert worden, sei sein Name zu Unrecht gekommen. Ter Verteidiger beantragte, außer den vier Unterzeichnern der Flugblätter auch Herrn v. Schrieben als den vermeintlichen intellektuellen Urbeber zu laden und den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lasten. Ter Angeklagte sei ein schwerer Hysteriker, der inwlge der durch solche blutrünstigen Reden und Flugblätter zu semen Taten beeinflußt worden sei. Der Gerichtshof beschloß die Vertagung. Zum neuen Termin sollen als Zeugen geladen werden: Joses Knauer (Schöneberg). Josef Pelzer (Temvelhof), Erich Kamrad (Friedenau) und Regierttngsbattmeister Koch (Sckönebergl. als die Unterzeichner der Flugblätter. Ferner soll der Angeklagte ans seinen Geisteszustand untersucht werden. z. Pcsen, 31. Januar. Ter Inhaber der Firma Petersdorfs, die in Königsberg, Posen und Breslau.große Konfektionshäuser unterhält, hat das Breslauer Unternehmen seinem Personal ^e'-ckenkt. Das gesamte Person,ol w-urde versammelt, und es wurde, ihm mitaeteilt, daß das große Kaufhaus in Breslau dem Personal übergeben wird, und zwar derart, daß ihm vom 1. Februar ab das Einlagekapital mit 6 Prozent verzinst wird. Alle etwaigen Verluste. die sich ergeben, werden von dem Geschäftsinhaber getragen. 10 Prozent des Reingewinnes fließen einem Fonds zu, der dazu Gutimmt ist. eine kleine Gartenstadt mit Einfamilienhäusern für die Angestellten zu errichten. Tie Anaestellteu. d-" bewohnen, erwerben nach 10 Jahren die Hälfte des Eigentumsrechles und nach 20 Jahren das ganze Haus. Der Geschäftsgewinn der Firma wirb in drei Teile geteilt. Ein Drittel erhalten die Herren der Geschäftsleitung, etwa 12 bis 15 Herren, und über die Art der Verteilung dieses ersten Drittels hat sich Herr Rudolf P e t e r s d 0 r f f die Entscheidung selbst Vorbehalten. Das zweite Drittel kommt dem gesamten kaufmännischen Personal zugu'te und über seine Verteilung entscheidet ein besonderer Angestelltenausschuß. Das letzte Drittel ist für das technische Personal reserviert, ferner für die Schneider. Schneiderinnen, Heimarbeiter der Firma usw. Hierüber entscheidet ein Arbeiterausschuß. Ein Jahresdrittel betrug nach dem bisherigen Geschäftsgang etwa 120 000 Mark. Außerdem hat sich der Inhaber entschlossen, sofort einen Betrag von 75 000 Mark an sein ettm 200köpfiges Personal zur Verteilung. zu bringen, und zwar in Einzelsummen von 150 bis 500 Mark. Der für die drei Kaufhäuser errichtete Jubiläumspenstonsfonds von 160 000 Mark mußte sein Posener Drittel sofort an das hiesige Personal zur Aiusschiüttunh bringen, da das Geld sonst.in die Hände der Polen gefallen war".. Herr Petersdorff zählt zu den angesehensten Mitgliedern -der hiesigen Jüdischen Gemeinde. W. Posen, 31. Januar. Im hiesigen Jüdischen Kranken- und Siechenhause sind nach dem Jahresbericht für 1917/18 610 (1916/17 598) Patienten ausgenommen worden. Die Zahl der gesamten Verpslegungstaae betrug 14 085 (17 226). Die Verpflegunastage verteilen sich' auf Kranke aus der Stadt Posen mit 6602 (9886), auf Kranke aus der Provinz Posen und dem übrigen Deutschland mit 6237 (6092), auf Kranke aus Rußland mit 1246 (1248). Von den behandelten Kranken waren 329 (334) Juden und 281 (164) Christen. Dem Siechenhause gehörten vier Frauen an, mit zusammen 1160 (1432) Verpflegungstagen. Insgesamt betrugen die Ausgaben 185 738,77 (175 077,88) Mark, die Einnahmen 154 673,75 (155 224,91) Mark, so daß aus Gemeindemitteln ein Zuschuß von 31 065,02 (19 852,97) Mark geleistet worden ist. D. N. Breslau, 