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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-01-24 · Heft 4 (24.1.1919) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 4 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 24. [Januar 1919 SS. Jahrgang. Nr. 4 Der Oemetndeüote. Vrtlsgr zur „Allgemelnrn Letruns deK ZudratiimK". Sorrespandl-n-rn und Sschrichtm. Skutlchlsnd. L. U. Bevlin, 22. Januar. Das Krankenhaus der I ü d-iil\\ che n G «e m ein,b e ha-t iinti vergiainigen-e-n Geschäftsjahre dem Gorneindesäckel eine Gesamtausgabe von 7 7 9 0 8 3 Mark veriurisaicht und da!m>i>t den -auf 550 000 Mark festgesetzten Eitat um na-heizu mm Mier-tÄMlillion! Mark überschritten!. Die GiefiamtieininiahmM betrugen 686 000 Mark, der Gemm.n!d^.u'schutz 214 000 Mark. Die Mch.rikost.en en-tstanden i-n der Hauptsache auf dem Konto „Beköstigung", das fast eine Viertelmillion Mark mehr erforderte, Für Löhne wurden 50 000 Mark, für Apotheke, Bandagen,, Instrumente 65 000 Mark 'gu,sojegeben>; die Arzthonorare beliefen sich auf 53 000 Mark. Der Krieg bat eine Reihe großer Schwierigkeiten verursacht. Von den Aerzten waren zehn zum Heeresdienst einaezoaen, die Beschaffung von Lebensmitteln und Bedarfsartikeln bereitete die größten Schwierigkeiten; die durch die Eingebung der Aerzte entstandenen Lücken wurden durch ausländische Mediziner ausgefüllt, die sich mit voller Hingabe ihrem Berufe widmeten. Besonders stark wurde die Erschwerung der Ernährungsverhältnisse in der Inneren Abteilung emvfunden. Hier war die Nachträge nach Retten stets eine große, besonders steigend auf dem Gebiete der Tuberkulose. In der Ghnäkologischen und Geburtshilflichen Mteilung wurden 263 Vatienten ausgenommen, doch mußten aus Platzmangel viele Fälle abgewiefen und anderen Krankenhäusern übergeben werden. Vatienten, für die Röntgen- oder Radiumbehandluna nötig war. konnten nicht ausgenommen werden, weil es an den geeigneten Einrichtungen fehlte. In der Geburtshilflichen Abteilung wurden. 231 Entbi.ndn'naen-aeoen 14 8 im Voriabre v.oria>e.N'0.m.MOn: ein deutliches Reichen für die Beliebtheit. Wirksamkeit und Notwendigkeit dieser Abteilung. Die soziale Fürsorge dip Vatienten des Gemeindekrankenhauses wurde im letzten Gefchäktsiabre der Anstalt wesentlich erweitert und ausaebaut. Es sind bereits befriedigende Erfolae erreicht worden, und die Verwaltung ist bestrebt, die soziale ^ürsorgetätigkeit auch auf die ..Polikliniken" auszubelmen. um dadurch noch mehr Hilfesuchenden beistebeu *it können. Die Gesamtzahl der Berufleaunastaae der Kranken belief sich auk 75 827. darunter kür die Militärverwaltung für die im Krankenhauke verpflegten Offiziere und Mannschaften 13 876 Taae. Für Rechnuna von Krankenkassen wurden 31234 Patienten behandelt. 15 227 Kranke der drittem Klla-ste bezahlten ihre Kurkosten g'u-s eiiaeuen Mitteln. Zebu Prozent aller Kranken wurden unentgeltlich behandelt und verpflegt. Die durchschnittliche Belegung des Hauses betrug 208 Patienten, die Dauer der Behandlung durchschnittlich 30 Taae. Die reinen Verpflegungskosten betraaen 3.92 Mark gegen 3.25 Mark im Vorjahre vro Kovk und Tag. Mit Rücksicht auf die Teuerung mußten die Verpflegungssätze entsprechend dem Vorgehen der städtischen Krankenhäuser in Groß-Berlin erhöbt werden. Das Vermögen des Krankenhauses beträgt 2 806 048 Mark, der Bermöaensbestand hat sich gegen das Vorjahr um 47 836 Mark vermehrt. Der bisherige stellvertretende Direktor der Chirurgischen Abteilung. Geheimer Sanitätsrat Professor Dr. K a r e w s k i, wurde zum Direktor dieser Abteilung gewählt, ftür den Ausbau des Krankenhauses durch Angliederung eines Röntgeninstituts und den Ausbau anderer notwendiger Einrichtungen haben die Gemeindebehörden wiederum erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt. Berlin, 22. Januar. Einen interessanten Bei trag zur' Frage der Gei ftes kr an khei ten bei den Juden liefert Professor Dr. Moritz Benedikt in einer Studie, die in der Berliner Monatsschrift „Nord und Süd" erschienen ist. Ums Jahr 1901 brach in den Elendsquartieren an der Themse eine Endemie von Geistesstörung, besonders Paralyse, unter den dort ansässigen Tausenden von Schneidern, die sich aus Rußland geflüchtet hatten, aus. Dabei War der Prozentsatz der Frauen auffallend größer, als er sonst bei der Paralyse ist. Was die englischen Aerzte frappierte, war, daß Lues und Alkoholismus als