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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-01-24 · Heft 4 (24.1.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 4 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 in denen die Verblichene im Vorstand tätig war, hatten sich eingefunden, u. a. der Verband norddeutscher Frauenvereine, dessen Ehrenvorsitzende Julie ELchholz war, der Hamburger Haussrauenverein, der Rechtsschuhverein sür Frauen, der Verein für Arbeitsnachweise usw. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr. Leimdörfer, der ein getreues Lebensbild der Verblichenen entwarf, die für ihre hilfsbedürftigen Schwestern eine unermüdliche Vorkämpferin war. Ihre Persönlichkeit wird unvergessen sein, und ihr Werk bleibt auch über das Grab hinaus bestehen. Unter Orgelklängen sank der Sara hierauf in die Tiefe, um die irdischen. Ueberreste dem Flammentode zu übergeben. er. Düsseldorf, 17. Januar. Eine S y n a gagen fe i e x für di e h e i m g e k e hr te n Krieger fand vor kurzem in der hiesigen Svnaaoae statt. Im An Must an den Sabbatoottesdienst hielt Rabbiner Dr. E f e l b a ch e r die Feftvredigt. Er gedarbte zuerst mit ergreifenden Worten der Gefallenen der Gemeinde, deren Zabl 80 übersteiat, tröstete die Wtwen. Waiden und Mütter und gedachte der noch in der Gefanaenfchaf-t Weilenden, die er bald wieder inmitten der Gemeinde bearnßen zu können hoffte. Darauf wandte er sich an die glücklich Heimaekebrten und biek sie mit beglichen Worten vollkommen - er fvrach ihnen den tiefsten Dank der Gemeinde sür ihre treue Pskickckerfüllnna aegenüber dem Vaterlande ans. Besonderen Dank sollte «'r den Verwundeten und Verstümmelten. den Wunsch aus^'vreckend, dasi sie recht bald aebeilt werden oder mik ^üanna ihr Schicksal ertragen möchten. 3mn Schlüsse ermahnte der Vrediaer alle, auch in den neuen Verhältnisfen dem Vaterlande ibre Dienste zu widmen und nicht zu hadern, wenn die komm enden Zeiten n icht mehr das leichte Leben bri ngen sollten wie dte veraanaenen. Die Han^vG^rbe wäre doch, dasi sie m^o^r deni Familienleben, das ihne^ Trost für allotz Verlorene brinaen würde, zurückaeeeben teten. Mit einer Ermahnnna an d?e .^uaend. sich dte tapfere" Krieaer als Beiiviel dienen i\\ lasien. sckkoü die Anivrache. welche besonders auf die Heim^ekebrten.. von den.«»n v^le mtt de'" Eisernen Kreu^ ae^ckmückt waren, den tiefsten E'ndenck ^nachte. Eboraefana nrnrab'"te die eindrnckLvolle ^ier. Hörde i. 9^.. 17. Jg-nuar. Gin sk e st a n t t e s'd t e n st zu Ehren der gefallenen u n b der b e i m a e k e b r t e n Kriege r fand am 6. d. M. inder biesiom Svinaai"a.e statt. d"r in feinein aian^ien' Aittb.au einen lebr erbebe'"b7'n. Verlauif nabin?>n bi^m, ftch d'i«» Mitalileid"'' der Jüdiiifch-^n G.ein^i,nide nechj^?.ablre''ch eina,tzf>nnidien batten. Der Alt^rra-uimdes Gattesba.u^fes "ronüo im Schmuck der inunerarünen Lorbeerbäume, und au der Brnsiuna binnen die Tafeln mit den Namen nnd kurzen DatenbmweUen der fürs Vateick""d aefalleneu und aestarbeneu KrieasteUnehmer. umrahmt """t schlichten Lanbkranz der Vlutbuckie. Einaeleitet wurde die erbebende J^eier nun d^-in unter der Leitung des städtischen Kavelln'.