Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1919)
- Date
- 1919-01-24
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Zeitungsreferate, welche verschiedentlich in .unserem Verein ge- I balten wurden, utid an die sich regelmäßig eine ergiebige Aussprache I anschloß. Vor allem wurde an zweien dieser Diskufsionsabende über Assimilation lebhaft diskutiert. Außer an diesen Veranstaltungen beteiligten sich unsere Mitglieder in größerer Anzahl an den Vorträgen des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur sowie an dun großen Vorträge in dem Zentralverein, welchen Herr Geheimrat Fuchs hielt. Wir hatten die Ehre, im Anschluß an diesen Vor- *vaa Herrn Geheimrat Fuchs in unseren Räumen begrüßen zu dürfen und einige Wochen später Herrn Justizrat Sonnenfeld (Berlin) gelegentlich seines Aufenthaltes am Ostseestrande. Mit dem einzigen in der Provinz zurzeit tätigen Schwesternverein in Allenste in unterhalten wir äußerst angenehme Beziehungen: es sind verschiedentlich von uns Redner und Vertreter unseres Vereins zu den Veranstaltungen nach Allenstein hinübergefahreu. und im Sommer vorigen Jahres haben wir einen gemeinsamen Ausflug mit den Alleinsteinern nach Mehlsack unternommen, der sehr harmonisch verlief. Für das kommende Vereinsjahr, zu dessen Beginn wir mit großer Freude bereits eine erhebliche Anzahl aus dem Felde zurückgekehrter Freunde begrüßen, lmben wir umfassende Vorbereitungen getroffen. Der Vorstand, welcber in der Generalvcrsannnlung vom 28. Oktober vorigen Jahres gewählt ist. und dem die Mehrzahl der altbewährten Kräfte anael'ürt. hat es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem den inneren Betrieb i-'i Heun durch Einrichtung weiterer Sondergruvpen auszubauen und für eine großzügige Propaganda nach außen hin Sorge zu tragen. W. Posen. 17. Januar. Herr Moritz Aschheim beging in Zoller kör Versucher und aeistiaer irische 'leinen 80. Geburtstag, aus "welchem Anlaß e->ue allgemeine Reglnckwün^ckuna seitens' der Stadt ^attkand. Zuerst erschien der Vorstand der Poßmer Kreditbank. Stvr scha-n vorher ein n^ckt volles Vnan^ n vv,nilberreiben ^eß. Herr Aschheim ist sein älteste^ Anfsicktsratsnntalied. H'rr Mar l? b r e n w e r t b vn"rr>-mte die Verdienste des Herrn Aschbeim "nr gen Verem Anscke-Cbesled. für den der Jubcknr ^0 Jabre lang ^ets jn selbstlosester Hingabe eingetreten sei. Herr Stadtrat Schlever brachte namens de^ Israelitischen Armenhilssvereintz herzliche Glückwünsche dar. Der Vorsitzende der städtischen Armenkommission V, Herr Rechtsanwalt Dr. H a a s e, schloß?üch mit warmen Worten den Glückwünschen an. Er erwäbnto. daß der alte iunae Herr ein Mann fei. der Nieder Wind noch Wetter icheir.t, um das übernonilineue An^t aetrenlich ^ns- 'nführen. Sodann erarisf Herr Fabrikdirektor Leiser. als Vorstand des Laßschen Sachen- und Altenheims. das Wort. Mit Großer Beredjanckeit ließ er d-n-s Werken und Streben, die gilfov fern de Liebe des .^errn Afckheirn in seinem 45iähriaoir Walten als Vorstandsmitglied d"r Anstalt erkennen, wie er bestreb^ war. ans kleinen Anfängen das Hans mit vergrößern zu Hessen, *io 'daß °-§ beute 70 Ja tasten zählt, nnd w ie er hol st u n d wünsebt. da ß es Herrn Aschheim auch noch vergönnt sein werde, einen Erweiterungsbau des Hauses m erleben. Ein gut ausaesührtes Blld der Anstalt wurde dem Jubilar vom Vorstände verehrt. An-ch die Insassen der An stakt batten es sich n ickst nahmen lasten , la-er .L-ieb^ und Verehrung Ai: sd ruck m geben. Ein wundervolles Ged'ckt, das eine der Insassen selbst verfaßt, wurde als Liebesgabe überreicht. Werner überbrackste Herr Gemeinderabbiner Dr. Frei mann Glückwünsche, anknüiv'send an das Sckneistwort, daß schon 70 Jgh-re ein besonderes Gnadengeschenk sind, nun erst, da Herr Asckheim sein 80. Lebensjahr beaehen kann. G-ottes Güte -ihm besonders beiaestanden bat. Sein Wunsch gebe dabin, daß dem Gefeierten noch viele Jahre i-n unbegrenzter Kraft de schieden sein möaeit. Jn überaus bewegten Worten dünkte der Jubilar allen Erschienenen, nickt wie ein Mann von 80 Jahren, sondern wie ein in dem besten Alter des Lebens Stehender. Neben den Vertretern der Stadtkommune erschien noch eine große Anzahl anderer Glückwünschender. 