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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-01-17 · Heft 2-3 (17.1.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 2-3 (17.1.1919)
Date
1919-01-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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f —- 2 Händel hiebt Rabbiner Dr. B. Kel der mann den Vortrag über „Hermann Cohen als Erzieher": Seine von tiefer Verehrung . Cohens getragenen Ausfüh'rungen zeigten uns' Cohen zunächst als den Nachfolger und Verteidiger Kants. Durch den Materialismus schien Kants Lebenswerk in Frage gestellt: Hermann Cohen ist nun der Wiederentdecker des deutschen Idealismus', den er zu begründen wußte: er war Meister auf allen Gebieten, aut denen er den Materialismus bekämpfen wollte. — In längerer Ausführung wies nun der Vortragende aus die Veränderung hin. die die Konischen Begriffe von Zeit und Raum durch Cohen erfahren haben: wie sie zu reinen Denkae-bilden geworden sind, die den Willen sich frei entfalten lasten. Es ist ibm gelungen, die Ethik zu begründen. indem er auf die Rechtsniissens.ch.aft hinweist, deren Grundlage fjp ist. Mer Hermann Cohen ist auch vorbildlich für die philosophische Bearünd-una der Kunst, w-ie seine ..Aestb-etik" zeigt. Für ibn find die Einheit des Kulturbewußtseins. der Persünli^le-it. des Willens und des Herzens iuditche Begriffe: seine ..Ethik" ist ein Triumvbaesana aus den vrovbetischen Idealismus. Crsten bat die jüdische Religion nicht als etwas Ueberliesertes daraestellt. sondern als die Religion der Vernunft: er hat die Grundbegriffe d^s Judentums genau geprüft und viele mit neuem Inhalte erfüllt. Dar Vortragende zeigte dies an dem Begriffe der ..Offenbarung", die ihm die Berührung der gewaltigen idealen mit der individuellen Vernunft iss. sowie an den Begriffen der .Unsterblichkeit" und des ..Verdienstes der Väter", diie beide den Manschen zum Wirken und Schaffen von Kulturwerken veranlassen sollen. Das Iudentuin ist Erziehung zur L"benseinb,eit. zur L^bensbeiastuna, zum höchsten und reinsten Idealismus, und Cohen, fein Verkünder. ist unser Erzieher dazu. — N-ochtnaliger Gesa na und der Vartraa der ..Romanze" aus dem Violinkonzert von Wi-eni-awsky durch Herrn Mar Rosenthal vom Deutschen Overnbaus zu Charlottenbura beschlossen die würdige Feier. — In einer früheren Si-tzv^a referierte Fi'an A u a \\ ft e Rosenthal - Ru dwi a über ,.Betrachtungen scher den Iuaendaottesdienst". Aus Grund von Erfahrungen. d^k> sie h^im Voß'che Irgendaettetzdchnsie gemacht hat. die Rest re n Cu s>.nf eine Reibe von Mißbräuchen bin und stellte Forderungen für ihre Abhilfe auf. Um den schwachen Besuch des Jugend« ggtteSdi'0nsik>8 am Sahvaingchniittaa?n buchen, emusgbl sie d-^e I^stdes Gottesdienstes aus einen bestimmten Sabbat im Monat, die Anwesenheit der in Betracht kommenden Lehrkräfte und vor allem dst Schastnna eines IngendaebetstucheZ. das die Gebeiordnungjen b"rr die hasten Igiertgge. Sabbahnachmttt'aae und Freitagabende enthalten lall, und das die Kinder ständig in Händen haben. Was den ^naendgottesvienst a^ den hoben Fcüers^aen betrifft, s-o wiederholte d^e Referentin die alte Forderung nach Einrichtung gesonderter Gottesdienste für die alteren Schüler: sie wünscht eine Beausstchtiauna