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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-02-07 · Heft 6 (7.2.1919) · p. Seite 51

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 6 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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. Au -diesem hübschen Flug!bla,Lt werden einige Ternokraten geschilderf:. „Theodor Wolfs,. 'der Agent Friainkreichs . . . ein freiwilliges Werkzeug No-rLhcli-Ms" (in- .der „Deutschen Tageszeitung," st«6,nd am gleichen Tage, 'der Genannte Ahütte es früher geliebt, sich ,>Tiheodore" Zu schreiben', was ihn: Mni.owie.n-ig bekannt -ist wie die etwas früher von ähnliche Seite behauptete Tatsache, -daßer mit einer Französin verheiratet sei). — „Bernhard DernbriTg, der Mann, «der unsere Kolonien dem Großkapital anslieferte. der Typus -des jüdiischen Grostbankiers, 38-sacher Aussichtsrat" (Dernburg hat nur Mer Aufstchts-ratstellen; .sein Vater, Friedrich Dernburg. der nalü-oualliberale Abgeordnete und verehrte Mitarbeiter des „Berliner Tageblatts", war als Kind mit seiner Familie zur lutherischen Kirche übergetreten; seine Mutter war die Tochter des Pfarrers Karl Stahl zu- Fräinkisch-Grumbach, aus einer alten - Pfa-rrersfamilie im. Spessart). — „Walter Rathenau, Liebbaberpolitiker. 36>facher Aufifichtsrat, früher Besitzer eines direkten T elepbona nfchlusses >m.i.t Wichelnr II." Dann h"iht es, die Deutsche deniokra-tiiche Partei wollte den ..Fortschritt über die Leichen des arbeitenden Volkes", -und weiterhin: „Wer sein Vaterland bewahren will vor der Mamnwnsknechtschaf-t. vor der Judenherrscka ft, vor der Jobber- und S'chieberwirtWait •— - - der wähle die Liste der Deutschnationalen Volks- Partei!" Ans einem Aufruf der Deutschnationalen Volkspartei, der in der „Angermünder Zeitung" vom 17. Januar eine ganze Seite ' bedeckte: „Soll das Volk nicht weiter von internationalen I u de n regiert werden sdenkt an Kriegswucher, Krieasaewiunser. denkt an. die Wehrlosmockniua von Heer und Flotte mit rn'ssi'chem Geldei. gebt eure Stimme keiner io ziatdemokra tUchen und d-emokrati>'chen Partei." Hier wird die Deutsche demokratische Partei mit den Sparta eisten zu'.am men geworfen, und es soll die Vorstellung erweckt werden, als hätte auch sie „mit russischem Gelde" Heer und Flotte auchrlos gemacht. In demfelben Aufruf wird unter anderem von der ,.den tWsei üblichen Partei" gesprochen. Es sti erwähnt, den die Stresemann'che Deutsche Volkspartei in Angernn'inde sich bestrebt bat, nicht hinter der deutschnationalen Agitation zurückzubleiben. >''w ihrem, gleichfalls eine Seite der „Angermünder Zeitung" füllenden Aufruf vom 18. Januar heißt es: „Die völlig verj.udete d emo trat i'che Partei will sich die Sozialdemokratie durch ihre Geairex'rdCiaft aegen , den bürgerlichen Block zum Freunde gewinnen." demselben Ausruf, aber kann man lesen: „Wir sind uns einer durchaus sachlichen und ehrlichen Kampfesweise bewußt." In der Tat! Durch besonderen Wohllaut der Sprache zeichnet sich midi ein von, Pen Breslauer Deutschnationalen verbreitetes Flugblatt .Deutsche Männer und Frauen!" aus. In einem Flugblatt der deutschnationalen in Parchim wird die Deutsche demokratische Partei „die Neklamegründung des. .Berliner Tageblatts' genannt und als „die Zufammenfasiung all der Kreise" bezeichnet, „die an der Vermorschung des Volkes vor und in dem Kriege mit Eifer und Erfolg gearbeitet haben". „Ihr innerster . Kern ist auf internationale Einflüsse, vor allem . des Kapitals. einaestellt." In Hannover Ispricht auch ein Aufruf 'der Deutschen Volkspartei — der Stresemann-Partei — von den Parteien 'der roten und goldenen 'Internationale." Herr Stresemann gegen „Goldenes" — das Schauspiel ist interessant. Aus einem nicht 'Unterzeichneten, in Berlin verbreiteten Flugblatt kleinen Formats: „Der Bolschewismus und der neueste Trumpf der Juden. Bolschewismus ist die neueste Fabrikmarke des Judaismus." AnS einem Flugblatt der Deutschnationalen Volks-Partei', Ortsgruppe Gütersloh: „Wohin wollt ihr euch wenden, ihr deutsch-evangolischon Christen? Etwa zu der Deutschen demokratischen Partei Theodor Wolffs und des „Berliner Tageblatts"? Die hervorragendsten Rufer der Demokratie sind wie bei der Sozialdemokratie Nichtchristen, Nichtdeutsche." In einem Aufruf der Deutschnationalen Volkspartei., Kreisgruppe Arns» walde, wird versichert, daß an der Spitze der Deutschen demokratischen Partei „jüdisches Großkapital als Bannerträger voranmarschiert". Der zur Deutschnationalen Partei schwörende „Bund der 48er, Gruppe