Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1919)
- Date
- 1919-02-07
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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k>2 - schmoren, buken Kuchen und strichen sich die Butter fingerdick auf das Brot, während wir mit Gemüse ohne Schmalz, mit Kartoffeln und übelriechender Margarine vorlr obnehm er: mußten . . . In die Schützengräben mochten die Juden nicht; da wäre ja ihr kost» - bares Leben in Getabr gekommen. Und es gab jüdrfcke Aerzte ^enng, die grundsätzlich nur Christen für k. v. erklärten. . . Darum dürfe kein deutscher Mann und keine deutsche Frau ihre Stimme den Kandidaten der Deutschen demokratischen Partei geben, . der Judenpartei, die mit jüdischem Kapital begründet ist und unter Leitung des Juden Theodor Wolfs vom „Berliner Tageblatt" steht! . . . Eine einzige Partei aber gibt es nur, welche diesen Aufbau auf nationaler Grundlage uns sichert, das ist die Deutschnationale Vokkspartei!" Wenn man diesen Schmutz als das bezeichnet, was er ist — und feilte deutschnationalen Urheber als das. was sie sind — stellen die Leute sich sehr empört. „Nach einem Wahlkampf, der von unserer Seite mit den anständigsten Mitteln geführt worden ist . . klagt die deutscknalkmale „Nordhauser Allgemeine Zeitung". Mit den anständigsten Mitteln . . . In einem vom Deutschnationalen Volks- Verein Berlin-Scköneberg verschickten Flugblatt wird gesagt, „jüdische Frechheit" wage es. ..deutsche Männer und Frauen zu beschimpfen ..." Die Deustchnatronale Volkspartei bat in sogenannten gebildeten Kreisen Versoneu gefunden, die ihre Namen für die Unterzeichnung dentschuationaler Wahlaufrufe hergaben. Wir Haben schon erwäkmt, daß unter einen: Prosestorenaufruf neben den üblichen Herren Roethe, Eduard Meyer und Seeberg die Mediziner Bier. Boehme, Czerny lBerlinh Torendorf, Gumprecht, Käthe, Körte, Kirchner, Lebarsch, Martens und Pastow standen. Auch ein „Aufruf von Angehörigen freier Berufe der Teutschuationalen Volksvartei" ist binausqeaanaen. Zu den Unterzeichnern aebörten: Viktor Blütbaen, Profestor Hans Bobrdt, Lovis Corintb, Engelbert Humperdinch, Dr. Stephan KekulS v. Stradonitz, Profestor Ernst Koerner. Lilli Lebnrann, Dr. Paul Mahn. Börries Freiherr v. Münchbausen. Prozessor Karl Röchling, Rrmestor Karl Saltzmann. Frida Schanz. Profestor Huao Voael, Hans Waßmann. Sehr zahlreiche anaebliche „Intellektuelle" haben ja während des Krieaes schon hinreichend oezeigt. daß sie in politische: Dingen ahnungslos find und — zumeist in dein Wunsche, ibre Namen gedruckt zu sehen — alles unterzeichnen, was ihnen voraeleat wird Aber die Naivität und das Bedürfnis, genannt zu werden, sind ans die Tauer keine Entschuldiauna, und wer den deutscknationalen Schmutz mit anaerührt hat, den sollte man doch nicht wieder davon reinwaschen! * Gegenüber solchen unberechtigten AnKagen ist es gilt, die Verteidigung der Juden zu suchen. Deshalb sei hier eine Rede mitgeteilt, die Herr Dr. I. Freund in einer Wahlversammlung der Deutschnationalen Volkspartei am 13. Januar gehalten hat: Meine verehrten Damen und Herren! Gestatten Sie mir, daß ich mit einem persönlichen Worte beginne. Ich war gestern in der großen Versammlung im Zirkus Busch folgend -einer Einladung, die an inich ergangen war. und nicht zuletzt verleitet durch das Programm, das nur Vorgelegen und das mich in vielen Punkten tief angezogen hat. Herr Traub, der erste Kandidat dieser Vereinigung, hat in dieser Versmnmlung in seiner Rede erg reisende Worte gefunden. Er sprach von der -Heimat der Seele uiifc von der Heimat des Glaubens, die man sich in diesen: Ekel der Politik erhalten solle. Meine Damen und Herren, aus dieser Heimat der Seele, aus dieser Heinrat des Glaubens komme ich zu Ihnen als ein Mann, der es rroch vor acht Tagen abaelehnt hätte, seinen First in die Politik h irrer nznsetzen; nicht ans Gleichgültigkeit und nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus tiefem Abscheu, vor der Nnwahrhaftigkeit und vor der Vergistmrg unserer öffentlichen Moral durch die Politik. Meine verehrterr Damen mrd Herren, ich fomme hierher nicht als Gegner, aber auch nicht als Lobredner, sondern als Memch, rmr ein wahres Wort der Menschlichkeit zu Ihnen zrr reden. Ich habe mich dazrr entschlossen und wenn ich von mir spreche, so bitte ich. daß Sie das nicht persönlich nehmen, sondern als die Tatsache, daß Hunderte und Tausende denken wie ich. und nicht die Schlechtesten in unserem Volke. Wir treten hinaus, weil die große Not der Gesamtheit niemanden mehr zu Hause, in der stillen Beschaulichkeit feiner Arbeitskammer duldet. Wir treten hinaus, weil wir durchdrungen sind von der Notwendigkeit gemeinsamer Arbeit an dem Aufbau unseres schwer