durch den Kindern bekannte Lebrkezst-> und wies vor allem aus die Mänael den Rläteverteiluna bin. Auch pei-mitstlst sie den Vorschlag, am Kolnidre einen Iirgendaottesdstnst.einzurichten- — alles Forderungen, d^e. wie d"r Vor fistende bnmerk^. a'nb von der Diriaentenkonfer^nz bereits erhoben worden sind. Die Aussprache ergab folgende Meinungen: Die Behandlung der Gebetbücherage soll verschoben werden, da eine Aenderuna der Gebetordnunoeu in Aussicht steht. Um einen Gottesdienst auch für die reifere Jugend zu schaffen, wird vo-raeschlagen, wenigstens in zwei nah«' zuf-ammenlieaenden Sälen die Kinder nach Altersstufen zu trennen. Dia Beaufsichtigung durch Lehrer wird nicht möglich sein: wenn an den Feieriaaeu Lehrkräfte überhaupt frei seien, sollten sie auch Bor st che r sein. Es sollte 'der Versuch gemacht werden, den Eintritt ohne Karten zu gestatten, oder es rollten Karten entsprechend der Zahl der Plaste ausgegeben werden. Der Kolnidre- Gottesd-ienst könnte versuchsweise einaeführ-t werden. Zur weiteren Besvrechung wurde ein Ausschuß gebildet, dessen Beratungen zurzeit noch nicht abgeschlossen sind. '£<•> Berlin. 14. Januar. Die gelegentlich des Delegiertentaaes der deutschen Zionisten in Berlin abgehaltene Konferenz der Delegierten des ..Misrachi" beschloß auf Antrag des Herrn Sanitätsrat Dr. Franck (Altona), die Leitung der Föderation „Misrachi" nach Berlin zu verlegen. Vorbehaltlich der Zustimmung der nichtanwesenden Mitglieder des Zentralkomitees wurden folgende Herren ins Zentralbureau gewählt: Hermann Struck, Vorsitzender; Sanitätsrat Dr. Franck (Altona): Bibliothekar Dr. Hermann Pick: Direktor Willi David: Rechtsanwalt Dr. Aron Barth. Die Konferenz nahm in einer Reihe eingehender Sitzungen zu den Fragen der Organisation, der Palästmaarbeit, zu den Kulturfragen und zuw Jüdischen Kongreß' Stellung. Zuschriften' sind vorläufig zurichten an Hermann Struck, Berlin NW 23, Brückenallee 33. — Löbau (Westpreußen), 10. Januar.' 'Hier veranstaltete der Deutsche demokratische Verein eine Versammlung, in der Abgeordneter Schmiljan den Hauptvortrag hielt. In der Debatte leisteten sich zwei Erzieher' unserer Jugend, der Studienassessor Weinig vom Gymnasium und der Gymnasiallehrer Quentin, das Kraftstück, aus antisemitischen Hetz- und Schmähschriften Stücke vorzulesen und so eine Judenhetze zu veranstalten. An verschiedenen Stellen des Saales waren Seminaristen Postiert, die bei dem Sticbwort dieser beiden Redner den nötigen Lärm lieferten, der zeitweise zu den stärksten Tumulten führte. So werden Judenpogrome inszeniert. Ausgerechnet fühlten sich akademisch vorgebildete Lehrkräfte dazu berufen, einen solchen geistigen Tiefstand, wie er nicht zu übertreffen ist, in die Aussprache'hineinzutragen. Landtagsabgeordneter Schmiljan kennzeichnete unter allgemeinem Beifall der übergroßen Mehrheit die Minderwertigkeit des Vorgehens der beiden Genannten, die auch nickt einen selbständigen Gedanken ausgesprocken hatten, und bedauerte die Jugend, die diesen beiden Lehrern ousgeliesert sei. 9*0fett. 13. Januar. Die Nachrichten über di>e Unruhen i n Bosen, die von einzelnen Berliner Blättern als Pogrome bezeichnet wurden'. basten fick erfreulicherweise als stark übertrieben her-ausgestellt. Allerdings ist eine feindselige