31. Januar. Das I ü d i. s ch - t h e 0 l >0 g i s> ch e Seminar zu Breslau beging am 27. d. M. zum 65. Male die Gedächtnisfeier für seinen Stifter, den verewigten Kommerzienrat Jonas Fraenckel. Anläßlich dieser Feier sind die Herren DDr. Moritz Freier und Hugo Krakauer, nachdem sie die'theologischwissenschaftliche und tälmndifch-rabbinische Prüfung bestanden haben, als Rabbiner entlassen worden. Aus der Geschichte des Seminars im abgelaufenen Studieniahre ist noch folgendes hervorzuheben: Das Lehrerkollegium hat sich neu konstituiert. Das Amt des Seminarrabbiners ist Herrn Dr. S. H 0 r 0 v i tz übertragen worden. In das dadurch erledigte Amt ist vom Kuratorium auf Vorschlag des Lehrerkollegiums Herr Tr. Isaak Heinemann mr§ Frankfurt n. M. berufen worden, lieber seinen bisherigen Lebens- und Studiengang ist folgendes zu bemerken: Am 5. Juni 1876 in Frankfurt a. M. geboren, erlangte er Ostern 1893 das Reifezeugnis undstudierte in Straßbura, Göttingen und Berlin vorwiegend klassische Altertumswissenschaft: seine theologische Ausbildung erwarb er unter Anleitung seines Vaters, des Schulvorstehers Tr. Heinrich Heinemann, ehrenamtlichen Rabbinntbassessors der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M; auch hörte er Vorlesungen im Oberkursus des Berliner Rabbinerserninars. Nachdem er 1897 in Berlin die Doktorwürde erlangt und' die Oberlehrer Prüfung (im Lateinischen, Griechischen, Hebräischen, Deutschen und Geschichte) bestanden hatte, nahmen ihn zunächst unterrichtlicke und volksbildnerische Aufgaben fast ausschließlich in Anspruch; seit mehreren Jabren widmete er sich überdies der Erforschung der jüdisch-hellenistischen Literatur und verfaßte einen erheblichen Teil des zweiten und des lim Truck befindlichen) -dritten Bandes der „Schriften der jüdisch-helleniftischen Literatur in deutscher. Uebersetzung". Außer seiner Dissertation erschienen wissenfchaiftliche Arbeiten aus seiner Feder in „Hermes", Zeitschrift für klassische Philologie, der „Mou-atsschrist für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", der Berliner. Zeitschrift „Jeschurun" und „Judaica", Festschrift für Hermann Cohen. Herr Tr. Heinemann wird zu- Beginn -des nächsten! Sommersemesters feine Lehrtätigkeit beginnen. Die bisher außeretatmäßige Stelle des Herrn Dr. Lewkowitz tst tn eine ordentliche Lehrerstelle umgewandelt worden. Das Seminar zählt gegenwärtig 17 Hörer. Tie Konnnili tonen. die zu den Fahnen einberusen waren, kehren soeben zu ihren Studien zurück. — Als Gegenstand der Bewerbung um den David Rosinischen Preis ist das Thema gestellt worden: „Die christlichen Hebraisten Schlesiens um bk Wende des 18. Jahrhunderts." Jni abgelaufenen Jahre sind aus der Zahl der ehemaligen' Hörer der Anstalt in neue Aemter berufen worden: Herr Rabbiner Tr. Baerwalid, bisher Rabbinatsadjunkt in München, zum Landrabbiner in Kasiel und einige Monate später zum Rabbiner in München, Herr Rabbiner Dr. Freier zum Kreisrabbiner in Eschwege, Herr Prof,. Dr. Julius Guttmann w Breslau zum Dozenten an der Lehranstalt fü-r die Wissenschaft des Judentums in Berlin, Herr Bezirks- und Stadtrabbiner Dr. Kober in Wiesbaden zum Rabbiner in Köln a. Rh., Herr Rabbiner Dr. Paul Lazarus, bisher Rabbiner in Essen, zum Bezirks- und Stadt rabbi ne r in Wiesbaden und Herr Rabbiner Dr. Sali Levi, bisher stellvertretender Rabbiner in Breslau, zum Rabbiner in Mainz. Außer den aus dem Seminar hervorgegangenen

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