^iist^rs Herrn Cbr. Klönuel stebe-ndien Svaaiaoi^enchar iutt dem L^'ed^ ..Hoch tut euch auf. ibr Tore der Welt", dem sieb ein zweites ..Gott arüsie dich" gnreibte. Anknüvfend an die Etnaanasworte dieses Liedes hielt sodann Herr Rrediaer Rosentbal die Festpredigt, in der er die Heimgekebrten bewillkommnete, der Gefallenen nnd Gefanaenen in ergreifenden Worten gedachte und einen Rückblick auf die schwere Zeit des Krieges im allgemeinen und ans die Nöte und Entbehrungen ”nb ans die Gefahren für Leben und Gesundheit der Kriegsteilnehmer im besonderen warf. Mit einigen Worten svrach er von dem. was gewesen und was jetzt, nachdem der Krieg zu Ende gegangen und für uns verloren ist, noch werden wird, bervorbebend. dasi auch die indischen Staatsbürger, wie sie ihre Pflicht für die Verteidigung unseres Vaterlandes restlos getan und mit Begeisterung erfüllt haben, nun ebenfalls aewillt sind, für den Wiederaufbau der Heimat alles zu tun. getreu dem Worte „Bete nnd arbeite für das Land, in das ich euch geführt habe. und daH a,u.ch euer Vaterland ist". denn landsdienst ist Gottesdienst. Rach der erareifenden Feftvredigt sang der Chor noch „Der Du vom Himmel bist", worauf der Prediger die Namen der Gefallenen und der Knensteiilnehmer aus der Jüdmfchen Gemeinde Hörde zur Verlesung brachte: danach haben 7 Mitglieder den Heldentod erlitten und im ganzen standen 76 oder 43 Prozent der Gemeinde im Heeresdienst nnd davon die weitaus größte Zahl an der Front. Mit Gebet und Segen fand die erhebende Feier unter den Orgelklängen „Me sie so sanft ruhen, alle die Seligen" ihren Abschluß. M. L. Rahden, 17. Januar. Am 4. d. M. beging unser Lehrer Herr Max Rhein das Fest seiner sünfundzwanzigjährigen Ortstütigkeit. Der durch sein Wissen und seine hervorragenden Amtsleistungen weit bekannte, wackere Mann hatte selbstlos auf eine größere JubiiiläumAfeier verzichtet. Tie Gemeinde hatte aber die rechte Art getroffen, ihrem verdienstvollen, allgemein beliebten Beamten die Zeichen ihrer Dankbarkeit und Hochschätzung zu offenbaren. In dem von Kinderhänden mit Grün geschmückten Gotteshause wurde des Jubilars in seinem Sinne in schlichten Worten vom Nachbarkollegen Lazarus (Lübbecke) gedacht. Der Gefeierte dankte an heiliger Stätte der ganzen Gemeinde für alle Liebe und Ehrung und bekundete unter Hinweis auf den Text seiner Einweihungspredigt vor 25 Jahren, Jeremia MG, daß es nicht sein Wissen und Können, sondern Gottes Wort gewesen, welches er seither Schule und.Gemeinde als Bekehrung!, Tröstung, nnd Rat h.ab>e angedeiihen lassen.— Im Hanse des Herrn Rhein hatte sich der Vorstand in eoipore nnd der Vorsitzende ibe§‘ N>eprä>s!enlianten>kollegi-u.m,s einaefnüden-, nnd a-lis ihr Dolmetsch überreichte Herr Dr. Oppenheim, sichtlich gerührt, in sinnigen Worten eine kunstvoll gearbeitete Adresse, Pabei hervorhebend, daß die Gemeinde durch die Ehrung ihres Beamten sich selbst ehre. Letzteres erhärten besonders eine anfchnl'iche Ehrengabe und dir Erhöhung. dies KzEtu-sgehiakts. Lehrer L a z a r u s über brachte die Glückwünsche des Vereins israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens, benachbarter Kollegen und der Spezialkonferenz Westfalen- Nord itrtb überreichte für letztere ein Bild von Schwind. Die Schüler übergaben hübsche Schreibtischutensilien. Der Jubilar dankte für alle Ehrungen in herzlichen, meisterlichen Worten. Es bleibt noch zu erwähnen, daß die vor 10 Jahren geschehene Umwandlung der jüdischen Privatschule in Rahden in eine öffentliche Schule vornehmlich das Werk des Jubilars ist. SHum- L2 Bern, im Januar. Eine ergreifende Gedenkfeier für die Opfer der Pogrome in Galizien und besonders in Lemberg fand hier im Kasino statt.