Berlin" erklärte in einem Flugblatt: „Ein Idiot. Volksfeind oder Lump, wer einem Hebräer seine Stimme gibt!" Das „internationale Großkapital" wird auch in einem deutschnationalen Flugblatt mit der Ueberfchrift „Deutsche Jugend!" als Abgott der Demokraten, hingestellt, und die Jugend wird gemahnt: „Jung Siegfried erschlug den Drachen-." Ein von der Stresemannschon Deutschen Volkspartei' «und der Deutschnationalen- Volkspartei in Bochum gemeinsam unterzeichnetes Flugblatt besagt, die Deutsche demokratilche Partei bekenne sich „zu einem politifcher Schiebertum uvdeutfchen Gepräges". Auch vom „Geist des Berliner Tageblattes" wnb seines Chefredakteurs wird sehr unfreundlich -in diesem Flugblatt gesprochen', in dem Herr Stresemann von „Politischem Schiebertu>m" nichts wissenwill. Ineinem, von der „Ober-M-ogauer Zeitung" veröffentlichten- Aufruf -der Deutschnationalen Volks-Partei in Ober-Glog-au w-erden -d-i-e -deu'tschen Dem-okraten ganz ähnlich als „gewissenlose Schieber und Mamnronisten" bezeichnet. Die „Wahl- Zeitung der Deutschnationalen- Volkspartei für Scha-uinburg-LiPpe" erklärt am 16. Januar, 90 Prozent aller deutschen Zeitungen seien jüdisch, und das Deutschtum« fei ihnen „rafsenfr-emd". Mit klei-nen Ziffern geben sich -die Deutschnationalen nicht ab. Ein in Berlin verbreitetes Flugblatt trägt an der Spitze d-ie verheißungsvollen Worte: „Die Wahrheit heraus!" Tann folgt, in großen- Lettern, die ungeniein unrichtige Behauptung: „Rund 10 Millionen Mark haben die Juden, für die Deutsche demokratische Partei aufgebracht. Aus der Revolution erhebt sich zum Schluß als allmächtiger Herrscher das jüdische Kapital." Ein illustriertes, „Die T-outschnationale Volkspartei" unterzeichnetes Flugblatt zählt durcheinander Liebknecht, Rosa Luxemburg, Ledebour und einige Demokraten, darunter 'den Chefredakteur des berliner Tageblatts", auf und erklärt, daß fie alle, einer wie der andere — „weder deutsch noch preußisch, sondern nur international empfinden". In einem anderen, ebenso Unterzeichneten Flugblatt wird dem Publikum erzählt: „Führer der Deutschdemokraten sagen, sie stünden zu 98 Prozent ans dorn Boden der Sozialdemokratie." Die Parole sei: „Hier international — hier national!" Ein Flugblatt mit der Aufschrift: „An das deutsche Volk!" enthält die Fragen: „Wer sind die reklamierten Kriegsgewinner? Juden. Wer schreibt fast alle Zeitungen? Juden. Wer laßt Eure Frauen, Cure Töchter, Eure Schwestern für einen Hungerlohn in der Konfettionsbranche arbeiten? Juden. Wer bewohnt die großen Wohnungen und Villen in Berlin W? Juden. . . ." Nach diesen und ähnlichen Fragen, die tief lirttet dem Niveau vessen stehen, was jemals die Spartacus-Agitation an Aufhetzung geleistet hat, heißt es u. a. weiter: „Die Juden schonen ihre Finger, sie wollen nur Geld an sich raffen, handeln und schachern . . . Die Juden haben das deutsche Heer, das deutsche Volk urtb unser deutsches Vaterland an den Feind verraten. Tie von Juden gegründeten und geleiteten Parteien sind: Die Deutsche demokratische Parte:, die sozialdemokratischen Parteien einschließlich Spartacus." In einem Flugblatt auf blauem Papier wird zu der Tatsache, daß die Deutsche demokratische Partei gegen die Kirchenpolitik des Herrn Adolf Hoffinann Stellung genommen hat, bemerkt: „Seit wann läuten .^Kirchenglocken" in der Synagoge?" Ein deutschnationales Flugblatt, zu dem grünes Papier, verwendet wurde, bietet sogenannte Karikaturen: Zuerst „Bildnisse" von Persönlichkeiten aus der Sozialdemokratie und der Deutschen demokratischen Partei, die gemeinsam als „Kohn-Sorten" bezeichnet werden. Darunter ein frommer Eremit für die Christliche Volkspartei, Bennigsen für die Deutsche Volkspartei und Hindenburg für die Deutsch-nationale Volkspartei. Die Gesichter der wirklichen deutschvolksparteilichen und deutschnationalen Führer zu zeigen, hat man sich nicht getraut. Ein besonders glanzvolles Flugblatt ist dasjenige, das die Ueberschrfft trägt: „Die Juden — Deutschland Vampire." Nur einige Sätze daraus: „72 Milliarden sind während des Weltkrieges aus den Händen der Christen in die der Juden übergegangen. . . . Den Vorteil von: Weltkrieg haben einzig und allein die Juden! Haben wir darum unsere Söhne und Brüder, unsere Männer und Verlobten hingegeben. . . . And haben die Juden etwa die Lasten des Weltkrieges mit uns getragen? Nein! Von Beginn des Krieges an hatten sie die Lebensmittelversorgung in der Hand, sorgten für ihre Küche und . für ihren Tisch, ließen die Braten in ihrer Pfanne

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