Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1919)
- Date
- 1919-01-31
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 red; unter Dem Einfluß Der Araber oder Der Chaluka-Organisativn unb sind an Nichtstun gewöhnt. Es bietet sich ihnen auch keine Erwerbsmöglichkeit außer Dem Bezalel und den vom Frauenvorbande eingerichteten Spitzenschulen. Man müßte die Frauen zuerst einmal organisieren und dann Dafür Sorge tragen, daß sie ihre Kinder sämtlich in die Kindergärten und in die hebräische Schule schicken, nicht, wie es bisher ist, daß die Kinder häufig heimlich und sogar aegen Den Willen Der Eltern die Schule besuchen. Von Jugend auf müßten sie gegen ihren ärgsten Feind, Die englische Mission, so gewappnet sem, daß er ohne Furcht täglich erwartet werden kann. Man sollte den Frauen verständlich machen, daß sie wie der Mann die FälHgkeit besitzen, sieb selbständia m ernähren: dadurch steigert man leicht und sicher die Arbeitsfreudigkeit. In schönen und frendomachenden Ansfübrunaen stellte nun Frau Stndienrat Ealvary die Entstehung der Spitzenschulo in Sased dar. Sie berichtete, wie zuerst eine Prüfung Der Augen stattfand, damit das böse Trachom nicht in die Schule geschleppt werde: wie die Arbeiterinnen anfänglich durcheinander sprachen, die einen spaniolisch, die anderen jiddisch, wieder .andere arabisch, bis einheitlicher hebräischer Unterricht erteilt wurde und so eine allmähliche Verständigungsmöglichkeit geschaffen wurde. Die Fürsorge der Leiterin erstreckte sich aber auch auf das körperliche Wobl der Arbeiterinnen, jede wurde Mitglied der zu diesem Zweck geschaffenen Krankenkasse. Während des Tages wurden Turnübungen gemacht, und die bis dabin nie gewagten Spaziergänge außerhalb der Stadt, die man am Abend unternahm, erhöhten die Lust an der Arbeit des folgenden Tages. Mit allem diesen gewann man ein anscha-uli-ch.es Bild ren dem- Betriebe Der Spitzeuschule in Sased: daß die anderen ähnlich ansgebaut und geleitet werden, ist bekannt. — Dann sprach Herr Dr. Elias A u e r b a ch, der Leiter des Jüdischen Krankenhauses in Haifa. Er dankte dem Verbände für die erwiesene Hilfe und gestand, daß es ihm lediglich nur durch sie gelungen war, seinerzeit das Krankenhaus zu errichten. Er bat um recht zahlreiche Beteiligung der Frauen an der Arbeit in sanitären Dingen und gab seinen Wünschen dahingehend Ausdruck, für Schwestern, insbesondere Haus schm esi-ern. zu fernen, Denn erst durch sie könnte das le-idor so stark verbreitete Trachom erfolgreich bekämpft und gleichzeitig eine Verminderung der Säuglingssterblichkeit erzeugt werden. Im Anschluß an die drei Referate wurde ein dahin gemachter Vorschlag, einen Arbeitsausschuß zu bilden, einstimmig angenommen. Der Arbeitsausschuß hat die Aufgabe, ein Arbeitsprogramm zu entwerfen für die künftige Palästinatätigkeit des Verbandes. Weiterhin wurde beschlossen, die drei Vortragenden zu bitten, ihre lehrreichen und interessanten Schilderungen zu wiederholen, damit weitere Kreise darauf aufmerksam gemacht werden und recht riele jüdische Frauen und Mädchen mithelfen an der segensreichen Arbeit des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. J. N. Halle a. S., 24. Januar. Ein Opfer der Revolution wurde der 14jähriae Obertertianer Albert Pfifferling, Sohn d-es Herrn Adolf Pfifferling, hierwlbft. Am Sonntag, den 12. Januar, fand eine Kundgebung für die Regierung Ebert-Sche:dein an n auf dem hiesigen. Riebeckvlatze statt, und bei dem darauf einwtzenden wilden Schießen traf den unglücklichen Knaben die tödliche Kugel. Die Beerdigung gestaltete sich zu einem ergreifenden Trauerakt. Eine außerordentlich starke Tranerversammlung gab dem unschuldigen O-vfer auf seinem letzten irdischen Gange das Geleit. Auch ein Kommando von etwa 20 Matrosen war zur Stelle, deren Führer ein prachtvolles Blumenarrangement, Palme mit Schleife, am Grabe niederlegte. Sämtliche Mitschüler mit ihren Lehrern, an deren Spitze der Herr Gymnasialdirektor mit Gattin, nahmen an der Trauerfeier teil. Nach einem einleitenden Trauergesang des Herrn Kantor N e u m a n n sprach Herr Rabbiner Dr. Kahlberg in tief zu Herzen gehender Weise, wobei er sich jeder Anklage gegen die Täter enthielt. Während der Sarg ins Grab gesenkt wurde, flogen zwei Flieger iu langsamem Flüge über den Friedhof, der während der Feier unter militärischer Bewachung stand. er. Dresden, 24. Januar. Z n d e r l etzte n Stadtverordnet c ii v c r f mnmlun g na hin der O b er b ür germ eiste r von Dresden Stellung zu der vom Stadtverordneten Lehmanngerügten antisemitischen Tendenz des amtlichen „Dresdener Anzeigers". Er bestritt das Vorhandensein einer anti-semitischen Tendenz. Tie