daniederNegenden deutschen Vaterlandes. Meine Damen und Herren, nicht durch Haß und nicht durch gegenseitige Verbitterung werden wir den Weg zum Licht mrd in die Freiheit finden, sondern nur, wenn wir uns auf unsere Gemeinsamkeiten besinnen; nicht durch Vorwürfe, wer die Schuld der Vergangenheit trägt, sondern» durch den gemeinsamen Willen, di» schwere Last auf unsere Schultern zu nehmen und gemeinsam in die Höhe den dornenvollen Leidensweg zu ziehen. Meine Damen und Herren, da 'leitet uns ein Gedanke, den der Redner des heutitzen Abends hier vorgetragen hat. Er erinnerte uns an die Geschichte und an die Notwendigkeit, Lehren der Geschichte zu beherzigen. Der Zusammenbruch vor hundert Jahren hat dem deutschen Volke eine unverlierbare Lehre gegeben, und diese Lehre lautet: kein Volk ist verloren, das sich mcht selbst verloren glaubt (lebhaftes Bravo); kein Volk kann urrtergehen, das den Glauben an sich nicht verloren hat. (Stürmischer Beifall.) Meine Damen und Herren, weil heute vor hundert Jahren die Besten diesen Glauben nährten, weil sie die sittliche Kraft als den Kern der Wiedergeburt erkannten, haben sie das schmachvoll zusamnrengebrochene deutsche Volk wie den Phönix aus der Asche einer besseren Zukunft entgegengeführt. Diese Lehre der Vergangenheit, die uns aus tausend Seiten unserer Volksgeschichte entgegentönt, die wollen wiir beherzigen. Wir sind militärisch erdrückt worden, weil eine Welt von lieber macht uns geoenüberstand, vier Jahre lang: wir sind wirtschaftlich zusammenaebrochen, weil wir, von außen abaeschlossen, irn Innern Würmer an unseren Wurzeln nagen saberr. Wir werderr politisch wieder auserstehen, wir werden wirtschaftlich durch schwere Arbeit in die Höhe kommerr, wenn eine Voraussetzung uns nicht fehlt, und das ist die: wenn die Wurzeln der sittlichen Kraft, die das Ureigenste des deutschen Volkes immer gewesen, nicht gewaltsam von uns zerstört werden. (Allseitiges Bravo.) Meine Damen und Herren, deshalb werden Sie mi'r ein Wort nickt übelnehmen, das ich. niemand zu Liebe und niemand zu Leide. Ihnen ietzt sage. Wahren Sie unserem Volke d^fes tiefste Urheiliatum seiner Zukunst und seines Lebens, die sittliche Reinbeit unserer Atmosphäre, und darum lassen Sie das vergiftende Aneinandervorbeireden, lasten Sie die geflissentliche Verkennung eines politischen Gegners. lasten Sie alles aus dem Kanrpfe draußen, was die Leidenschaften aufpeitsckr und die Gemüter vergiftet. Ich danke dem einen Vorredner, der irn Namen seiner Partei eben gesprochen, dafür, daß er zum Ausdvrrck gebracht bat, daß die Partei! es ablehnt, zrr Hetzen und gegeneinander aufzupertscken. Ich bekenne es dankbar, daß ich in dieser Versammlung nickt gehört habe, was in zwei Versammlungen, die ich besucht habe, mich in die Öffentlichkeit getrieben. Das war die Urrwahrhastigkeit gegenüber dem Geaner. Meine Damen und Herren, bekämpfen Sie ieden sachlichen Widerstand, bekämpfen Sie eine Anschauung, die Sie nicht für richtig halten, lassen Sie aber draußen der: Unglrmps gegenüber dem Gegner. In der anderen Versammlung, da hörte ich, was hier heute ferngehalten wurde, wie ich anerkenne; da wurde gesagt: alle Schuld an denr Unglück tragen die Inden; die Juden, sie sind die Vertreter des Geldfncks. Alle Revolutionen sind von Juden gemacht worden. Meine Damen und Herren, werrn etwas Wahres an diesem Satze ist, so sind die Juden gewiß diejenigen, die das am tiefsten beklagerr, und ich spreche hier im Nauren der überwältigenden Mehrheit der deutschen Juden. (Vereinzelter Beifall und Händeklatschen.) Wir betrachten es als unseren Fluch, daß so viele Namen von Männern, die nicht zu uns gehören, uns an die Rockschöße geheftet werden. Wir haberr mit diesen Männern als Juden rrichts gemein: sie sind unsere Feinde mehr, wie sie Ihre Feinde sind: sie haben sich aus unserer Mitte herausgestohlen, und nur wollen sie nicht unter rrns haben: wir wollen aber arrch nicht, daß man uns immer und immer wieder diejenigen zum Vorwurf nracht, die von uns nichts wissen wollen und mit denen wir nichts zu tun haben wollen, weil eine Welt und ein Mgrrrnd uns von ihnen trennt. Meine Damen rmd Herren, in der anderer: Versammlung wurde auch gesprochen von den Jrrden und von ihrem Versagen in diesem Kriege. Tief verletzt haben wir, die wir im Hintergründe stehen, uns durch diesen Vorwurf gefühlt, der Jahre hindurch durch unser Volk getrieben worden ist. Stellen Sie an den Pranger jeden, der feiner Pflicht fehlt, wir alle stehen zu Ihnen! Lasten Sie aber das Unrecht, indem Sie beschuldigen, wer keine Beschuldigung verdient! 15 000 jüdische Männer haben das Eiserne Kreuz erhalten, 600 das Eiserne Kreuz erster Klaffe; 2000 Jrrden sind zu Offizieren befördert worden.