Stimmung c;eoen die Indien unter einem großen Teil «der polnischen Bev-ölkerinun nn-ver kennbar. Die leitenden: volu-ilchen Kreist haben' jedoch dst teste Zuversicht geoiesten. daß alles versucht werden wird, um AuiLstrüche der jirden'se'in'dlichim^ Gesinnung ihrer Volksgenossen zu. verhüten. Leider basten d-ie Unruhen schon einindisches Opfer ge-' fordert. Einige belvassnete Soldaten warenunter dem alten: Borwund. daß aus den Fenstern geschossen worden sei, in die Wohnung des Herrn Math ras einaedrunaen, um dort nach Waffen zu suchen. Ein. Soldat hatte hierbei- Wertgegenstände -geraubt. Herr Mathias. der gerade -aus der Siuagoae gekommen war, wandte sich an die vor seinem- Hause stehenden Posten undbeschwerte sich in begreiflicher Erreaun.a über den Raust. Als Antwort wu-ride er von ein-em volni'schen Soldat-en nii'e!dergefchossen. Er war aus >der Stelle tot. Die Beerdiaunades Ovsers der polnischen- Willkür fand unter ^usterordentlich-er Beteiligung aus -dem hiesigen' Gemeind^frivdhose sta:tt. E , U. ftambur*, 3 Januar. tRePräsentantenversammlung dev D-eutschl-Israebitischen' Gemeinde.) Bor Eintritt die Ta.gesordmvng wurde das Andenkendes verstorbenen Mitgliedes Ad. Kimme l sti e l, der seit 1910 dem Kollegium angehörte, in der üblichen Weise von der Versammlung geehrt. Die Aussetzung der Ersatzwahl bis nach dem Iriedensschluß wird einstimmig genehmigt. — Die Satzungen der Hinterbliebenenfürforae werden nach einer kurzen Begründung durch den Kommissar des Gemeindevorstandes einstimmig auaeaommen. Nach diesen Satzungen ist es die Aufgabe der Hinterbliebenennirioree, im v ■'rfifien S nne für die in Hamburg lebenden jüdischen Hint>crbliebenen der infolge einer Krieasdienstbeschgdiauna Verstorbenen zu sorgen, und zwar in Gemeinschaft mit den übrioeu dem gleichen. Zweck dienenden öffentlichen Organisationen, insbesondere dem Landesausschuß für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen. Die Abrechnung der Gemeinde für 1917 wird nach dem Bericht der Prüfungskommission genehmigt. — Sodann folgt die Beratung des Voranschlages des Haushaltungsvlans für das I-abr 1919. linier den Einnahmen figurieren an erster Stelle der Posten „Steuern" mit 240 000 Mark rmd die Fri-edhofsaärtnerei mit 10 000 Mark. Unter den Ausgaben steht an erster Stelle das Armen- und Wohlsabrtswefen, und zwar das Armenwesen mit 85 000 Mark und das Siechenbeim mit 14 000 Mark. Bei dem letzteren weisen die Herren Prof. Dr. K o r a ch und Dr. Lanzkron auf die dringende Notwendigkeit eines Erweiterungsbaues für die Anstalt hin. Weiter werden im Wostlfabrtswesen als Beihilfen für das Paulinenstift und andere aemeinnütziae JnstituLionen 13 770 Mark eingestellt, so -daß das Armen- und Wohlsahrtswesen ein^ Gesamtausaabe von 112 770 Mark erfordert. Bei den Ausgaben für -das Schulwesen entfallen auf die Israelitische Töchterschule allein 74 600 Mark, während die Talmud- Dbo-ra-Realsch-ule eine Beihilfe von 25 000 Mark erhält. Für die Kriegsstatistik der Hamburger Juden werden 2000 Mark eingestellt. Der in Einnahmen und Ausgaben mit 356 819 Mark bei einem Fehch-etrage von 54 113 Mark balancierende Voranschlag wird alsdann genehmigt und der Gemeindevorstand ermächtigt, die Steuern für

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