- hex sonst Festlichkeiten dienende Bürgerratssaal war schwarz drapiert, und es griff ans Herz, als die Studentenverbindung „Kadimah" mit der schwarz umflorten Fahne das Podium betrat. Man hatte mit Absicht oirrj'tiaif't eines Protestes eine Gebenkreier or> wählt, um den Polen jede Handhabe zu nehmen, wiederum zu behaupten, es handle sich hier um deutsche Propaganda gegen Polen. Tie Beteiligung war vorwiegend christlich und der Saal war noch vor der festgesetzten Zeit bis auf den letzten Platz gefüllt. Schriftsteller Berthold Feiwel betonte in seiner Gedenkrede, daß er nur klagen, aber nicht anklagen wolle, aber diese Klage erhebt sich zu einer furchtbaren Anklage gegen Polen, welches das Morgenrot seinem Freiheit zu Pogromen mißbraucht, die selbst die allrussischen Pogrome stark in Schatten stellen. Der politische Charakter der Pogrome liegt in dem Umstande, daß Polen Ostgalizien nur dann an sich reißen könne, wenn es die Juden einfach sür sich nützühlen kann. Hierauf bestieg der älteste Pfarrer von Bern das Vodiüm. Pfarrer Dr. R h s e r , der auch der Präsident der Schweizer Kirchenspnode ist, warf zuerst die Frage auf, was er als Pfarrer der christlich-reformierten Kirche bei einer Gedenkfeier für jüdische Märtyrer zu tun habe? Und seine Antwort war: „Man müßte einen Stein nnd nicht ein Herz im Leibe tragen, lvenn man da die Stimme der Entrüstung nicht erheben sollte. Er protestiere im Namen des Christentums gegen die Grausamkeiten, die in Galizien und ganz besonders in Lemberg vorgekommen sind. Fromme, ehrwürdige Juden, die sich schuhsuchend ins Gotteshaus flüchteten, bei der Thora Zuflucht suchten, wurden mitsamt den Thorarollen und dem Gotteshause verbrannt. Es hätte da gar keinen Zweck, dazu zu schweigen und sich hinter dem Deckmantel der Neutralität zu verbergen, denn hier handelt es sich nicht um Ländereien, sondern um Menschen wie wir. Glauben etwa die Christen den Juden grollen zu dürfen, weil sie vor zweitausend Jahren unseren Heiland haben kreuzigen lassen? Biel edler sei es aber, ihnen zu danken, daß sie uns den Heiland geschenkt haben." — Der Münsterpfarrer, Professor Dr. H a d o r n , sprach im Namen der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Bern. Er erklärte, das gesamte Christentum, nicht nur das reformierte, müsse sich gegen die polnischen Greueltaten erheben. Er erhofft in Palästina eine Zufluchtsstätte für die bedrängten Juden und erwartet, daß Jerusalem für die Jriden das werde, was Rom für das Christentum ist. — Zuletzt sprach Prebiigier I. Messing.er von der Jüdischen Gemeinde Bern. Er führte aus, daß ursprünglich diese Gedenkfeier im Gotteshause geplant gewesen sei, im Laufe des Abends habe sich aber dieser Saal

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