vorliegenden Beschwerden über zwei -antisemitische Artikel in dieser Zeitung haben den Chefredakteur des „Dresdener Anzeigers" zu der Erklärung veranlaßt, daß ihm jede antifemi-tifche Tendenz durchaus fernliege. Was den Artikel anbetrifft, den Herr Stadtverordneter Justizrat Lehmann zitierte, so handelte es sich unr einen. Bericht-, den ein angesehenes Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates dem Anzeiger übermittelte, und der so, wie er -gegeben worden ist, übernommen wurde. , Der zweite Fall betrifft einen Bericht über eine Versammlung der Teutfchnationalen Volkspartei. Es läßt sich darüber streiten, ob es richtig ist, derartige Aeußerungen abzudrucken, oder ob inan nicht besser tut, sie im Interesse des konfessionellen Friedens zu unterdrücken. Ter Oberbürgermeister versicherte, auch im Namen des zweiten Bürgermeisters, daß es beiden Herren dringend erwünscht sei, wenn Aeußerungen unterbleiben, die etwa als Befolgung einer antisemitischen Tendenz gedeutet werden könnten. Mit dieser Erklärung wurde die Debatte geschlossen./ Düsseldorf, 24. Januar. D i e hiesige Ortsgruppe des Zentral Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt eine große Versammlung ab, in der nach einem Vortrage des Herrn Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund) folgende Entschließung angenommen wurde: „Wir erheben - Protest gegen die frevelhaften Versuche, die Not unseres Vaterlandes und die bedrohlichen Wirren der Zeit zu einer neuen Judenhetze auszubeuten. Die gegen die Juden erhobenen Beschuldigungen weist sie als unbegründete Verleumdungen zurück. Wir sind uns bewußt, unsere Pflicht gegen unser deutsches Vaterland im Kriege sowohl im Felde als auch daheim in nicht geringerem Maße als unsere andersgläubigen Volksgenossen erfüllt zu haben. Für Verfehlungen einzelner darf die Gesamtheit nicht verantwortlich gemacht werden. Die Gemeinschaft mit Juden, die dem jüdischen und deutschen Namen Unehre machen, lehnen wir ab. An unsere Glaubensgenossen richten wir die ernste und dringende Mahnung, sich stets bewußt zu bleiben, daß Unverstand und böser Wille immer wieder der ganzen jüdischen Gemeinschaft zur Last legen, was ein einzelner verbrochen hat. Zu unseren christlichen Mitbürgern haben wir das Vertrauen, daß sie allen antisemitischen Bestrebungen entschiedenen Widerstand entgegensetzen werden. Wir alle sinddas Vaterland!" — Duisburg, 24. Januar. D t e beut f ch e n I u d e n i m Weltkrieg behandelte Rabbiner Dr. Lange aus Esten in einem Vorträge im Verein der jüdische n. I u g en d. Das Thema des Abends: „Juden. Weltkrieg und Revolution", hatte ein großes Publikum zu fam mengeführt. In einer historischen Einleitung gab Tr. Lange ein Bild der Leiden der Juden in Deutschland bis zum Jahre 1812, wo die Gleichberechtigung der Juden in Preußen ausgesprochen wurde. Mit großer Entschiedenheit wandte er sich gegen die antisemitischen Vorwürfe gegen die Haltung der Juden im Kriege. Es sei unsinnig zu behaupten, die Juden hätten den Krieg aus kapitalistischen Gründen begonnen und aus entgegengesetzten, nämlich bolschewistischen Gründen beendet. Redner sprach bemerkenswerte Worte über den Bolschewismus undüber die Revolution und betonte im Zusammenhänge hiermit, daß das Judentum sich gegen jede passive Solidarität auflehne. Den Vorwurf: der Drückebergerei widerlegte Dr. Lange mit genauen Zahlen. Man könnte in Deutschland eine halbe Million Juden rechnen; davon seien 100 000 eingezogen gewesen, mithin jeder fünfte Mann, von der übrigen Bevölkerung jeder sechste Mann. Die Juden hätten ihre Pflicht doppelt unddreifach getan. Als weitere Verdienste jüdischer Mitbürger bezeichnete der Redner noch das Wirken Ballins, Walter R a t h e n a u § und anderer. Die weiteren Ausführungen des Redners fanden Ansdruck in folgender, nach lebhafter Aussprache angenommener Entschließung: „Die im großen Börienfaale zu Duisburg stattgehabtc öffentliche Versammlung aus allen Schichten und Parteien der Bevölkerung weist die von reaktionärer Seite ausgestreuten antisemitischen Behauptungen mit Entschiedenheit zurück und erblickt in ihnenden unlauteren Versuch, die wahren Schuldigen am Zusammenbruch dem Zorn des deutschen Volkes zu entziehen. Sie fordert -im neuen- Deutschland die rückhaltlose Verwirklichung der politischen und religiösen Gleichstellung für alle Schichten des deutschen Volkes ohne Ansehen der Parteistellung und Konfession. er. Köln, 24. Januar. Um das Wahlrecht für die S y n a g o. g e n g e in e i n d e wird hier weitergekämpft. Die gegenwärtige Berliner Regierung hatte auf den Einspruch einer Anzahl Gemeindemitglieder die Vornahme der für Ende Dezember an-