'I. V. Breslau, 17. Januar. Das vor etwa 75 Jahren mit 800 000 Mark und dem Grundstück in der Wallstraße von dem hochherzigen Kommerzienrat Jonas F r a e n k e l gestiftete ulte, angesehene Rabbiners,eminar konnte mit den Zinserträgen dieses Kapitals seinen Aufträgen nicht mehr gerecht werden. Die ungemein verteuerte Lebenshaltung erfordert eine Aufbesserung der geringfügigen Dozenitentgehäilter; die kostbare Bibliothek., die Seminarsynagoge und die Dozentenwohnungen bedürfen baulicher Erweiterungen. Um eine durchgreifende Hilfe herbeizuführen, traten vor einigen die Herren Kommerzienrat Sternberg, Lippmann Bloch und Justizrat Hirschberg zusammen und vereinigten sich mit den Herren Max Aschner, Geh. Justizrat Goldfeld, Professor ©uttmann, Dr. Paul Schottlaender und anderen einflußreichen Herren, die eine so erfolgreiche Werbetätigkeit aufnah.men, daß allein von Breslauer Gemeindemitgliedern etwa eine'Viertelmillion. Mark an Spenden aufgebracht wurde. Vorstand und' Riepräfentanteniversa-mmiluing der Synagogiengenrei'Uide bewilligten 100 000 Mark; das Kuratorium der Fraenckelscken Stiftungen führte dem Seminarfonds ebenfalls 100 000 Mark zu, so daß gegenwärtig bereits 450 000 Mark zusammengeflossen sind, wodurch eine dauernde Sanierung der finanziellen Grundlage des Rabbinerseminars gesichert ist. Eine große Anzahl auswärtiger Gemeinden, besonders solche, deren Gemeinderabbiner dem hiesigen Seminar entstammen, hat sich bereit erklärt, Sammlungen zu veranstalten, sobald die politischen Verhältnisse dies gestatten. Alle an diesem Hilfswerk beteiligten Herren, besonders die edlen Spender, dürfen mit erhebender Genugtuung auf dieses erfolgreiche Hilfswerk blicken. er. Kolbevg, 17. Januar. Das Jüdische K u r h o s p i t a l hatte im vergangenen Jahre während der Monate Juni bis Oktober seinen Betrieb geöffnet. Unter den Patienten des Kurhofpitals überwogen auch int vorigen Jahre wieder die Angehörigen von Kriegsteilnehmern, auch zahlreiche Verwundete wurden ausgenommen. Von 1158 Bewerbern um Aufnahme in das Kurhospital konnten 424 ausgenommen werden, darunter 290 Kinder. In Freistellen wurden 255 ganz mittellose, in Zahlstellen 169 Patienten aus wirtschaftsschwachen Dolkskreisen verpflegt; die letzteren zahlten je nach den gegebenen Verhältnissen einen kleineren oder größeren Teil der Selbstkosten der Anstalt. Die Krankheitsformen, die bei den Patienten beobachtet wurden, waren dieselben wie in früheren Jahren. Der Gesundheiitszustand war im allgemeinen befriedigend, nur zeitweise wurde er durch die allgemein herrschende Grippe gestört, doch Verliesen die einzelnen. Fälle günstig. Obschon gerade diejenigen Lebensmittel, welche für die Behandlung der einer Sol- und Seebadekur bedürftigen Patienten sonst unentbehrlich erschienen, noch knapper als in den vorigen Kriegsjahren von den Lebensniittelbie'hörden rationiert wurden, so darf dennoch mit Befriedigung festgestellt werden, daß überaus günstige Heilerfolge erzielt wurden, die hinter denen der Friedensjahre kaum zurückstehen, indem 158 Patienten als „geheilt", 262 als „gebessert" oder als „erheblich gebessert" und nur 4 als „nngeheilt" entlassen werden konnten. Insgesamt waren 15 12 9 Verpflegungstage zu zählen. Die Einnahmen der Anstalt beliefen sich auf 110 398 Mark, die Ausgaben auf rund 62 000 Mark. Tie Anstalt unterstand wieder der bewährten Leitung des Herrn Sanitätsrats Dr. Heinrich sdorff, die Pflege lag in den Händen der Krankenschwestern, welche zum Teil von der Großloge U. O. B. B. delegiert worden waren. M. Hamburg,. 17. Januar. Frau Julie Eichholz, eine in der Frauenbewegung Deutschlands weit über Hamburg hinaus bekannte Persönlichkeit, ist im 67. Lebensjahre einen: Schlaganfall erlegen. Mehr als vier Jahrzehnte war die Verblichene erfüllt von unermüdlicher getreuer Arbeit im Dienste der Allgemeinheit. Helfen, fördern, beraten und ausgleichen waren die Ziele ihres Lebens, für die sie sich mit der ganzen Tatkraft ihrer Person einsetzte. Der Hamburger Haussrauenverein hat der Verblichenen außerordentlich viel zu danken. Mit ihrem rastlosen Wirken im Hamburger Hausfrauenverein hat Julie Eichholz es vermocht, in dem Verhältnis der Hausfrauen und ihrer Hausangestellten gesunde Zustände zu schassen. Der Haussrauenverein bahnte die Fortbildungskurse für die weiblichen Hausangestellten an, sorgte aber auch für das seelische Wohl der Jugend durch Vorträge, Aberrdnuterhaltungen usw. Während des Krieges stellte sich der Verein in den Dienst der Kriegsarbeit. — Der weiter von ihr begründete Verein „Rechtsschutz" verfolgt tu erster Linie den Zweck, der: hilflosen Frauen durch, Aufklärung und Beratung den Weg zu - weisen, der ihnen Recht verschaffen soll. Mit großer Warnte trat Julie Eichholz für die Adoptierung der Kriegswaisen ein. — Die Einäscherung der Verstorbenen fand unter großer Beteiligung weiter Kreise statt. Viele Abordnungen von Frauenvereinen,