Ursache fortfielen. Professor Dr. Benedikt hat nun durch die Beobachtung seiner ostjüdischen, meist strenggläubigen Patienten die Sicherheit gewonnen, daß die allgemeine Annahme von Lues als die gewöhnliche Ursache der Paralyse zum Teile irrig ist. In diesen Kreisen ist Lues sowie Alkoholismus äußerst selten. Eine sehr wesentliche Ursache ist dagegen in der psychischen Depression zu suchen, unter der die jüdischen Einwanderer aus Osteuropa standen. Aus diesen Elementen rekrutierten sich die Tausende von Emigranten in London — meist arme Schneider —. bei denen die Qualen der Verfolgung, die Fremdheit der neuen Heimat und die elende materielle Eristenz die Endemie der Geistesstörung hervorrief. In der Ursachenerkenntnis (Aetioloaie) spielt also der volitische Vorgang die erste Rolle. Die vielen Katastrophen in der Geschichte der Juden haben den Keim zu schweren Neurosen gelegt und deren Ausbruch gezeitigt. Daß Elend und Mißhandlung eine katastrophal gesteigerte Ausbreitung der Geistesstörung Hervorrufen können-, zeigt drastisch die Londoner Episode. Auch die Erschwerung des sozialen Existenzkampfes gerade bei geistig vollontwickelten Teilen der Juden in toleranten Ländern hat viel zur Erhöhung der Anzahl Geisteskranker beigetragen. P. Königsberg i. Pr., 17..Januar. Mit der Eröffnung unseres Jugendheims, über dessen Einweihung in dieser Leitung seinerzeit berichtet wurde, ist das Leben in unserem Verein in ein ganz neues Stadium getreten. Beschränkte sich früher der Betrieb in unserem Verein hauptsächlich auf Vorträae im Winter und auf Ausflüge und Wanderungen im Sommer, während außerhalb der Veranstaltunaen tue Mitglieder in keinerlei Kühlung miteinander standen, so ist nunmehr allen unseren Mitgliedern und freunden Gelegenheit geboten, die Räume unseres Vereins täalich auszusuchen, sich in die in großer Anzahl daselbst auslieaendeu Leitungen zu vertiefen. Schach zu spiele" und zu musizieren. Dies wurde besonders anoenehm von den Soldaten emvknnden. welche nach Königsberg einaewaen waren und hier keinen Anlwno batten. Ganz -abgesehen von den oben erwähnten Vorzügen sind wir infolge des Vorhandenseins nni'eres Jugendheims m die Laae versetzt worden, außer den regelmäßigen Vorträaen Svezial^irkel einzurichten. die sich eines sehr outen Besuches erfreuen. So haben trnv vor allem zwei Zirkel unter der Leitung der Herren Dr. Lazar und Perlmann eingerichtet, in welchen die Teilnehmer über die aktuellen Probleme des Judentums unterrichtet werden und bei welchen sie Gelegenheit haben, sich in der freien Aussprache üben. Ferner ba>hen wir eine" literarischen Zirkel gegründet. in welchem unter der Leitung der Damen B e h r e n d und S t r i e m e r verschiedene Dichtungen gewesen werden, welche einen gewisten Zusammenhang mit dem Judentum haben. Außerdem besteht noch ein musikalischer Zirkel unter der Leitung von Fräulein L i ch t e n st e i n , welcher ebenfalls recht scköne Ersolge nun uw eisen bat. Die beiden zuletzt erwähnten Zirkel haben bei den Feiern und den Freitagabenden unseres Vereins zur Verschönerung der Veranstaltungen erheblich bei getragen. Was die einzelnen Vorträae und Veranstaltunaen betrifft, so seien folgende besonders erwähnt. Es sprachen: 1. Herr Gerhard Birnbaum über „Anteil der Juden -an der deutschen Kunst der Gegenwart". 2. Herr Universitätsprofesfor Dr. Löh r über „Ter Vrovhet Jes'gia-s". 3. Herr Erich Alterthum. über „Konfe'sstonelle Miliitärstatistik". 4. Herr Referendar Wechselmann über „Die politischen Parteien und die deutschen Juden". 5. Herr Referendar Dr. L az a r über „Berufsberatung". 6. Herr .stud! jur. K ö n i g s b e r g e r über „Zur Judenfrage". 7. Fräulein Käthe Lichten stein über „Die jüdische Frau". 8. Herr Dr. Fritz Laser (Berlin) über „Die jüdische Bewegung in Berlin". Dieser zuletzt erwähnte Vortrag unseres früheren Vorstandsmitgliedes, das seit seiner Uebersiedelung nach Berlin tatkräftigen Anteil an den Bestrebungen des Zentralvereins und des Verbandes der jüdischen Jnaendvereine DepttMands nimmt, brachte ums beso-niders wertvolle Ausschlüsse über die augenblickliche Lage in Berlin, was wir um so freudiger begrüßen, als wir zu der Ueberzeuauna.gekommensind, daß die Mitglieder Anspruch darauf haben, in größerem Umfange als bisher über aktuelle Fragen unterrichtet zu werden. Diesem Zwecke dieuen auch die

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